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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 129
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 128

Der geheilte Mönch Thomas im Himmelssaal, sein guter Dank, und seine edle Bitte für die Elenden, die ihn zuvor gerichtet hatten; er wird mit einem Ehrenkleid und einem Weisheitshut angetan; seine erste Mission an seinen ehemaligen 3.000 Feinden in Begleitung des Dismas

Am 8. Oktober 1849

1 Thomas wundert sich nun, daß er, ohne es vollends wahrgenommen zu haben, sich nun schon im großen Speisesaale mit all den anderen Gästen befindet, und zwar im Angesichte einer bestbestellten Festmahlstafel, die im Ganzen und zwar nach der Berechnung in einer Kreuzform vom Max Olaf also gestellet ward.

2 Nachdem Thomas sich so zu sagen mehr und mehr ausgewundert hat, spricht er: »Herr, Du lieber Vater! welche Größe, und welch eine namenloseste Pracht ziert doch diesen Speisesaal! O Gott, o Gott! da hätte ja die 100-fache Bevölkerung der ganzen Erde ganz bequem Platz! Diese unabsehbaren Kolonaden nach allen Seiten hin! Diese wahre Himmelshöhe! Die einer Sonne gleich leuchtenden Verzierungen des majestätisch gewölbten Plafonds (Saaldecke) und der dreifachen Galerien! Die hohen vielen alle Lichtfarben spendenden Fenster, und dieser ganz reine Goldboden machen alle meine Sinne erbeben vor zu großer Bewunderung und Ehrfurcht! Wer, wer hat denn das gebaut? O, ich frage ja hier wie ein Blinder! Du, Du ewiger Meister der Werke, von denen die Unendlichkeit strotzt, bist der alleinige Erbauer solcher Wunderwerke! Ewig nimmer kann Dich selbst der feurigste Geist eines Cherub's, wenn dessen Wesen schon aus den hellsten Flammen Deiner Weisheit geschaffen ist, genug lieben, loben und preisen; geschweige so ein Wurm des Staubes, wie ich einer bin! O herrlich, herrlich, herrlich !!! Nein so ein Anblick! wahrlich, das übersteigt – ich möchte sagen – millionenfältig jede Phantasie, selbst eines tiefsinnigsten Erzengels.

3 Ein Weiser der Vorzeit hatte Recht, als er von Deiner bodenlosen Güte zu tief ergriffen, endlich laut ausrief: »Vater, Vater! höre doch endlich einmal auf zu segnen! Denn so Du ein Kind züchtigest, da hast du ein gemessenes Ziel; aber so Du es darauf als gebessert zu segnen anfängst, da hat dann des Segnens nimmer ein Ende«. Und beinahe möchte ich hier schon auch also auszurufen anfangen. Denn solch eine nie geahnte Größe Deiner Gnade, Güte, Liebe und allerbarmenden Milde, Sanftmut und Herablassung ist für einen schwachen Geist auf einmal zu viel!«

4 Rede Ich: »Nun, nun, schon gut, schon gut, Mein liebster Thomas! mache nur nicht gar so viel Wesens! Ist denn für Mich das gar so was, wenn Ich ein solches Haus also werden lasse nach dem guten Maße des Herzens dessen, dem es nun vollends zu eigen gegeben ist. Sieh, das alles entspricht dem Herzen unseres auf der Erde stets unglücklichen Robert, und ist noch lange das Herrlichste und Großartigste nicht, was dies ganze Haus enthält. Du wirst in der Folge noch ganz andere Dinge zu sehen bekommen; da kannst du dann deiner Phantasie einen ganz freien Lauf lassen. Nun aber setzen wir uns allesamt zu Tische!«

5 Der Thomas, einen schüchternen Blick nach dem ersten Saal werfend, dessen Türe offen stehet, spricht: »O Herr, Du liebevollster, heiliger Vater! Da sieh einmal zur Türe hinaus! Dieses Elend! eine sehr große Schar unglücklicher Seelen! Könnte denn nicht auch ihnen geholfen werden? Sie sind nahe alle im Grunde auch besser denn ich, darum sie mich ehedem auch als den Schlechtesten gebührlichster Maßen hinausgeworfen haben, was ich ihnen auch schon lange gänzlich verziehen habe. Vergebe ihnen auch Du, o allerbester Vater, und lasse sie alle an diesem überreichen Mahle teilnehmen!«

6 Rede Ich: »Ja, du Mein allerliebster Bruder Thomas, wenn du Mir mit solchen Angelegenheiten deines Herzens zu kommen anfängst, da wirst du freilich bald auszurufen anfangen müssen: Vater! höre auf zu segnen! Siehe, mit diesem deinem Herzenswunsche hast du selbst wie mit einem Zuge alle deine Schulden vor Mir getilget, und dir muß daher sogleich ein neues Strahlenkleid, und ein wie die Sonne leuchtender Weisheitshut angetan werden! Robert! dort gegen Mittag siehst du einen neuen großen Schrank aus reinem Golde; gehe hin und hole ein Kleid und einen Hut. Denn dies ist das wahre Kleid aller jener, die mit der Weisheit im gleichen Maße Liebe paaren!« –

7 Robert eilet sogleich hin, und bringet zum Erstaunen aller Gäste ein noch heller strahlendes Kleid als das der Helena, und einen runden Hut, ungefähr in der Form eines sogenannten Kardinalshutes, der aber überaus stark leuchtet.

8 Als Thomas das Kleid und den Hut ersieht, so sagt er ganz bebend vor zu großer Freude: »Aber, Vater, Vater! Du wunderheiligster Vater! so etwas soll mein sündiges Wesen zieren! O Gott, o Gott! o Du mein süßester Jesus, Du! Nein, nein, das ist für ewig zu viel, zu viel! Ach dieser Glanz! und das solle ich anziehen! Ich, einer, wie sonst nicht leicht ein anderer! Du weißt es schon, was ich meine.«

9 Rede Ich: »Ja, ja, du, ob deines mir wohlgefälligen Herzens mußt es anziehen! Mache nur geschwinde, denn wir haben nachher noch sehr viel zu tun!« – Thomas nimmt das Kleid und den Hut, das sich im Augenblicke des Ergreifens auch schon vollkommen auf seinem Leibe best angepaßt befindet, worüber er sich schon wieder nicht genug erstaunen kann.

10 Als er nun also neu bekleidet dastehet, sage Ich zu ihm: »Nun Bruder! du bist jetzt vollendet und gesättigt mit Meiner Gnade, Liebe und Weisheit; das Mahl hier, wie du siehst, ist bereitet, und es mangelt hier auch nicht an würdig gemachten Gästen; aber, wie du es ehedem selbst Mir gar wohlgefällig gewünscht hast, da draußen in dem Vorsaale befinden sich bei 3.000 noch sehr arme Geister, unter der Anführung eines gewissen Generals, den du wohl kennst; dieser Mann hat ein gutes und verständiges Herz, und sein Wort ist von großer Wirkung bei seiner bedeutenden Schar. Gehe du nun mit dem Bruder Dismas, den der General auf der Welt, und namentlich in Wien sehr gut gekannt hat, hinaus in den Vorsaal, und suche den biederen Mann für Mich, nach der Freiheit seines Herzens zu gewinnen, und durch ihn dann auch die ganze große Schar; hast du diese deine erste Mission in diesem Reiche des wahren Lebens gut ausgeführet, so sollst du nach dem Mahle über Großes gesetzt werden. Denn Ich sage es dir, in Meinem Reiche gibt es gar viele, und von dir noch nicht geahnet große Bedienstungen und Anstellungen aller Arten und Weisen. Gehe daher nun schnell; an dem Dismas wirst du einen überaus weisen Helfer haben.«

11 Spricht Thomas: »O Du guter, heiliger Vater! wie sehr doch sorgest du für das verlorene Schäflein, für den verlorenen Groschen (Scherflein), und wie unbegreiflich für den verlorenen Sohn! Heil, Ehre, Preis, Ruhm und alle Liebe und Anbetung Dir allein darum ewig.«

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