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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 133
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 132

Eine neue Schar Hingerichteter und Verzweifelter kommt an. Der Führer, Graf Bathianyi, erzählt die traurige Geschichte seines ehemaligen Erdendaseins. Einige Gottlose und ein Rücksichtsloser antworten auf die Rede des Grafen

Am 18. Oktober 1849

1 Als Thomas noch kaum solche seine Belehrung an die große Schar beendet hatte, wird von draußen her schon ein mächtiges Schreien und Heulen vermommen. Thomas ermahnt die Schar zur Aufmerksamkeit, und sagt: »Wie ihr es nun vernehmet, so gehet das schon in die Erfüllung, was ich euch soeben durch die Gnade des Herrn verkündiget habe; eine schrecklich zerstörte Schar naht sich diesem Hause; wir vernehmen nun ein mächtiges Schreien und Heulen; die da kommen, müssen sehr bedrängt und im höchsten Grade beleidigt worden sein. Es sind Seelen unbarmherzigst Hingerichteter; sie kommen näher und näher. Daher heißt es nun sehr aufpassen, daß wir ihre Worte nicht überhören! Nun stille, Freunde, sie eilen schon durch die große Gartenstraße herein. Ein Mann ganz düstern Ansehens, in eine schwarze Samtblouse gehüllt, das Haupt mit einem blauen mit Gold gestickten Käppchen geschmückt, schreitet nahe wie ein Betrunkener voran, und etliche 30 folgen ihm. Hinter ihnen bemerke ich wie Flammen. O das sieht ganz entsetzlich aus! Aber nun stille!«

2 Der düstere Führer macht halt, wendet sich um, und mustert seine Gesellschaft und spricht nun zu ihr: »Da sind wir nun voll des höchsten Elends, voll des höchsten Jammers. O meine arme Gattin! Dein Schatten in Gestalt rachesprühender Flammen eilt vergeblich dem schändlichst gemordeten Gatten nach. Es hat sich die ganze Hölle wider ihn verschworen, und ihn in ihre ewig todbringende Tatze gefaßt, um ihn ewig nimmer auszulassen. O ihr meine lieben Freunde! – Ihr schreiet und heulet umsonst in dieser finstern Qualwelt. Eine übergeraume Zeit flohen, schrien und heulten wir schon; aber von keiner Seite her kommt uns irgend eine Hilfe oder irgend ein Trost entgegen. Es gibt keinen Gott, und keine Vergeltung, ihr schreiet umsonst um Rache gegen unsere Mörder. Denn gäbe es einen allgerechten Gott, so könnte Er ja doch unmöglich es je zulassen, daß auf der von mir aus für ewig verfluchten Satanserde solche Greuel von elendesten Menschen wieder gegen Elende verübt werden!

3 Was taten wir denn, das da des Todes würdig wäre? Wir wollten nur, was uns unser Kaiser und König versprach, und auch wirklich gab. Und weil wir das wollten, und das Gegebene von Heute auf Morgen doch nicht gleich feigen und fratzisch dummen Buben auf ein kaiserliches Obverlangen das Empfangene konnten so mir und dir nichts fahren lassen, ohne zur Kenntnis gelangen zu dürfen, warum?! So fragten wir, und wurden durch die Frage zu Rebellen und Hochverrätern. Wir wehrten uns gegen eine solche Zumutung zuerst moralisch, und darauf auch physisch. Da zog man gegen uns zu Felde mit der Macht zweier Kaiser, und hätte uns nicht besiegt; wenn man nicht alle erdenklichen Mittel aufgeboten hätte. Wir ergaben uns nicht auf Gnade und Ungnade, sondern gegen von Seite Rußlands garantierte Amnestie, und da – als Staatsverbrecher Hingeschlachtete haben wir sie nun!

4 O du verfluchte Erde mit all deinen Menschen und Herrlichkeiten! Wer auf diesem Satansboden reich genug, mächtig genug, und grausam genug sein kann, der hat auch das volle Recht für sich und kann alle als Verbrecher hinmorden lassen, die sein Gewaltrecht nicht als wirkliches die Menschheit wahrhaft beglückendes Recht annehmen wollen. Recht haben sie, daß sie uns gemordet haben. Sie wußten, wie man den Satansboden bearbeiten muß, um auf demselben sich eine Glückseligkeit zu schaffen, auf Kosten von Millionen von armen Grasfressern, hätten wir das schon lange getan, so wären wir im selben Rechte, das wir zu unserem Besten uns selbst geschaffen hätten. Aber so sind sie uns zuvorgekommen, und haben nun auch alles Recht für sich, ° und wer wird ihnen, die nun mächtig sind, Unrecht geben? So es einen Gott gäbe, der könnte es tun. Da es aber ewig keinen Gott gibt, so sind sie frei, und können tun was sie wollen.

5 Jede Grausamkeit ist recht, weil sie dieselbe, dieweil sie Macht haben, als recht bestimmen, und von niemanden zur Verantwortung gezogen werden können. Kurz, das alte Potiori jus! gilt für alle Zeiten. Nur der Reiche und zugleich Mächtige hat allein das Recht, zu leben und alles zu besitzen, wessen immer er sich durch seine überwiegende Macht bemächtigen kann. Nur der arme Teufel kann sündigen, Unrecht tun und dafür gezüchtigt werden, weil er ohnmächtig ist, und das, was er für sein Bedürfnis als Recht ansieht, nicht durch eine überwiegende Macht zur Geltung bringen kann. Glaubet ihr nun etwa noch an einen Gott, und an eine Vergeltung?«

6 Schreien alle anderen: »Nein, nein, wir glauben es nimmer! Du hast recht geredet, so ist es! Eine Hölle ja gibt es, und zwar auf der Welt; aber einen guten und gerechten Gott gibt es ewig nimmer! Denn gäbe es irgend einen, so müßte Er die verfluchte Erde ja schon lange zu allen Teufeln gerichtet haben. Aber, da es keinen Gott gibt und geben kann, so ist und bleibt die Erde gleichfort ein Thron der Hölle! So ist es, so ist es, und so bleibt es!«

7 Spricht ein anderer aus dieser ganz neu angekommenen Gesellschaft: »Herr Graf, sie haben recht; ich bin ganz ihrer Meinung bis auf das, daß es keinen Gott gebe; aber daß dieser Gott oder das schaffende Prinzip, sich um den Staub der Erde ebensowenig kümmert, als wie wir uns je gekümmert und gesorget haben um ein verdorrtes Schweißtröpfchen, das etwa im tiefsten Schlafe einer Pore des kleinen Fußzehens entquoll, das können wir mit Sicherheit annehmen. Eine Rauferei oder ein Krieg unter den Menschen auf der Erde ist vor den Augen der wahren Gottheit bei weitem etwas viel geringeres, als für den Kaiser von China der Infusionstierchenkrieg in einem Tautropfen oder der Monaden und Atome in einem leeren bloß mit Luft gefüllten Medizinfläschchen aus Porzellan. Daher haben der Herr Graf auch vollkommen recht, so sie sagen: – Recht haben sie gehabt, daß sie uns gemordet haben! – Denn sie wußten es, wie man den Satansboden bearbeiten muß, um auf demselben sich eine Glückseligkeit bereiten zu können. O da haben der Herr Graf ein großes weises Wort gesprochen.

8 Wahrlich, Diebe, Straßenräuber und Mörder sind eigentlich die gescheidtesten Menschen auf der Erde; diese wissen den Wert der Dinge, der Menschen und ihres Lebens am besten zu taxieren, weil sie es eben wissen, daß eine Trillion Menschen vor Gott gerade so viel als nichts sind. Gott liegt nichts am Leben von Milliarden mal Milliarden Menschen; ob sie sich alle zusammen totschlagen oder ob noch hie und da einige übrig bleiben, das ist bei Gott eine Leberwurst; daher dürfen wir aber auch fürder nicht so dumm sein, als wie wir (es) bis jetzt waren. Wir schließen einen Bund, und was uns nur unterkommt, muß ohne Rücksicht niedergemacht werden!« –

9 Spricht ein dritter: »Ich meine, ein bißchen etwas von einer Rücksicht sollen wir denn doch gegen gewisse uns irgend aufstoßende Individuen nehmen, wie z.B. gegen unsere Eltern, Weiber, Brüder, Schwestern und Kinder, und noch gegen einen sonstigen gar guten Freund.«

10 Spricht der zweite: »Was da Rücksicht! was Eltern, was Weib, Kinder und Brüder, Schwestern und sonstige Freunde! Die Rücksicht ist nichts als eine entweder geflissentliche oder wirkliche Feigheit gegen andere, die man wie gesagt ehrenhalber oder besseren Gewinnes halber noch etwas länger leben läßt oder man hält sie in der sich eigen bewußten Schwäche für bedeutend mächtiger, als sich selbst; das ist also eine Rücksicht? Eltern?! Hohngelächter der Hölle! Das sind die ersten Tyrannen der Kinder, daher keine Rücksicht mit derlei lästigen Häschern. Das Weib!? No, so es noch jung und sehr üppig ist, das kann man schonen; aber wird es einmal alt und häßlich, dann keine Schonung, da es dann doch niemanden mehr zu einem Vergnügen dienen kann.

11 Kinder als recht artige Spielpuppen, so sie schön geraten (sind) , lasse ich mir auch gefallen, obschon ich diejenigen Völker der Erde für weiser halte, die ihre schönsten und üppigsten Kinder schlachten und dann fressen, weil sie ein besseres Fleisch haben, denn die mageren und häßlichen. Sind sie aber einmal groß, dann auch mit diesen ersten Blutegeln ihrer Eltern keine Rücksicht mehr; und hier, wo man wahrscheinlich zu keinen Kindern mehr kommt, außer zu denen auf der Erde gezeugten, wird gegen gar kein Kind eine Rücksicht genommen! Brüder und Schwestern und sonstige Freunde sind schon auf Erden die lästigsten Nebenmenschen und werden es hier um so mehr sein, daher schon gar keine Rücksicht mit ihnen. Hätten die Menschen auf der dummen Erde die Einsicht, wie ich sie nun hier habe, so würde der Erstgeborene, so er zum Selbstbewußtsein gelangt, und zur gehörigen Kraft, sich dieser lästigen gleichberechtigt sein wollenden Nebenbuhler schon zu entledigen gewußt haben. Aber, was auf der dummen Erde Mensch heißt, ist bis auf wenige raffinierte Spitzbuben rein Vieh, und dummer noch, und so kommt es dann auch notwendig, daß ein Vieh dem anderen zur Last leben bleibt, bis es nicht erschlagen wird, von einem Pfiffigeren, oder bis es nicht am alten Gift der Luft krepiert. Daher keine Schonung und Rücksicht mehr mit jemanden!«

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