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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 18
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 17

Der Herr billigt zum Teil die Ansichten von Robert; aber Er weist auf einige Worte von Ihm hin, wie: »seid untertan der Obrigkeit« (Römer 13,1) und »gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist« (Matth. 22,21). Robert hält dies für Notgebote; seine lange Rede darüber; Begründung seiner Zweifel an der Gottheit in der Person Jesus

1 Rede Ich,Jesus : »Höre du Mein lieber Freund und Bruder, Ich kann deine Denkweise und Handlungsweise durchaus nicht tadeln; und wo zwischen Herrscher und ihren beherrschten Völkern Verhältnisse obwalten, wie du sie soeben Mir vorgezählet hast, da freilich hast du ganz vollkommen Recht – so zu reden und zu handeln, wie du geredet und gehandelt hast nach deiner Anschauung und nach deiner Überzeugung; aber so sich die Sachen aber dennoch ganz anders verhielten, als wie du sie nach deinen Ansichten und Begriffen wahrgenommen und aufgefasset hast; wie würdest du dann urteilen über die mannigfachen Verhältnisse der Herrscher zu ihren ihnen untergeordneten Völkern?! –

2 Wohl sagtest du Mir ganz treu und offen, daß du alle Verhältnisse der Menschen zu den Menschen nur nach Meinem Gesetze der Liebe beurteilest und dich überidische Einfließungen nichts angehen; aber siehe, in diesem Punkte kann Ich dir aus gar vielen Gründen nicht beipflichten.

3 Ein Grund wäre z.B. schon das, nämlich auch ein Gebot von Mir Selbst, laut dem Ich Selbst Mich pro primo jeder weltlichen Gewalt als unterwürfig bezeigte, da Ich doch Macht genug gehabt hätte, einer jeden den weidlichsten Trotz bieten zu können; und wo Ich Selbst im Tempel bei der Vorweisung des Zinsgroschens eigens gebot, dem Kaiser zu geben, was sein ist, und Gott, was Dessen ist! Also sagte Ich auch durch Paulus, jeder Obrigkeit zu gehorchen, ob sie mild oder strenge ist; denn keine habe eine Gewalt, außer die von oben! Was wohl sagst du zu diesen ebenfalls Meinen Geboten?«

4 Spricht Robert: »Edelster Menschenfreund! weißt Du, aus rein menschlich klugen Rücksichten diese Sache näher betrachtet, scheint die damalige Notwendigkeit Dir – zur größeren Sicherung Deiner Lehre – wie auch mitunter Deiner Person selbst, und ebenso der Person Paulus diese Gebote abgerungen zu haben; denn hättest Du, wie im alten Judentestamente ein Jehova durch den Mund Samuels wider die Könige geeifert, so hätte Deine an sich selbst noch so erhabene und makelloseste Moral unter der allerstolzesten Weltherrschaft Roms wohl schwerlich die nahe 2.000 Jahre erlebt, außer auf einem rein übernatürlichen Wege, von dem wohl die finsteren Römlinge eine große Menge zu erzählen wissen; wie viel aber daran Wahres sein mag, darüber wirst du hoffentlich besser zu urteilen verstehen als ich, der ich nicht Dir gleich von all den Greueln dieses neuen Babels Zeuge habe sein können!

5 Denn siehe, alleredelster Freund! ich beurteile die Sache also, und sage: Wenn es Dir mit dem Gebote, allen weltlichen Obrigkeiten zu gehorchen, ob sie gut oder böse seien, vollends Ernst gewesen wäre, so hättest Du ja schon im voraus wegen der sicheren Präpotenz (Überlegenheit) dieses Gebotes auf Deine ganze andere im höchsten Grade liberale Lehre und deren Ausbreitung ja doch so notwendig als 2 mal 2 = 4 ist, rein Verzicht leisten müssen und zugeben, daß man auch für alle Zeiten ein finsterer Heide sein und bleiben müßte, sobald es einem Menschen oder Volke eine wenn gerade nicht böse heidnische Obrigkeit geboten hätte – bei der Lehre der Väter zu verbleiben, die alten Götter zu verehren, und ja um alles in der Welt nicht Deiner damals aufkeimenden Lehre Gehör zu geben?!

6 Freilich wohl sagtest Du nur: Gebet dem Kaiser, was sein ist, und Gott, was Gottes ist; aber Du bestimmtest damals zu wenig die Grenzen, was eigentlich im Gesamtkomplexe des Kaisers und was daneben Gottes ist, daher es dann dem Kaiser ein gewisserart gewissenlos Leichtes war und noch ist, sich Prärogative (Vorrechte) anzueignen, die rein nur einem Gott gebühren sollen, und wieder jene ganz unbeachtet zu lassen, in denen er sich so ganz eigentlich bewegen sollte.

7 Dessen ungeachtet aber läßt Dein damaliger durch die Zeitumstände gebotener Tempelausdruck sich noch viel eher begrenzen, als jenes gar nach einer zu großen Weltfürstenfurcht riechende Paulinische Gebot, laut dem man streng genommen sogar ein Christ zu sein aufhören muß, sobald einem solchen Weltfürsten aus gewissen seinen Thron gefährdenden Rücksichten für nötig dünken möchte, Deine Lehre, wie sie in ihrer Reinheit ist, als seinen herrscherischen Absichten gefährlich und nicht zusagend zu betrachten, wie solches die allerderbst veratheisierte Lehre Roms auch mehr als himmelschreiend durch viele 100 Jahre gezeigt hat, und noch gegenwärtig zeigt!

8 Es müßten nur ganz andere, jeder meiner Vernunft bisher noch unauszumittelnde höhere Rücksichten, besonders den guten und sonst überaus weisen Paulus, dazu veranlaßt haben, ein solches Mandat ergehen zu lassen, was allerdings auch möglich ist; aber die Sache mit ganz natürlichen gesunden Sinnen betrachtet, erscheint es streng genommen offenbar als ein Unsinn; denn auf der einen Seite heißt es: ihr alle (Menschen nämlich) seid Brüder, und Einer (Gott nämlich) ist euer Herr! Auf der anderen Seite aber ein Gebot, weltlichen Obrigkeiten, bei denen de facto das Brüdertum eine reine Chimäre (Trugbild) ist, streng – sage in allem zu gehorchen!

9 Freund! das muß sich ja gegenseitig notwendig aufheben! Entweder kann nur das eine bestehen, und das andere nicht?! – Ist man aber beides zu befolgen genötigt, so ist das im Grunde nichts anderes, als entweder zwei Herren dienen; ein Dienst, den Du selbst als unmöglich bezeichnet hast! Oder man müßte sich darauf eigens einstudieren, eine Doppelnatur bei sich zu bewerkstelligen, welcher eben nicht gar zu löblichen im wahrsten Sinne heuchlerischen Eigenschaft zufolge man dann bloß äußerlich täte, was die Fürsten wollen, innerlich aber müßte man es dennoch verfluchen, und im geheimen tun, was Dein liberaler Teil Deiner Hauptlehre verlangt; was natürlich nicht nur sehr schwer, manchmal sogar unmöglich, oder doch wenigstens äußerst gefährlich wäre!?

10 Glaube es mir, edelster Freund, ich habe, wie vielleicht Wenige, jeden Punkt Deiner Lehre genau erwogen, und glaube so ziemlich im klaren zu sein darüber, was Du frei gelehret hast, und was Dein eigentlicher Hauptsinn war, und was dagegen Du, wie auch Deine Jünger durch die damals drohenden Zeitumstände gedrungen, einzuflechten genötigt warst! Aber alles dessen ungeachtet bin ich doch Dein glühendster Verehrer, und weiß, was ich von Dir und Deiner reinsten Lehre zu halten habe! Freilich sagtest Du ehedem auch, daß Du, trotzdem Dir eine alle Weltregenten bezwingende Macht eigen war, dennoch auch den weltlichen Obrigkeiten gehorsam warst; das will ich Dir schon dadurch und darum nicht streitig machen, da Du selbst Dich durch das Gesetz der Welt mußtest ans Kreuz hängen lassen!

11 Ob Du, mein allerwertester Freud, Dich aber auch durch eine in Dir verborgene übersinnliche Macht den Weltgesetzen hättest widersetzen können, als Dich diese einmal ernstlich gefangen nahmen, das zu beurteilen ist wohl zu hoch über meinen bisher noch sehr natürlichen Erkenntnishorizont! Es ist möglich, und so Deine Taten Deiner Lehre nicht als heidnische Halbgötterfabeln untergeschoben sind (?) sogar sicher und gewiß, daß Dir, als einem größten Weisen, der Du mit den innersten Kräften der Natur sicher sehr vertraut warst, auch außerordentliche Kräfte zu Gebote standen; aber wie gesagt, Deine letzte Gefangennehmung und endliche Hinrichtung hat bei sehr vielen Helldenkern dies, Dein wunderbares Kraftvermögen, in ein sehr schiefes Licht gestellt, und es haben sich viele daran gestoßen und gewaltig geärgert. Aber wie gesagt, ich und noch eine Menge andere haben am Ende bloß nur Deine reinste Lehre excerpirt (herausgezogen), und haben alles daraus verbannt, was uns bloß nur als eine in der späteren Zeit eingeschobene heidnische Fabel zu sein schien.

12 Ob wir recht oder nicht recht gehandelt haben, das hoffe ich nun von Dir, Du mein edelster Freund, als dem Urheber solcher Lehre in der Fülle der Wahrheit zu erfahren! Wie auch, ob an Deiner, besonders dermal noch in der römischen Kirche gelehrten, und ganz besonders durch einen gewissen Swedenborg im 18.Jahrhunderte sogar mathematisch erwiesen sein sollenden, Gottheit etwas und wie daran sei?! – Was freilich a priori schwerlich ein rein gebildeter Denker annehmen wird, weil diese Sache allem natürlichen Anscheine nach denn doch etwas zu burlesk aussieht!

13 Denke Dir nur selbst ein endloses unbegrenztes Gottwesen, dessen Intelligenz, Weisheit und Macht notwendig die allerausgedehntest allgemeinste sein muß, und es daher auch sogar logisch unmöglich ist, daß dies Endlose und Allumfassendste sich je verendlichen und auf die Person eines Menschen einschränken und einzwängen könnte, ob man es nur bei einigem weiseren Nachdenken überzeugend annehmen kann, daß Du und die endlose allumfassende Gottheit logisch richtig identisch sein könnet? – Ja als »Sohn Gottes!« da habe ich wenig oder nichts dawider; denn das kann ein jeder bessere Mensch von sich mit gleichem Rechte behaupten; aber Gott und Mensch zugleich!? Das geht denn doch offenbar etwas zu weit hinaus! –

14 Übrigens habe ich auch da nichts entgegen, wenn mir die Sache evident bewiesen werden kann; denn wie ich schon früher einmal bei mir selbst erwähnt habe, daß es zwischen der Sonne und dem Monde noch Dinge geben könnte, von denen sich keine menschliche Weisheit noch je etwas hatte träumen lassen! Warum sollte zu solchen außerordentlichen Dingen nicht auch das gehören, daß Du im Ernste das allerhöchste Gottwesen gar leicht sein kannst!? Ich wenigstens würde ewig nichts dagegen haben! Vielleicht ist nach Hegel bei und in Dir die früher gewisserart schlafende Gottheit zum ersten Male erwacht und ins klare Bewußtsein ihrer selbst übergegangen?!

15 Oder vielleicht hat sie in sich selbst die alte Notwendigkeit gefühlt, Sich Selbst als ein Mensch seinen geschaffenen Menschen gegenüber zu manifestieren, um von den Menschen begriffen und erschaut werden zu können, ohne dadurch von ihrer allumfassenden, allerhöchsten Willenskraft etwas zu vergeben!? Wie gesagt, das ist alles möglich! besonders hier, wo überhaupt das Sein einen so höchst rätselhaften Charakter annimmt.

16 Aber wie sich dann und warum, die in Dir als Gottmensch manifestierte Gottheit hatte von einem Häuflein böser und wahnwitziger Juden zum Tode, und das zum schmählichsten am Schandpfahle können verurteilen lassen, und das auf einem der unansehnlichsten Planeten noch dazu?! Freund! so was kommt zwischen Sonne und Mond wohl schwerlich vor! Solch ein Wunderding müßte man schon zwischen Nebelsternen (Galaxien) zu suchen anfangen!

17 Ich glaube aber auch, daß Du im Ernste so was von Dir wohl auch sogar nicht einmal in einem Traume behauptet hast?! Denn ich weiß es nur zu gut, was Du darauf erwidertest, als man Dich fragte, ob Du im Ernste Gottes Sohn seist? Siehe, da war Deine Antwort, wie sie von einem Weisen deines gleichen zu erwarten war, nämlich: Nicht ich, sondern ihr selbst saget es! Wer aber im entscheidenden Momente so spricht, der weiß auch, was er spricht, und warum?! Ich aber glaube diese Deine Antwort gehörig gewürdiget, und soweit es menschlichen Kräften gestattet ist, auch verstanden zu haben, und daraus entnommen, daß Du in allem ein wahrster Agatodaimon (guter Geist) als reinster Mensch, aber durchaus kein heidnischer Halbgott seist.

18 Daß aber zu Deiner Zeit, wo man noch an ein Orakel zu Delphi glaubte, und mit der Apotheosis (Vergötterung) bei nur etwas ungewöhnlich praktisch weisen Männern nur zu leicht fertig war, wo der Thumim und Urim weissagten, und des Arons nahe über 1.000 Jahre alter Stab in der Lade grünte, und dergleichen mehr, man auch einem ersten Weisen, wie Du Einer warst, und seit nahe 2.000 Jahren noch von keinem anderen übertroffen wurdest, eine Vergöttlichung beilegte, das finde ich überaus begreiflich! – Denn schon die sonst weisen Römer, die heimlich auf ihre Göttter eben nicht gar zu große Stücke hielten, behaupteten und sagten: non existit vir magnus sine aflatu divino! So sie aber jeden großen Mann, als von Gottes-Geiste angehaucht betrachteten, um wie viel mehr Deine beinahe noch wundersüchtigeren Landsleute Dich, der Du vor ihren blitzdummen Augen mitunter doch Dinge wirktest, von deren sicher höchst natürlichem Grunde sie noch seit Abraham nicht die allerleiseste Ahnung hatten! Was würden sie zu einer Lokomotive gesagt haben – exempli gratia? –

19 Freund! ich meine, Deine Fragen nun hinreichend erschöpfend beanwortet zu haben!? Nun käme wieder die Reihe an Dich; ich werde mit der gespanntesten Aufmerksamkeit jedes Deiner Worte anhören und tiefst würdigen!« –

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