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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 151
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 150

Cyprian dessen Bekenntnis. Miklosch und Cyprian bringen dem Herrn Brot und Wein. Ein gutes dankbares Zeugnis über den wahren Himmel. Einzug der himmlisch-biblischen Gesellschaft in den großen Saal

Am 16. Dezember 1849

1 Robert holt schnell mehr Brot und Wein, und der Franziskaner nimmt, unter dreimaliger tiefster Verbeugung vor dem Brot und dem Weine, das Brot, und ißt es. Schon beim ersten Bissen weiß er sich aus lauter Entzückung über den wunderbarsten Wohlgeschmack gar nicht zu helfen, und es fehlen ihm auch Worte, zu schildern, welchen Eindruck des Brotes enormster Wohlgeschmack auf ihn ausübet. Als er aber darauf den Wein verkostet, da ist es aber völlig aus mit ihm; man vernimmt von ihm nichts (anderes) – als ein nahe nimmer enden wollendes aaah!

2 Bei dieser Verwunderung fragt ihn der schon gestärktere und beherztere Miklosch: »Nun Bruder, was sagst denn du nun zu dieser deiner früheren höllischen Illusionskost? Mir scheint, daß dir dieser Schwefelpfuhl usw. ganz vortrefflich schmecket.« –

3 Spricht gar freundlich lächelnd der Franziskaner: »Mein lieber Bruder, zum Sein eines jeden Menschen gehören 4 Dinge, ohne die kein Mensch gedacht werden kann; davon kommt zuerst das Erschaffen werden in die Welt; darauf kommt die Dummheit, in der sich der Mensch auf der Welt breit macht; Nr.3 kommt dann des Leibes Tod, der zwar der Seele auf eine oft sehr unhöfliche Weise die schwere Fleischbürde abnimmt, ihr aber dabei die weltliche Dummheit ganz ungeschmälert beläßt, und so geschieht es, daß der Mensch Nr.4 in der Geisterwelt zuerst auch dumm sein muß, um weise werden zu können. Und so ging es denn auch mit mir: ich bin erschaffen worden in die Welt; dort war ich dumm, und nach dem Tode war ich hier wieder dumm; nun aber hat sich der Herr meiner erbarmet, und so werde ich nun nach und nach etwas weniger dumm (sein).

4 Mein Gott, du weißt es so gut wie ich, wie dumm unser Glaube bestellet war, und wie dumm das Dogma, das ihn uns einbläute; woher hätten denn wir bei solch einer Lehre die wahre Weisheit schöpfen sollen? Wie das liebe Vieh sind wir erzogen worden, und sind in dieser Eigenschaft auch groß gewachsen; als dann der österreichische Tod über uns gekommen ist, so hat er uns als noch immer unveränderte Ochsen angetroffen, und als solche durch die höchst undelikate Abnahme unseres Fleisches uns dann als noch immer die gleichen Ochsen hierher versetzt, in welcher Eigenschaft wir auch bis an unsere künftigen Ewigkeiten verblieben wären, so nicht der übergute heiligste Herr, Gott und Vater, Seine höchst eigenen allmächtigen Hände an uns gelegt hätte. Ihm daher allein alles Lob, allen Preis und Dank! – Aber da sieh, der Bruder Robert hat richtig noch einen tüchtigen Becher voll Wein, und einen ganzen Laib des köstlichsten Brotes hierher auf den Tisch gebracht!« –

5 Spricht der Miklosch: »Das ist wahrlich zu viel des Guten! Trinke und esse, Bruder! ich habe meinen Mann bereits gestellt, und bin nun so gesättigt und gestärkt, daß ich es für ewig, wie es mir nun vorkommt, aushalten könnte.« – Spricht der Franziskaner: »Mir geht es nun auch also; aber was etwa der Herr dazu sagen möchte, so wir Ihm dieses Brot und diesen Wein hinbrächten?«

6 Spricht die Mutter Maria: »Tuet es! tuet es! Das wird Ihn freuen!« – Spricht der Franziskaner: »Bruder, so die Allerseligste damit einverstanden ist, da gibt es gar kein weiteres Fragen mehr. Er spricht nun zwar etwas Geheimes mit dem Grafen, aber das macht nichts; nimm du nur den Wein, und ich werde das Brot nehmen, und so wollen wir Ihn überraschen.

7 Beide tun nun das, und bringen Mir Brot und Wein, und der Franziskaner sagt in der höchsten Demut: »Herr, Du sagtest dereinst auf Erden: Nun werde Ich von diesem Gewächse nicht eher etwas genießen, als bis Ich es neu genießen werde mit euch in Meinem Reiche. Herr, hier ist nun Dein wahres Reich; o so genieße denn auch zu unserem großen Troste von diesem neuen Gewächse Deines Reiches.«

8 Rede Ich: »Nun, nun, das freut Mich wahrlich ganz und gar sehr, daß ihr euch Meiner erinnert habt, und habt als Kinder eurem Vater auch etwas zu essen und zu trinken gebracht. Ich könnte Mir es freilich wohl Selbst nehmen; aber dann hätte es Mir ja bei weitem nicht so gut geschmeckt, als so es Mir Meine Kindlein zubringen. Und so gebet das Brot und den Wein nur her, und ihr werdet euch sogleich überzeugen, daß Ich im Ernste davon essen und trinken werde.« Darauf verzehre Ich etwas Brot und Wein, und gebe den Rest allen Umstehenden, die alle davon genießen, und eine abermalige noch größere Stärkung in sich wahrnehmen!

9 Der Franziskaner aber sagt dazu im höchsten Grade entzückt: »Herr, Gott und Vater, so mir's je womöglich selbst ein Engel auf der Erde gesagt hätte, daß es in Deinem Himmelreiche so aussähe und zugehe, als wie ich es nun wahrlich überselig mit meinen eigenen Augen sehe, und mit meinen Ohren vernehme, so hätte ich ihm nicht geglaubet. Denn wo ist hier dieser von uns Roms-Katholiken geglaubte übermystisch gloriöse göttlich unanschaubar heilige Nimbus? Wo das schrecklich ernste Richtergesicht des Gottessohnes? Wo das des unerbittlichen Vaters! Alles ist hier so höchst natürlich, die größte Herablassung, die höchste Freundlichkeit von allen Seiten, und Du – als das allerhöchste Gottwesen wandelst am allereinfachsten unter allen einher, und niemand merkt Dir es an, was und wer Du bist. Deine Rede ist die schlichteste von der Welt, und alles an Dir ist Zeuge der größten Prunklosigkeit.

10 Wahrlich wenn einem die große Majestät dieses Saales, das herrliche durch die großen Fenster hereinfallende Licht, und alle die übergut, gesund, frisch und engelsjung aussehenden und herrlichst bekleideten Seligen und Seligsten nicht sageten: Dies ist das wahre Himmelreich, es kann ewig kein wahreres geben, als das, wo der Herr Himmels und der Welten im schlichtesten und prunklosesten Hauskleide unter Seinen Kindern herumwandelt, und für sie sorgt, da ist auch der wahrste Himmel im Vollmaße zu Hause. Ich muß es hier offen gestehen, daß mir hier sogar nach den Worten des Evangelium anfangs so manches nicht zusammen gegangen ist, wie sicher auch mehreren nicht; denn es wird dort öfters erwähnt, wie der Sohn zur Rechten des allmächtigen Vaters sitzet im ewig unzugänglichen Lichte; wieder, wo es heißt: Ich werde kommen in den Wolken der Himmel mit großer Macht, Kraft und Herrlichkeit, und richten die Lebendigen und die Toten. So sah auch ein Stephanus vor seiner Steinigung die Himmel offen, und des Menschensohn zur Rechten des Vaters; und wie seltsam mystisch sind die Gesichte des Johannes, und von allem dem ist hier keine Spur; sondern es ist alles ganz himmelhoch anders. Darum ist es uns gewisserart auch zu vergeben, so wir hier in diesen nun allerwahrsten Himmel eine Zeitlang so hinein schauten, wie allenfalls chinesische Ochsen in ein spanisches Dorf.

11 Aber ich sehe es nun auch ein, daß nur ein gerade so gestalteter Himmel jedem Geiste die wahrste, freieste und somit auch höchste Seligkeit für ewig bieten kann; und dafür sei Du, o heiligster und liebevollster Gott und Vater, von mir und uns allen gelobet, geliebet und gepriesen.«

12 Rede Ich: »Nun, nun, Mein lieber Cyprian, es sieht hier alles sehr einfach aus, und man entdeckt nirgends ein unnötiges Gepränge; aber darum mußt du dennoch nicht dich der vollen Meinung hingeben, als wären mit dem, was du nun siehst, Meine Himmel schon abgeschlossen. O warte nur ein wenig, und du wirst des Wunderbaren noch in der größten Hülle und Fülle zu sehen bekommen. 13 Wir werden jetzt sogleich in den großen anstoßenden Saal gehen, und von dort ins große Museum dieses Hauses, wo sich dir Dinge vorstellen werden, vor denen du sicher niedersinken wirst; aber da darfst du dennoch nicht denken, daß es damit mit Meinen Himmeln schon eine bestimmte Grenzmarke hat; sondern da mußt du dir's so denken: Das ist alles erst des Voranfanges erster Voranfang.

14 Aber alles dessen ungeachtet werd' Ich dennoch bleiben wie Ich nun bin; und wenn du alle Dinge verändert und ins Endloseste veredelt und verherrlicht erschauen wirst, da werde Ich aber dennoch stets und ewig unverändert inmitten Meiner Werke erscheinen, obschon deren Größe und Tiefe keine Ewigkeit je ermessen wird. Jetzt aber machen wir uns nur auf, und begeben uns in den anstoßenden großen Saal!«

15 All die mehreren tausend Gäste gehen nun voraus; denen folgen die Urväter, und die Apostel, vor uns gehet die Maria mit dem Joseph und dem Apostel Johannes, und Mir zunächst gehen der Graf, der Franziskaner, der Miklosch, der General, dann der Thomas und der Dismas; und hinter uns gehet der Robert mit seiner Helena, der Messenhauser, der Dr.Becher, Jellinek, Bruno, Bardo, Niklas und die 24 Tänzerinnen, die dem Robert all das Geschirre und die Gefäße nachtragen.

16 Als wir so geordnet in den großen Saal gelangen, in dem sich die mehreren tausende von Gästen gerade so ausnehmen, als so kaum einige 30 Menschen sich im selben befänden, da sinkt der Franziskaner fast nieder vor Verwunderung und spricht:

17 »O Herr, das ist zu viel auf einmal für einen schwachen Geist! Aber diese Größe, diese Höhe, diese Pracht! Wahrlich; Herr, das wird doch kein Voranfang des Voranfanges sein; sondern das ist schon der gesamte Himmel mit allen Ärmeln, wie man so zu sagen pflegt; der Plafond ist bloß nur gleich der ganze komplette gestirnte Himmel selbst mit den herrlichsten Sterngruppen, und die Wände sind gleich wie Wolken im Morgenrot strahlend; und die wundersamst verschlungenen Galerien gleichen den hohen Bergzinnen, die zuerst im Morgengolde prangen; o herrlich, herrlich! Das ist zu viel, zu viel, viel zu viel auf einmal für einen schwachen Geist! O Herr, wie groß bist Du!« – –

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