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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 148
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 147

Bathianyis Lobrede an den Herrn und Vater in Jesus. Wichtige Verhältniswinke zwischen Gott und Mensch. Alles hat seine Zeit, auch die Vereinigung mit Gott. Der hell sich dünkende blinde Mönch. Mikloschs Gleichnisrede an ihn, vom verkleideten Herrn

Am 4. Dezember 1849

1 Spricht der Graf ganz zerknischt vor Liebe, und tiefster Erfurcht: »O Herr, bei deinem allerheiligsten und allmächtigsten Namen, es ist Dir sicher leichter zu sagen: Stehe auf, und komme, als für mich Sünder, aufzustehen vor Dir – dem ewigen Herrn der Unendlichkeit. Es kommt mir nun das Aufstehen nahe gerade so vor, als wie es einer Blattmilbe, so sie eine Intelligenz hätte, vorkommen müßte, so die ganze Erde zu ihr sagete: Du winzigstes Tierchen, dem das Blatt einer Staude eine Welt voll Wunder ist, erhebe dich, und begleite mich auf meiner weiten Reise um die Sonne. O Herr, das müßte für die große Erde doch eine sonderbare Gesellschaft abgeben, die schwerlich je von dem Auge eines Naturforschers beobachtet werden möchte und dürfte etwas vom Uranus aus selbst mit Trillionen mal vergrößernden Fernrohren noch schwerer zu entdecken sein, als wie von der Erde aus die Monde desselben Planeten mit freien unbewaffneten Augen der Menschen. Und doch taugete eine Blattmilbe viel eher noch für einen Trabanten der Erde, als ich, ein totales Nichts, für einen Begleiter des ewig unendlichen Gottes, gegen Dem die ganze Schöpfung für sich nicht einmal wert ist, ein Punkt genannt zu werden.

2 O Herr, – ich – ein dummer Menschengeist, ein Nichts im Nichtse vor Dir, und Du das unendlichste ewige Alles in Allem, und solle Dich begleiten. Nein, dieser Gedanke ist zu ungeheuer für einen geschaffenen Geist, dessen ganze Größe physisch und moralisch mit 5 Spannlängen erschöpft bemessen werden kann, während Dein Maß keine Ewigkeit je ergründen wird. O lasse mich doch noch eher ein wenig tiefer fassen; denn mir schwindelt es ungeheuer vor Deiner unendlichen Größe in Allem.«

3 Rede Ich: »Aber Mein geliebter Bruder, jetzt wirst du Mir schon ordentlich fad' mit deinen Elogen (Lobreden) an Meine endlose Macht, Kraft und Weisheit. Da stelle dich einmal zu Mir her, und prüfe selbst, um wie viel Meine Nase über die deinige emporragt. Schau, schau, du kindischer Bruder. Ich muß als Gott ja das sein, was und wie Ich es eben sein muß; auf daß du aus Mir und neben Mir das sein kannst, was du bist, und was du vielmehr noch werden wirst. Übrigens bist du ja doch Mein Werk, und so du dich dann als Mein Werk gar so für ein vollstes Nichts ansiehst, da beschimpfst du ja Mich, und das meine Ich, wirst du ja doch nicht füglich tun können?«

4 Spricht der Graf: »Nein, nein, nein, Herr, ewig nein, von Dir aus bin ich ja ungeheuer groß. Aber nur von mir aus bin ich nichts. Nun, nun, ich stehe nun schon auf; denn Dein Wort hat mich nun ganz aufgerichtet.« – Darauf richtet sich der Graf vollends auf, und gehet sogleich ganz mutig zu Mir hin, und sagt: »Herr, Vater, Gott, Jesus! ich bin nun durch Deine alleinige Liebe und Gnade ganz geheilt, und die gewisse übertriebene Furcht vor Dir ist auch dahin; aber dafür eine unbegrenzte Liebe zu Dir tobet förmlich wie zur höchsten Leidenschaft potenziert in jeder Fieber meines Herzens. Nach und nach wird sich vielleicht auch diese neue Eigenschaft des geistigen Lebens wenigstens in etwas legen; aber jetzt möchte ich Dich wohl so mit aller meiner Lebenskraft umarmen, und also sterben in der höchsten Gottesliebe unbeschreiblichsten Wonne. Herr, lasse Dich nur ein bißchen umarmen, und an mein vor Liebe gleich einem Ätna oder Vesuv brennendes Herz drücken!« –

5 Rede Ich: »Mein lieber Bruder, das würde dir jetzt schädlich sein, weil dein Geist in der Seele noch zu wenig festen Fuß gefasset hat; aber wann dein Geist ehestens eine rechte Konsistenz erreicht haben wird, dann werden wir uns auch ohne alle Furcht vor irgend einem Schaden umarmen können. Denn weißt du, lieber Bruder, Ich bin freilich, so viel als nur immer möglich, dir gleich ein Mensch; aber in diesem Menschen wohnt dennoch die Fülle Meiner Gottheit leibhaftig, und diese würde dein Geist nicht ertragen, sondern zersprengen alle Fesseln, und sich dann vereinen mit der Gottheit in Mir, als seinem ewigen Urgrunde und Urelemente. Wann aber dein Geist in deiner Seele vollkommen sich wird geordnet haben, und wird erfüllet sein mit aller Stärke der Liebe aus Mir in ihm selbst, dann wird er Meine Umarmung ohne allen Nachteil ertragen können.

6 Jetzt aber gehe mit Mir nur geschwind zu den anderen hin, auf daß auch sie alle auf deinen Erkenntnis-Grad mögen erhoben werden; denn ihre Wißbegierde ist nun schon über die Maßen groß und stark; denn sie wissen es noch immer nicht, welche Resultate du mit deiner Christussucherei herausgebracht hast; – der einzige Miklosch hat eine ganz tüchtige Ahnung, die ihm aber der Franziskaner gleichfort bestreitet, und dadurch auch die übrige Gesellschaft nach seiner Meinung stimmet. Daher müssen wir schnell hin, um dem Franziskaner ein wenig den etwas zu vorlauten Mund zu stopfen.« –

7 Spricht der Graf: »O Herr, Du ewige Güte und Sanftmut, das ist ganz aus meinem Gemüte gesprochen! Dieser Mönch ist zwar an und für sich ein gutes Wesen, so überhaupt außer Dir noch etwas gut sein kann; aber was da seine gerade nicht zu verwerfenden Begriffe über das Verhältnis Gottes zu den Geschöpfen, und so umgekehrt betrifft, da ist er unverdaulicher als ein gekochtes Pfund Leder. Ich bitte Dich, Herr, nur den lasse Du so ein wenig durch – wie man so zu sagen pflegt.« – Rede Ich: »Ganz gut, ganz gut, aber nun ein wenig mehr leise gesprochen, denn sie kommen uns schon entgegen!«

8 Ich bewege Mich nun mit dem Grafen der Gesellschaft entgegen, und der Franziskaner ruft dem Grafen schon von weitem zu: »Nun, lieber Herr Graf, welche Resultate haben sie, hast du, wollt' ich sagen, denn auf deiner Saaldurchsuchung geerntet? Hast Ihn etwa doch irgendwo gefunden, den Herrn über Leben und Tod, und über Himmel, Erde und Hölle? Mir scheint's der famose Zwillingsbruder verzieht noch immer, denn ich sehe noch keinen dritten bei euch beiden.«

9 Spricht der Graf: »Mein Freund, das hat's auch gar nicht von nöten; denn wir beide genügen uns auch ohne die Dazwischenkunft eines dritten; verstanden, Herr von stets hübsch stark Naseweis.« – Hier stupft der Miklosch den Franziskaner und sagt: »Herr Ziperl, merkst was, und wirst des Ecksteines nicht eher gewahr, als bis du dir daran deine Nase breitschlagen wirst?« – Spricht der Franziskaner: »Nun, was denn, was für einen Eckstein? Wo ist denn hier einer?« – Spricht der Miklosch: »Ich glaube, der Graf hat es dir doch so hübsch auf deutsch gesagt. Aber du siehst noch den Wald vor lauter Bäumen nicht!« –

10 Spricht der Franziskaner: »Ich weiß es wahrlich nicht, was du mit dem »Wald vor Bäumen nicht sehen« immer hast, erkläre dich einmal deutlicher! Was ist es wohl, das mir der Graf auf ziemlich gut deutsch gesagt haben solle? Er sagte nichts, als: daß er und unser aller bisher noch zumeist unbekannter Freund sich auch ohne die Dazwischenkunft eines dritten genügen. Ist denn das gar so etwas Außerordentliches? Ich verstehe diese Sache ganz natürlich: Der dritte, Allerhöchste wird wahrscheinlich noch sehr lange verziehen, da von uns wohl keiner als moralisch Wesen so gestellet ist, daß er sich als würdig erachten könnte Gott zu schauen; so lange man aber außer der notwendigen Würde sich befindet, und einen schon würdigen Gottesfreund zur Seite hat, der einem alle die rechten Wege zu Gott zeiget, da kann man auch leicht sagen: Wir beide genügen uns auch ohne die Dazwischenkunft eines dritten, es versteht sich von selbst nur vorderhand. Denn das wäre sehr traurig, wenn wir nie zu der Anschauung Gottes gelangen sollten.«

11 Spricht der Miklosch: »Freund, du bist vernagelt, sonst kann ich dir nichts sagen, weil ich dir nichts anderes laut einer mahnenden Stimme in mir sagen darf. Es kann zwar auf der Welt noch eine große Menge von solchen vernagelten Köpfen geben, wie da ist der deinige; aber sie werden doch sicher alle eher zu kurieren sein, als du, obschon sie noch in der Welt in ihrem stummen Fleische wandeln, während du als Geist dich lange schon hier in den Gefilden Gottes befindest, dabei aber dennoch stummer und blinder zu sein scheinst, als der leidigste Mittelpunkt der Erde. Um dir aber möglicherweise dennoch etwas mehr die Augen zu öffnen, so will ich dir ein passendes Gleichnis erzählen; gebe aber wohl acht, auf daß du's verstehest, was ich dir damit sage! Siehe, es war auf der Erde einmal ein gar großer und mächtiger Herr und Gebieter; da es ihm aber darum zu tun war, seine verschiedenen Untertanen persönlich kennen zu lernen, da er sich nicht mit dem Ohrenblasen der geheimen Spitzel begnügte, so verkleidete er sich oft zu einem ganz odinären Menschen, und besuchte sogar zu öfteren Malen als Bettler die Häuser der Reichen, die besonders mit der Obsorge für die Armen von ihm aus öffentlich betraut waren; und wohl denen, die Er als Unerkannter in der von ihm gegebenen gesetzlichen Ordnung traf; aber es war jedem ein gar starkes Wehe sicher vorbehalten, den er nicht in der gesetzlichen Ordnung fand. Und siehe, der Herr des Himmels und aller zahllosen Miriaden von Welten und Sonnen scheint ein Ähnliches zu tun, freilich sicher nicht in der Absicht, um Seine verschiedenen Menschen zu prüfen, und daraus erst zu ersehen, wie sie beschaffen sind; sondern um ihnen eine Gelegenheit zu geben, sich selbst zu prüfen und zu läutern, wozu Er ihnen durch Seine Liebe und Weisheit die handgreiflichste Gelegenheit gibt; aber ich möchte beinahe auch hier sagen: Wehe jenen, die durch ihren Eigensinn, durch ihre, man könnte sagen, absichtliche Blindheit und Stupidität Ihn bezüglich Seiner Langmut und Geduld auf eine zu empfindliche Probe stellen. – Hast du dieses Gleichnis verstanden?« –

12 Spricht der Franziskaner: »So ziemlich, aber was soll ich damit? Soll ich deshalb etwa gar jenen fremden Freund für den gewisserart verkleideten Herrn Himmels und der Erde ansehen? oder ist vielleicht irgend jemand anderer hier? – Am Ende gar dieser mit dem strahlenden Hute? Diesen aber kenne ich, daß er meines Standes auf der Erde war, und muß erst hier zu dieser Ausstrahlung des Kopfes gelanget sein; denn auf der Welt was sicher nichts strahlenloser als sein Kopf. Sage mir daher, wo ist Er denn, der Verkleidete, daß ich hingehe, vor Ihm niederfalle und Ihn gebührend anbete?«

13 Spricht Miklosch: »Freund, ich habe dir schon beinahe zu viel gesagt, und rede nun kein Wort mehr mit dir; dort ist der Graf mit dem großen Freunde; wende dich zu ihnen hin, und frage sie um den Verkleideten. Das aber bleibt eine ewige Wahrheit: »Ein Pfaffe ist auf der Welt gewöhnlich das hartnäckigste Wesen, und in der Geisterwelt mag er den Herrn nicht erkennen, so er auch mit Ihm hart zusammenstößt! – Weißt du, wer zu Jerusalem am blindesten und verstocktesten war, siehe, es waren die Pfaffen! Und willst du wissen, welchen Menschen auf der Welt nahe aller Glaube mangelt, und sie auch am wenigsten geneigt sind einen wahren Glauben anzunehmen? Siehe, das sind wieder die Pfaffen, und hauptsächlich die römisch-katholischen, zu denen auch du gehörst. Jetzt habe ich dir's zur Genüge gesagt. Gott gebe, daß es dir etwas nützen möchte; aber jetzt gehe du nur zu den zweien hin, und bespreche dich mit ihnen; ich habe ausgeredet.«

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