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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 131
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 130

Die gerettete Schar vor dem Herrn, des Generals Beicht- und Bittrede. Die Dankworte, Licht- und Lebensworte von Jesus an den General Theowald. Die Geisteswürde des freien Willens. Gute Erklärung aller. Des Herren Lob und besondere Lehre an die Schar

1 Bei diesen Worten des Generals richtete alles die Augen nach der großen Saaltüre hin, und fällt bei Meinem Anblicke sogleich auf die Knie nieder, und betet, lobet und preiset Mich, so gut es nur immer gehen kann bei der völligen Unkultur der Seelen, die hier freilich einem noch sehr unverdorbenen Geiste zur Wohnung dienen, und daher auch in diesem Zustande mehr ein Gefühlsleben als irgend ein Verstandesleben verraten. Ich belasse sie eine kurze Weile in diesem ihrem höchst andächtig erbaulichen Zustande, damit sie sich in ihrem Innern sammeln können.

2 Den General aber berufe Ich zu Mir; er entschuldigt sich zwar mit seiner Unwürdigkeit, Mir näher treten zu können; Ich aber verweise ihn auf den Zachäus des Evangeliums, der ein großer Sünder war, und Ich aber dennoch in seinem Hause einkehrte, und mit ihm das Mahl hielt!

3 Auf diese Belehrung bekommt der General denn sobald mehr Mut, nähert sich Mir aber wohl mit der höchsten Ehrfurcht, und spricht bei Mir angelangt: »O Herr, vergib, vergib mir und uns allen unsere große Dreistigkeit, daß wir es auch nur wagen können, Deiner endlosesten Heiligkeit in's Angesicht zu schauen! Aber was können wir armen Geschöpfe dafür, daß das Verhältnis zwischen uns und Dir, dem ewigen Schöpfer, gar ein so entsetzlich armseliges und völlig nichtiges ist. Wir alle zusammen sind vor Dir o Herr ein vollkommenes Nichts, und Du allein bist alles in allem. Es ist schon eine unglaubliche Seligkeit, daß ein Geschöpf, das auf der Erde bloß für die Vergänglichkeit geschaffen zu sein schien, denn doch nach dem Wegfalle des Fleisches einmal in den Zustand jenes Dich schauenden Vermögens gelangen mag, das auf der Erde – wenigstens bei mir – kaum geahnet, geschweige geglaubet ward; was solle ich hier wohl noch Größeres wünschen können! – O Gott, Du endlos Erhabener! Welch eine Wonne durchströmt hier mein ganzes Wesen, daß ich Dich endlich einmal sehe, und die heiligst allmächtige Stimme Deines Mundes vernehme! – –

4 O wie oft fragte ich auf der Erde: Gibt es einen Gott oder gibt es keinen? und so es einen Gott gibt, wo ist Er, wie kann Er aussehen? Ist der jüdische Lehrer Jesus wohl (das), was die Legenden von Ihm aussagen? Er, ein Mensch, wie unsereiner, solle Gott sein? Gott?! Der den unendlichen Raum mit zahllosen Myriaden von Geschöpfen und Wesen aller Art aus Ihm Selbst erfüllet hat; Der der Sonne das Licht gab, Der das Meer der Erde in seinem großen Bette hält, den Winden und Stürmen gebietet, und die zahllosen Sterne in den endlosen Fernen kreisen macht? – – Aber auf alle diese schönen und sicher wichtigsten Fragen bekam ich nimmer eine meine Seele befriedigende Antwort, und der eitlen Frage Klang verschwamm (verschwand) im großen Meere der die Erde umgebenden Luft, und ich horchte vergebens einer Antwort entgegen; denn der Himmel war verschlossen, und der Sterbliche fragte vergeblich nach dem ewig Lebendigen; nur irdische, selbst sterbliche Menschen bemühten sich manchmal – mir eine andere Meinung von Gott beizubringen; sie erzählten mir Deine irdischen Wundertaten, die wie Märchen klangen, und daher auch viel zu schwach waren, meinem forschenden Geiste das zu geben im Vollmaße, danach er forschte! Kurz, ich suchte, und fand nichts; ich fragte und bekam nichts, das ist – keine Antwort; ich klopfte auch überall an; aber es war nirgends jemand darinnen, der zu mir der verlangten großen Wahrheit gemäß gesagt hätte: Tritt herein, Freund, hier sollst du finden, was du suchst! –

5 Und so kam ich endlich denn auch so zu sagen gänzlich um allen Glauben an einen Gott; alles ward dann ein Werk des Zufalls durch die stumm wirkenden Kräfte der Natur; und das warf mich dann aber auch in den Wirbel der Weltereignisse, in denen ich eben den irdischen bösen Tod fand, der mir die Pforte, die ich nicht geahnet hatte, zu diesem Leben öffnete; und nun bin ich hier, und schaue ein anderes Leben, und schaue – auch Dich, der Du allein mir das Leben gabst! – O Wonne, o Wonne! – Das Reich des vielen Fragens ist zu Ende, und in Dir, o Herr, stehet nun die große lebendige Antwort, für ewig vor mir! – Ja so ist es – das Erdenleben ist nichts als eine große Frage, die aber erst hier beantwortet wird! – O Dank Dir, ewiger Dank Dir, darum Du des Wurmes im Staube gedenkest!«

6 Rede Ich: »Mein lieber Theowald! des Lebens Verhältnisse auf der Erde sind andere, wie die dieser geistigen ewig unvergänglichen Welt; aber sie müssen so sein, damit aus ihnen dieses wahre vollkommene Leben werden kann. Freilich wohl ist ein jeder noch im Fleische lebende Mensch berufen, schon auf der Erde durch die genaue Beobachtung Meines Wortes, das da hauptsächlich in den bekannten 4 Evangelien geschrieben stehet, die Bahn zu brechen, um sich dieses vollkommenen Lebens zu versichern; aber da ein jeder Mensch um ein ewig lebender Mensch zu werden, auch seinen freiesten Willen hat und haben muß, so geschieht es denn – besonders in dieser Zeitfolge – nur zu leicht und häufig, daß sich die Menschen ihre Ohren von der Sirenenstimme der Welt übertäuben lassen, und blenden ihre Augen vom trügerischen Lichte des Weltglanzes.

7 Sogestaltig kommen dann solche Menschen auf der Welt aber auch schwer oder oft auch wohl gar nicht dahin, wozu sie berufen sind, sondern gerade dahin, wohin sie eigentlich gar nicht kommen sollten, nämlich zur Eigenliebe, Selbstsucht, Herrschlust, Habsucht, Geiz, Neid, Fraß, Völlerei, Wollust, Unzucht und Hurerei! Diese Stücke aber verzehren das Leben, statt daß sie dasselbe mehreten, und so kommt es dann, daß es nach der Ablegung des Fleisches gar vielen so ergeht, wie es dir und deiner Schar ergangen ist; sie müssen dann in dieser Welt sehr verlassen werden von allem, was je ihre rohen Sinne zu sehr beschäftigt hatte, und müssen sehr elend werden, damit sich ihr Leben in solch geistiger Einöde und Wüste wieder sammeln und finden kann; hat es sich gefunden, so wie das eurige nun, dann kommt auch die Hilfe, die da vonnöten ist, aber doch so, daß sie nicht als aufgedrungen, sondern als rein von den Bedürftigen selbst verlangt erscheint!

8 Aus dem Grunde sagte dir auch Mein Bote Thomas, daß dein Wille der alleinige Richter und Geber von allem ist, was du willst, Gutes oder Schlechtes; du verlangtest aber danach Gutes, und verlangtest Mich Selbst, und siehe, so stehet nun vor dir wahrst und lebendigst, was du in deinem Herzen wolltest. Von nun an erst wird dir Mein besonderer Wille kund getan werden; wirst du diesen zu deinem eigenen machen, so wirst du leben ein wahres seligstes Leben! Gehe und künde solches auch deiner Schar!«

Am 13. Oktober 1849

9 Der General Theowald tut solches sogleich, und die ganze Schar nimmt das alles ganz unbedingt wie ein Militärkommando an, und fügt sich in allem, was der General Theowald von ihr verlangt. Als er sogestaltig seinen Auftrag bald und gar sehr leicht ausrichtet, kommt er schnell wieder zurück, und sagt: »Herr Vater, Gott Jesus von Ewigkeit! Es ist geschehen, was Du von mir und durch mich auch von der ganzen Schar verlangtest; Dein allein heiligster Wille sei unser ewiges Gesetz! Da Du sagtest, uns allen erst nun Deinen besonderen Willen kund zu tun, so bitten wir Dich, o Du heiligster, erhabenster, weisester und liebevollster Vater, nun darum! Wir alle beteuern es Dir auf das gewissenhafteste, daß wir von Deinem einmal vernommenen Willen in unserem eigenen Walten und Handeln nie auch nur ein Häkchen werden fallen lassen!«

10 Rede Ich: »Nun, nun, es macht Mir eine rechte Freude, von euch allen wie aus einem Munde das zu vernehmen! Aber dessen ungeachtet solltet ihr euch denn doch ein wenig prüfen, ob ihr wohl schon fähig seiet, alles, was Ich will, in euren Herzen als willkommen und dadurch dann auch erst als vollkommen ausführbar anzunehmen?!«

11 Spricht der General Theowald: »O Herr! Wer wohl kennt es besser als Du, wessen unsere Herzen fähig sind! Daher überlassen wir dies alles für ewig Dir ganz allein! Denn Du wirst uns sicher nicht mehr aufbürden, als was wir zu fassen und zu tragen imstande sind; daher werde von uns auch nichts anderes erwogen, als: ob wir wohl in so weit als würdig von Dir angesehen werden, um Deinen heiligsten besonderen Willen in unsere noch sehr unreinen Herzen aufzunehmen. Denn wie ein Judas möchten wir wohl durchaus nicht unsere unlautersten Hände in das große Heiligtum Deines lebendigen Willens tauchen, um uns dadurch leicht möglicherweise den ewigen Tod zu holen. Ich meine, daß für uns alle zuvor noch eine ganz tüchtige Läuterung von nöten sein wird, bis wir würdig werden, von Dir, o heiligster Vater, den heiligsten Willen zu vernehmen.«

12 Rede Ich: »Meine lieben Kinder! Ich muß es euch offen bekennen, obschon ihr nahe sämtlich Kinder der Welt seid, so seid ihr aber dennoch in vielem klüger als die Kinder des Lichtes. Ihr habt Mich so ganz beim rechten Fleck gepackt, und habt euch dadurch so manches erspart, das ihr sonst noch notwendig hättet zu bestehen gehabt; aber weil ihr so klugen Herzens seid, und weil ihr so viel Liebe und Vollvertrauen zu Mir in euren Gemütern aufkeimen lasset, so solle euch auch vieles erlassen werden. Seid aber froh, daß ihr auf der Erde keine Diktatoren waret; denn diese werden Mich in einem ganz anderen Gewande zu Gesichte bekommen! Erhebet euch nun alle! und höret, was Ich nun zu euch sagen werde:

13 Der Größte unter euch sei euer Diener und Knecht; und die gegenseitige tatsächliche Liebe sei euer aller Gesetz. Thomas und Dismas seien eure Lehrer, und ihre Worte betrachtet als die Meinigen, und tuet danach, so werdet ihr fähig werden, vollends in Mein Reich einzugehen; liebet sie als eure intimsten Freunde und Brüder; denn ihnen ist es von Mir gegeben, euch den wahren Weg in das ewige Leben zu führen. Diese werden euch auch mit allem versehen, was euch vorderhand not tut!«

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