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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 16
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 15

Gute Antwort des Gerichteten »ihm sei Alles vergeben!« Bitte für seine Familie

1 Spricht Robert: »Edelster Freund! – daß ich in dem Augenblicke, als dieser aller Menschenliebe ledige Wüterich oder Feldherr – was er sein mag, mich dem abgefeimtesten Verbrecher gleich behandelte, in eine mir eben nicht ungerecht vorkommende Zornwut und Rachewut geriet, daß, glaube ich, ist wohl so verzeihlich, als es ein jeder billig denkende Geist an und für sich selbst auch gerecht finden und fühlen muß; aber nun ist bei mir das Tempora mutantur, et nos mutamur in illis (die Zeiten ändern sich und wir auch) schon lange eingetreten, und ich wünsche daher für diesen Blinden wahrlich nichts anderes, als daß er sehend werde und erkennen möchte, ob er an mir recht oder unrecht gehandelt hat?!

2 Hätte er mich wahrhaft tot machen können, da hätte ich wohl ohnehin nie auf eine Rache sinnen können; da er mich aber eigentlich nicht tot, sondern buchstäblich nur lebendig geschossen hat, und kann mir fürder wohl kein Leids mehr an tun, und da ich ferners betrachtet eigentlich nun schon glücklicher bin um zahllose Male, als er es ist, in allem seinem herrschsüchtigsten Wahne, so kann ich ihm um so leichter alles vergeben, indem er so ganz eigentlich der äußeren Erscheinlichkeit nach doch bei weitem mehr Grund hatte, mich als ein ihm allergefährlichst vorkommendes Objekt aus seinem Wege zu räumen, als einst zu Deinen tragischen Zeiten die überargen Hohenpriester Jerusalems Grund hatten, Dich, meinen edelsten und liebenswürdigsten Freund, gar so schändlichst und über alle Maßen grausamst aus der Welt zu schaffen!

3 Konntest Du, mein alleredelster Freund, sogar mit der vollen Empfindung aller der gräßlichsten Marterschmerzen, Deinen Peinigern und Mördern vergeben, um wie viel mehr ich, der ich von einer leiblichen Marter bis auf die paar Stunden oder Minuten, was sie eigentlich sein mochten, doch im Grunde nichts empfunden habe, das ich als einen wirklichen Marterschmerz bezeichnen könnte.

4 Daher könnte dieser mein irdischer Großfeind auch nun vor mir erscheinen, und ich würde zu ihm nichts sagen, als was Du, edelster Freund, bei Deiner Gefangennehmung im Garten Gethsemane (Ölkelter) dem Dich verteidigen wollenden Petrus sagtest, als er dem Knechte Malchus ein Ohr abhieb; – –

5 aber es sei auch das nur bloß ein frommer Wunsch von mir; wenn es irgend im ewig unermeßlichen Raume ein allgerechtes Gottwesen gibt, so wird dieses ihn schon ohnehin den Lohn finden lassen, den er um mich und noch um viele andere verdient hat; solle es aber jedoch, was ich nun kaum mehr glaube, kein solches Gottwesen geben, so wird ihn die Zeit und die spätere Geschichte richten, ohne daß ich so was nur im geringsten zu wünschen brauche!

6 Wenn ich Dir aber schon so einen kleinen Wunsch meines Herzens vortragen kann und darf, und es in Deiner Macht steht, selben zu realisieren, so empfehle ich Dir zuerst meine arme Familie, als da sind mein liebes Weib und vier Kinder, und dann aber alle guten Menschen, die eines redlichen Herzens und Sinnes sind; die reinen Selbstsüchtler, die alles getan zu haben wähnen, so sie nur für sich und für ihre Nachkommen auf Unkosten der gesamten anderen Menschheit auf wenigsten 1.000 Jahre im vorhinein gesorgt haben, aber lasse, so es Dir möglich sein solle, dahin gelangen, daß sie auch noch auf der Erde es schmecken sollen, wie es denen geht, die meist von solchen Reichen abhängend, wie man zu sagen pflegt, von heute bis morgen leben! – Doch sei auch das alles durchaus als kein Begehren, sondern bloß nur als ein frommer Wunsch von mir an Dich betrachtet! Denn ich für mich finde an Dir für alles auf Erden Erlittene und Verlorene die hinlänglichste Entschädigung!«

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