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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 25
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 24

Eingehende und trostvolle Antwort auf Roberts vorwurfsvollen Zweifel. Nicht Gott straft, sondern die Bosheit der freien Menschen und Geister sich nur selbst. Erfahrungslehren der Geschichte

1 Jesus: »Lieber Freund! Diese deine Kritik nach der Beurteilung deines kurzsichtigen Verstandes hat dem Außenscheine nach viel für sich, und so es sich mit all' dem wirklich also verhielte, wie du es nun vor Mir dargestellt und scharf beurteilet hast, da sähe es wirklich äußerst, ja endlos schlecht mit der gesamten Menschheit aus; – aber, zum größten Glücke für die Menschheit, bist du da mit all' deinen Begriffen und Kenntnissen, und somit auch mit all' deinen noch so scharfen Urteilen rein, wie einige auf der Erde zu sagen pflegen, »auf dem allerdürrsten Holzwege!« –

2 Denn sieh', erstens – sorgt die Gottheit eben für die Menschen dieser Erde so außerordentlich, als hätte Sie in der ganzen Unendlichkeit nahe keine (anderen) Wesen mehr, die Ihrer Fürsorge bedürften, und führt sie unter allen Verhältnissen ihres Prüfungslebens so, daß fast alle – trotz allen sich entgegengstellenden Schwierigkeiten – ihre hohe Bestimmung erreichen müssen, derentwegen sie von der Gottheit einzig und allein in's Dasein gerufen und gestellet sind!

3 Freilich gibt es wohl ziemlich viele, die ihren Willen, trotz allen für sie angewendeten Willensbeugungsmitteln, dennoch nicht unter den besten der Gottheit beugen wollen! – Daß für solche Geister die Gottheit dann auch ernstere und schärfere Mittel gebrauchen muß, um sie unbeschadet ihres freien Willens am Ende dennoch auf den rechten Weg zu bringen; Ich meine, daß man darob die Gottheit von deiner Seite denn doch ein wenig zu seicht beurteilt und schiebt Ihr Ergebnisse Ihres Sorgewaltens unter, die ganz allein nur in dem freien (verkehrten) und hochmütigen Willen der Menschen ganz leicht zu suchen und zu finden wären!?

4 Du sprachst wohl viel von der gewissen gnädigen Zulassung schlechter Regenten; aber davon sagtest du nichts, daß es auch schlechte Völker gibt, die nicht durch die etwaigen politischen Verfügungen schlechter Regenten, sondern lediglich durch sich selbst schlechter als sehr schlecht geworden sind, was Ich dir durch zahllose Beispiele mehr als handgreiflich dartun könnte, und später auch dartun werde.

5 Aber nun siehe – zweitens zuvor, und zwar den Punkt deiner vermeinten ewigen Verdammnis, die den, von den von Gott zugelassenen schlechten Regenten verdorbenen, und also ohne eigenes Verschulden schlecht geworden Menschen, nach dem Tode des Leibes zu Teile werden solle! Da muß Ich dir, Der Ich doch, wie nicht leicht ein anderer, alle Verhältnisse der Geisterwelt genauest kenne, offen gestehen, daß Mir dergleichen Begebnisse noch nie vorgekommen sind, ja – die ganze Ewigkeit kann dir auch nicht einen Fall vorweisen, wo nur ein Geist von Gott aus verdammt worden wäre, in der Wahrheit! Aber zahllose Fälle kann Ich dir vorführen, wo Geister zufolge ihrer vollsten Freiheit nur die Gottheit verabscheuen und verfluchen, und um keinen Preis von ihrer endlosesten Liebe abhängen wollen, indem sie selbst Herrn – sogar über die Gottheit – zu sein sich dünken!

6 Da aber die Gottheit nur jenen Ihre endloseste Liebefülle in den vollsten Zügen zu genießen geben kann, die sie haben und genießen wollen, so wird es hoffentlich doch klar sein, daß jene, die die Gottheit samt Ihrer endlosesten Liebe auf das Allerfesteste und Bestimmteste über alles hassen und verachten, und ein grobes Gespötte aus Ihr machen, dieser Liebe eben darum nicht teilhaftig werden können, weil sie auf das Allerentschiedenste derselben nicht teilhaftig werden wollen!

7 Solche Wesen lieben nur sich selbst allein und hassen alles, was sie nicht für ihr selbstsüchtiges Ich als vollkommen tauglich und demselben tiefst ergeben finden; die Gottesliebe und Nächstenliebe ist ihnen ein Greuel der Verwüstung, ein Fluch in ihrem Herzen! – Gott ist ihnen nur pure Fadheit eines zelotisch verbildeten Gemütes, eine Albernheit eines im höchsten Grade verdummten und verbildeten Verstandes, und der Nächste – eine Kanaille, nicht wert, daß man ihn anpisse! –

8 Wenn aber freieste Geister allerhartnäckigst bei dem tatsächlich verharren, und durch gar kein, ihrer Freiheit gegebenes, freies Mittel – also durchaus nicht durch sich selbst zu heilen sind – von ihrem eigenen verderblichsten Wahne, und sich eher aller Bitterkeit und Herbe, die sie sich selbst bereiten, für ewig unterziehen wollen, denn sich auch nur ein allersanftestes Gebot von der Gottheit gefallen zu lassen! – Sage, kann da wohl die Gottheit an solch einer Selbstverdammnis die Schuldträgerin sein?!

9 Wenn aber dann die Gottheit, aus purster Liebe, solche Abtrünnlinge durch Ihre Allmacht, Liebe und Weisheit von Ihren seligsten Freunden absondert, ihnen aber auf den abgesonderten Zustandsörtern dennoch die vollste Freiheit beläßt, kann Sie dann als unsorgsam, hart und lieblos gescholten werden?! – –

10 Aber du sagst: Dafür können Menschen und Völker ja nicht, wenn sie so arg werden! – Denn daran schulde die schlechte Erziehung und ein schlechter Unterricht; daß aber Erziehung und Unterricht schlecht sind, daran schulden schlechte selbstsüchtige und herrschsüchtige Regenten, und endlich an den schlechten Regenten schulde die Gottheit Selbst! – O, Ich will dir es gar nicht in irgend eine Abrede stellen und sagen: Es gäbe keine schlechten Regenten und noch nie sei ein Volk durch schlechte Regenten verdorben worden! – O, das sei ferne von Mir, dir gegenüber so etwas behaupten zu wollen!

11 Aber ebenso wenig wirst du auch Mir gegenüber behaupten können und wollen, daß die gerechteste Gottheit noch nie irgend einen schlechten Regenten gezüchtiget habe! Gehe die Weltgeschichte von Anbeginn des Menschengeschlechtes durch, und sie wird dir viele Tausende von Regenten vorführen, die wegen ihrer schlechten Leitung der ihnen anvertrauten Völker auf das allerempfindlichste gezüchtigt worden sind;

12 aber nichts desto weniger hat sich in allen Zeiträumen der Erde diese alte Erfahrung als stets bewährt gefunden, daß gerade unter harten und tyrannisch schlechten Regenten das Volk im allgemeinen stets besser war, und fügiger und lenksamer, als unter guten und sanften Regenten. Daher denn die Gottheit dann auch zumeist schlechte Regenten über Völker aufstellen läßt, auf daß die Völker, so sie arg geworden, an ihren Regenten eine Zuchtrute haben sollen, und dadurch genötigt werden, ein rechtes Bußkleid anzuziehen, und sich zu bessern, wo ihnen dann die Gottheit schon wieder bessere Regenten ganz unfehlbar geben wird, und auch allezeit noch gegeben hat!«

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