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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 27
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 26

Robert gibt auch hierin dem Herrn Recht und fragt endlich nach Gott. Die philosophischen Wahnideen spuken wieder bei Robert Blum und er wird spitzig gegen die Liebe Gottes, seine Antwort auf die Frage von Jesus. Weiterhin Zweifel am göttlichen Wort

Am 8. Januar 1849

1 Nach einigem Nachdenken spricht der Robert Blum wieder, und sagt: »Mein geachtetester allerliebster Freund und Bruder! was da Deine überaus triftige Widerlegung meiner Anwürfe auf die Gottheit, und auf Ihre einmal aufgestellte Lebensordnung betrifft, so bin ich nun auch in diesem Punkte mit Dir ganz einverstanden, und sage und bekenne es laut vor Dir, daß ich der lieben Gottheit sehr Unrecht getan habe, vorausgesetzt, daß es wirklich eine solche Gottheit gibt, so einen liebevollsten Vater? wie Du Ihn Deinen Jüngern wolltest kennen lehren, und sie Ihn aber dennoch nie ganz erkannt haben,

2 darum sie denn von Dir auch einmal verlangten, daß Du ihnen solchen Deinen Vater hättest zeigen sollen! und da Du solch einem Begehren nicht anders genügen konntest, als Deiner Jünger leichten Glauben benützend – Dich ihnen Selbst als Vater darzustellen, so wolltest Du nach meinem Dafürhalten damit nichts anderes sagen, als: – O ihr jüdischen Dummköpfe! wisset ihr denn nicht, daß es außer dem Menschen nirgends einen Gott gibt?! So ihr Mich oder auch einen andern Menschen sehet, so sehet ihr ja auch, was zu sehen ihr verlanget; wisset ihr denn noch nicht, und könnet ihr es denn unmöglich fassen, daß der Vater in uns und wir im Vater sind, oder mit anderen Worten gesagt: es gibt nirgends einen Gott, außer den im Menschen!?

3 Obschon ich aber dieses notwendig so nur auffasse, und fast kaum anders auffassen kann; so bin ich aber deswegen dennoch nicht hartnäckig darauf versessen, und will recht gerne irgend eine Gottheit annehmen, so Du sie mir erweisen bzw. beweisen und zeigen kannst? – Aber ich wollte, so ichs hätte, auch hier eine ganze Welt voll der größten Kostbarkeiten Dir zum Pfande bringen, so Du es imstande bist, mir außer der »Hegelischen« Gottheit in Dir noch eine andere irgendwo zu erweisen und zu zeigen! So ich demnach aber einer nicht und nirgends als nur in uns seienden Gottheit solche Anwürfe machte, die Sie wohl beleidigen könnten, so Sie irgend wo wäre, da kann ich Deine wirklich allertriftigste Widerlegung auch um so leichter und allerwahrst annehmen, weil sie sich lediglich nur auf unsere eigenste innere Ordnung bezieht, die vorher ganz begriffen und verstanden sein will, bevor Sie Sich wohl begründet einer zu seicht gefaßten kritischen Beurteilung preisgeben kann! oder mit anderen Worten gesagt: – »Mensch! erkenne dich zuvor ganz, dann erst beurteile dein Sein, und alle die verschiedenen notwendigen Verhältnisse, die die feste Bestimmtheit deines Seins mit sich führt!« –

4 Ich kann Dir für diese Deine nunmalige wahrhaft große Belehrung nur danken aus allen meinen Kräften; denn auf meinem überaus nichtigen und magersten Boden dürften solche Früchte wohl noch sehr lange nicht zum Vorscheine kommen.

5 Aber, trotzdem ich nun die weisen Beschränkungen der im menschlichen Geiste zugrunde liegenden absoluten Freiheit als überaus notwendig und der Natur der menschlichen Ordnung und ihrer zum wahren Leben erforderlichen Dinge höchst angemessen finde; so muß ich aber daneben denn doch noch immer leider das offen bekennen, daß ich die Lehre, der zufolge Gott die purste Liebe ist, und daß man diese Liebe über alles, den Nächsten aber gleich wie sich selbst lieben solle, durchaus nicht mit alledem, was Du mir bis jetzt gesagt hattest, vereinigen kann, und eher schon gar nicht, als bis Du mich vom Dasein einer wirklichen Gottheit überführen wirst!

6 Gott muß zuerst definitiv da sein, und Seine Natur und Sein Wille vollkommen erkannt, dann erst läßt sich von Notwendigkeiten reden; ist aber Gott nur ein vom blinden Glauben wohl angenommenes, nie aber der reinen Vernuft qualitativ erweisbares Wesen, da muß notwendig früher oder später jede auf Gott Bezug habende Lehre, und möchte sie auch noch so ominös metaphysisch und ultra theosophisch klingen, in ein barstes Nichts sich von selbst auflösen.

7 Ich widerspreche hiermit nun Deiner an mich gerichteten Belehrung gar nicht; denn ich sehe ihre Realität nur zu klar ein; aber es versteht sich auch nur in dem Falle, so es eine Gottheit gibt, die solche Ordnung zur Heranbildung des Menschen zu einem höheren freiesten Wesen für unausweichlich nötig gestellet hat. Gibt es aber keine Gottheit, dann brauche ich Dir gar nicht zu widersprechen, denn da widerspricht sich die Sache von selbst, und wären ihre Prinzipien auch noch so richtig gestellet.

8 In der Beantwortung oder vielmehr Darlegung meiner an Dich gerichteten Frage: »Mit welchem Rechte mich ein Windischgrätz erschießen ließ?« da gingst Du ganz kurz zu dem Entschuldigungsgrunde über, daß es nun gewisserart gar nicht an der Zeit sei, darüber viel zu reden, ob solches mit Recht oder Unrecht geschehen sei; denn auch Dir sei ein ähnliches Los zuteile geworden, nur mit dem Unterschiede: Dir – für Gott und der Menschen ewiges und geistiges Wohl; mir aber – für die Welt und ihre vergängliche Glückseligkeit! Und ich solle Dir nun kundgeben, was ich aus der für mich für ewig vergangenen Welt für die Ewigkeit mit herüber genommen habe? Freund! ich meine, diese Frage zu beantworten wird mir eben nicht zu viel Kopfzerbrechens machen!?

9 So es denn doch irgend eine liebevollste Gottheit geben sollte, so lehrt uns die mehrere tausend Jahre alte Erfahrung, daß eben diese Gottheit den Menschen, so Sie dieselben zur Welt in die seinsollende Freiheitsschule schickt, absolut nichts, als bloß nur das allernackteste, unbehilflichste, begriffloseste, und somit auch allervollendetst dümmste Leben mitgibt. Also ein allerreinstes und barstes Nichts bringt der Mensch auf die elende Welt; von all den Weltschätzen gehört streng genommen nichts ihm, da er sie am Ende seines Lebens ex officio aeterno et naturali für ewig wieder verlassen muß! –

10 Was wohl hätte ich da für die Ewigkeit mit herüber nehmen sollen oder können, außer – ohne mein Verlangen, und ohne meinen Willen – mich ganz allein! Nur mit dem geringen Unterschiede, daß ich nun in diese Welt als ein denkendes und somit etwas mehr geistig gebildetes Wesen eintrat, während mein Eintritt in die materielle Welt ein höchst allerunbehilflichst elender war; welchen Eintritt ich aber dennoch diesem zweiten in diese unweltliche Welt sehr vorziehen möchte; denn in der Materiewelt fühlte ich als Säugling nichts, außer etwa wie ein Polyp einen stummen Hunger, oder einen ebenso stummen Schmerz; aber diese beiden Martern waren für mich so gut wie gar nicht da; denn ich hatte damals ja kein Bewußtsein und keine Beurteilung; hätte meine arme irdische Mutter mir in dieser Zeit die kärglichste Pflege nicht gegeben, so hätten mich zufolge irgend einer göttlichen Liebsorge wohl alle Mäuse und Ratten zusammen auffressen können; die Gottheit hätte es sicher nicht abgewehret!?

11 Ja, die Gottheit in der Brust meiner Mutter wohl sorgte für mich; aber die Große, allmächtige, irgend über allen Sternen, die weiß vielleicht noch bis zu diesen Augenblick nichts von einem armen Teufel, von einem Robert Blum!

12 So ich aber dennoch ein miserables Produkt dieser großen Gottheit sein solle, die aus purster Liebe mich so reichlichst ausgestattet in die Prüfungswelt sandte, kann Sie nun wohl mehr von mir zurückverlangen, als Sie mir auf die Weltreise mitgegeben hat?! Ich meine, wo nichts ist, da hört wohl von selbst jedes Recht auf!? Oder gibt es hier in der Geisterwelt wohl irgend eine solche Rechtsverfassung nach der man auch für ein barstes Nichts jemandem zum Schuldner werden kann?!

13 Das nackte Leben ja, das ist nicht mein, da ich mirs nicht gegeben habe; dieses Leben mit einiger Intelligenz sogar bereichert, und mit einem schlechten Rocke auch noch dazu, habe ich (es) wieder hierher gebracht, und stelle es mit dem größten Vergnügen Dem wieder zurück, Der es mir gegeben hat, aber mit der Bitte, daß ich, als der elende Robert, für alle Ewigkeit vollends zu sein aufhöre! – Denn ich ersehe nun auch sogar aus Deinen – wenn schon sehr weisen – Reden, daß dem Leben überhaupt, und ganz besonders dem meinen, für ewig keine glückliche Seite abzugewinnen sein dürfte; und so ist es ja endlos besser, ewig nicht mehr zu sein, als zu sein so elend, wie ich es noch stets zu sein die große Ehre hatte!

14 Es ginge nun zur Vollendung meines diesgeistigen Glückes nur noch das ab, daß Du – lieber Freund – also zu mir sprächest: Weiche von Mir, du Verfluchter, in das ewige Zornfeuer Gottes und brenne dort ewig unter den gräßlichsten Qualen und Schmerzen, so wäre dadurch dem Leben und seiner Herrlichkeit wahrlich die Krone aller Kronen der urgöttlichen Liebe aufgesetzt! – Freund! wenn solch eine unbegreiflich härteste und aller Liebe ledigste Sentenz auch Dein liebevollster Vater Dir eingegeben hat!? Wahrlich, da wäre von Seiner endlosen Liebe nicht viel Gutes zu erwarten!? Aber ich meine, solch eine scheußlichst grausamste Sentenz dürfte wohl kaum je über Deine Lippen gekommen sein? Sondern wurde höchst wahrscheinlich in der späteren Zeit von den liebevollsten Römlingen eingeschoben? Das warum dürfte nicht schwer zu erraten sein! – Rede nun wieder Du, denn ich bin mit meiner Antwort zu Ende.« – –

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