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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 132
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 131

Das himmlische Mahl in den jeweiligen Sälen. Der General und der Herr von Kernbeiß sprechen über die göttlichen Wunder. Der bescheidene Thomas dankt seinem Scharfrichter Kernbeiß, dessen herzliche Abbitte, danach schöne Eintracht. Thomas macht einen Blick zur Erde

1 Nach diesen Worten trete Ich wieder aus der Türe, und beordre den Robert, daß er mit Hilfe der ehemaligen Tänzerinnen eine hinreichende Menge Brot und Wein an die beiden Lehrer Thomas und Dismas ausfolgen solle, die dann diese Stärkungen an die neuen Gäste verteilen sollen. Robert tut das sogleich, und als die Gäste draußen auf diese Art zu solch einer Stärkung kommen, da hört man nichts als Jubel über Jubel, und Lob und Preis von allen Seiten. Die beiden Lehrer aber treten nach der Verteilung auf einen Wink von Mir ebenfalls in den zweiten Saal, allwo auch wir das schon bereitete Mahl mit einander halten.

2 Die neuen Gäste aber können sich nicht genug verwundern, wie es denn doch möglich war, daß sie alle so schnell allerbestens bedient haben werden können. Ein nächster Freund des Generals Theowald spricht darob folgendes: »Lieber Freund! aber wie kommt ihnen – nein, nein, dir wollt ich sagen, denn hier sind wir ja alle gleich – also, wie kommt es dir vor, daß wir alle, sicher über 3.000 an der Zahl, von unsern zwei Brüdern, nämlich vom ehemaligen Mönch und dem uns aus alter Zeit her schon bekannten Dismas, wie auf einen Schlag mit Brot und Wein reichlichst versehen haben werden konnten? Ehedem brachte, wie ich's bemerkt habe, nur, so ich mich nicht irre, der berüchtigte Robert Blum mit etwa ein paar Dutzend gar verzweifelt schönen Maiden etliche Flaschen Wein und so auch etliche Laibe Brot; ich dachte mir dabei, besonders als die beiden Brüder ganz allein die Verteilung übernahmen: No, bis die zwei diese wenigen Flaschen, und die wenigen Laibe Brot werden an alle mathematisch genau wie beim Militär ausgeteilet haben, da werden die ersten schier schon wieder hungrig und durstig sein, so die Letzten zur Beteilung kommen werden. Aber dem war es wunderbarst ganz anders. Wie durch irgend einen Zauberschlag hatte ein jeder von dieser ganzen Schar einen guten Becher voll Wein, und ebenso ein ganz respektabelstes Stück des allerwohlschmeckendsten echten Himmelsbrotes in seinen Händen; und die etwa im Ganzen bei 30 Flaschen Wein waren richtig geleert, und vom Brot der letzte Laib bis auf's letzte Brotsaml verteilt. Nun sage du mir und eigentlich uns allen, wie diese Sache auf einem nur halbwegs begreiflichen Naturwege möglich war?! Mir ist das ein Rätsel, so wahr ich lebe, über alle Rätsel!«

3 Spricht der General Theowald: »Ja du mein lieber Freund Johann von Kernbeiß, wie man dich auf der Erde nannte, du forschest schon wieder zu viel! Denke du dir die göttliche Weisheit und Allmacht hinzu, so wird dir so was ohne allen Anstand begreiflich sein. Hast denn du auf der Erde alles begriffen, was du gesehen und erlebet hast? Wer spannte dein Lunge, so du atmetest, wer machte dein Herz pochen und die Pulse schwellen; wer kochte in deinem Magen die zu dir genommenen Speisen? Wer sonderte die Lebensteile vom Unrate? Wer machte, daß du gewachsen bist? und wer sperrte dir das Wachstum? Wer baute die Augen, und wer das Ohr? und wie hat solcher Dinge Meister das alles zu wege gebracht, und welcher Mittel hat Er sich dazu bedient? Siehst du, all diesen und noch tausend anderen Wundererscheinugen sahen wir sogar schon auf der Erde so zu sagen täglich in's Angesicht; aber da wir uns an sie schon von Jugend an, wo wir noch gar nichts dachten, gewöhnt haben, so wie an's nicht viel Denken, so ist uns das wahrhaft Wunderbare bei all diesen Erscheinungen auch gar nie aufgefallen, und konnten wir gar leicht ganz gleichgültig darüber hinweggehen.

4 Aber hier, wo wir nun aller lästigen Materie bar sind, und unser Denkvermögen desto ungestörter seine Tätigkeit auszuüben imstande ist, da freilich müssen uns alle Erscheinungen dieser Welt um so mehr in ein gerechtes Erstaunen versetzen, in wie fern wir auch fähiger sind, das wahrhaft Wunderbare an einer Erscheinung schneller zu bemerken, und darüber in ein gerechtes Erstaunen zu geraten; aber daß wir uns dabei und darob unsere Köpfe zerbrechen sollen, um die Möglichkeit solcher Dinge mathematisch erwiesen zu begreifen, siehe Freund Johann von Kernbeiß, das wär' eine barste Torheit. Ist es zu unserem ferneren Heile von nöten, so werden uns unsere zwei Lehrer, die jetzt auch, wie ich's durch die offene Türe sehe, ein stärkendes Mahl zu sich nehmen, schon belehren; ist aber solch eine Belehrung zu unserem Heile nicht absolut nötig, so ists genug, daß wir das wissen, daß einem allmächtigen Gotte alle Dinge möglich sind. Denn siehe, ich halte alles für ein unerforschliches Wunder!

5 Wollte man nun von allen den zahllosesten Dingen und Erscheinungen den Grund wissen, so würde man ja ewig damit nimmer zu einem Ende kommen, und das wäre doch eine Arbeit non plus ultra zu nennen! Da sieh nur einmal diesen meinen Finger an, wie er sich nach allen Seiten ganz bequem bewegen läßt; ist das nicht auch ein Wunder? Wer wird aber darüber zu grübeln anfangen wollen, und am Ende doch kein sicheres Resultat herausbringen. Gott hat es so eingerichtet, und das ist genug; mehr brauchen wir nicht zu wissen und zu begreifen.

6 Gott der Herr hat uns allen aus Seiner Liebe und Erbarmung wunderbar des besten Brotes und Weines zukommen lassen, und das in einer hinreichendsten Menge; und wir haben uns daran, Ihm allein alles Lob, zur seligsten Übergenüge gesättiget und gestärket. Was brauchen wir nun noch dazu zu wissen, wie Er das so wunderbar angestellet hat? Ich hielte so etwas für eine eitel läppische Neugierde. Danken wir aber dafür dem allmächtigen und allgütigen Geber, so werden wir Ihm auch sicher wohlgefälliger sein, als so wir Ihn mit der Weisheit aller Engel erforschen und zergliedern möchten!«

7 Spricht der Johann von Kernbeiß: »Du hast ganz vollkommenst recht, und ich bin da auch ganz deiner Meinung; aber überraschend wunderbar bleibt die Sache dennoch immer!« – Spricht der General Theowald: »O – allerdings, das wird dir auch kein Engel in Abrede stellen; aber wir sind nicht da, um sie zu erforschen, sondern um sie zu bewundern und dankbarst zu genießen!« –

8 Spricht Johann Kernbeiß: »Du bist demnach durchaus nicht für einen geistigen Fortschritt?!« – Spricht der General Theowald: »O Freund! da irrst du dich sehr, so du aus dieser meiner Rede zu entnehmen scheinst, daß ich darob wider einen geistigen Fortschritt wäre, weil ich mich in keine zwecklose Untersuchung einer wunderbaren Erscheinung einlassen will; o, ich liebe nichts so sehr als eine geistige Vollkommenheit; aber ich eifere nur gegen solche Bestrebungen des Geistes, die nicht in seine Sphäre wenigstens vorderhand taugen. Warte du nur ein wenig ab, bis unsere zwei Lehrer wieder zu uns kommen werden, die werden dir sicher mehr über dein Petitum (das angestrebte) sagen können als ich; – so ich dir aber mehr sagen möchte als ich weiß, da wäre ich entweder ein eitler Narr, oder ein lügenhafter Großsprecher, der überall der Weiseste sein will, im Grunde aber bei sich selbst die Reife in ein Narrenkollegium sicher recht deutlich wahrnehmen muß.

9 Da sieh, die beiden kommen schon, der eine ganz schlicht und ohne vielen Glanz, das ist der Dismas, und der Thomas mit einem wahren Sonnenlichte. Ich werde dich sogleich ihnen als einen sehnsüchtigsten Forscher in der Weisheit Gottes aufführen, so es dir genehm ist.« –

11 Spricht Johannes Kernbeiß: »O ich bitte dich, liebster Freund, tue du nur das nicht! Denn weißt du, unsere Besprechung solle ganz unter uns bleiben; was braucht da die ganze himmlische Gesellschaft davon in die Kenntnis gesetzt zu werden. No, die beiden würden ganz kuriose Augen machen, so ich ihnen mit einer solchen Frage käme. Daher sei du davon nur lieber ganz stille; ich bin nun schon ganz vollkommen deiner Meinung, und werde auch bei ihr verbleiben; aber nur nichts sagen diesen zweien davon!«

12 Thomas und Dismas treten nun wieder in diesen ersten Saal zu der großen Schar, und der General Theowald in Gesellschaft seines Freundes Johannes von Kernbeiß treten ihnen freundlichst entgegen, und sprechen im Namen der ganzen großen Schar den rührendsten Dank gegen den Herrn der Herrlichkeit für solch eine allerkostbarste Bewirtung aus. Der Johannes von Kernbeiß bemerkt noch insbesondere, wie das alles so überraschend wunderbar schnell vor sich gegangen sei!

13 Der Mönch Thomas aber erwidert den herzlichen Dank dem General Theowald darum, daß er nebst dem Herrn hauptsächlich der kräftigen Zurechtweisung von Seite des Generals seine gegenwärtige geistige Vollendung zu verdanken habe, und nach ihm der gesamten Schar, die ihm den guten Dienst erwies, daß sie ihn wegen seiner großen Dummheit hinauswarf. Darauf sagt der Johannes Kernbeiß: »Liebster Freund, nur davon rede nichts mehr! Denn ich war auch einer von denen, die dich hinausgeschoben haben. Aber was einmal geschehen ist, das kann man leider nicht mehr ungeschehen machen. Mich hat es schon tausend Male gereuet; aber der Mensch, ob Geist oder Fleisch, kommt dann manchmal in eine solche Hitze, wo er sich dann selbst nicht mehr kennt, und oft nimmer weiß, wessen Geschlechtes er ist; es solle so was nach den weisesten Gesetzen Gottes freilich wohl nie stattfinden. Aber leider findet es denn manchmal sogar unter den sonst besten Menschen statt. Aber ich meine, so die Menschgeister dann ihre gegenseitigen Fehltritte an einander so viel als nur immer möglich wieder gut machen, und sich gegenseitig um Vergebung bitten, und die Hände der Freundschaft zu einem ewigen Bunde reichen, dann wird auch der liebe Vater der Himmel dazu kein gar zorniges Gesicht machen.« –

13 Spricht Thomas: »Ganz natürlich, so die Menschen untereinander in der Ordnung sind, da sind sie es auch vor Gott; denn Gott der Herr will ja von den Menschen nichts anderes, als daß sie eben untereinander als wahre Brüder und Schwestern leben sollen; daß sich keiner über den anderen erheben solle, und keiner des anderen Richter sein. Wir beide aber haben ohnehin gegen einander nie etwas gehabt, und haben uns daher auch nichts zu verzeihen; daß du mich aber früher schon hier in dieser Geisterwelt ein wenig hinausschummeln halfst, das hat auf unsere alte irdische Freundschaftsordnung ohnehin nicht den allergeringsten Bezug, und dadurch schon um so weniger, weil du mir dadurch nur einen entschieden besten Dienst geleistet hast, ohne den ich vielleicht noch jetzt über den ganzen Kopf und Hals in meiner mönchischen Dummheit stecken geblieben wäre, in der ich euch allen noch so manchen Ärger hätte bereiten könnnen; während ich euch nun für alle die an euch begangenen Dummheiten durch die Gnade des Herrn vielfach wieder gut machen kann, und sogar wieder gut machen muß, nach der Aufforderung meines eigenen Herzens.

14 Wie viel Dummes habe ich euch auf der Erde vorgemacht und vorgeschwätzt, so – daß es nun hier sogar noch einige unter euch geben dürfte, die noch von einer oder der anderen der vielen Dummheiten, die ich euch als ein Priester vormachte und vorschwatzte, befangen sein können. Aber alles dieses wird hier von mir an euch vielfach wieder gut gemacht werden. Dummheiten sollen vernichtet werden, und an ihre Stelle sollen, so viel es nur immer in meinen Kräften stehet, weise Belehrungen treten. Der aber, der mir dieses rein himmlische Amt gegeben hat, stärke euch und mich zu diesem schönsten Zwecke!

15 Durch die große Gnade des Herrn ist mir das Vermögen erteilet worden, daß ich auch sehen kann, was nun auf der Erde, und namentlich in unserem irdischen ersten Vaterlande geschieht; auch ihr werdet bald Kunde von einigen hier bald eintreffenden neuen Ankömmlingen erhalten. Ich sage es euch, wie ich es sehe, und wie es mir der Herr Selbst offenbaret: Die Großen, die schon sehr klein waren, haben am Blute ihrer Brüder eine gute Mast gefunden, und sind wieder fett und stark geworden. Statt dem Herrn zu danken für den Sieg über ihre vermeinten armseligen Feinde, wissen sie nun vor Übermut, Stolz, Hochmut und Rache nicht was sie tun sollen. Der Satan, solches wohl merkend – schiebt ihnen die ganze Hölle auf die Schaubühne der Weltpolitik unter die Füße; und sie ergreifen die Hölle, und wirtschaften nach deren Prinzipien!

16 Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet! und verdammet niemanden, auf daß ihr nicht verdammmet werdet! Seid barmherzig, so werdet ihr auch wieder Barmherzigkeit finden! Das sind des Herrn allerernsteste Mahnungen und Gesetze, die Er den Menschen auf der Erde gab. Aber trotz allen diesen ernstesten göttlichen Mahnungen und Gesetzen tun die Mächtiggewordenen mit ihren Brüdern nun, was sie wollen. Sie richten, verurteilen, verdammen und töten nun nach ihrem Wohlgefallen, da sie im Besitze der äußeren Macht sind. Von solchen in der jüngsten Zeit grausam Ermordeten werden nun bald mehrere hier anlangen, und werden ein großes Klagegeschrei anfangen. Diese müsset ihr sogleich zu euch nehmen, und sie trösten und beruhigen, so werdet ihr ein erstes himmlisches Werk verrichten.«

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