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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 136
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 135

Hilfreiche Zurufe an die Unglücklichen. Zäher Grafenwahn, von dem Rücksichtslosen gegeißelt. Etwas von der ungarischen Politik in der damaligen Zeit

1 Nach diesen Worten vernehmen wieder alle deutlich die Worte: »Dieser Zuruf gilt euch, – ihr Ungläubigen von der ersten Geburt an!« –

2 Der Graf erschrickt ordentlich bei diesem zweiten Zurufe, und der Franziskaner spricht: »No, da haben wir es jetzt doch auf die Nase geschrieben, wen allenfalls das angeht. Werden der Herr Graf jetzt auch noch ein Bedenken tragen, sich an Jesus, den Gekreuzigten, zu wenden?« –

3 Spricht der Graf: »Auf mich allein kommt es hier ja nicht an; was die anderen tun werden, das werde in Gottes Namen ja auch ich tun. Fragen sie aber auch die anderen, was sie tun wollen und werden. Nur das habe ich hinzuzufügen und ganz bedeutungsvoll zu bemerken, daß wir unsere reine Vernunft nicht gar zu leichten Kaufs mit dem Pantoffel der sogenannten christlichen Demut umtauschen sollen. Wenn es unter dem Regimente Jesu auch Grafen und Fürsten gibt, dann: Eljen (Hoch lebe) Christus! Ist aber das nicht der Fall, dann adieu Christus! Denn das wäre nicht übel, so wir hier in dieser Welt etwa am Ende so irgend einem Batzenlipl alle möglichen Honneurs machen oder gar die Stiefel putzen müßten.«

4 Auf diese Worte des Grafen ertönen wieder Worte, die so lauten: »Hier gibt es weder Grafen noch Fürsten. Nur einer ist der Herr, alle anderen aber sind lauter Brüder und Schwestern!« –

5 Spricht darauf der Franziskaner zum Grafen: »No, Herr Graf, das wird etwa doch klar und deutlich genug gesprochen sein. Was thamer dann hiazt? sagen die Weaner. Mir kommt es vor, als so diese sehr treffliche Antwort so ganz allein ihnen gegolten hätte, der sie noch in der Geisterwelt ein Graf oder Fürst sein wollen, aus purer reinster Vernunft?! Aber dennoch verspüren sie nicht, daß sie sich mit ihrer reinsten Vernunft selbst foppen. Wie kann man als Geist noch eine Vorliebe zu dem Rocke haben, in dem man auf der Welt schmählichster Weise justifiziert (hingerichtet) worden ist. Nein, von der Vernunft schaffe ich wahrlich nichts. Ist es denn nicht offenbarst besser als ein ganz gemeiner Kerl gut und sorglos zu leben, wie als ein Graf aufgehängt zu werden? Was haben denn der Herr Graf nun davon, daß sie auf der Erd' einer der angesehensten Magnaten Ungarns waren? Wären sie ein gemeiner unadliger Sauhalter gewest, so könnten sie vielleicht jetzt noch bei einer guten Tschutara Wein, und einer guten Schüssel Gullasch sitzen. So aber machen sie als Graf mit uns hier das gleiche trübseligste Gesicht, und können von ihrem Grafentitel nichts um eine Laus groß herunterbeißen. Haben sie nie gehört, daß der Blitz die impertinente Eigenschaft hat, zuerst in die höchsten Gegenstände einzuschlagen, und berührt die mindern erst dann, so diese sich zu nahe unter den hohen Gegenständen gleich wie die Ochsen unter einem Baume befanden.« –

6 Spricht der Graf: »Mir scheint, sie machen leise Anspielungen auf mich. Wissen sie, daß ich mir so was auch hier noch werde zu verbieten wissen. Denn ein Bathianyi bleibt Bathianyi auch in der Geisterwelt.«

7 Spricht der Franziskaner: »Wahrscheinlich aus purer reinster Vernunft. Hm, ja, über die reine Vernunft eines ungarischen Edelmanns erster Klasse steht halt nix auf, sagen die Schwaben. Wünsch' ihnen viel Glück und ein schönes Wetter dazu, Herr Graf! Bleiben sie nur bei ihrer echt magyarischen reinen Grafenvernunft, die sie auf der Erd' an den Galgen gebracht hat, auch hier in der Geisterwelt! Wer weiß, zu welch schönen gehörnten Auszeichnungen sie damit gelangen können.« –

8 Spricht der Graf ganz erbost: »Halt er's Maul, sonst vergreife ich mich an ihm! Hat er mir was zu sagen, so rede er, wie es sich geziemt, wenigstens als Mensch mit einem Menschen zu reden! Aber mich zu protzen, das lasse er bleiben, sonst solle er es erfahren, daß ein Graf Bathianyi noch nicht aufgehört hat, ein Graf Bathianyi zu sein. Versteht er das? Er dummer Protzer.«

Am 30. Oktober 1849

9 Spricht der Franziskaner: »Wenn sie sich an mir vergreifen wollen, so packen sie mich nur sogleich an, und sie werden sich dadurch wenigstens überzeugen, wie gar nichts ein Graf Bathianyi hier vermag; was für eine Kraft hat denn etwa so ein Geist, wie wir zwei z.B.? Wann ist denn die Dummheit stark und mächtig gewesen? Ich sage es ihnen: so lange die Welt steht, nie! Sie sind aber sehr dumm, was ich ihnen nun ganz frei zu vermelden die Ehre habe, daher sind sie auch in jeder Hinsicht sehr schwach, was sie mir soeben dadurch bewiesen haben, daß sie das beleidigt hat, was ich ganz rein zu ihrem eigenen Besten geredet habe. Und so haben sie es auch auf der Erde gezeigt, daß sie gar überaus dumm waren; denn wären sie gescheiter gewesen, so hätten sie entweder es so gemacht, wie ein Görgei und Klapka, oder wie ein Kossuth und Konsorten, die noch zur rechten Zeit ein rechtes Loch aus dem Tempel gefunden haben. Sie haben aber mit ihrer reinen Vernunft sich lieber wie ein Gimpel fangen, und dann ganz heldenmütig zur Hälfte aufhängen, und zur Hälfte totschießen lassen. Sagen sie mir, ob das pfiffig zu nennen verdient? Daß aber überhaupt ganz Ungarn bei dieser Geschichte mehr als saudumm gehandelt hat, liegt der klarste Beweis darinnen, daß es am Ende seiner unüberlegten Handlung mit Schande und Spott hat sein rostiges Aristokraten-Schwert in die saulederne Scheide stecken müssen, und sich darauf allen Mutwillen der pfiffigen Sieger gefallen lassen. Hätte man nicht so offen an den Tag gelegt, daß gewisse Magnaten eigentlich nichts anderes als die Krone Ungarns auf ihren Ochsenschädel sitzen haben wollten, so wäre Österreich auch nicht so gewaltig gegen uns aufgetreten; und hätten wir nur einen Funken Politik besessen, so hätten wir gar keinen Schwertstreich zu machen gebraucht, und wir hätten uns zu den Beherrschern von ganz Österreich erheben können. So aber waren wir stolz, also dumm; ungeschmeidig und roh, also wiederum dumm; auf unsere alten Saurechte und Ochsenrechte versessen, also noch mehr dumm; wollten, um unsere alte Dummheit zu restituieren (wiederherzustellen) und zu behaupten, uns als Zwerge mit Riesen messen, das war schon sehr dumm; und so noch tausend Dummheiten mehr; daher denn aber am Ende auch die totale Niederlage für alle Zeiten, was auch recht ist; denn wer ein dummes Vieh ist, dem geschieht es recht, wenn er wie ein Ochse niedergeschlagen wird. Ich bitte, Herr Graf, daher mit Ihrer alten echt magyarischen Aristokratendummheit nur auch in dieser höchst ernsten und bedeutungsvollsten Welt fortzufahren, so werden sie damit sicher keinen besseren Sieg davontragen, als was für einer ihnen auf der Erd' allerlöblichst zuteil geworden ist. Jetzt habe ich ihnen ganz offen als Mensch die reinste Wahrheit gesagt; so sie sich nun an mich vergreifen wollen, da können sie sogleich den Versuch wagen!«

10 Spricht der Graf: »Wer den Schaden hat, über den kommt gewöhnlich auch noch die Schande. Wenn sie aber schon so ein grundgescheiter Kerl sind, warum haben denn auch sie sich aufhängen lassen? Warum sind sie nicht dem Beispiele Kossuths und Görgeis gefolgt? Ich meine, so nach ihrer Definition die Stärke mit der Weisheit gleichen Schritt hält, so dürften sie auch nicht einer von den allerstärksten sein!« –

11 Spricht der Franziskaner: »Halte mich gar nicht auf über dero allergnädigste Bemerkung; denn an der echt magyarischen Dummheit habe ich – als selbst so ein kleines Edelmännlein – niemals irgend einen Mangel gelitten. O so ein lausiges Adelsdiplömchen war noch stets das beste Fernhaltungsmittel der eigentlichen wahren Menschenvernunft; nur war es bei mir am Ende der Fall, daß ich einzusehen angefangen habe, wo in Ungarn der eigentliche Hund begraben ist, aber freilich leider um einige Wochen zu spät, wo man sich schon vollkommen zwischen der allerstürmischesten Scylla und Charybdis befunden hat; da stand links ein Galgen, und rechts ein zweiter Galgen; vorne und hinten Kanonen und Spieße ohne Zahl. Freund, da hat mir dann meine neuerwachte Vernunft freilich wohl keinen Ausweg mehr zeigen können. Aber bei ihnen war die Sache ganz anders; sie waren am Brette, konnten mit einer einfachen Altenweiberaddition (Milchmädchenrechnung) an den Fingern ausrechnen, wie die Sache, für die zu verfechten einem nicht die Mittel zu Gebote stehen, in jüngster Zeit ablaufen wird; aber nein, ihre echt magyarisch alte aristokratische Weisheit – oder was? – raunte ihnen nur ins Ohr: entweder siegen oder sterben! Eljen! oder was? und sie sind gestorben! Eljen! oder was? und frage, was haben sie nun von dem Heldentode am Galgen? Möchten sie jetzt nicht auch großartig Eljen oder was rufen? Vielleicht werden ihnen dafür einige Freunde in Nordamerika einmal eine Ehrensäule setzen; aber in Ungarn wird das nicht gar zu leicht der Fall sein. Auch in der Weltgeschichte werden sie pro 1849 und 1848 ein miserables Plätzchen finden; das wird aber dann auch schon alles sein, was sie für ihren Heldentod auf der Erde zu erwarten haben. Beißen sie da was herab!«

12 Spricht der Graf: »Ich werde von Millionen bemitleidet und betrauert; ist das etwa auch nichts? Millionen sehen das schreiendste Unrecht ein, das Österreich an mir verübt hat, und verwünschen dasselbe zu allen Teufeln; ist das etwa auch nichts?« – Spricht der Franziskaner: »Hm, ja, ja, das klingt alles sehr schön und romantisch, vielleicht schreibt noch einmal ein Franzose ein Trauerspiel, was ganz Paris alarmieren wird, unter dem Titel: »Graf Bathianyi!« Aber wir die eigentlichen Helden sind fortlebend in circumstantiis miserabilissimis (elendester Lage) hier; und es fragt sich dabei: Was nützt uns nun und für ewig das alles?

13 Darum heißt es hier nicht mehr in der alten magyarisch irdischen Dummheit beharren, die uns schon auf der Erd' so schändlich hat sitzen lassen; sondern das mit dankbarstem Herzen annehmen, was uns dargeboten wird; so werden wir das sicher leichter vergessen, was uns auf der Welt für unsere Mühe zuteil geworden ist, als so wir auch noch hier auf unserer alten Dummheit herumreiten wollen. Ich glaube, das wird doch etwa deutsch genug sein.«

14 Spricht der Graf: »Ja, führe uns nicht in die Versuchung! – Heißt es irgendwo in dem gewissen – ja, ja, hm! – wie heißt denn nur geschwind das Gebet? Hm, hm, hm – fällt mir nicht ein! – Kurz, heiße es, wie es wolle, aber es steht irgendwo einmal so! Daher sage ich nun auch: führe uns nicht in die Versuchung!« –

15 Spricht – den Grafen unterbrechend – der Franziskaner: »Wie, was, wann, was, was, was faseln sie denn da von dem »führe uns nicht in die Versuchung?« was wollen sie denn damit sagen? Ich verstehe doch so manches, aber das verstehe ich durchaus nicht. Denn das paßt doch auf meine Rede noch 1.000 Male schlechter, als eine Faust auf's Auge statt einer Brille. Ich bitte, erklären sich der Herr Graf ein wenig deutlicher, so es ihnen noch möglich sein sollte!« –

16 Spricht der Graf: »Dummer Schwätzer! hätten sie mich ausreden lassen, was haben denn sie mich zu unterbrechen gehabt? Habe ich sie doch auch nicht unterbrochen, wie sie mir früher auf deutsch die Ohren vollgemacht haben mit ihrem Geschwätz! Weil sie denn diese Metapher« (dazwischen der Franziskaner): »Das nennt er eine Metapher! Über die reine Grafenvernunft steht halt doch nix auf!« »was murmeln sie denn schon wieder dazwischen? Hören sie mich an, dann erst können sie gemurmelte Bemerkungen machen! Also noch einmal! Weil sie denn die Metapher nicht verstehen, so will ich sie ihnen ganz gut deutsch erklären.« (Der Fanziskaner bei sich): »Auf die Erklärung voll echt ungarisch-adliger Klarheit freue ich mich!« »Aber sie haben ja schon wieder etwas gemurmelt!« – Spricht der Franziskaner: »Eh! so lassen sie mich murmeln und reden sie fort, was sie reden wollen. Bißchen ein Aufstoßen werde ich doch etwa haben dürfen bei ihrem metaphorischen Gespräche!« – Spricht der Graf weiter: »Wegen des Aufstoßens mache ich mir nichts daraus; aber ihre satirisch scheinenden Bemerkungen genieren mich; ich bin überhaupt kein Freund von gewissen Witzeleien.« –

17 Spricht der Franziskaner: »O ich witzele ja gar nicht! daher genieren sie sich nicht, und fahren sie mit ihren metaphorischen Didaskalien (belehrenden Kunst) fort, sonst kommen wir zu keinem Ende!« –

18 Spricht der Graf: »Also denn, – die Metapher will so viel sagen, als: sie haben eine gute Gosche, und wollen mich auf die schönste Art um meinen Grafentitel bringen. Es ist daher das eine Versuchung, mich ganz und samt allem und jedem auf den allerschönsten Hund zu bringen. Aber nichts da, ein Graf Bathianyi bleibt fest!« – (Der Franziskaner bei sich): »Ein Ochs!« – »verstehen sie nun das?«

19 Spricht der Franziskaner: »O sehr gut und sehr klar! Haben aber der Herr Graf den Spruch nie gehört, der ungefähr so lautet: »Memento homo, quia pulvis est, et in pulverem reverteris?« Spricht der Graf: »Ich habe wohl einmal gut lateinisch gesprochen, aber das ist aus'm Cicero, und den verstehe ich nicht!« – Franziskaner: »Ja warum nicht gar aus Horaz oder Virgil? Mir scheint, mit einem gar zu großen Löffel haben der Herr Graf aus der lateinischen Schüssel nie gespeist. Ich will es ihnen übersetzen, weil sie den Cicero schwer zu verstehen vorgeben. Es heißt diese Sache auf gut deutsch: Gedenke, o ungarischer Magnat, der du allein Mensch – und noch etwas mehr – sein willst, daß du nur ein Staub bist, und wieder in den alten Staub deiner Dummheit zurückkehren wirst, und so Gott will, in selben auch verbleiben, in alle Ewigkeit. Amen. Haben der Herr Graf den Cicero nun verstanden?« Spricht der Graf: »Wie ich sag', sie können nichts als witzeln und beleidigen. Wären sie auch ein Magnat, da möcht' ich ihnen schon was anderes sagen; aber weil sie kein Magnat sind, so zahlt es sich gar nicht aus, ihnen was Ordentliches zu sagen.« – Spricht der Franziskaner: »Dös moan i hald a, sagen die Lerchenfelder in Wien; sehen sie, Herr Graf, wo nichts ist, da kann auch der allerhabsüchtigste Tod nichts verlangen. Wie solle denn ich von ihnen etwas verlangen, was sie noch nie besessen haben?« – Spricht der Graf: »Was meinen sie, daß irgend etwas ich nie besessen hätte, was ist das?« – Spricht der Franziskaner: »Salomos Weisheit meine ich; mit der scheinen sie nie in irgend einer Verwandtschaft gestanden zu sein. Aufrichtig, und ohne alle Witzelei gesprochen, Herr Graf, ihre große magyaro-aristokratische Dummheit hat sie sozusagen an den Galgen gebracht. Denn wären sie um ein Haar nur weiser gewesen, so wäre ihrem irdischen Hause solch eine Schmach nie widerfahren. Aber weil sie eben dümmer als ein Rebhuhn sind, so haben sie es auch so weit gebracht. Das müssen sie um Gotteswillen nun ja doch einsehen, daß die Welt für sie wie für uns alle für ewig verloren ist, samt allen ihren fingierten Rechten und Prärogativen (Vorrecht); was wollen sie denn hernach noch von ihr? und weigern sich nun schon bis zum gerechten Ärger der ganzen Gesellschaft, die angebotene Hilfe durch Jesus Christus anzunehmen, außer Er würde sie auch hier – in der Geistewelt – als Grafen Bathianyi bestätigen oder gar zum Fürsten erheben. Denken sie doch einmal darüber weislich nach, und reden sie dann entschieden, aber nicht als Magnat von Ungarn, sondern als ein hilfsbedürftiger Mensch, wie wir alle es sind!«

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