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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 140
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 139

Der erregte und erschreckte Graf wird hell. Das Bessere beginnt zu siegen in diesen armen Seelen zu ihrem Heil. Ein Hochgebirge wird sichtbar. Ein Fremder kommt zu Besuch. Dessen liebevolle Belehrung über die Ordnung im geistigen Reich

1 Der Graf kehrt sich bei diesem Aufrufe des Redners aus der Mitte der Gesellschaft beinahe um vor Ärger, und will davon fliehen; aber der Franziskaner faßt ihn am Rocke fest, und läßt ihn keinen Schritt weiter tun; und sagt: »Herr Graf, keinen Schritt weiter, sie haben in Ungarn über uns als erster Minister geherrscht; nach ihren Gesetzen handelten wir! Es wird heller nun; der ewige Richter kommt. Sie werden uns vor Ihm verantworten; verstehen sie mich?«

2 Der Graf ganz entsetzlich überrascht über den ganz sonderbaren Ernst des Franziskaners, und noch voll Ärgers über das Gebet des Redners aus der Mitte, gerät in ein förmliches Fieber, und spricht nun ganz sanft und gelassen: »Nun, nun, mir ist, ist, ist, ja so, ja, ja, mir ist schon alles recht; aber nur um das bitte ich euch, daß ihr mich nicht wie einen Raubmörder umbringt. Fallet mich nur nicht gar so maliziös (boshaft) an, ich will ja alles tun!« – Spricht der Franziskaner: »Nun gut denn, aber vor dem ewigen Richter, wie wird es euch da ergehen, und wie uns als ihren Helfershelfern?« –

3 Spricht der Graf: »Aber lieber Freund, haben sie es denn nicht früher gehört, daß der Herr uns allen gnädig und barmherzig sein will; so Er uns aber Gnade für Recht wird ergehen lassen, wie solle Er uns dann richten wollen? Was solle denn an uns überhaupt zu richten sein? oder wozu solle der Allmächtige und Allwissende erst eine Konfrontation mit seinen lausigen Geschöpfen halten, um sie durch ihr eigenes Geständnis dahin zu bringen, daß sie selbst einsehen, daß sie rechtens verdammt werden. O, das ist ganz verdammt schwach von einem römisch-katholischen Ordenspriester, der Gottheit menschliche Schwächen anzudichten. Gott ist gut und gnädig, dem Er gut und gnädig sein will; den Er aber fallen läßt, dem hilft auch gar nichts; und schon am allerwenigstens das Vorwort eines ungarischen Grafen Bathianyi. Ich glaube aber, daß der liebe Herrgott auf den Mist gar nicht schauen wird, den wir uns gegenseitig vor die Türen gekehret haben; sondern es dürfte schon ohnehin ein jeder von uns für sich ein ganz bedeutendes Häufchen haben, der sein ganz eigenes Werk ist, und nur dafür dürfte im schlimmsten Falle eine Rechnung verlangt werden, wobei sie, mein Freund, sich wahrscheinlich sehr schwer auf mich hindeutend werden rechtfertigen können. Verstehen sie das, mein lieber Herr Pater Cyprianus oder Grobianus oder was sie sonst etwa noch sind?« –

4 Spricht der Franziskaner: »Schon gut, schon gut, Herr Graf, wir werden es ja doch endlich einmal zu sehen bekommen, wer denn am Ende recht haben wird. Es wird nun immer heller und heller von Osten her, wie es wenigstens mir vorkommt; die Sache muß bald anders werden. Wenn nur der fatale Nebel nicht wäre. Wir müßten sonst bei dieser Helle doch schon hie und da etwas ausnehmen, wenn es hier überhaupt etwas zum Ausnehmen gibt.«

5 Spricht wieder der Redner, sagend: »Liebe Freunde und Brüder, höret mich nun an; denn mir ist nun ein guter Gedanke durch meine Seele gefahren, und diesen will ich euch nun kund tun! Sehet, wir sind alle gleich unglücklich geworden, und keiner hat etwas vor dem anderen; wie wäre es denn, so wir lieber in echter Bruderliebe und Freundschaft beisammen verharren möchten, und ohne gegenseitige Vorwürfe das erwarten, was die Allmacht Gotts über uns verfügen wird. Es ist ja ohnehin Qual genug, so wir uns vor Gott fürchten wie eine Taube vor den mächtigen Krallen eines Aars. Wozu sollen wir uns selbst da noch hinzu quälen? Meinet ihr denn, daß dadurch das Urteil Gottes gegen uns milder ausfallen wird? O mit nichten! Gott tut, was Er will, und keine Ewigkeit bringt Ihn von Seinem einmal gefaßten Urteile ab! Denn es stehet in der Schrift: Himmel und Erde werden vergehen, aber Meine Worte nicht! Freunde, darin liegt ein ganz kurioser Ernst, an dem wir für ewig zur Übergenüge werden zu beißen haben. Daher seien wir wenigstens unter uns freundlich, so uns die Gottheit nimmer freundlich entgegenkommen sollte. Aber es wird nun im Ernste heller und heller, und gegen aufwärts kommt mir auch der Himmel schon recht schön blau vor; nur Sterne kann ich noch nicht ausnehmen; wahrscheinlich werden hier auch keine sein!«

6 Spricht der Graf: »Bravo, Freund Miklosch, deine Sprache gefällt mir schon um ganze tausend Male besser, als die des Pater Cyprianus; wahrlich, ein Pfaffe bleibt denn doch ewig ein gefühlloses Wesen; aber es sei ihm nun alles verziehen! Von nun an werde ich mich ewig nimmer erheben, auch über meinen ärgsten Feind nimmer. Gott gebe uns allen eine rechte Erkenntnis und eine gegenseitige wahre feste und bleibende Geduld; Sein Wille mit uns allen!« –

7 Auf diese Äußerung des Grafen werden die Nebel dünner, und es kommt nun allen vor, als wenn sie noch nicht gar zu lange sich in dieser Gegend befänden.

Am 13. November 1849

8 Der Miklosch sagt nach einer Weile, als er gegen Abend und Mitternacht ein starkes und mächtiges Gebirge entdeckt: »O Freunde, Freunde, liebe Freunde, da, da, da sehet hin! Land, Hochgebirge, endlich, endlich zum ersten Male Land in dieser Welt, und das ein Hochgebirgsland; eine schwache Seite von mir, so lange ich auf der Erde gelebt habe. Es steht über den majestätischen Anblick eines Hochgebirges denn doch wohl ewig nichts auf! Das sättigt und sänftigt ganz wahrhaft wunderbar das sonst oft gar so hungrige und magere Gemüt des Menschen, und sein Herz wird im Glauben an einen allmächtigen Gott gestärket, und von Liebe zu Ihm entbrannt; und das bewirkt alles der Anblick von einem wahren Hochgebirge. O wie erbauet bin ich nun beim Anblicke dieses allerriesigsten Hochgebirges! Besonders die Spitze zwischen Abend und Norden (Mitternacht), so ich mich richtig orientiere (?), ist etwas Ungeheuerstes. Wahrlich, die Spitze muß über hunderttausend Fuß hoch sein. Gegen diese wären die höchsten Spitzen der Erde wohl kaum Hügelchen zu nenen. Sehet ihr wohl auch dies prachtvoll herrliche Hochgebirge?« –

9 Sprechen alle: »Ja wohl, ja wohl sehen wir es, das ist eine große Pracht, aber es muß doch sehr weit von hier entfernt sein; denn man kann das aus der graulichtblauen Färbung entnehmen; und doch muß man sich beinahe das Genick ausrenken, so man jene höchste Spitze, die richtig zwischen Abend und Norden sich befindet, erschauen will. Das muß eine Höhe sein! O Gott Lob, Gott tausend Male Lob, daß wir doch einmal etwas zu sehen bekommen, und so ein herliches Gebirge noch dazu! O, das ist herrlich, herrlich, herrlich, man könnte sich gerade die Augen ausschauen! Aber merkwürdig ist es, daß gegen Mittag und besonders gegen Morgen noch alles in Nebel gehüllet ist, und doch kommt eine gewisse Helle, wie wir es merken, nur von Morgen her. Die Sonne, so es hier auch eine gibt, muß noch sehr tief unter dem Horizonte stehen, weil selbst auf jenen höchten Spitzen keine Strahlen anschlagen.«

10 Spricht der Graf: »Jedoch, jedoch, wie ich es merke, so steht die höchste Spitze doch schon in den Strahlen, ansonst sie nicht so rötlich schimmern würde. Aber es ist wahrlich etwas ungeheuer Majestätisches: Der Anblick so eines Gebirges. Wahrlich wahr, Freunde, wenn wir so einen Führer hätten, da wäre ich wirklich einer der ersten, der sich dazu entschlöße, so ein Gebirge zu besteigen. Von der mittägigen Seite müßte sie nicht einmal gar zu schwer zu besteigen sein; und zu verlieren und zu versäumen hätten wir hier gerade ja auch nichts. Nun, Herr Pater Cyprianus, was sagen denn sie dazu?«

11 Spricht der Franziskaner: »Was solle denn ich dazu sagen? Ich habe geredet genug, und man hat mich nicht gehört, sondern nur als einen Grobian gescholten; darum bin ich nun stille, und werde bloß hören, und danach handeln, so mir das Gehörte konveniert (zugesagt)! Gehet ihr ins Gebirge, so werde wohl ich nicht allein hier zurückbleiben; aber ich meine, auf jener sicher unermeßlichen hohen Spitze wird keinen aus uns je der Kopf schmerzen, denn da wird man schon beim Hinaufschauen schwindlig; wie würde es einem erst oben ergehen! Ich sage und bleibe daher bei meinem alten Spruche: Berge sind sehr schön zu sehen; doch besser ist es unten steh'n und hinauf zu schauen, als herab voll Angst und Grauen.« –

12 Spricht Miklosch: »Ja, ja, so denke ich auch; wir sind zwar hier wohl Geister, und somit um ganz verzweifelt vieles leichter als auf der Erde; aber von einer solchen Höhe möchte ich denn doch kein Saltum mortale wagen. Wir bleiben daher noch eine Weile, bis es etwas heller wird; und es wird sich dann schon zeigen, was zu tun uns am Ende übrig bleiben wird. Mir geht es immer im Geiste vor, daß wir in Kürze hier ganz seltene Visiten bekommen werden; und so mich meine Sinne nicht täuschen, so kommt dort von Morgen her soeben schon jemand gerade auf uns zu.«

13 Spricht der Graf: »Ja, ja, ich sehe auch jemanden mit einem sehr faltenreichen Gewande. Am Ende ist das wieder ein neuer Ankömmling von der lieben Erde, etwa auch ein gleich uns Justifizierter?« –

14 Spricht der Franziskaner: »Da müßte er gleich uns noch in irdischen Lumpen gehüllet sein, denn auf der Erde trägt seit den Zeiten der alten Griechen und Römer wohl kein Mensch ein Faltengewand mehr; das wird schon so ein recht alter Bürger dieser Welt sein! No, es wird sich wohl bald zeigen, wer er ist, was er will oder wohin er geht, und was etwa sein dürfte seines Amtes? Ich werde Ihn zu uns her rufen.«

15 Spricht Miklosch: »Freunde, ich glaube, daß wir Ihn gar nicht zu rufen brauchen; denn er bewegt sich ohnehin geradewegs zu uns her, und seine Annäherung macht einen guten, ja ich möchte es sagen, sogar wohltuenden Eindruck auf mein ganzes Wesen. Das muß ein guter Mensch oder Geist sein! Es wird aber nun auch heller und heller, je näher er kommt. Das ist schon einmal etwas sehr Merkwürdiges, und, oh, oh, da sehet hin gegen Morgen: etwas hinter dem auf uns zugehenden Manne erschaue ich durch die noch ziemlichen Nebel auf einmal ganz deutliche Umrisse eines ungeheuer großen Palastes.«

16 Alle wenden ihre Gesichter nun gen Morgen hin und entdecken zugleich, was der Miklosch entdeckt hat, und verwundern sich darüber ganz gewaltig. Der Graf aber sagt: »Sehet, ich hatte früher denn doch recht. Hätten wir uns etwa um einige hundert Schritte weiter bewegt, so wären wir ja doch notwendig am Ende mit der Nase an dieses Gebäude gestoßen, und hätten dort um einen Einlaß bitten können; so aber sind wir noch hier.« – Spricht der Franziskaner: »Das macht nichts, in der Ewigkeit um ein paar Minuten früher oder später, das ist schon einerlei. Aber nun stille; der gute Mann, der wahrscheinlich in jenem Palaste wohnt, ist uns schon sehr nahe, und es erfordert die Artigkeit, daß wir ihm entgegengehen, indem er sich ganz sicher unsertwegen hierher bemüht.« –

17 Mit diesem Antrage sind alle einverstanden, und gehen dem Ankommenden sehr anständig entgegen, und als sie mit ihm völlig zusammenkommen, da nimmt der Graf das Wort und spricht: »Mit dero gütigster Erlaubnis zu fragen: »Wohin, wohin denn so eiligen Ganges, werden wohl vielleicht einen noch sehr weiten Weg zu machen haben?«

18 Spricht der Fremde: »Seid mir tausendmal gegrüßt, liebe Freunde und Brüder! Ich komme bloß nur euretwegen hierher zu euch; ich habe eure Stimmen vernommen, und bin daher von diesem Hause herausgeeilt, um euch allen nötigenfalls eine Hilfe anzubieten, so ihr irgend einer befürfet. Ich wohne in diesem Hause, das ihr von hier noch etwas im Nebel erschauet.« – Spricht der Graf: »Sie selbst werden wohl höchst wahrscheinlich der Eigentümer sein?« –

19 Spricht der Fremde: »Ja, ja, so halb und halb, wie man zu sagen pflegt. Aber sehet, es gibt hier so kein eigentliches isoliertes Eigentum; sondern alles ist da mehr und mehr gewisserart ein Gemeingut; in diesem Reiche herrscht eine reine Demokratie; denn was dem einen gehört, das gehört auch allen anderen, die eines Sinnes und eines Herzens sind; und so könnet auch ihr von allem einen Mit-Genußbesitz nehmen, ohne sich dabei zu fragen: Wem gehört hier dies oder jenes? Hier herrscht die vollendetste Freiheit, über die nur eines jeden freiester Geist für sich ohne irgend eine Einsprache zu befehlen hat. Was hier jemand will, das wird ihm auch zuteil.« –

20 Spricht der Graf: »O schön, schön, das ist eine allerherrlichste Ordnung. Das wollten wir auch auf der Erde erkämpfen; aber es ging da nicht; denn da ist noch immer Potiori Jus! Aber hier scheint demnach das ledige Primo occupanti zu gelten oder gar das uralte quilibet sui juris?«

21 Spricht der Fremde: »Ja, ja, fast also; aber doch noch etwas anders; denn hier gibt es nur ein Recht, und das ist das Recht der freien reinen Liebe. Wie die Liebe, so das Recht, aus und durch die Liebe! Was ihr wollet, daß man euch tue, das tuet auch den anderen. Das ist hier der Grundsatz des Lebens; und weil jedermann diesen obersten Rechtsgrundsatz zu seiner Hauptlebensmaxime stellt, so räumt er dadurch auch jedem das freie Recht ein, von allem, was er hat, den vollen Mitgenuß zu nehmen, da er umgekehrt auch das gleiche Recht ganz unbeirrt sich herausnehmen darf. Ihr sehet nun jenes Haus schon etwas klarer, und ich sage euch, daß ihr das vollste Mitgenußrecht dieses Hauses habet, weil der Besitzer dann auch entgegen dasselbe Recht hat an einem Besitze, der euch hier irgendwo zuteil werden kann. Seid ihr mit diesen Rechtsprinzipien einverstanden?« –

22 Spricht der Graf: »Aber Freund, das ist ja der Kommunismus in optima forma oder so ganz eigentlich das reine alte Christentum. Auf der Erde blüht für solch eine Staatsverfassung wohl noch lange kein Weizen. Es ist wahrlich die natürlichste und beste Verfassung eines Volkes; nur das Üble ist daran, daß dabei die Trägheit vor dem Fleiße in einer mächtigen Bevorteilung sich befindet.«

23 Spricht der Fremde: »Freund, du irrst dich, der Träge und der Fleißige stehen hier in keiner Gemeinschaft; weil der Träge unmöglich das wollen kann, was da will der Fleißige. Hier ist das wahre: »Gleich und Gleich gesellet sich«, und das Ungleiche scheidet sich von selbst aus. Denn wenn der oberste Rechtsgrundsatz also heißet, daß ein jeder seinem Bruder gerade dasselbe zu tun hat, was er im Gegenfalle von seinem Bruder wünschen kann, daß dieser ihm täte, so ist dann das schon durch sich selbst erklärt, da nämlich der Träge von seinem fleißigen Bruder wohl alles ihm Zusagende wünschen würde, ohne jedoch im geringsten des Sinnes zu sein, dem Bruder das zu tun, was er von ihm wünscht. Das aber gehet hier schon durchaus nicht, da hier eben ein jeder Geist über alle Maßen nur suchet und trachtet, allen seinen Brüdern zu nützen auf jede mögliche Art. Wer aber träge und nicht von diesem Geiste beseelt ist, dem ekelt es alsbald vor solcher Kosmopolitie, und er sucht sich bald eine Gesellschaft aus, die in allem seines Sinnes ist. Wie es aber nach kurzem einer solchen ganz isolierten Faulenzer-Gesellschaft ergehen kann, das und noch so manches dürfte wohl jedem aus euch ohne viele Erläuterungen klar sein.

24 Ihr saget dazu: Ja! Weil ihr denn nun das vollends klar einsehet, und das Rechtsgesetz dieser Welt, in der es keinen Tod mehr gibt, – so verhaltet ihr euch denn auch so! Wie es in euch und eurem höchst eigenem Interesse dies Gesetz fordert, so seid ihr dadurch schon vollkommen Bürger dieser Welt, und könnet von allem einen guten euch dienlichen Gebrauch machen, so ihr meinetwegen in jenes Haus ziehen wollet, um dort irgend eine Erquickung zu nehmen; nur müsset ihr aber den festen Willen mitnehmen, diesem Hause auch auf jede mögliche Weise nützlich sein zu wollen.« –

25 Spricht der Graf: »Mein geehrtester, lieber Freund, das versteht sich von selbst; denn ich wollte ja bei weitem lieber gar nicht sein, als von jemanden etwas anzunehmen, das ich ihm nicht auf eine oder auf die andere Art wieder rückerstatten könnte. Und wie ich da gesinnt bin, so ist auch diese meine ganze Schar gesinnt; dafür getraue ich mich einen Bürgen zu machen, und das mit dem besten Gewissen von der Welt. Aber nun, lieber Freund, der du schon sicher länger diese Gegend bewohnest, und dich überall gut auskennen wirst, sage uns allen gefälligst, wie wir uns zu unserer Hilfe an den alleinigen Gott Himmels und der Erde, also an Jesus, den Gekreuzigten, wenden sollen? Wo ist Er? und werden unsere allersündigsten Augen je Sein heiligstes Anlitz auf einige Augenblicke zu sehen bekommen?

26 Wir sind ehedem, als es hier noch sehr finster war, ein paar Male durch eine Stimme förmlich aufgefordert worden, uns an Jesus zu wenden, so es uns geholfen werden solle. Anfangs hielt ich das mehr für eine Art akustische Täuschung; aber nach und nach wurde mir die Sache klarer, und ich fing an es einzusehen, daß da an der Sache wirklich was daran sein müsse. Aber wie eben diese Sache effektvoll anpacken, das ist eine andere Frage, und diese Frage würde uns höchst wahrscheinlich wohl kein Wesen besser beantworten können als geradewegs du, der du hier sicher in allem und jedem schon ganz zu Hause sein wirst.«

27 Spricht der Fremde: »Ganz gut, ganz gut, meine lieben Freunde, denn in dieser Welt bin ich ganz und sozusagen überall vollends zu Hause; aber was da euer Anliegen betrifft, so habt ihr euch ja ohnehin schon an den Herrn Jesus gewendet, weshalb es auch sogleich heller um euch geworden ist und ich brauche euch dann in dieser Sache nichts Weiteres mehr zu eröffnen. Behaltet Jesus nur hauptsächlich in eurem Herzen, so wird euch ehestens die beste Hilfe in allem werden. Aber nur müsset ihr allen euren von der Welt mit hergebrachten Hochmut, Stolz, Eigendünkel, alles Rachegefühl und die leidige Sinnlichkeit in Bezug auf das weibliche Geschlecht für ewig von euch verbannen, und alles Jesus, dem Herrn, anheimstellen, so werdet ihr Jesus nicht nur auf einen Augebblick zu Gesichte bekommen, sondern werdet für ewig bei Ihm, um Ihn und in Ihm sein. Denn Seine Güte ist unermeßlich.«

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