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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 138
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 137

Der magyarische Stolz bäumt sich nochmal auf, und wird vom Rücksichtslosen gedämpft. Nochmal Erdenpolitik; und eine gute Antwort darauf. Das Gespräch zwischen dem General und Robert über den sich hinziehenden Streit, und des Herrn große Geduld darüber

Am 6. November 1849

1 Spricht der Franziskaner: »Herr Graf, da läßt sich sehr wenig, wohl auch gar nichts darauf sagen. Das Unrecht ist einmal auf unserer Seite, und damit ist alles gesagt. Nun kommt es lediglich auf die Gnade Gottes an. Nimmt uns diese an, so sind wir nicht verloren; läßt uns aber diese im Stiche, dann gehören wir auf ewig der schwarzen Katze zu. Verstehen sie das, Herr Graf?« –

2 Spricht der Graf ganz erregt: »Was sagen sie da, das Unrecht sei auf unserer Seite? Wo lebt der Gott, der mir das erweisen könnte? Stammen wir nicht geradewegs von Attila ab? Haben nicht unter seiner weisesten Leitung unsere Voreltern das herrliche Ungarn für uns mit ihren Waffen erkämpft? Haben wir dies Land nicht schon über tausend Jahre inne? Wann ist dieses Reich noch einer anderen Macht vollends untertänig gewesen! Wir selbst haben unsere Könige gewählt, und sind nie auf das Haus Habsburg beschränkt gewesen. Daß wir es lange genug beibehalten haben, das war unser ganz freier, echt magyarisch großmütiger Wille. Wie konnten wir fehlen, den echten Usurpator unserer Krone, den wir nie zum Könige gewählt und gesalbet haben, des ungarischen Thrones verlustig zu erklären, indem er sich den Thron Ungarns nur angemaßet hatte? Denn sein Oheim, der rechtmäßige König Ungarns, hatte laut der alten pragmatischen Sanktion ohne unserer Einwilligung wohl nie ein Recht, an seiner Statt einen König für unser großes und mächtiges Reich zu erwählen und einzusetzen. Und sie reden von einem Unrechte auf unserer Seite? Hören sie mir auf mit solch einer Diplomatie.« –

3 Spricht der Franziskaner: »Aber ich bitte sie, um Gottes des Herrn Jesus willen, reden sie doch hier im Geisterreiche nicht so echt ultramagyarisch dumm! Sagen sie mir, hat denn die Gottheit dieses Land dem Attila wie den Israeliten ein gelobtes Land Kanaan geschenkt? Oder hat es nicht vielmehr der Attila mit den Waffen in der Hand erobert, und somit unrechtmäßig den alten Ureinwohnern, die er vernichtet hat, geraubt? Ist das ein rechtmäßiger Besitz vor Gott? – So sagen sie auch: Wir wären nie unter fremder Botmäßigkeit gestanden! Waren es denn nicht mehrere Male die Türken, die in (den Orten) Ofen und Pest alle Magyaren auf das grausamste tyrannisiert haben? und wer hat Ungarn von dieser Tyrannei frei gemacht? Hat das Ungarnland nicht die Küsten des schwarzen Meeres, wie auch die des adriatischen beherrscht? Was ist nun das schwarze Meer, wo das adriatische nun? Belgrad und Bukarest waren magyarisch, wessen sind sie nun? Österreich hatte wahrlich größere und ältere Rechte auf unser Reich, als wir es ihm je zugestehen wollten. Österreich hat Ungarn von den Türken zurückerobert, und hat es uns wieder zu eigen gegeben, mit dem alleinigen Vorbehalte, daß die Habsburger stets das erste Recht auf die Krone Ungarns haben sollen, was ihnen auch feierlichst zugesagt wurde. Warum wollten wir denn nun eine eigene Wurst gebraten haben? Sehen sie das hat unser Hochmut getan; wir sind unter Österreichs Zepter zu reich und mächtig geworden, wollten dann unser Reich ganz selbständig beherrschen, und unter die Regenten Europas erster Klasse aufgenommen sein, und viel von uns reden machen.

4 Aber das hat dem lieben Herrgott nicht gefallen, und Er machte uns einen groben Strich durch unsere Rechnung! Und ihnen Herr Graf, als einem echten Attila's Sohn, steht es nun frei, einen Rekurs gegen unseren allmächtigen Herrgott zu ergreifen, und diesen geradewegs beim Herrn von Teufel einzureichen; wer weiß, welch seltene Effekte da herauskommen dürften. Ich wünsche ihnen übrigens viel Glück und ein schönes Wetter dazu! –

5 Wissen sie denn nicht, wie es in der heiligen Schrift lautet, daß nämlich alles, was vor der Welt groß sein will, vor Gott ein Greuel ist? Wir wollten aber groß und mächtig sein; und da stecken wir dafür nun in der schönsten Sauce. Das Rindfleisch ist uns schon auf der Erde ganz gehörig versalzen worden, und hier genießen wir die Sauce dazu; wie schmeckt ihnen dieses Gullasch? Jetzt aber nur noch mit der magyarischen Dummheit ein wenig weiter getrieben; und es kann uns noch glücken, daß wir mit der Weile so ein echt höllisches Bratl mit einem Schwefelsalat als ewiges Konfekt aufgetischt bekommen, und uns wird dann wahrlich nichts mehr zu wünschen übrig bleiben. Bißchen ein Gefühl davon hätten wir bereits, und so ein kleines Vorgeschmäckchen. Nur zu in unserer starrsinnigen Dummheit, es wird schon noch besser werden! Es ist ein altes Sprichwort: Was die Hölle will, das bleibt ihr nicht aus. Ich habe nun ausgeredet.« –

6 Spricht der Graf: »Sehr wohl von ihnen, Herr von echt Schwarzgelb, es ist nur ewig Schade, daß sie mit dieser Argumentation nicht um 12 Monate früher auf der Erde zum Vorscheine gekommen sind; wahrlich, es müßte mit dem Teufel hergehen, wenn sie nicht schon längst ein einträgliches Plätzchen beim Wiener Ministerium erlangt haben sollten; wahrhaftig wahr, so eine schöne Argumentation hätte sogar einem Fürst Metternich keine Schande gemacht.

7 Wenn wahrscheinlich für solch schöne schwarzgelbe Gesinnungen sie etwa doch schon ehestens mit Jesus, dem Herrn, gar überaus freundschaftlichst in die nächste Berührung kommen dürften, so suchen sie Ihn ja dahin zu bewegen, daß Er unverweilt einige himmlische Verdienstorden auf die Erde hinabsenden möchte, und sie als Zeichen Seines besonderen Wohlwollens an jene verteilen, die sich bei unserer Aufhängungsgeschichte am tätigsten bewiesen haben. Vergessen sie das ja nicht! Denn sehen sie, das Leut'aufhängungsg'schäftl muß bei Jesus, dem Herrn, schon deshalb einen ganz besonders hohen Wert haben, da Er Selbst eines ähnlichen Todes dem Leibe nach gestorben ist. Wie angenehm Ihm aber diese Todesart war, bewies Er durch die sonderbare Belohnung des Verräters Judas Ischariot. Nach ihrer guten Meinung werden die Herren Freimanns (Henker) wohl lauter Cherubims sein, oder was! Nicht wahr, mein liebster Herr von Schwarzgelb! Nein, schauen's! das hätte ich nie geglaubt, daß sie so ein Gutgesinnter wären. S' Aufhängen muß ihnen ordentlich wohlgetan haben, weil sie nun der österreichischen Regierung dafür so dankbar sein! Und nur die brillanten Aussichten hier als Folge unserer reizenden Aufhängung! Oh, oh, die Sache macht sich! Nein, sie sind halt wohl ein ganzer Mann, sie! Und wie sie nur in der Geschichte Ungarns bewandert sind, wahrlich, ich muß es gestehen: Wer mit ihnen keine Freude hat, der muß kein Mensch sein. Sie werden sicher auch schon die Kunde haben, der zufolge Christus, der Herr, auch vollkommen ein schwarz-gelber Tripons-Ordensritter sein solle. O, das wissen sie gewiß, weil sie in der Geschichte so außerordentlich bewandert sind!«

8 Spricht der Franziskaner wieder: »Lieber Herr Graf, sie belieben mich zu hänseln gleich einem Lausbuben; aber das macht mir gar nichts; denn ich weiß es, woran ich bin, und warum ich so geredet habe; sie aber haben meine ganze Rede gar nie verstanden; daher ist es ihnen auch zu verzeihen, wenn sie so reden, wie sie soeben geredet haben. Ex trunco non fit Mercurius! verstanden, Herr Graf! Lobte ich denn die Handlung der österreichischen Regierung? Herr, ich kenne Österreichs Gebrechen so gut, als irgend einer; aber ich sehe es auch ein, daß es ein größtes Malheur wäre, neben dem schon bestehenden Vesuv noch einen zweiten und noch wütenderen Länderverheerer hinzustellen. Österreichs Kaiser ist schon ein genügender Vesuvisus für alle Länder Österreichs; das weiß der Herr Jesus. Wir wollten aber mit aller Teufels-Gewalt ein zweiter werden, und das war, wie ich meine, gefehlt, und das Unrecht ist von Gottes wegen auf unserer Seite.

9 Wir haben aber nun die Pflicht, dieses Unrecht einzusehen, und Gott dem Herrn das in unseren Herzen zu bekennen; ansonst es nie besser mit uns wird. Sprach nicht Gott dereinst: In Meinem Zorne habe Ich euch einen König gegeben. Wenn ein König aber schon ein Werk des Zornes ist, warum trachteten wir denn auch danach, was rein des Zornes Gottes ist? Wir erhielten auch, danach wir getrachtet haben, wahrlich den Zorn Gottes, als erste Daraufgabe auf den König; wahrscheinlich wird auch bald ein König nachfolgen, aber wehe denen, die unter seinem Zepter stehen werden! Hätten wir lieber anstatt um den Zorn Gottes um Seine Liebe gekämpft, so stünde es nun wahrscheinlich heller um uns, als dies gegenwärtig der Fall ist!

10 Der Herr Jesus aber will nun, wie ich es nun getreu in mir gewahre, die Zahl der Regenten vermindern, und nicht vermehren, aus sicher höchst weisen Gründen; und so sind wir Ihm gerade recht gekommen, die wir Europa um ein neues freies Königtum vermehren wollten! – Sollen wir etwa hier auch noch auf der Realisierung dieser gotteslästerlichen Idee beharren? und dadurch für ewig zu Grunde gehen?! – Lassen der Herr Graf doch einmal ab von diesen irdischen Hoheitsdummheiten und Narrenpossen! – Es ist genug, daß wir auf der Erd' dafür gehörig eingegangen sind!«

11 Spricht im ersten Saale des Hauses der bewußte General zum soeben aus dem zweiten Saale mit dem schönen Weibe Helena tretenden Robert: »Hören sie bester oder du, wollte ich sagen, das ist ja eine ganz verzweifelt langweilige Geschichte. Was diese unglücklichen etlichen 30 Geister da draußen vor den Fenstern zusammenschwätzen, das ist ja ganz unerhört! Da schlägt doch buchstäblich eine Dummheit die andere. Der Graf ist ein Ochs, und sein Opponent ein Esel; und die anderen aber scheinen noch dümmer zu sein! Jetzt streiten die Kerls schon eine halbe Ewigkeit, ob sie die angebotene Hilfe des Herrn annehmen sollen oder nicht. Nein, so was dürfte in der ganzen Unendlichkeit Gottes doch nicht leichtlich zum zweiten Male vorkommen. Wie lange werden wir denn mit diesen dummen Schwätzern noch müssen Geduld tragen?«

12 Spricht der Robert: »Mein liebster Freund und Bruder, der Herr ist hier unser aller lebendigster Maßstab; da seh nur zur Türe hinein, wie gemütlich Er Sich mit all den Seinen unterhält, und eben davon spricht, wie mit diesen 30 fürder solle vorgegangen werden. Merken wir alle hier nur die geringste Ungeduld in Seinem allerheiligsten Angesicht?« – Spricht der General: »Nein, wahrlich nein, die wahrhaft göttlichste Ruhe und ewig gleiche höchste Anmut entstrahlt Seinem ganzen Wesen.«

13 Spricht der Robert weiter: »Siehst du, Bruder, das ist unser Geduldsmaßstab und Liebemaßstab, für Ihn gibt es keine Feinde; die Konservativen sind so gut seine Kinder, als wie die Radikalen; Er sorgt für alle. Sieh', so irgend ein Vater auf der Erde recht viele Kinder hat, die untereinander im beständigen Zanke und Hader leben; er bestraft die mutwilligsten wohl; aber seine gleiche Liebe zu allen kann er denn doch nicht verleugnen, und ist daher stets bemüht, für alle bestens zu sorgen. Was ist vor dem Herrn das irdische konservative oder radikale Wesen der Menschen, die alle gleich Seine Kinder sind. Er züchtiget wohl auch die Mutwilligen; aber durch eben die Züchtigung sorgt Er desto mehr für sie. Er ist noch stets Derselbe, der 99 eingefriedete Schafe verläßt, und gehet suchen das hundertste eine, das Er dann auf Seine Achseln nimmt, und es mit der größten Freude in Seinen großen Schafstall trägt, der nach allen Seiten hin eingefriedet ist, durch Seine göttliche Gnade, Liebe und Erbarmung.

14 Und so müssen denn auch wir mit Seinen Kindern, unseren Brüdern, und mögen sie noch so schwach sein, die allergrößte Geduld haben. Denn hier gibt es keine fremden Parteien mehr, sondern lauter Kinder eines und desselben Vaters. Wir sagen hier nimmer: Herr, Österreich handelt Deiner Ordnung durch seine Militärdespotie entgegen; strafe es! oder die Ungarn haben wider Dein Gesetz gehandelt; züchtige sie! Denn es sind ja alle unsere Brüder und Schwestern. Sondern wir sagen: O Vater, sieh gnädig zur armen Erde hinab, und erleuchte unsere schwachen Brüder, welcher Partei sie auch immer angehören mögen, und helfe ihnen allen! Und der Herr spricht dann huldreichst zu uns: Warum bittet ihr denn? Habt ihr etwa mehr Liebe zu euren Brüdern und Schwestern, denn Ich, als der Vater aller? Auf solch eine Gegenfrage werden wir dann alle wie stumm und sprachlos gegenüber der zu großen Liebe des ewig heiligsten Vaters.

15 Er liebt alle gleich; die zu Ihm wollen, die kommen auch zu Ihm, und es ist da niemand ausgenommen. Wie Er Seine Sonne scheinen läßt über Würdige und Unwürdige, und Sein Regen auf alle Kräuter, edle und unedle fällt, so ist auch Seine Gnade, Liebe und Erbarmung; sie erstreckt sich über alle gleich, und nicht selten kommt gerade über die Schwächsten ein ganzer Wolkenbruch von Seiner höchsten Liebe, Geduld, Gnade und Erbarmung. 16 Geduldet euch daher nur noch ein wenig, und ihr alle werdet es sehen, was des Herrn Liebe vermag. An eben diesen 30 wird sich Seine Erbarmung ganz besonders hervortun. Daher nur noch eine kleine Geduld.«

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