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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 134
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 133

Fortsetzung des Gespräches zwischen dem Grafen und dem Rücksichtslosen. Eine Lebensgeschichte: Der stolze Magyaren-Krone-Streber und sein klägliches irdisches Ende

1 Spricht der Graf: »Freund, du gehst mit deiner Rücksichslosigkeit denn doch etwas zu weit; denn dadurch verurteilest ja du auch dich selbst, und sprichst die gleiche Rücksichtslosigkeit gegen dich selbst aus. Wird es dir recht sein, so man sich z.B. deiner nach deinen Grundsätzen entledigen möchte oder würde?« – Spricht der Rücksichtslose: »Das gilt einem wie dem anderen! Potiori fiat jus! So jemand sich meiner zu seinem Vorteile entledigen kann, so würde ich ihn selbst einen Esel nennen, so er's nicht täte!« –

2 Spricht der Graf: »Du nähmest also auch gegen mich keine Rücksicht?« – Spricht der Rücksichtslose: »So ich daraus einen Vorteil zu ziehen vermöchte, allerdings. Der Herr Graf haben doch unseren irdischen Mördern selbst recht gegeben, darum sie sich unser, weil sie uns für ihre Zwecke nicht dienlich ansahen, entledigten. Können sie mir dann Unrecht geben, so ich ganz so denke und fühle wie sie Herr Graf selbst?!« –

3 Spricht der Graf: »Ja so, ist es um diese Zeit!? Höre! du bist auch einer, der mich fangen will, aber es solle dir nicht gelingen, denn ich weiß nun schon, was ich zu tun habe!«

Am 20. Oktober 1849

4 Spricht der Rücksichtslose: »Was werden sie tun, und was können sie tun? Ich sage ganz offen, daß sie nun samt mir ebenso viel tun können, wie sie in ihrer letzten Erdlebenszeit hatten tun können, wo sie wie ich der Henkersrute folgen mußten hinaus zum Galgen, gleich wie ein Ochse den Hieben und Hundebissen in die Schlachtbank. Geflucht haben wir alle schon bis zum Ekel, und es hat nichts genützt; alle neun mal hundert und neunundneunzigtausend Teufel haben wir auch ganz gehörig angerufen, und es ließ sich keiner sehen; wir haben allerkräftigst Gott, Tod, Teufel, Himmel, Erden, Sonne, Mond und Hölle verflucht; aber die wollen sich zu unserem größten Ärger auch nichts daraus machen. Was, sagen sie mir, können sie nun noch tun? Wollen sie etwa gar zu beten anfangen?«

5 Spricht der Graf: »Ja, gerade das will ich tun, um dich dadurch wenigstens bis zum Totwerden zu ärgern!« – Spricht der Rücksichtslose: »O nur zu, Herr Graf, meine Lachmuskeln sind schon in der vollsten Spannung, um sie im Gebete ganz gehörig unterstützen zu können. Aber sagen sie mir, zu wem werden sie beten? Zu einem unendlich großen Gott, der ihre Stimme gerade so vernehmen wird, wie sie die etwaigen Sirenenstimmen jener kleinen Wesen, die zu Trillionen in einem Tautropfen wohnen oder zu einem unendlich kleinen Götterl, dessen Ohren für ihre Riesenstimme etwa doch ein bißchen zu klein sein dürften; oder werden sie etwa gar ein allerandächtigstes Gebetlein zum allerheiligsten Herzen Jesus und Maria, und daneben auch ein Gebetlein zum heiligen Joseph anstimmen?«

6 Spricht der Graf ganz zornig: »Jetzt halte mir das Maul oder ich reiße es dir bei der Mitte auseinander! Du verfluchtes Luder von einem Galgenstrick! nun nimmt sich diese gemeine, nie geborne, sondern wie ein Kalb geworfene Kanaillie die Frechheit, mich ersten Kavalier von ganz Ungarn zu hänseln! Der Teufel hole dich, du schlechtes Hundsluder! So ich beten will, so werde ich's tun, und werde es wohl weislich so einer schlechten Kanaillie nicht auf die Schweinsnase binden. Schaue er, daß er mir aus den Augen kommt, sonst solle er die Kraft meiner Kavaliersarme fühlen!«

7 Spricht der Rücksichtslose: »Herr Graf, sehen sie, was sie doch für ein sonderbarer Mensch sind; wie sie auf der Erde waren, so sind sie es auch hier. Ich habe nun zu ihnen nichts anderes geredet, als was ich von ihnen selbst aufgenommen habe, und das ärgert sie nun bis zum Zerbersten. Wann haben denn sie, lieber Herr Graf, je an einen Gott geglaubt? Ihr Gott war der unendliche Raum und die ebenso unendliche Zeit. Haben sie sich nicht oft selbst bis zum Gallespeien geärgert, so sie eines Kruzifixes oder eines Marienbildes ansichtig geworden sind? oder sind sie nicht ein förmlicher Feind des edlen Kossuth geworden, darum, weil er für sie ein religiöser Schwärmer war, und nicht selten ganz ernstlich Gottes Christi Hilfe anrief? Haben sie auf der Welt je nur ein Vaterunser gebetet? und sie wollen jetzt beten! Ich frage sie: Wie, was und zu Wem denn?«

8 Spricht der Graf noch voll Zorn: »Das geht ihn einen Teufel was an! Kann ich denn auf der Welt in meinem Innern nicht ein ganz anderer Mensch gewesen sein, als wie ich mich nach außen hinaus zeigte?«

9 Spricht der Rücksichtslose: »Wird schwer halten, Herr Graf, ich werde es ihnen genau sagen, wie sie nach innen und nach außen sich benommen haben; sehen sie, Herr Graf, nach innen waren sie ein Freund des schönsten und nobelst reizendsten Venusfleisches, und nach außen waren sie ein Kavalier non plus ultra, und wären lieber selbst König von ganz Ungaren geworden, als daß sie jemand anderen zum Könige gekrönet hätten. Christus war bei ihnen eine lausige Fabel der Schwaben (der Deutschen), aus dem Judentume aufgegriffen; und eine andere Gottheit ein Hirngespinst irgend eines am Hungertuche nagenden philosophischen Schluckers. Und sie sagen, daß sie innerlich ein ganz anderer Mensch gewesen wären, als wie sie sich von außen zeigten? Ich bitte sie! lügen sich der Herr Graf doch nicht selbst an! Mein lieber Herr Graf, o wir kennimus nos! Sie und beten! das sind zwei ganz konträre Pole, die sich noch nie berühret haben, und sich auch schwer je berühren werden! Versteht'n sie mich nun?«

10 Spricht der Graf: »Sage er mir nun nur das Einzige, wer ihm denn so ganz eigentlich das Recht gibt, mit mir so zu reden, als ob wir miteinander je die Schweine gehütet hätten? Glaubt er denn, ein Graf Bathianyi wird sich das etwa gar längere Zeit von ihm gefallen lassen? Oder meint er etwa, daß ich durch mein Unglück oder dadurch, daß ich in der letzten Zeit in den Reihen der gemeinen Husaren stritt, mit ihm schon in einem gleichen Range mich befinde? O, da irrt er sich gewaltig! Ich sage es ihm, so er sein loses Maul nicht bald zur vollkommensten Ruhe bringen wird, so solle er es bald erfahren, welch ein Unterschied zwischen mir und ihm obwaltet. Daher nun kein Wort mehr! Nehme er sich ein Beispiel an unsern anderen 32 Leidensgefährten; alle sind stille und ruhig, und betrauern in mir ihren künftig werden sollenden besten König, nur er nimmt sich eine gewisse Frechheit heraus und will, weil ich nun hilflos dastehe, mich hänseln. Lasse er ihm aber ja ehestens diesen Appetit vergehen, sonst könnte er ihm sehr teuer zu stehen kommen.«

11 Spricht der Rücksichtslose: »Herr Graf! unsere Waffen in dieser Dunstwelt, in der wir selbst nur Dunst sind, bestehen nur in der Zunge, und mitunter auch in den Händen und Füßen, wovon namentlich die letzten, beim Fersengeld nehmen, eine höchst wichtige Rolle spielen. Was die Zunge betrifft, da werden sie mit mir nicht zu leicht aufkommen, also auch mit den Händen nicht; denn ich habe das Boxen in England aus der Kunst gelernt. Aber beim Gebrauche der Füße dürften sie mir sehr bedeutend überlegen sein; denn von den Füßen habe ich in dieser Art gar nie einen Gebrauch gemacht.«

12 Der Graf wendet sich nun von dem Rücksichtslosen ab, und spricht zu einem anderen: »Freund! was sagst denn du zu dieser enormsten Efrontie dieses gemeinsten Honvedshusaren? Was solle denn daraus mit der Weile werden, wenn man sich von solch einem Kerl am Ende noch wird müssen auf den Kopf machen lassen? Sage mir doch, ob du diesen Kerl von der Weltseite her etwa nicht näher kennest? Ich weiß nur so viel, daß ich ihn einigemale unter den gemeinsten Honveds gesehen habe; wo er aber her ist, und was er etwa früher war, das ist mir vollends unbekannt.«

13 Spricht der Angeredete: »Meines Wissens war er einmal ein Mönch aus dem Franziskaner-Orden, und stand bei seinesgleichen im für den Orden etwas unangenehmen Geruche eines sogenannten Hellsehers, und sagte öfters verschiedene, den gesamten Orden über Hals und Kopf empörende Dinge über den Orden selbst aus, und nahm durchaus keine Zurechtweisung an; und wollten sie ihn deshalb in eine Disziplinar-Stube unter Schloß und Riegel bringen, so prügelte er als ein unbändig starker Kerl das ganze Konvent blau durch! Als er aber mit der Weile doch solches Neckens und Prügelns überdrüssig wurde, da packte er eines Tages alle seine Ordensfaxereien zusammen, schob sie in einen Abtritt (Kotgrube), verließ darauf mit einigen mit sich genommenen Klostergelder seinen Konvent, und ließ sich beim nächsten besten Honved-Bataillon anwerben, und focht allenthalben einem Löwen vollkommen ähnlich, weshalb er dann nun auch mit uns als ein Kommandant sozusagen ins liebe Gras hatte beißen müssen. Das ist aber auch alles, was ich von im weiß.«

14 Spricht der Graf: »Schau, schau, jetzt ist es mir erst leid, daß ich den guten Menschen etwas zu hart angegangen bin. Wenn er ehedem ein Mönch war, und um so viel weiser als seine Ordenskollegen, deren Verstand doch noch allezeit so vernagelt war, daß er sie geprügelt hatte, da gehört er schon lange und alleroffenbarst den besseren Menschen an. Ach, mit dem muß ich ja sogleich wieder ganz freundschaftlich anknüpfen.« Wendet sich darauf der Graf sogleich wieder an den Rücksichtslosen, und spricht: »Mein allergeschätztester Freund! Sie müssen es mir schon ein wenig zu gute halten, so ich ehedem etwa doch ein bißchen zu unhöflich mit ihnen umgegangen bin. Aber ich wußte es ja nicht, wer sie denn so ganz eigentlich waren. Da ich nun aber durch diesen werten Freund erfahren habe, wer sie sind, und wer sie auf der Welt waren, so bekommt nun freilich alles, was sie zu mir geredet haben, ein ganz anderes Gesicht. Also sie sind der förmliche Riese Goliath, der seinem Orden den Rücken kehrte, aus innerer besserer Überzeugung, und ergriff darauf mit starker Hand das Schwert, zur möglichen Rettung des Vaterlandes!«

15 Spricht der Rücksichtslose: »Ja, mein lieber Herr Graf, der bin ich! ich opferte mich zum Besten der Menschheit, deren zu schwere Sklavenketten mir unausstehlich lästig wurden. Jedoch Herr Graf: Wir haben es gesäet, andere aber werden es ernten! So war es stets in der dummen Welt, und so wird es auch bleiben. Die Erfinder großer Werke sind noch allezeit nahe Hungers gestorben; aber ihre Feinde haben sich dann damit gemästet. Wir haben den Weinberg bearbeitet, und unsere Ernte war Blut und Tod! Den goldenen Rebensaft aber werden die auskeltern, die nach uns kommen werden. Schönes Los der großen Menschen! Sie sind verdammt, für das Fortkommen der Schmeißfliegen vorzuarbeiten. Kommt dann die Zeit der langerwünschten Ernte, so fallen ganz große Schwärme der faulen Schmeißfliegen über die großen Menschen her, bringen sie um, und bemächtigen sich sogestaltig der schönen Ernte. Wie gefällt ihnen diese göttliche, weise Einrichtung der Welt und ihrer naturrechtlichen Lebensverhältnisse?«

16 Spricht der Graf: »Freund, ganz verdammt schlecht! Darüber ist wahrhaft besser zu schweigen, als etwas zu reden. Denn diese Einrichtung ist gar für den Zufall zu schlecht, geschweige für irgend ein allweisestes, höchstes Wesen. Die Gottheit scheint, so sie irgend ist, überhaupt nicht die leiseste Notiz von ihren Werken zu nehmen; es genügt ihr wahrscheinlich als eine Art göttlicher Spielerei, bloß nur Wesen und Menschen zu erschaffen; sind sie einmal da, so sorgt die liebe Gottheit wieder hauptsächlich dafür, daß sie nur so bald als möglich hingerichtet werden, und damit das aber desto leichter gehen und geschehen kann, so läßt sie die sonst harmlose Menschheit von der allerschändlichsten Selbstsucht und Herrschsucht beseelen; durch diese Höllengier getrieben, wird ein Bruder dem anderen zur Hyäne, und vom nimmer zu löschenden Blutdurste erfüllt. O, das ist schändlich! Ein scheußlich Spiel mit dem Leben einer sich selbst bewußten Menschenpuppe! Welch einen Ersatz kann die Gottheit auch einem Menschen bieten und geben, der wie ich – schändlichst tausendmale gestorben ist, ja gestorben eines Todes, wie die Weltgeschichte etwas Ähnliches kaum aufweisen dürfte.

17 Denke dir einen ersten Grafen vom ganzen großen Ungarn! Dieser wird durch ein paar bartlose kaiserliche Soldaten-Richterlein zum Galgentode verdammt. Der Graf wird sogleich ohne alle weitere Umstände und Rücksichten auf den Richtplatz hinausgeschleppt. Da er nun sieht, daß es für ihn weder eine Gnade noch einen Pardon gibt, so macht er in der größten Verzweiflung einen Selbstmordversuch, der ihm aber leider mißlingt; das zusehende Volk, vom Mitleide übermannt, fängt laut zu fluchen und zu drohen an, und verlangt unbedingten Aufschub meiner Hinrichtung. Da geben die Exekutoren aber bloß nur wegen der Halswunde nach, und der Graf wird ins Spital zurückgebracht, wo man ihm ärztliche Hilfe angedeihen ließ. Der Wunde Schmerz ließ kaum ein wenig nach, und der Graf war der festen Hoffnung, nun vom Kaiser eine Amnestie zu erlangen; da kommt gegen Abend ein Auditor oder was er etwa war, weckt den Grafen aus seinem Ohnmachtsschlafe, und verliest ihm ein zweites Todesurteil, das sogleich in den Vollzug gesetzt werden müsse. Der Graf wie von tausend Blitzen gerührt, sinkt ohnmächtig zusammen, so daß man ihn laben muß. Als er wieder etwas zu sich kommt, wird er sogleich von den Schergen ergriffen, und da capo zur Richtstätte hinausgeführt, wo er sozusagen im Gnadenwege von mehreren Jägern wie ein Hund erschossen, und dann sogleich einer Schindmähre gleich begraben wurde, und dieser selbe Graf bin ich, was dir ohnehin bekannt sein dürfte. Und siehe, das heißt man Gerechtigkeit! O du von aller Gottheit verfluchte Gerechtigkeit!

18 Aber dennoch kann ich mich nun nicht so sehr ärgern über die rein bestialische Grausamkeit der Menschen; denn sie scheinen mir doch mehr stumme Werkzeuge einer unsichtbaren Macht zu sein, als daß sie so was lediglich aus ihrem höchst eigenen Willen heraus tun würden; aus welchem Grunde der in vielen Stücken sehr weise Lehrer aus Nazareth auch bei seiner Hinrichtung seinen vermeintlichen Gottvater für seine Mörder um Vergebung bat, da er auch sicher der unmaßgeblichen Meinung war, daß die Natur der Menschen denn doch nicht gar so böse sein könne. Und derselben Meinung bin denn auch ich.

19 Aber die eigentliche Gottheit oder Satan, was da nur immer übermächtig ist, das hat den eigentlichen Teufel gesehen. Dies allmächtige Wesen sitzt ganz behaglich in irgend einem unzugänglichen Zentrum, und spendet in einem fort seinen giftigsten Odem allen Weltkörpern, und ergötzet sich dann an den zahllosesten von ihm selbst zubereiteten Mordspektakeln. Daß dabei die armen Schauspieler aber auf das Entsetzlichste gepeiniget werden, das kümmert die große Gottheit ebenso wenig, wie uns Menschen ein von dir ehedem sehr weise und sehr bezeichnend angeführter Infusionstierchenkrieg in einem Tautropfen, den vielleicht schon die nächste Sekunde in das Meer der ewigen Vergessenheit hinab verwehen wird. Also diese schändliche Gottheit möchte ich kennen, aber zugleich auch Macht haben, sie zu verderben!«

20 Spricht der Rücksichtslose: »Du hast nun ganz recht, nun taugen wir erst recht für einander! Aber horch, ich vernehme wie Menschenstimmen in der Nähe. Daher nun Ruhe, vielleicht hören wir etwas zu unserem Troste.«

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