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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 24
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 23

Roberts anerkennende Antwort. Seine Gegenfrage über den Machtmißbrauch der Fürsten, »die kleinen Diebe straft man, die großen läßt man laufen«; ist da keine Selbsthilfe dem Volke erlaubt? Elend der Armut. Erdendasein Prüfungsleben. Schwerer pessimistischer Fragensprudel und seine Bitte um besseres Licht

1 Spricht Robert Blum: »Was, liebster Freund, solle ich im Grunde nun noch reden? ich sehe, begreife und bekenne nun, daß Du, als Einer der mir an aller Wissenschaft und Weisheit himmelhoch überlegen ist, in allem Recht hast, weil sich die Dinge wirklich also verhalten, wie Du sie mir nun dargestellet hast; es läßt sich dem durchaus nichts entgegenstellen, da Du als ein in die innersten und geheimsten Kräfte der Natur eingeweihter Weiser Dich am gründlichsten, wenigstens viel gründlicher als ich, auskennen kannst und mußt! – Wie gesagt, alles, was Du nun mir gütigst erläutert und erkläret hast, habe ich in allen seinen, wenn schon manchmal etwas barock klingenden – Teilen völlig als wahr und unumgänglich nötig eingesehen, und bin darum auch ganz mit Dir einverstanden; – aber nun kommt – was anderes!

2 Es ist alles wahr, was Du bis jetzt geredet hast; und ganz besonders tritt bei Deiner Darstellung des absolut freiesten menschlichen Geistes die gewisserart eiserne Notwendigkeit eines eben diese Freiheit beschränkenden Gesetzes und eines machthabenden Exekutors desselben nur zu klar ins Licht; aber es fragt sich dabei: »Dürfen gewisserart von Gottesgnaden ernannte, bestimmte oder erwählte und machthabende Exekutoren des Gesetzes, das sie gewöhnlich selbst machen und herausgeben, wohl auch »von Gottes wegen« ausgenommen sein – das Gesetz zu beobachten, und – besonders in dieser Zeit – ganz willkürliche Despoten und Tyrannen abgeben, und wegen eines mißlichen Thrones die armen Menschen, die doch auch ihre Brüder sind, zu Tausenden hinschlachten lassen?! – War z.B. mein Vergehen wohl von der Art, daß mich darum ein Alfred Windischgrätz im Namen seines schwachen Kaisers, der ihn mit aller Macht eines Herrschers höchst unmenschenfreundlichster Weise beteilte, erschießen ließ, und mehrere andere meiner Denkungsweise und Handlungsweise desgleichen!? Wenn solcher Machthaber sich schon von seinem eigenen Gesetze enthebt,

3 so fragt sich aber, wer ihn denn dann von Deinem Liebesgesetze, das der ganzen Welt ohne Unterschied des Standes und Charakters gleich gelten solle, enthebt und dispensiert? Warum müssen Hunderttausende in der größten Armut dahin schmachten, und so sie nur irgend eine kleinste, gar oft durch die zu große Not gezwungene Veruntreuung sich zu Schulden kommen lassen, dann auch alle unnachsichtige Strenge des Gesetzes sich gefallen lassen (müssen), – während die Großen in der allerbehaglichsten Gewissenlosigkeit tun können, was sie wollen, und kein Richter darf sie zu einer Verantwortung fordern?!

4 Auch ich bin für weise und gute Regenten gewiß im höchsten Grade eingenommen, aber Regenten, die oft kaum wissen, was sie sind, und noch viel weniger, was sie so ganz eigentlich sein sollen; ich sage, Regenten, die nur consumendi gratia auf dem Throne sitzen, und ihren Untergebenen Vampyren gleich das armseligste Blut aussagen, anstatt daß sie dieselben durch weise Gesetze leiten sollen! – Sage mir, Freund, solle da ein armes gedrücktestes Volk nicht das Recht haben, solche glänzende Taugenichtse und gewissenlose und gefühllose Tagdiebe davon zu jagen, und an ihre Stelle weise und taugliche Männer, die Kopf und Herz am rechten Flecke haben, zu setzen?! Muß denn ein Regentenstuhl so glänzen, muß seine Wohnung ein ungeheuerster und prachtvollster Palast sein, und müssen sich seine Regentenbezüge auf viele Millionen belaufen?! Was natürlich alles von den blutigen Schweißtropfen der Untertanen hergeschafft werden muß! – »Der arme Teufel« hat auf der Erde nichts Gutes; von der Geburt bis zum Grabe bleibt er ein Spielball der Mächtigen, muß für sie Gut und Blut setzen, dafür aber wird er zum schuldigen Danke verachtet, eine Kanaille gescholten, und so er sich nicht alle Niederträchtigkeiten der Großen auch nur heimlich möchte gefallen lassen, und käme zu einem Pfaffen in einen Beichtstuhl, um sich da sein Herz zu erleichtern, so wird er noch oben darauf mit der ewigen Verdammnis vertröstet! – Mit solchem Troste kehrt er dann heim, und macht dann Studien im Fache der Verzweiflung! Sage, ist das auch irgendwo in der Natur schon also geordnet und begründet?! – – Freund! – ich, Robert, meine da, und behaupte es fest: Das ist die Hölle, und ihr stets regsamstes Mühen – aus armen Engeln dieser Erde noch ärmere und elendere Teufel zu zeugen! –

5 Es ist übrigens wohl wahr, und wie ich's nun als ein nach des Leibes Tode Fortlebender einsehe, auch gewiß, daß das irdische Leben ein pures Prüfungsleben ist, zur Erreichung rein geistiger höchster Vollkommenheiten, und daß man daher mit Recht von ihm auch keine zu glänzenden irdischen Glückseligkeiten erwarten kann; denn ein Studierender bleibt, so lange er ein Studierender ist, stets mehr oder weniger ein Sklave derer, die ihm als Meister vorgesetzt sind! Aber wenn von Seite der völkerbeherrschenden, erziehenden und gar zu grausam streng prüfenden Tyrannen die Erziehungssaiten zu stark gespannt werden, und auf diese Art statt aus den Völkern wahre Menschen, nur entweder barste Tiere oder gar Teufel gebildet werden; – was sagt dann eine urgöttliche Weltordnung dazu?! –

6 Ist da auch noch die Gottheit der alleinige Herr und Meister, und sind ihre gläubigen Bekenner und Anbeter pure Brüder? – Heißt das auch noch – »Gott über alles, und seinen Nächsten wie sich selbst lieben?!« –

7 Oder ist es selbst von einer allgerechten Gottheit wohl recht, Völker durch schlechte Regenten physisch und moralisch unter den Hund herabsinken zu lassen? Und sind dann die Völker durch ihre unter aller Kritik schändlichst schlecht bestellten Regenten auf die unterste Stufe alles Elends physisch und moralisch gesunken, so kommen dann noch von Oben, d.h. von der gerechtesten Gottheit alle erdenklichen Strafen und Geißeln, natürlich zumeist nur über die armen Völker, darum sie notgedrungen haben schlecht werden müssen, und das zumeist von Gottes Gnaden! – Denn auch die schändlichsten und gewissenlosesten Regenten führen den Titel: »Von Gottes Gnaden!« – Auf solche »Gottes Gnaden«kommen dann gewöhlich Armut, Hungersnot, allerlei scheußlichste, unheilbare Krankheiten, als Pest, Cholera und eine Menge anderer Seuchen, und Kriege, das versteht sich von selbst voraus, – alles »von Gottes Gnaden!«

8 Neben diesen schönsten Bescherungen aber endlich auch noch die süßeste Verzweiflung, und als finis coronat opus – die angenehme – ewige Verdammnis im brennenden Pfuhle! – und siehe! – das alles »von Gottes Gnaden!« – Bravo! – nur zu! so in der Dicke hab' ich's gerne! O, das Leben ist wohl schön!!! Hm, hm – wer es erfunden hat, wie es ist, muß selbsten eine närrische Freude – daran haben!? – – –

9 Ich will aber damit eben kein höchstes irgenwo seiendes Gottwesen bekritteln und es tadeln, weil das Leben der Erde so scheußlich sich zu gestalten genötigt ist; denn ein solches Gottwesen hat sicher größeres zu tun, als sich mit den Dreckwürmern dieses Erdstaubes abzugeben. Aber das Elendeste bei der Sache ist, daß diese irdischen Menschendreckwürmer denn doch auch Gefühl und leider auch einigen Verstand besitzen, und am Ende doch nicht völlig vernichtet werden können, wie es sich figura bei mir de facto zeigt!

10 Sollen denn von der gnädigsten und liebevollsten Gottheit, von Deinem gewissen heiligen Vater, Der Dich auch an's Kreuz hängen ließ, wahrscheinlich auch aus Liebe? die Menschen dieser Erde, die seinsollenden »Gotteskinder«, etwa aus einer besonderen Begünstigung die Ehre und das Glück haben, die Allerverfluchtesten zu sein?! – –

11 Wahrlich, je länger ich da nachdenke und rede, desto bedenklicher kommt mir die Sache vor; daher rede nur lieber wieder Du; vielleicht gelingt es Dir, diese Sache mit einem besseren Lichte zu beleuchten?! Ich denke hier nun einmal also.«

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