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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 35
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 34

»Glauben« vom weltlichen Standpunkt aus betrachtet

1 Spricht Robert: »Freund! wahrhaftig wahr, du machst mich ganz perplex oder mit anderen Worten gesagt, ganz dumm! Hör' einmal, wenn das nicht Glauben heißt, was ich für den Glauben halte, da kannst du mir gleich den Kopf vom Rumpfe reißen, und ich werd' es dir dennoch nicht zu definieren imstande sein, was man denn so ganz eigentümlich für den Wahrglauben halten solle?

2 Das reine Wissen kann doch kein Glauben sein, das Schauen und Vernehmen, und gar das Betasten noch weniger!? Außer dem Wissen und außer dem truglosen Wahrnehmen durch unsere Sinneswerkzeuge kenne ich aber wahrlich nichts, das der Mensch in sein Erkenntnisvermögen und Beurteilungsvermögen aufnehmen könnte; und so das Wissen und das Schauen, Hören, Schmecken und Fühlen Glauben heißt, was ist denn hernach das, was ich bisher Glauben nannte? –

3 Glauben heißt bei mir ein für alle Male etwas für wahr halten, das an sich auch wahr sein kann, so es nicht mit den Gesetzen der reinen Vernunft im Widerspruche steht, wenn die Lehrsätze auch nicht wie ein mathematischer Grundsatz bewiesen werden können; können sie aber einmal also mathematisch erwiesen werden, so hat es dann ja auch notwendig mit dem Glauben ein Ende, so wie die Hoffnung, die eine Tochter des Glaubens ist, eben da ihr erwünschtes Ende erreichen muß, so man das Erhoffte endlich einmal in aller Wirklichkeit erreichet hat!?

4 Ich kann mir unter Glauben demnach nichts anderes vorstellen, als eine willige Annahme von Lehrsätzen und geschichtlichen Daten auf so lange, bis sie für den menschlichen Verstand erwiesen werden können; sollte jedoch das nicht Glauben heißen, da möchte ich doch wissen, was sonst noch Glauben heißen solle!

5 Du hast wohl zu Deinen Jüngern ein paar Male von der Wunderkraft des Glaubens gesprochen, weißt, wo Du vom Berge versetzen etwas sagtest, das sie aber wahrscheinlich auch um kein Haar besser verstanden haben als ich!? Du müßtest alsonach nur diesen fabelhaften Glauben meinen? Da freilich wäre mein Glaube alles eher, denn ein Glaube; denn vor meinem Glauben wäre nicht einmal ein kleinstes Sandkörnchen, geschweige ein Berg gewichen!

6 Ja, hör' einmal, Freundchen! wenn ich solch eines Glaubens irgendwo auf der Erde hätte teilhaftig werden können, da wäre es dem guten Alfred ganz verzweiflt schlecht ergangen! No, den hätte ich doch ganz kurios versetzt! Aber, wo bin ich, – und wo solch ein Glaube? Ach Herr jeh, bloß mit dem Glauben Berge versetzen können? Das ist ein sehr großer und schöner Gedanke! Aber leider nur bloß ein großer, herrlicher Gedanke!

7 Den Lehrsatz von Paulus über das alles prüfen, und daraus nur das Beste annehmen, habe ich wohl auch allezeit mir zu meinem Leitsatz gewählet, so wie die große Idee Gott ähnlich zu werden, wenn schon unmöglich je so vollkommen, wie Er Selbst es ist, war die mächtigste Triebfeder zu allen meinen Mühen, aber was habe ich dadurch erreicht?! Mein diesmaliger Zustand gibt Dir von selbst die Antwort auf diese Frage!

8 Auch Du scheinst eben auch noch keine Sonne unter Deinen Füßen zu haben; – ich meine da, und sage: Dein Wunderglaube hat weder Dir, noch mir, bisher irgend goldene Berge getragen! Aber wer weiß es, was da noch nachkommen kann?! –

Am 25. Januar 1849

9 So ich es nun z.B. ganz willig ohne alle Widerrede annehme, daß Du der Sohn des lebendigen Gottes bist, oder gar ausschließlich das höchste Wesen Selbst, vorausgesetzt, daß Du solch eine Annahme von mir verlangest, so glaube ich, daß Du entweder Filius Dei oder das Lumen supremum Selbst seist; denn ich kann mir keinen Beweis verschaffen, daß Du das auch wirklich bist, was ich von Dir glaube, und so glaube ich es denn bloß nur, und das darum, weil meine geläuterte Vernunft darinnen wenigstens keine logische Unmöglichkeit findet, und das hauptsächlich durch Deine triftigsten Erläuterungen, durch die ich recht helle einsehen lernte, daß die Gottheit noch ganz unbeirrt in allem Ihrem allmächtigen Tun und Lassen, als die wirkliche Gottheit verbleiben kann, wenn Sie auch Ihren Geschöpfen gegenüber die beschauliche geschöpfliche Form annimmt. Aber wenn ich etwa mit der Weile denn doch tastbare Beweise bekäme, daß Du wirklich das bist, was ich nun bloß nur glaube, so hört denn ja doch der Glaube auf, ein Glaube zu sein, und an seine Stelle tritt dann ein helles Erfahrungswissen? –

10 Freilich wohl könntest Du nun sagen: Siehe, alle wahrhaft Gläubigen beugen ihre Knie bei der Nennung Meines Namens und beten Mich an; so du aber sagst, daß du glaubest, daß Ich die Gottheit Selbst bin, warum tust du denn nicht, was da tun alle wahrhaft Gläubigen?

11 Dieser Einwurf ist allerdings sehr beachtenswert, und es ist etwas daran; aber ich halte diese der Gottheit geziemenden Ehrfuchtsbezeugungen für eine Art Verstandesschwäche; denn was dem Verstande mangelt, das ersetzt dann die gewisse fanatische Glaubensbegründung; wer aber sich in irgend einem Glauben eher begründen läßt, bevor er durch tatsächliche Beweise von der Wahrheit dessen, was er blind glaubt, hatte überführt werden können, der ist – wenigsten in meinen Augen – ein Narr!

12 Und Du, so Du auch wirklich die Gottheit Selbst wärest, müßtest das doch auch für etwas ganz ähnliches ansehen, ansonst Du eine ehrsüchtige und somit überaus schwache Gottheit wärest, die eher auszulachen, als anzubeten wäre! – Aber ich weiß, daß Dich solche Schwächen nicht plagen und nie geplagt haben, ob Du schon Gott oder auch nicht Gott sein solltest! Daher liege ich auch noch nicht auf meinen Knien vor Dir! Denn, ich weiß es nur zu gut, daß Dich ein solcher Aktus menschlicher Verstandesschwäche von mir aus begangen nur ärgern müßte.

13 Daher täte ich so was auch sogar dann nicht, so ich auch die Überzeugung bekäme, daß Du wirklich Gott seiest! Denn so ich es durchaus nicht annehmen kann, daß eine allerweiseste Gottheit anbetungssüchtig sein könnte, da eine solche Frommkriecherei schon sogar mir, als einem nur ein wenig über die gewöhnliche Stupidität der Menschen hinausgerückten Denker, als absurd und im hohen Grade dumm vorkommen müßte, so sie mir erwiesen würde, wie solle so was die weiseste Gottheit annehmen können!?

14 Ich halte eine gewissenhafte Haltung der Gesetze Gottes für die rechte und der Gottheit allein wohlgefällige Anbetung; denn das verlangt die ewig unabänderliche Ordnung der Gottheit selbst, ohne die kein Wesen denkbar wäre; aber alles, was darüber hinausgehet, gehört in das Reich des blindesten Heidentums, und ist somit auch die wahrhaftigste Narrheit!

15 Ich habe Deine Lehre besonders über die Schändlichkeit der langen jüdischen Lippengebete gar oft bewundert und wahrlich hochgepriesen; wogegen ich wieder das Paulinische »Betet ohne Rast« für die größte Eselei ansehen mußte, vorausgesetzt, daß der sonst sehr weise und erleuchtete Paulus unter dem Gebete nichts als ein sogenanntes andächtiges Lippengemurmel verstanden hat?! Was man von einem sonst so weisen Manne doch wohl kaum annehmen kann!?

16 Ich glaube demnach nun, daß Du Gott seist, oder wenigstens ein wahrer Sohn Gottes, ein Prädikat, das Du selbst allen Menschen zu sagtest, die die Gottes Gebote halten, und Ihn dadurch über alles lieben! Ich bin auch fest entschlossen, alles zu tun, was Du von mir weisermaßen verlangest; aber so Du von mir Kniebeugung und ein rosenkranzartiges Gebet verlangen möchtest, da sei Du im voraus versichert, daß ich so was nie tun würde, und das darum, weil ich darinnen nur eine Verletzung, nie aber eine Verehrung Deines mir über alles teuren Namens finden müßte! Sage mir Du nun wieder gütigst, ob Du mit dieser meiner Definition zufrieden bist oder nicht?«

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