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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 135
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 134

Als Löse der Hingerichteten regt sich zunächst die Rachsucht. Ehren-Lehre des Rücksichstlosen. Robert Blums Weg zum Ruhm. Fremde Stimmen und deren Wirkung. »Schwarzgelb«. Not lehrt beten

Am 24. Oktober 1849

1 Spricht der Graf: »Was Trost, was Trost! Wer solle uns trösten können? Eine rechte Vergeltung denen, die uns auf der Erde ohne allen, aus dem allein wahren Naturrechte erweisbaren Grund haben ermorden lassen, wäre der einzige Trost für mich, wie sicher auch für euch alle; jeder andere Trost ist mir ein Greuel. Glaubst du wohl, daß mich ein Gott mit tausend Himmeln schadlos halten könne gegen das, was ich verloren habe, mein Weib, meine Ehre, und all mein großes Vermögen. Wohl weiß ich's, daß ich mit der Zeit auch so alles hätte verlassen und der Nachkommenschaft übergeben müssen, aber das wäre mit der mir gebührenden Ehre geschehen, und mein Name wäre glänzend wie die Sonne auf die späteren Nachkommen wie der Name eines Davids oder eines Salomon gekommen; aber so wird mein Name nun in der Welt erlöschen, wie eine mattbrennende Lampe in einer von heftigsten Stürmen durchtobten Nacht, und schadenfrohe Weltrichter werden ihn in der späteren Zeitenfolge unter den Galgenstricken aufgezeichnet finden. Also Vergeltung! und unerbittlichste Rache! Das ist die Losung zu unserem Troste, zu unserer gerechten Sühne für die erlittene unendliche Schmach; weg daher mit allem, was nur den leisesten Geruch nach irgend einer alles versöhnen wollenden Gottheit oder sonstiger engelhafter Intervention (Einmischung) verspüren läßt. Vor allem muß unsere Ehre auf der Erde vollkommen wieder hergestellet sein, und unsere Mörder müssen bis ins millionste Glied auf das aller-höllischeste gerächt sein. Dann erst wollen wir von irgend einer Versöhnung in der Hölle vor dem Tribunale aller Teufel zu reden anfangen.«

2 Spricht der Rücksichtslose: »Aber lieber Herr Graf, sie sind ein wenig in einen zu starken Affekt geraten, und können daher diese Sache auch nicht mit der gehörigen Ruhe und gerechten Würdigung betrachten. Sehen der Herr Graf, ich, der ich doch sicher ganz rücksichtslos strenge urteile, und ein über alle Maßen glühendes Herz besitze, denke über den fraglichen Punkt der Wiederherstellung unserer auf Erden am Galgen gänzlich eingebüßten Ehre ganz anders. Welche Ehre solle uns denn nun das sein, bei solch einer Schandwelt in Ehren zu stehen? Ich bedanke mich für die Herstellung einer Weltehre in solch einer »Ehrenwelt« oder was! – Ich sage ihnen, Herr Graf, diese dummen Weltochsen hätten uns ja keine größere Ehre antun können, als eben auf die Art, wie sie mit uns verfahren sind. Wäre es denn eine Ehre, von solchen hundsgemeinsten Schandbestien geehrt zu sein? Nein, bei Gott, dieser Wunsch sei für ewig ferne meinem Herzen!

3 Wo wäre der Name des edlen Blum, so ihm das böhmische Rindvieh von einem Fürsten Windischgrätz nicht durchs Pulver und Blei den goldenen Weg zur Unsterblichkeit angebahnet hätte? Lange schon wüßte von ihm kaum jemand etwas noch; so aber bleibt sein Name allen Zeiten als ein wahrer Ehrenname aufbewahret, während die Namen aller anderen Deputierten schon ein nächstes Jahr in die völlige Vergessenheit geraten werden. Und gerade so und noch besser wird es unseren Namen ergehen! Hab ich recht oder nicht?« –

4 Spricht der Graf etwas beruhigter: »Schau, das gefällt mir von ihnen! Das ist ein köstlicher Gedanke! Wahrlich wahr! auch ich brauche keine Ehre mehr auf der Hundewelt. Ja, ja, solch eine Weltehre wäre wahrlich nun nur die größte Schande für uns! Sie haben recht, sehr recht!« –

5 Nach diesen Worten des Grafen werden wieder Stimmen vernommen, und zwar diesmal auch vom Grafen selbst, so daß er zum Rücksichtslosen sagt: »Nun, nun, diesmal habe auch ich Stimmen wie von sehr vielen Menschen vernommen, das ist nicht übel! Am Ende sind wir hier von für uns sehr feindlich gesinnten Geistern ausgekundschaftet worden, und sie haben uns nun ganz eingeschlossen, und werden uns fangen, und dann treiben irgend wohin zur Hölle oder zu allen Teufeln. Sie müssen uns schon ganz nahe sein, da sich ihre Stimmen so ziemlich klar vernehmen lassen. Wie wäre es denn, so wir denn doch noch möglicher Weise eine Flucht irgend weiter vorwärts, entweder nach rechts oder nach links versuchten? Denn gerade vor uns, nach den Stimmen zu urteilen, scheinen sich unsere auf uns lauernden Feinde zu befinden?«

6 Spricht der Rücksichtslose: »Da bin ich schon wieder einer anderen Meinung! Wohin sollen wir auch fliehen in dieser ewigen Nacht, wo wir kaum so viel Schimmers um uns verspüren, daß wir uns gegenseitig in der nächsten Nähe ausnehmen und schlecht genug erkennen mögen? Wer von uns ist denn bekannt mit dieser verzweifelten Gegend oder Welt oder A . . . . . – was sie etwa ist? Wir rennen vielleicht etliche Schritte nach irgend einer Seite hin, und ein ins Unendliche gehender Abgrund hat uns allergnädigst aufgenommen per omnia saecula saeculorum. Amen! Denn hier scheint schon alles unendlich und ewig sein zu wollen. Oder wir könnten gerade unseren Feinden in den Rachen eilen. Denn eine Kriegslist wird auch wahrscheinlich hier zu Hause sein; und da kann gerade dort die Hauptmasse sich aufhalten, von woher wir gar keine Stimmen vernehmen, und wir könnten dann eben dort, wo wir uns am sichersten glaubten, am ersten gefangen werden; daher verhalten wir uns nur hier ganz ruhig, und kommt uns etwa so ein kleines Streif-Chörchen (Korps) in die Nähe oder so ein paar schleichende Rekognoszenten (Kundschafter), so packen wir sie sogleich an, nehmen sie gefangen, und stopfen ihnen das Maul. Der Herr Graf werden mich hoffentlich verstehen?«

7 Spricht ein anderer aus der Gesellschaft: »Wär' alles recht, wenn die Geister umzubringen wären. Aber ihr müßt ja schon aus dem entnehmen, daß die Geister nicht mehr umzubringen sind, weil auch wir, trotzdem man auf der Welt unseren Leibern das Lebenslicht ausgeblasen hat, von unseren Leuteumbringern nicht haben umgebracht werden können, und hier gerade so fortleben, als so wir nie umgebracht worden wären. Zwar wohl ist das ein so höchst miserables Leben, wie es schon kein miserableres mehr geben kann; aber Leben ist und bleibt es dennoch.

8 Ich meine aber hier so: Wir sollten uns geradewegs fangen lassen, und mit unseren vermeintlichen Feinden eine gemeinschaftliche Sache machen. Überhaupt aber kommt es wenigstens mir so vor, daß wir im Grunde gar keine Feinde haben können. Denn wie sollten wir hier uns irgend Feinde gemacht haben, da wir außer uns doch noch mit keiner Seele zusammengestoßen sind.« –

9 Spricht der Graf: »Freund, das verstehen sie nicht! Gibt es denn hier in dieser verfluchten Teufelswelt nicht auch eine große Menge schwarzgelber Seelen oder Geister, was ein Teufel ist? und das ist genug! Wer schwarzgelb auf der Welt war, der wird es auch hier sein, und ist somit unser Feind, z.B. ein Latour, ein Lamperg und Konsorten, die werden etwa doch hoffentlich für ewig unsere Feinde sein!«

10 Spricht der andere: »Glaube nicht, Herr Graf, denn schwarzgelb sind nur die Reichen; der Staat machte sie nur arm, daß ihnen vor Hunger die Hosen auf den Beinen schlottern, und sie werden radikal wie die Wölfe. Wenn sie dann erst durch des Leibes Tod alles einbüßen, und ihnen nichts als ein elendstes nacktes Seelenleben bleibet, da wird ihr schwarzgelber Sinn höchst sicher auch den größten Schiffbruch erleiden.« –

11 Spricht ein dritter: »No, schwarzgelb und Geisterwelt, das passete so hübsch für einander! Man muß nur bedenken, warum die Untertanen des eigentlichen Österreichs schwarzgelb sind, so wird man auch allerleichtest einsehen, daß in dieser Geisterwelt niemand mehr schwarzgelb gesinnt sein kann. – Warum aber sind die Untertanen Österreichs schwarzgelb? Die Untertanen Österreichs sind schwarzgelb: Erstens: Aus Furcht vor den vielen Bajonetten, Kanonen und Galgen; zweitens: Die Reichen aus Eigennutz, das Militär ebenfalls aus Eigennutz, und die Beamten ebenfalls aus Eigennutz; denn diesen allen liegt nicht das Wohl der Völker, auch nicht das ihres Kaisers, sondern nur ihr höchst eigenes am Herzen; und drittens sind auch viele aus einer Art religiöser Dummheit schwarzgelb, weil es einen heiligen schwarzgelben Kaiser Leopold gegeben habe, und einen frommen alle Protestanten verfolgenden und umbringenden Ferdinand. Die letzte Art könnte sich hier vielleicht erhalten; aber für die ersten zwei stehe ich, daß von ihnen hier keine Spur mehr anzutreffen sein dürfte!«

12 Spricht der Graf: »Habt gut gesprochen, s' ist wahr! Aber ich verstehe unter schwarzgelb ganz was anderes, als sie es meinen, und das dürfte auch hier ganz wohl anzutreffen sein, und das ist – Rache nehmen wollende herrschsüchtige Bosheit. Haha – Freund! Was sagen sie dazu?« – Sagte der dritte: »Nichts, als: Wo nichts ist, da ist es mit aller Rache und mit aller herrschsüchtigen Bosheit futsch, und alle wirklichen oder falschen Rechte gehen da ein hohlen Weg!« – Spricht darauf der Graf: »Mein Freund, die innere satanische Bosheit ist ein Feuerwurm, der nicht stirbt, und sein Feuer nimmer erlischt und auch nimmer gesättigt werden kann. Wir haben freilich wohl sonst nichts als unser allerelendstes Dasein; aber der echten Bosheit kann das noch viel zu wenig elend sein, und man kann es darum nur zu leicht annehmen, daß es ihr sehnlichster Wunsch ist, uns womöglich noch elender zu machen. Daher ich denn auch meine, daß wir uns so ganz langsam mit Füßen und Händen lavierend von dieser Stelle begeben sollten; und stoßen wir schon auf jemanden, so fragen wir ihn dann, wer er ist. Ist er uns nicht gefährlich, so nehmen wir ihn auf; hat er aber etwas Gefährliches an sich, das sich bald herausfinden ließe, no, so lassen wir ihn wieder gehen!

13 Aber am besten wäre es denn doch, wenn wir so ein wenig zu beten anfangen möchten. Wohl habe ich auf der Erde kaum etwas für dummer gehalten als das Beten, besonders den Rosenkranz, und die lateinischen Gebete; aber hier kommt es mir vor, daß es denn doch gut wäre, etwas zu beten zu irgend einem allerhöchsten Gottwesen; und sie, mein Freund, der sie auf der Erde ein Franziskaner waren, werden doch noch so einige Praeces können, z.B. das Paternoster lateinisch oder deutsch, windisch oder ungarisch, das wird eine und dieselbe Leberwurst sein. Hilft es uns schon nichts, so wird es uns doch auch höchst wahrscheinlich nichts nützend zu schaden imstande sein. Sind sie daher von der Güte, uns wenigstens so per Spaß etwas vorzubeten!«

14 Spricht der rücksichtslose Franziskaner: »Warum nicht gar! das hieße die menschliche Vernunft doch mit Kot krönen. Wenn man schon beten will, so muß man wissen, zu wem und warum man betet; aber bloß beten, um sich damit gewisserart die Zeit zu verkürzen, ist vor meinen Augen die größte und sogar sündhafte Dummheit. Denn gibt es irgend einen höchst weisen Gott, da wird Ihm so ein gebetartiges dümmstes Gemurmel wohl noch ekelhafter vorkommen als unsereinem, gibt es aber keinen Gott, no, da wird die Dummheit noch größer sein, so wir zu einem barsten Nichts unsere lateinischen Gebete möchten erschallen lassen. – Ich bin daher der unmaßgeblichen Meinung, daß wir vorderhand gar nichts tun sollen, sondern alles mit der möglichsten Ruhe abwarten; komme da am Ende heraus, was es nur immer wolle, so werden wir ganz vorbereitet für alles sein, was uns nur immer begegnen mag und will!

15 Aber nun vernehme ich ernstlich ganz in aller Nähe Stimmen, ja sogar Worte, wie es wenigstens mir vorkommt. Horchet, horchet! aus den Worten werden wir es am ersten erkennen, was für Geister sich nun in unserer Nähe befinden. Aha, aha! Habt ihr's vernommen? Ich habe nun deutlich die Worte vergenommen: »Wendet euch im Herzen an Jesus, den Gekreuzigten, so wird euch geholfen werden!«

16 Spricht darauf der Graf, der auch dieselben Worte vernommen hat: »Freund, da sieht es schon sauber und gut aus, mit solch einem echt römisch-katholischen Zurufe und allfälliger Danachachtung von unserer Seite wird uns wohl verdammt wenig geholfen sein. Es wundert mich nur, daß wir hier bloß auf Jesus, und nicht zugleich auch auf die ganze Litanei von Heiligen hingewiesen worden sind. Ja ich möchte sogar behaupten, daß dies kein alleinseligmacherischer Zuruf war, sondern etwa so ein lutheranischer oder calvinistischer?« –

17 Spricht der Franzinskaner: »Das ist nun schon ein Plunder! Helfe nun, was da wolle, könne und möge! Wenn uns nur geholfen werden kann, so wird das etwa doch einerlei sein, ob mit Dreck, ob mit Kletzen oder ob mit Ananas. Wenn uns nun durch Jesus die Hilfe angeboten ist, was solle uns hindern, sie anzunehmen?« –

18 Spricht der Graf: »Ganz gut, lieber Freud, wissen sie es aber auch ganz bestimmt, daß da diese Hilfe uns angeboten wurde? Können nicht noch andere Gruppen in unserer Nähe sich aufhalten, und sich in einer ähnlichen miserablen Lage befinden? Allah ist groß, und Mohammed sein Prophet ist breit; und so können auch wir sagen: Gott, so Er einer ist, ist groß, und Jesus war sein Prophet, und war noch breiter in seiner Lehre, als der sarazenische Mohammed; Gott weiß, wo die sind, denen dieser Zuruf gilt.«

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