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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 3
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 2

Drei Fragen von Bedeutung. Allgemeiner Zustand der Hingerichteten im Jenseits. Böswillige kommen zur Hölle und dann etwa in das Geisterreich. Politische Verbrecher kommen dort zunächst in ihre Finsternis. Seelenzustände unseres Mannes drüben. Sein Wahn, infolge der Annahme des Nichttotseins

1 Nun fragt sich's: Wie kam seine Seele und sein Geist in der ewigen Geisterwelt an? – Wie befindet er sich dort? Und was tut er?

2 Es muß hier bemerkt werden, daß die Meisten derer, ihr irdisches Leben durch ein Strafgericht gewaltsam einbüßenden, in der Geisterwelt mit dem größten Zorne und Rachegefühle gegen ihre Richter wie Flüchtlinge ankommen, und eine Zeitlang wie völlig Rasende herumtaumeln, was von ihrem großen Zorne und übermäßigen Rachedurste herrührt. Aus solchem Grunde werden solche Überkömmlinge, so sie wirkliche Verbrecher wider Gottes Gebote sind, also im Grunde Böse, alsogleich zur Hölle getrieben, die ihr eigentliches Element ist, um dort ihre Rache zu kühlen, aus der sie aber, so ihre Rache in etwas abgekühlet ist, wieder in die eigentliche Geisterwelt zurückkehren, und da von neuem ihre Freiheitsprobe freilich auf notwendig sehr beschränkten Wegen durchzumachen beginnen.

3 Geister aber, wie der unseres Mannes, die bloß als politische, also rein weltliche Verbrecher gegen weltliche Gesetze, die freilich auch mit den Gottesgesetzen im Verbande stehen, weltlich gerichtet drüben ankommen, werden anfangs bloß in einen lichtlosen Zustand versetzt, in dem sie wie Blinde sich befinden, und somit auch keines Wesens ansichtig werden, an dem sie sich vergreifen würden, und kühlen ihre blinde und große Rache; denn großer Zorn und große Rache bewirken schon bei Menschen auf der Welt, daß sie förmlich blind werden, vor Zorn und glühendster Rachewut; umsomehr bewirken diese argen Leidenschaften bei Seele und Geist, in denen sie hauptsächlich auftauchen und zu Hause sind, den Zustand der gänzlichen Blindheit. In diesem Zustande werden solche Geister so lange belassen, bis sich mit der Weile ihre Rache in das Gefühl der Ohnmacht umgewandelt hat, und die so tief gekränkte und beleidigte Seele im stets mehr auftauchenden Gefühle ihrer Ohnmacht zu weinen beginnt; welches Weinen zwar wohl auch dem Zorne entstammt, aber denselben nach und nach auch ableitet und schwächt.

4 Hier diesseits konnte unser Mann nichts mehr tun, als bloß nur, da er für diese Welt alles als rein verloren ansehen mußte, so viel als möglich seine männliche Ehre retten, aus welchem Grunde er sich auch bei seiner Hinrichtung so entschlossen und den Tod verachtend zeigte; was aber durchaus nicht der Fall war, da er in sich wohl gar überaus stark die Schrecken des Todes fühlte, und das um so mehr, da er, als ein fester Neukatholik, an ein Leben der Seele nach dem Abfalle des Leibes durchaus nicht glaubte.

5 Aber in ungefähr 7 Stunden nach seiner Hinrichtung, da seine Seele sich gewisserart wieder zusammenklaubte, überzeugte er sich schnell von der Grundlosigkeit seines irdischen Glaubens, und gewahrte gar bald nur zu unwidersprechlich, daß er fortlebe; aber da verwandelte sich seine individuelle Überzeugung von dem Fortleben nach des Leibes Tode in einen andern Unglauben, und zwar also: – er meinte und behauptete nun bei sich, daß er wohl auf den Richtplatz hinausgeführt wurde, und blind erschossen wurde, um die vollkommene Todesangst auszustehen; aber da auf ihn nur blind geschossen wurde, weshalb ihm auch der Offizier die Augen verbinden habe lassen, auf daß er nicht das leere in die Luft schießen merken solle, so sei er bloß vor Angst betäubt zusammen gesunken, und wurde von da in einem ganz bewußtlosen Zustande in einen finsteren Kerker gebracht, von wo ihn eine starke Reklamationen von Deutschlands Bürgern sicher bald in die erwünschte Freiheit setzen würde?!

6 Ihn genierte nun bloß die starke Finsternis, also ein sehr finsteres Loch, das ihm aber jedoch nicht feucht und übelriechend vorkommt. Er befühlt sich auch die Füße und die Hände, und findet, daß ihm nirgends Fesseln angelegt sind; da er sich aber fessellos fühlt, so versucht er die Weite seines Kerkers zu untersuchen, und wie etwa der Boden beschaffen ist? Ob sich in seiner Nähe etwa nicht so ein heimliches Gericht vorfindet?!

7 Aber er staunt nicht wenig, als er für's erste gar keines Bodens gewahr wird, und eben so wenig irgend eine Kerkerwand, und für's zweite aber auch nicht irgend von einer Hängematte etwas finden kann, in der er sich etwa in einem freien Katakombenraume hängend befände?! –

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