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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 17
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 16

Der Herrn verheißt die Erfüllung Roberts Wünsche. Eine kritische Frage an Robert Blum und dessen kluge Antwort darauf, mit Bezug auf die Jesus Lehre. Eine Robert-Blum-Rede

Am 21. Dezember 1848

1 Rede Ich: »Ganz über die Maßen gut hast du Mir auf Meine an dich gerichtete überaus wichtige Lebensfrage geantwortet, und es ist deine Antwort um so mehr zu schätzen, weil sie nicht gesucht, sondern gerade so gegeben ist, wie sie sich in dir lebendig und wahr finden läßt. – Ich kann dir dagegen nur das sagen, daß Ich ganz sicher und bestimmt jedem deiner hier ausgesprochenen Wünsche nachkommen werde, so viel es nur immer in Meiner Macht und Kraft steht.

2 Aber nur etwas, lieber Freund und Bruder, kann Ich mit deiner sonst übergerechten und menschenfreundlichen Denkweise und Handlungsweise nicht vereinbaren, und das besteht darin, daß du auf der Erde denn doch ein gewisses Wohlgefallen daran hattest, wenn so irgend ein recht riesenfest bornierter Aristokrat von dem sogenannten Proletariat um einen Kopf kürzer gemacht wurde!

3 So weiß ich Mich auch zu erinnern, daß du selbst eben in Wien in einer Versammlung laut und unter vielem Beifalle ausgerufen hast: Daß es in Österreich wie auch noch in manch anderen deutschen Landen nicht eher besser wird, bevor nicht wenigstens einige hundert Großköpfe latourisiert (ermordet) werden würden! Sage es Mir auch ganz ernstlich, ob das wohl so ganz vollkommen aus deinem Willen hervorgegangen ist; oder war das nur so hingeworfen, um deiner Rede einen desto größeren Nachdruck zu geben?«

4 Spricht unser Robert: »Freund! als ich mich noch auf der Erde befand, und auf ihrem sehr schwankenden Boden mein Dasein bloß dem Glücke oder doch wenigstens einem möglich besseren Fortkommen, der armen vielfach bedrückten Menschheit zum Opfer bringen wollte, dabei aber durch vielfache Erfahrungen an mir, und nur zu oft mit meinen Augen gesehen habe auch an anderen, wie die aristokratischen reichen Menschenbestien sich mit dem Schweiße und Blute der Armen mästen, und wie die meisten Throne und königlichen Burgen und Paläste aus dem Blute der armen Menschheit erbauet und befestiget sind; als ich aus allen Bewegungen Österreichs nur zu deutlich entnehmen mußte, daß man von der dortigen irdisch hohen dynastischen Seite wieder alles aufzubieten begonnen hatte, um den alten eisernen Absolutismus wieder einzuführen und die arme Menschheit mit dreifachen Sklavenketten zu belegen. Freund, edler Freund! das war auf einmal zu viel für einen Menschenfreund, wie ich aus allen meinen Kräften einer zu sein die Ehre habe; wahrlich sage ich Dir's, so ich einmalhunderttausend Leben hätte, so gäbe ich sie alle her, wenn ich damit den Menschen helfen könnte; – diese Weltgroßen aber lassen sich auch nicht ein Härchen grau werden, wenn auch Hunderttausende hingeschlachtet werden, damit sie dadurch nur an Ansehen und Glanz gewinnen!

5 O sage Freund! wenn ein von wahrer Nächstenliebe und Bruderliebe erfülltes Herz solche kalten Greuel an den armen Brüdern schauen und mitfühlen muß, ist es ihm da zu verargen, so es von dem gerechtesten Ärger von der Welt ergriffen, und zu so manchem Ausrufe getrieben wird, an den es beim gerechten Sachgange wohl ewig nie gedenken würde!

6 Es mag wohl das alles im unerforschlichen Plane irgend einer mir freilich unbekannten ewigen Vorsehung liegen, und daher auch alles so hat kommen und geschehen müssen, wie es geschieht; aber was hat ein Erdenbürger davon für einen Begriff!? Oder was gehen ihn irgend allergeheimste, unerforschliche Gesetze an, die ein Gottwesen irgendwo in der ewigen Halle der Unendlichkeit beschließt!

7 Wir Erdenbürger kennen nur Deine erhabensten Gesetze der Liebe, die zu halten und treu zu befolgen wir sogar um den Preis unseres eigenen Lebens verpflichtet sind! Was darunter und was darüber ist, das geht uns wahrlich wenig oder gar nichts an! Es können wohl irgend in einer Sonnenwelt ganz andere Gesetze gang und gäbe sein, die vielleicht weiser, aber leicht auch dummer sind, als die Du, liebster und für uns weisester Menschenfreund, uns gegeben hast?! Aber es wäre sicher für jeden Erdenbrürger toll zu nennen, so er sein Leben nach irgend seienden Solargesetzen einrichten wollte, die ihm wahrscheinlich durch die ganze Ewigkeit de facto unbekannt bleiben werden! Wir haben und erkennen nur ein Gesetz für göttlich wahr und gültig, unter dem nach dem Urteile jeder unbefangenen reinen Vernunft jede menschliche Gesellschaft bestmöglichst existierbar gedacht werden kann; was aber irgend ein Fatum dazwischen streut, das erkenne ich für nichts als schlechtes Unkraut zwischen dem herrlichen Weizen, den Du, edelster Menschenfreund, auf die undankbarste Erde gestreuet hast! – Und dieses Unkraut verdient nichts anderes, als latourisiert zu werden im Feuerofen eines gerechten Ärgers, und vollkommen gerechten Gerichtes!

8 Ich sage es Dir ganz frei heraus, so lange der Mensch nach Deinen Gesetzen Mensch ist und bleibt, so lange ist er auch jeder menschlichen Hochachtung wert; erhebt er sich aber de facto über Dein Gesetz und will auf Unkosten seiner Brüder viel mehr sein als sie (d.h. ein Übermensch sein), und will sie zu seinen höchst eigenen Vorteilen nur unterjochen und beherrschen, so erklärt er Nr.1 dadurch Dein Gesetz für null und nichtig, und Nr.2 ist er dann kein Bruder, sondern ein Herr den Brüdern, mit deren Leben er schalten und walten kann, wie ein jeder Lauskerl mit seinen Läusen und noch sonstigen Schmarotzertierchen, die seines Leibes kitzlige Haut manchmal zu sehr in den Anspruch nehmen! In diesem Punkte werde ich ewig Robert Blum verbleiben und werde den Völkerbeherrschern nie ein Loblied singen! und das darum nicht, weil sie schon gar lange nicht mehr das sind, was sie eigentlich sein sollen, nämlich: Weise und liebevolle Führer ihrer armen Brüder!

9 Wohl weiß ich, daß besonders in der Jetztzeit es auch in der armen Klasse gar außerordentlich viele gibt, die mehr Vieh als Menschen sind, und daher auch nur mittelst einer eisernen Zuchtrute können in der Ordnung erhalten werden; aber ich frage da, und sage: Wer trägt daran die Schuld?! Die, die, die eben solche Völker unterjochten, und sie darauf nicht nur in der ursprünglichen Lebensnacht erhielten, sondern diese noch vielfach vermehrten, um auf den elendsten Pfeilern gänzlicher Unintelligenz ihrer Völker ihre Herrschergrenze desto mehr zu festen! Freund! edelster Freund! wer solchen Herrschern ein lebe Hoch! bringen kann, der muß freilich kein Robert Blum und noch weniger ein Jesus von Nazareth sein!

10 Ach, es gibt schon noch Herrscher, die es mit ihrem Herrschen ganz gerecht und ernstlich nehmen; diese sind ihren Untergebenen die wahrsten Engelfreunde; solchen Herrschern für ewig ein tausendfaches lebe Hoch! Aber Völkerbezwingern und Geistesmördern! Freund! für diese fehlt mir wahrlich der passende Ausdruck; so es Teufel gibt, da sind diese es leibhaftig! –

11 Ich glaube – auf Deine Frage nun so ziemlich offen und deutsch geantwortet zu haben, und habe Dir meine Meinung ganz unumwunden herausgesagt. – Nun bitte ich aber auch Dich, mir über diese meine Meinung die Deinige kund zu geben! – Ich bin übrigens wohl so ziemlich fest in allem, was ich einmal als Recht erkenne; aber darum dennoch nicht starr und unbeugsam, so besonders Du mir etwas Besseres dafür geben magst und kannst!«

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