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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 145
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 144

Die dreißig folgen dem Fremden als Führer ins Haus. Die Neuangekommenen Staunen. Der bekehrte Graf ist nun Bruder. »Ihre Augen wurden gehalten, auf daß sie Ihn nicht erkannten.« Die reine kindliche Seele. Mikloschs gute Ahnung

Am 25. November 1849

1 Bathianyi schließt sich rechts knapp an den Fremden an, und der Franziskaner auch, und zwar zur Linken, so knapp als möglich, und der Miklosch geht als Anführer der ganzen Gesellschaft hinter dem Fremden von Tritt zu Tritt nach.

2 Je näher sie dem Hause kommen, destomehr fällt ihnen die ungeheure Großartigkeit und unnennbare Pracht und Majestät des Gebäudes auf. Schon so hübsch in der Nähe des Hauses kann sich Bathianyi nicht mehr halten vor Verwunderung, und sagt in einer höchsten Exaltation (übertriebenen Begeisterung): »Freund, Freund, Freund! das können weder Engel, und noch weniger die weisesten Geister aus allen Sternen erbauet haben, sondern das hat Gott mit höchst eigener Hand erbauet. Diese furchtbare Größe, und dabei dennoch eine über alles ästhetische Ebenmäßikeit, die mit nichts zu vergleichen ist! Ach, das ist mehr, als was wir alle ewig je begreifen werden. Nun, nun, nun! So dies Haus aller Häuser schon äußerlich so unaussprechlich wundervoll angeordnet ist, wie erst wird es innerlich eingerichtet sein.«

3 Spricht der Franziskaner: »Du hast recht, bitte um Vergebung, Herr Graf! Sie haben ganz recht, wollt ich sagen.« – Spricht der Graf: »Freund, bleiben sie beim du, ich will von keiner Titulatur irgend mehr was wissen, wir sind von nun an Brüder!« –

4 Spricht der Franziskaner: »Schön, schön und gut, lieber Freund, das war schon lange mein Wunsch; aber nun zur Sache! Also, du hast recht! Ich habe doch die Peterskirche zu Rom samt dem vieltausendzimmrigen Vatikan gesehen, und ich sage es dir, das alles ist kaum ein Schneckenhaus gegen diesen Palast. Ganz gering gerechnet könnte nach meiner Augenschätzung in diesem Riesenpalaste aller Riesenpaläste wohl ganz bequem 100 mal die ganze Bevölkerung der Erde Platz haben; da betrachte man nur einmal diese Breite der ersten Hauptfront. Da geht's ja links und rechts nahe gerade in's Unendliche hin; und was da die Höhe betrifft, so kommt es mir vor, daß, so es auch hier einen Mond gäbe, er offenbar an den Giebel des Daches anstoßen müßte. Denn solch eine Höhe läßt sich wohl nimmer nach Klaftern, sondern nur nach Meilen bestimmen. Ach, ach, das ist etwas Ungeheures! Nein, da könnte man aber schon gerade zu einem Narren werden.« –

5 Spricht der Graf zum fremden Führer: »Aber sage uns doch, Du lieber guter Freund, wohnt etwa der Herr, Gott Jesus Christus, in diesem mehr als weltgroßen Gebäude? Denn für einen oder auch für mehrere seligste und größte Engel wäre es denn doch zu ungeheuer groß und herrlich.«

6 Spricht der der Gesellschaft noch Fremde: »Ja, ja, Er Selbst wohnt auch sehr häufig in solchen Häusern, und so auch in diesem bei Seinen Freunden und Kindern. Nur in diesem Augenblicke ist er nicht im Hause; wird aber, so ihr in das Innere des Hauses treten werdet, Sich auch höchst wahrscheinlich sogleich einfinden; nur müßt ihr da hübsch Obacht gegen, daß ihr Ihn erkennet.« –

7 Spricht der Graf: »Eljen Christus! O Freund, bei Gott, wenn ich nur einmal Christus sehen könnte, so verlange ich mir nachher keine andere Seligkeit mehr! Aber weißt Du, wohl den wirklichen Christus, und nicht so eine römische Maskerade!« – Spricht auch der Franziskaner: »Ja, ja, auch ich verlange mir keine andere Seligkeit mehr.«

8 Tritt auch ein anderer aus der Gesellschaft vor und sagt: »Oh, oh, ich bitte, auch nur einmal Christus (zu) sehen; und wann kunnt möglich sein, auch den heiligen Joseph, weil er war mein Namenspatron. Aber wann kann nit sein, verlange ich nit, wenn kann ich nur Christus sehen.«

9 Spricht der Fremde: »Ja, warum möchtest denn du gar so ungeheuer gerne Christus sehen? Erkläre mir das!« – Spricht der Hervorgetretene: »Ho, da braucht ja nix Erklärung. Weil ich hab Christus gar so gern über alles; und was man so hat über alles gern, das möcht man auch über alles gern sehen!« – Spricht der Fremde: »Das ist schon recht; aber warum hast denn du Christus gar so über alles gerne?« – Spricht der Hervorgetretene: »Ho, das ist ganz klar, weil ist Er Christus, und weil ist Er Gott, und weil hat Er mich erlöset von der Höll, und weil war Er auch gar so a guter Heiland!« – Spricht der Fremde: »Aber was wirst du machen, so du Christus sehen wirst?« – Spricht der Hervorgetretene: »O da werd i vor Freud Eljen Christus schreien und aufspringen, und Ihm, wann werd' i dürfen, um den Hals fallen.«

10 Spricht der Fremde: »Nun, nun, das sehe ich jetzt schon, daß du Christus sehr gerne hast; aber was machtest du denn dann, wenn dich Christus nicht so gerne hätte, wie du Ihn?« – Spricht der Befragte: »Ho, das macht nix, weil bin i so nit wert, daß soll mich Christus a gerne haben. Da werd' ich mir nix draus machen!« – Spricht der Fremde: »Mein Lieber, geh nun wieder zu deinen Kameraden zurück, und zwar mit der Versicherung, daß dich der Herr Christus vielleicht doch noch lieber haben wird, als du Ihn.«

11 Der Joseph geht nun zurück, und der Fremde spricht zum Grafen: »Höret, der hat mit seinem Herzen, statt mit seiner Zunge gesprochen; das ist auch der Unschuldigste unter euch allen, und hat seine irdische Todesstrafe wahrlich nicht im geringsten verdient: auf den Menschen muß Ich schon eine besondere Rücksicht nehmen. Nun sind wir aber auch am Tore; lasset uns sonach denn auch sogleich einziehen in dieses Hauses Gemächer!«

12 Spricht der Graf: »Liebster Freund, nur noch eine Bitte! Sage uns doch gütigst, so Christus ankommen wird etwa mit vielen Millionen Engeln; wie werden wir Ihn gleich erkennen?« – Spricht der Fremde: »Da verlasset euch nur auf Mich! Ich habe es euch ja schon einmal gesagt, daß Er Mir vollkommen ähnlich sieht; ihr dürfet dann nur Mich ansehen, und vergleichen, ob jemand Mir ähnlich aussieht, und der wird es dann auch sein!« – »Ich danke Dir,« spricht der Graf, »weil Du bei uns bleibst, da wird uns Christus der Herr auch nicht durchgehen, ohne daß wir Ihn seheten. Nun, nun, das ist gut, das ist sehr gut!«

13 Spricht auch der Miklosch von hinten: »Freunde, wie ich’s nun merke, so sind wir noch ein wenig blind. Ich sage es euch, ich habe eine ganz besondere Ahnung.« – Spricht der Franziskaner: »No, was denn für eine Ahnung?« – Spricht Miklosch: »Ich sage euch sonst nichts, als; in der Bälde aber werdet ihr es auch fühlen und sagen: Aber wie konnten denn wir gar so blinde Ochsen sein! Habt ihr mich verstanden? Gar so blinde Ochsen!«

14 Spricht der Graf: »Liebe Freunde, wir stehen bereits an der Schwelle des großen Einganges in ein Haus, wovon Sonne, Erde und Mond nichts Ähnliches aufzuweisen haben dürften; mit dem Eintritte in die Wundergemächer wird auch sicher der Eintritt in ein ganz neues bisher noch nie geahntes Lebensverhältnis auf das Engste und Unwiderruflichste verknüpfet sein. Vor diesem von unberechenbaren Folgen vollen Eintritte sagt der Bruder Miklosch, daß er eine gar gewichtige Ahnung habe und macht uns aufmerksam, und erstaunt förmlich, wie wir anderen davon noch keine Spur haben mögen. Weil aber dieser Eintritt in dies Wunderhaus von den allergroßartigst wichtigen Folgen sein muß, so bin ich der Meinung, daß sich der Bruder Miklosch über seine Ahnung eher ganz klar ausdrücken sollte, bevor wir in dieses Hauses Gemächer treten. Denn so eine Ahnung kann uns vom größten Nutzen sein, so wir tiefer in ihre Elemente einzugehen vermögen. Sei daher du Bruder Miklosch so gut, und detailliere uns deine Ahnung. Unser lieber Freund wird schon so gut sein, und ein paar Augenblicke Geduld mit uns haben.«

15 Spricht Miklosch: »Ja, meine lieben Freunde, meine Ahnung ist wahrlich sonderbar. Aber ich kann sie euch nicht beschreiben; aber mir kommt es hier nahe so vor, als wie es so nach meinem Gefühle denen zweien nach Emmaus wandelnden Jüngern vorkommen mochte, als der Herr Selbst in ihrer Mitte wandelte, und sie Ihn nicht erkannten, obschon Er sie allerweisest über allerlei belehrte. Sehet, gerade so kommt es mir hier vor; und ich wollte beinahe eine Wette eingehen, daß diese meine sonderbare, mich durch und durch beseligende Ahnung nicht ganz mit einem leeren Stroh zu vergleichen sein wird. Kurz, kommt Zeit – kommt Rat; am Ende wird es sich dennoch zeigen müssen.«

16 Spricht der Graf: »Geh, geh, geh, du lieblich frommer Schwärmer! Was meinst denn du? Christus der Herr wird aus Seinem allerhöchsten Himmel auch so ganz schlicht und ohne alle Glorie zu uns groben Sündern herabsteigen, als wie Er als Menschensohn zu den harten Juden herabgestiegen ist. Schau, schau, wo tust du dich denn hin? Bedenk’ doch, was und wer Christus ist, und was und wer wir sind, Ihm gegenüber. Dann wirst du gleich zu einer anderen Ahnung kommen. Siehe, deine gute Ahnung ist nichts als so ein recht artiges Christusluftschlößchen, deren ich auch in meiner Jugend in die schwere Menge gebaut habe. Aber wo ist die liebe Wirklichkeit geblieben! Mir gefällt übrigens dein Luftschlößchen nahe besser als dies Haus, und muß dir's sagen, so es eine Realität hätte, ich sicher der glücklichste Geist von der ganzen Unendlichkeit wäre. Aber darüber seien wir ganz ruhig; denn weißt du, Christus mag noch so gut und herablassend sein, ob Er es aber gar so wohlfeil geben wird, wie wir uns es in unseren idyllischchristlichen Luftschlößerchen ausmalen, das möchte ich denn doch ein wenig stark, verstehst du, bezweifeln. Hab' ich recht oder nicht?«

17 Spricht Miklosch: »Du hast recht; aber ich kann dem ungeachtet meine Ahnung nicht los werden, und wahrlich, mein Herz bebet in mir!« – Spricht der Graf: »Laperl! s' meinige bebet auch, und das wie! Aber das macht der bedeutungsvollste, vor uns harrende Eintritt in dieses sicher echteste Gotteshaus, und die Ungewißheit, was uns darinnen alles begegnen wird.« – Spricht Miklosch: »Ja, ja, du wirst am Ende denn doch noch recht haben. Das wird es sein, ja, ja, das ist es ganz sicher!«

18 Spricht der Fremde: »Nun, seid ihr schon fertig mit eurer Debatte?« – Spricht der Graf: »Freund, wir sind schon wieder ganz in der Ordnung! Es wäre freilich sehr interessant, auch von Dir über diesen Punkt eine kleine Aufklärung zu bekommen; aber Du greifst schon nach der Türschnalle, daher wird sich vielleicht ja noch im Hause irgend eine Gelegenheit finden, um darüber unseren Verstand ein wenig näher zu beleuchten.« –

19 Spricht der Fremde: »Oh allerdings, da wird es noch gar manche Gelegenheiten geben. Aber nun heißt es einmal ins Haus treten; und so denn öffene dich, du Pforte zum ewigen Leben!«

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