Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Jakob Lorber >

Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 143
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
Schließen

Navigation:

Kapitel 142

Einige Praktische Lebenslehren. Graf Bathianyi dankt und folgt. Bester Rat: gerecht und sorglos zu werden; die rechte Sorge. Der rachsüchtige Franziskaner gründlich belehrt; Gleichnis vom verletzten Leib

1 Spricht der Fremde: »Meine lieben Freunde! Ich verlange von euch noch keine Bitte, sondern bloß nur ein folgsames sanftes Herz; alles andere wird dann schon von selbst kommen, und ihr sollet dann ewig an nichts einen Mangel zu erleiden haben. Aber ihr müsset euch fürderhin wegen irgend einer Meinungsverschiedenheit nicht mehr anfeinden, und euch gegenseitig eine Menge Sünden vorwerfen, und euch gegenseitig beschuldigen, als hättet ihr ein Recht, auch zu richten und zu verurteilen!

2 Da ihr alle in der Schrift so ziemlich bewandert zu sein scheint, so müsset ihr es ja auch wissen, daß, wer zu seinem Bruder sagt: Du Racker! Er des Gerichtes schuldig sei; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Narr! Des ewigen Feuers in der Hölle schuldig sein solle. So ihr dieses wisset, wie könnet ihr dann hadern miteinander. Ich sage es, ein jeder aus euch allen ist für sich voll Fehler und Gebrechen, und hat genug vor seiner Türe zu fegen; daher mache sich keiner breit über die Fehler seines Bruders; denn das ist am meisten ein Greuel vor Gott.

3 Auf der Erde wohl weiß Ich leider, wie Brüder gegen Brüder zu Felde ziehen, aus purem Hochmut und der bellendsten Habsucht; denn da will ein jeder weiser sein als der andere; ein jeder hält sich für fehlerfrei gegenüber seinem Bruder, und zeichnet seinen Bruder oft mit allen Farben der Hölle. Besonders schief und scheel werden die irdisch Wohlhabenderen von den Ärmeren angesehen und beurteilet, wozu freilich ein nicht selten zu knickeriger Geist der Wohlhabenderen die Veranlassung ist. Da aber der Wohlhabende auch stets der Mächtigere ist, und der Ärmere bei ihm Dienste und Brot suchen muß, und ihm dadurch die Priorität zugestehen muß, so tut er das aber dennoch nicht aus Liebe, sondern aus Not, und es wurmt ihn heimlich nicht selten ganz entsetzlich, daß er seinem Bruder untergeordnet sein muß und befolgen dessen Gebote, während er doch um sehr vieles lieber seinen wohlhabenden Bruder auf jede erdenkliche Art beherrschen möchte. Daß, wie ehedem bemerkt, auf der Erde leider zwischen Brüdern solche Verhältnisse stattfinden, ist traurig genug gegenüber dem reinsten Gottesworte.

4 Aber hier im Reiche der Geister, wo von keinem Mangel, von keiner Armut, und von keiner Priorität mehr die Rede sein kann, dürfen solche irdisch aussehenden Gehäßigkeiten wohl ewig nimmer zum Vorscheine kommen. Denn ich sage es euch ohne Hehl: Wer seinen Bruder haßt aus was immer für einem Grunde, in dem ist Gottes Gnade nicht, und seine Seele ist ein Teufel voll Hochmutes, und voll unversöhnlichen Geistes, und ihr steter Wunsch ist – alles Ungemach und Unglück, zu einer gewissen strafartigen Witzigung ihren Brüdern (zu wünschen), darum sie ihnen ein eingebildetes Unrecht antaten.

5 Eure gegenseitigen Belehrungen mögen noch so gut und richtig sein; was nützen sie aber, so hinter ihnen ein gewisser Prioritätseifer, Herrschlust, Eigennutz und allerlei Habsucht stecken. Wer seinen Bruder wirksam lehren will, der muß zuvor den Balken aus dem eigenen Auge entfernen, und dann erst voll Liebe zum Bruder sagen: Mein teuerster Bruder, ich sehe, daß ein Splitterchen eines deiner Augen trübet; komme zu mir oder lasse mich zu dir hingehen, auf daß ich es dir ganz sanft aus dem Auge nehme. Sehet, sogestaltig wird dann jede Lehre, die sich Brüder gegenseitig erteilen, voll der herrlichsten Wirkung sein, aber so Brüder durch ihre gegenseitige oft ungebetene Belehrung nur zeigen wollen, daß jeder aus ihnen der Weisere und Bessere sei, und der am meisten Autoritätswürdigere, da ist die beste Belehrung kein nütze, sondern verdirbt nur, und macht es schlechter, wo sie es leider oft nur zu augenscheinlich eigennützig bessern wollte.

6 Sehet, Ich bin ein rechter Lehrer; denn Ich verlange von euch nichts, als daß ihr das annehmet, das allein zu eurem höchst eigenen Frommen dienen kann; und so müsset ihr alle sein gegenseitig, dann werden gesegnet sein eure Worte.

7 Der Bruder Miklosch ist ehedem euch allen gegenüber also aufgetreten, und seine Worte haben sogleich Eingang in eure Herzen gefunden; hätten der Bruder Cyprian und der Bathianyi auch also gesprochen, so wäre diese ganze Gesellschaft schon um viele Schritte weiter; aber diese beiden wollten einander nur – und zwar ganz evangelisch (religiös) – beweisen, daß ein jeder aus ihnen der Vorzüglichere ist, und so lag in ihren Worten denn auch kein gesegnetes Gedeihen.

8 Leget sonach nun alles ab, was nur immer einen Schein von irgend einem Vorzüglichkeits-Gelüste in sich birgt, ansonst ihr nicht Kinder eines und desselben Vaters im Himmel werden könnet! Was könnte es euch wohl nützen, so ihr es mit eurer gegenseitigen Bekehrung dahin brächtet, daß einer dem anderen eine ganze Welt abgewänne, dabei aber an der eigenen Seele den größten Schaden erlitte, was wohl wird er geben können, seine eigene Seele zu erlösen aus dem Pfuhle des Verderbens.

9 Ihr kennet doch das Gebet des Herrn? Sehet, da lautet es unter anderem: »Vergib uns unsere Sünden, so wie wir sie vergeben unseren Brüdern, die sich an uns versündiget haben.« So ihr aber allerlei schwere Versöhnungsbedingungen stellet, die von dem Gegenparte oft kaum zu erfüllen sein dürften zu eurer Genüge; auf was basiert ihr dann eure Parallelbitte zu Gott?

10 In der Schrift heißt es auch: Segnet, die euch fluchen, und tut Gutes denen, die euch hassen und Übles wollen. So ihr aber schon als Freunde und Unglücksgenossen euch untereinander zerzausen möchtet, was würdet ihr dann euren Feinden tun. Und doch sage Ich es euch, daß aus euch keiner eher in das Gottesreich wird eingehen können, als bis er gleich Christus am Kreuze aus der Tiefe seines Herzens ausrufen wird: Herr! vergib es ihnen, denn sie wußten es ja nicht, was sie taten!

11 Seid ihr alle damit einverstanden, so kommet nun mit Mir in jenes Haus; im Gegenteile aber bleibet, und suchet euch selbst eine Herberge! Denn frei ist eurer Wille für ewig.«

12 Spricht der Bathianyi: »Freund, deine Worte sind zwar wie scharfe Pfeile, und treffen allezeit ganz genau das Zentrum, aber sie verwunden dennoch kein Herz; denn sie sind vollkommen nach der besten Ordnung, in der allein eine Gesellschaft glücklichst bestehen kann, mehr als überaus wahr; und ich, und hoffentlich wir alle nehmen sie, wie du sie uns gütigst gegeben hast, allerdankbarst an. Auf diese Deine Worte vergebe ich auch aus meinem ganzen Herzen allen meinen irdischen Feinden. Denn sie taten, was sie taten, wahrlich nur in einer blinden Siegeswut an uns, ihren vermeinten größten Feinden. Gott der Herr vergebe es ihnen. Von mir aus haben sie keine Schuld mehr an mir.

13 Nur möchte ich den Herrn Himmels und der Erde bitten, daß Er meines Weibes und meiner Kinder gedenken möchte, und sie so leiten, daß sie dereinst auf einem besseren Wege zu Gott dem Herrn gelangen möchten, als es bei mir der Fall war!«

14 Spricht der Fremde: »Mein lieber Bruder! – sorge du dich um nichts mehr, was auf der Erde unten ist und geschieht; denn dafür sorgt schon der Herr, der euch allen hier um sehr vieles näher ist, als ihr es meinet. Was dein Weib und deine Kinder anbetrifft, so tut ihnen eine recht tüchtige irdische Demütigung überaus not, ohne die sie wohl kaum ewig je dahin gekommen wären, wo du dich nun befindest; aber durch diese Demütigung lernen sie doch etwas die vollste Nichtigkeit aller irdischen Güter kennen, und heimlich sogar verabscheuen, und so wird es ihnen nach der Ablegung ihres Leibes leichter werden, in das Reich des Lichtes zu gelangen. Du aber sorge dich nun um nichts anderes, als um die Liebe zu Gott und allen deinen Brüdern; alles andere wird dir von selbst hinzukommen!« –

15 Spricht der Franziskaner: »Freund, ich bin sonst auch ganz in der Ordnung, was hier diesen meinen Leidensgenossen betrifft, aber was die unbarmherzigsten wahren Teufel auf der Erde betrifft, da bin ich wohl nicht so leichten Kaufes fertig, als der Freund Bathianyi, und vielleicht noch einige andere mehr. Denn das muß ja doch die liebe weiseste Gottheit Selbst einsehen, daß denn das doch keine Kleinigkeit ist, auf der Erde gleich einem gemeinsten Straßenräuber per Galgen hingerichtet zu werden. Für solchen Frevel verlange ich von Gott eine gerechte Sühne durch eine verhältnismäßige scharfe Züchtigung an unseren Richtern zu nehmen, ansonst mein Herz nicht leichtlich je eine Ruhe finden wird.«

16 Spricht der Fremde: »Freund, die, welche dich gerichtet haben, sind ebenso des Herrn, wie du. Nehmen wir aber an, du hättest durch Unvorsichtigkeit dir mit deinen Händen an den Füßen eine Verwundung zugefügt, die dich sehr schmerzete, so daß du im Schmerze deine Hände verwünschtest, und es käme jemand zu dir, und sagte: Freund, das haben dir deine eigenen Hände zugefüget, nehme darum volle Rache an ihnen, und lasse sie dir abhauen. Denn sie sind fürder nicht mehr wert, Teile deines Leibes zu sein. Sage Mir, würdest du diesem Antrage wohl Gehör und Willen leihen?«

17 Spricht der Franziskaner: »O, vor so einer Dummheit wird einen Menschen doch die liebe Gottheit bewahren. Das wäre nicht übel! Zu einem Wehe noch ein Zehnfaches hinzufügen!«

18 Spricht der Fremde: »Aha, da habe Ich dich schon, wo Ich dich haben wollte! Wenn dir ein zweites Wehe zufolge des strafartigen Abhauens deiner Hände, die sich doch offenbar an deinen Füßen versündiget haben, nicht munden will, wie solle es dann der lieben Gottheit munden, Sich ihre Glieder abzuhauen, so sie sich gegen andere unvorsichtig benommen haben sollen. Wie magst du von Gott verlangen, daß Er an Sich tun solle, was du doch an dir selbst nimmer tun würdest. Siehe, wie du mit allen deinen Leibesgliedern als ein ganzes und vereinigtes Wesen dastehest, so ist auch die Gottheit mit allen ihren geschaffenen Wesen ein konkretes ganzes Wesen, und sucht stets alle ihre kranken Teile bestens zu heilen, und sie für ihre ewige Bestimmung tauglich zu machen. Wenn Gott der Herr dir aber deine Wunden auf eine andere und viel bessere Art zu heilen versteht, wirst du dann noch auf die Rache gegen deine irdischen Feinde sinnen?« –

19 Spricht der Franziskaner etwas verlegen: »Ja, dann freilich wohl nicht mehr; überhaupt sage ich's denn in Gottes Namen auch: Wie es Gott dem Herrn recht ist, so solle es künftighin auch mir recht sein; aber ich hoffe, daß mir die liebe Gottheit solche meine durch die traurigsten Umstände herbeigeführte Gesinnung zu keinem Fehler anrechnen wird.« 20 Spricht der Fremde: »Wenn du in deinem Herzen in der Ordnung bist, dann bist du es auch mit Gott; und hast du allen deinen Feinden vom innersten Grunde deines Herzens vergeben, so ist dadurch auch deine Schuldtafel vor Gott gereinigt; und du kannst dann ganz ruhigen Herzens und Gewissens zu Gott beten: »Vater, vergib mir alle meine Sünden, so wie ich nun allen vergeben habe, die an mir gesündigt haben!« Und der Vater wird es dir vergeben, und hat dir's schon vergeben, bevor du Ihn noch darum gebeten hast.«

 << Kapitel 142  Kapitel 144 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.