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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 15
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 14

Der Anblick von Jesus rührt ihn zu Tränen; seine Begrüßungsrede an Jesus. Des Herrn Erwiderung, Verheißung und Belehrung. Eine bedeutsame Frage: Was möchtest du mit deinen Feinden machen?

1 Als er nun da fest vor Mir stehet, betrachtet er Mich vom Kopfe bis zu den Zehenspitzen, und findet in Mir richtig und ganz unverkennbar den Jesus, den er da zu finden glaubte, und zwar im selben dürftigen Anzuge und auch mit den Wundmalen, wie er sich seinen Jesus gar oft in seiner Phantasie ausgemalt hatte.

2 Nachdem Robert Blum Mich eine Weile ganz stumm betrachtet, fangen ihm Tränen aus seinen Augen zu rollen an und er spricht nach einiger Fassung voll des innigsten Mitleides:

3 »O Du lieber, Du größter Menschenfreund, der Du Herz genug hattest, sogar Deinen grausamsten Henkern und ihren Knechten die schändlichste Unbill, die sie an Dir begingen, von ganzem Herzen zu vergeben und das bloß darum, da Du aus Deiner Menschengröße ihre sicher totalste Blindheit als den gültigen Entschuldigungsgrund annahmst.

4 Aber wie hart muß dabei die Gottheit, Dein so oft gerühmter und über alles gelobter und angebeteter Vater sein, so Er irgendwo ist, daß Er Dich, den edelsten, den vollkommensten und besten aller Menschen nun nahe schon 2.000 Jahre also in dieser ewigen finstern Leere herumschweben läßt, in derselben dürftigsten Armseligkeit, in der Du von Deiner Kindheit an zum reinsten und alleredelsten Menschenfreunde heranwuchsest!?

5 O Du, mein allerbester und aller Liebe würdigster Meister Jesus! – Wie sehr bedauere ich Dich einerseits und wie sehr liebe ich Dich darum aber auch anderseits, eben dieser Deiner bis jetzt noch gleichen Armseligkeit wegen; denn sieh, wärest Du mir in einem nur einigermaßen seligeren Zustande entgegen gekommen, so hätte es mich wahrlich geärgert, daß ein Geist, wie Du, nach dem Abfalle des Leibes nicht sogleich zur höchsten Auszeichnung gelangen solle, wenn es irgend eine höchste und allgerechte vergeltende Gottheit gibt!

6 Aber, da ich Dich hier gerade so noch antreffe, als wie Du die Erde verließest, so scheint die Sache der Wesen und ihrer Verhältnisse eine ganz andere zu sein, als wie wir sie uns vorstellen?! Und weil diese Sache sicher eine ganz andere ist und auch sein muß, so erscheint dieser unser Zustand nach der Ablegung des Leibes als eine in und aus sich bedingte Notwendigkeit, durch die wir freilich erst nach weit hinaus gedehnten Zeitläufen das an uns werden realisieren können, was in unserem Erkenntnisvermögen und Begehrungsvermögen als Basis unseres Seins durch sich selbst gegeben ist.

7 Von diesem Standpunkte aus Dein und mein gegenwärtiges Sein betrachtet, erscheint es dann freilich insofern noch immer bedauernswürdig, weil die Realisierungsfähigkeit dessen, was wir in uns aus den erworbenen Erkenntnissen zur klaren Vorstellung gebracht haben, unberechenbar weit hinter der Macht unseres Willens liegt; allein, um die werden sollende Realisierung unserer klaren Vorstellungen mit der Schwäche unseres Willens oder vielmehr mit der Schwäche der Macht desselben in einige erträgliche Ausgleichung zu bringen, besitzen wir in unserem Gemüte freilich zum größten Glücke eine Art Lethargie, die wir im bürgerlichen Leben Geduld nennen; diese macht uns unseren Zustand wohl erträglich; aber freilich wird sie manchmal auf eine Probe gestellt, von der wir beide uns sicher so manches für ewig werden zu erzählen wissen!

8 Liebster Freund, ich hätte Dir nun so gut, als es mir in diesem Zustande nur immer möglich ist, mein treues und wahres Bekenntnis abgelegt; so Du mich dagegen auch für würdig hältst, da gebe auch Du mir kund, was Du nun von diesem unserem, in jedem Falle noch sehr mißlichen Zustande hältst und denkst? Nur durch unsere gegenseitige Mitteilung, wie es mir vorkommt, werden wir uns eine lang gedachte Zeitenfolge angenehmer und erträglicher machen, als sie sonst selbst an unserer diamantenen Geduld vorübergleiten würde! Sei liebster, edelster Menschenfreund demnach so gut, und öffne vor mir Deinen, für mich wenigsten ganz gewiß heiligsten Mund!«

9 Rede Ich, der Vater in Jesus, dem Robert die Hand reichend: »Sei mir recht vielmal gegrüßt, du Mein lieber, teurer Leidensgefährte! Ich sage dir, sei du froh, daß du Mich gefunden hast, und kümmere dich um's weitere gar nicht; es ist genug, daß Du Mich liebst und nach deinen Erkenntnissen für den edelsten und möglichst weisesten Menschen hältst; alles andere lasse von nun an aber nur ganz Mir über, und Ich gebe dir die heiligste Versicherung, daß am Ende alles, und mögen uns noch was immer für Begebnisse entgegen kommen, gewiß überaus gut ausgehen wird! Denn Ich habe nun hier in dieser Einsamkeit alles durchdacht und durchgemacht, und kann dir auch mit der größten Bestimmtheit sagen, daß Ich eben im Gebrauche der dir am schwächsten vorkommenden Willensmacht es so weit gebracht habe, daß Ich nun, so Ich's will, alles in's Werk setzen kann, was Ich nur immer mir denke und vorstelle; – daß Ich aber dessen ungeachtet hier dir so wie verlassen und sehr einsam vorkomme, davon liegt der Grund bloß in deiner, für diese Welt noch etwas unvollkommenen Sehe; wird diese mit der Weile mehr und mehr gestärkt durch deine Liebe zu Mir, so wirst du auch bald einsehen, wie weit Meine Willenskraft zu reichen imstande ist.«

Am 20. Dezember 1848

10 »Aber abgesehen nun von allem dem, was du ehedem zu Mir gesprochen hast, und was Ich nun zu dir geredet habe, richte Ich bloß eine ganz ernste und bedeutungsvollste Frage an dein Gemüt, die du Mir aber auch ohne Rückhalt ganz getreu zu beantworten hast, und zwar gerade also, wie es dir um's Herz ist! –

11 Die Frage aber lautet also: Siehe, liebster Freund und Bruder, du hast auf der Erde einen ganz redlichen Sinn gehabt – deine Brüder nämlich von dem zu übermäßigen Drucke von Seite ihrer harten und herzlosen Regenten zu befreien; obschon du dazu eben nicht die tauglichsten Mittel dir erwählet hast! Allein Ich sehe da wohl nur allein auf den Zweck und sehe weniger auf's Mittel; wenn dieses nur wenigstens so geartet ist, daß es kein grausames genannt werden kann, dann ist es vor Mir wenigstens auch schon recht und billig! Aber so viel es Mir bekannt ist, so bist du auf halbem Wege zur Realisierung deines guten Zweckes von deinen Feinden ergriffen und bald darauf durch Pulver und Blei hingerichtet worden. Daß dich dieses traurige Begebnis bis in dein Innerstes allerzornsprühendst muß ergriffen und mit einer billigen Rachegier dein Herz erfüllet haben, das finde Ich so ganz natürlich, daß sich darob geradewegs gar nichts einwenden läßt! Wenn du aber nun jenen österreichischen Feldherrn, der dich ergreifen ließ und selbst zum Tode verurteilte, unter deine nun etwa schon sehr mächtig gewordenen Hände bekämest, und nebst ihm auch alle seine Helfershelfer, sage Mir so ganz getreu: Was wohl würdest du mit ihnen tun?«

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