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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 128
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 127

Beruhigende, ermunternde und belehrende Worte an den bescheidenen Mönch Thomas. Einladung zum großen Mahl. Er folgt gehoben und dankbarlich. Der Unterschied des Lobes Gottes besteht darin, ob er aus Ehrfurcht oder aus Liebe kommt

1 Rede Ich: »Mein lieber Thomas! du bist noch sehr blöde; dem Judas hieß Ich nicht Brot mit Mir in die Schüssel zu tunken; denn Ich wußte es, daß es ihm zum Gerichte gereichen wird, indem er unwürdig war, zu essen mit Mir das Brot des Lebens. Dich aber beheiße Ich Selbst, weil Ich in dir keine Unwürdigkeit entdecke, und so kannst du das schon ohne alles Bedenken tun, was Ich von dir nun im Reiche der Geisterwelt verlange. Zudem hat hier ja auch alle Zurechnungsfähigkeit für ewig aufgehört, indem da jede Tat ohnehin die Folge hinter sich hat, wie sie begangen wurde; da gibt's nun kein Gericht, und kein Urteil mehr, indem ein jeder Geist nach seinen Taten auch vollkommen sein eigener Richter ist. Daher hast du für die Folge auch von keiner Seite her mehr eine fremde außer dir seiende Einwirkung zu befürchten, sondern alles nur aus und von deiner höchst eigenen Seite; was du willst, das wirst du auch tun, und das Tun wird dich richten nach deinem Willen, der die eigentliche Triebfeder jeder Handlung ist.

2 Und so komme, und mache dir von nun an durchaus keine Skrupel mehr; denn das wird man von dir denn hoffentlich doch erwarten dürfen, daß du keine Handlung begehen wirst, die dir notwendig ein Leiden aufbürden müßte. So du z.B. hungrig bist und durstig, da wirst du doch etwas zu essen und zu trinken haben wollen, um nicht des Hungers und des Durstes Schmerz zu tragen. Wollest du aber trotz eines großen Hungers und Durstes dennoch nichts essen und trinken, was auch ein dem Essen und Trinken ganz entgegengesetztes Handeln wäre, da müßtest du dir dann freilich wohl auch den Schmerz gefallen lassen, den der Hunger und der Durst als eine notwendige Folge schon für ewig in sich bergen. Oder möchtest du wohl in einen Feuerofen gehen, in dem es lichterloh brennt? Sicher nicht, da solch eine Handlung oder Tat dir den größten Schmerz bereiten müßte. Oder würdest du eine scharfe Rute zur Hand nehmen, und dich damit selbst züchtigen? – Das wirst du sicher auch bleiben lassen; denn du weißt es, daß die Rutenhiebe stets mit Schmerz verbunden sind.

3 Was du aber dir selbst nicht antun möchtest, das wirst du auch deinen Brüdern nicht antun, indem das die Liebe deines Herzens sicher nimmer zulassen würde, da sie wohl weiß, daß es auch den Brüdern wehe tut, was ihr selbst den Schmerz bereitet, und weil hier im Geisterreiche die Ordnung schon für ewig also bestellet ist, daß da eine jede gute oder schlechte Tat, wenn schon an einem zweiten verübt, auch alle Male auf den Täter mit der gleichen Empfindung rückwirkt, was auch mehr oder weniger unter verschiedenen Variationen schon in der naturmäßigen Welt der Fall ist!

4 Du weißt nun durch diese Meine beispielsweise Erörterung, wie sich die Sachen hier verhalten, und so meine Ich, daß du nun auch darin kein Verbrechen mehr erschauen wirst, so du, nach Meiner Beheißung an dich, das ohne weitere Gewissensangst tun wirst, was dir nur ganz allein zu deinem höchst eigenen Besten gereichen kann, und auch unfehlbar gereichen wird!

5 Siehe, Ich bin ja allmächtig, und könnte dich zwingen, dahin augenblicklich zu gehen, wo Ich dich haben will! Da Ich dich aber schon zum Guten mittels Meiner göttlichen Allmacht nicht zwinge, sondern nur mittelst der sanftesten Belehrung, durch die dein Herz, dein Verstand und dein Wille nur gestärkt, nie aber irgend geschwächt werden können, um wie viel weniger werde Ich dich dann erst durch Meine Allmacht zu etwas Argem zwingen! – Daher du ganz wohl einsehen kannst, daß von Mir aus nichts so sehr berücksichtigt wird, als des Menschen vollends freier Wille! Und so kannst du es nun denn wohl ganz beherzt wagen, das freiwillig zu tun, was zu tun Ich als dein Gott, Schöpfer und Vater, voll der mächtigsten Liebe, von dir, ohne die geringste Beschränkung deines Willens verlange?!«

6 Spricht Thomas: »O heiligster, liebevollster Vater! Nun gibt es in meinem Dich allein über alles liebenden Herzen keinen Anstand mehr! Was Du nur immer wünschest, solle stets meines Herzens heiligstes Gesetz sein! – O wie gar so herrlich, mild, sanft und weise ist Dein heiliger Vaterwille! Wo wohl ist noch ein Herz, das ihm widerstehen könnte? O wie selig ist nun mein ganzes Wesen, daß ich Dir folgen darf und kann! Wer auch solle da nicht zugleich von den Seligkeiten aller Himmel auf das lebendigste durchdrungen sein, dem Du Selbst zur Seite stehest, und ihn an Deiner allmächtigen Vaterhand führest in das Reich des ewigen Lebens! O du heiliges Haus der Häuser, das Gott betritt, und wer kann lobend genug erwähnen des großen Mahles im Hause der Himmel aller Himmel, das Gott Selbst bereitet hat allen denen, die Sein heiligstes Vaterherz erwählet hat zu Seinen Kindern, und Seine endlose Weisheit zu ihren getreuen Knechten? Ihr seligsten Brüder und Schwestern alle, die ihr hier überaus zahlreich versammelt seid, o saget es, aber so laut, daß davon der ganze endloseste Raum vor tiefster Ehrfurcht erbebe, – fühlet ihr es wohl ganz, erfasset ihr die endlose heilige Tiefe, daß dieser unser Lehrer und Führer Gott! Gott! Selbst es ist! Wir sind bei Gott, ja bei dem großen Schöpfer der Ewigkeit und Unendlichkeit, bei dem Vater sind wir! O saget es, saget es! fühlet ihr es wohl tief genug, wer Der ist, Der uns nun führet in Sein Haus?!«

7 Rede ich im Gehen ins Haus: »Gut, gut, mein lieber Sohn Thomas! Es ist Mir eine rechte Freude, daß du in deinem Herzen Gefühle aufkeimen läßt, die Meiner Liebe würdig sind, und viel ähnliches haben mit den großen Mich preisenden Flammengedanken der Cherubim und Seraphim, die da sind Meine Austräger Meines Willens in Ewigkeit; aber so erhaben auch solche Gedanken und Gefühle sind, deren Tiefe und Größe nur ewige Geister zu fassen vermögen, so ist's Mir dennoch lieber, wenn Mich Meine Kindlein so recht herzlich »Vater« nennen, und Meine Freunde zu Mir sagen: »Lieber Bruder!« als wenn die größten Lobengel Mich mit den tiefsten Weisheitsliedern besingen, und am Ende ganz ermattet zusammensinken, so sie nach ihren großen Akklamationen zur Einsicht kommen, und einsehen, daß alle ihre größten und flammendsten Gedanken nicht einmal den Saum Meines Kleides zu berühren imstande sind, während Meine ganz einfachen Kindlein mit Meinem Herzen und Gedanken seligst spielen können, und allezeit bei Mir wohnen, und an Meinem Tische das Brot des wahren Lebens genießen!

8 Siehe, die Meine Größe, Macht und Stärke besingen, und den ewig unendlich großen Gott preisen, die sind außerhalb von Mir, und betrachten Mich ungefähr also, als wie du auf der Erde den gestirnten Himmel oft betrachtet und überaus erhaben besungen hast, aber dabei dennoch nicht wußtest, was die von dir besungenen Sterne sind, und was in ihnen ist; die aber zu Mir sagen: O lieber Vater! O Du mein göttlicher Bruder! die sind bei Mir, und sogar in Mir. Sie besingen und preisen Mich wie wahre Kindlein ihren allein wahren Vater, und betrachten Meine Größe, Macht und Stärke nicht mehr aus irgend einer gewisserart heilig scheuen Ferne, wo sie stets eine große Kluft von Mir trennt, wie dich einst von den Sternen, die du besungen, sondern sie sind selbst auf den Sternen bei ihrem Vater im Vollgenusse jener heiligen Wirklichkeit, die von den Großsängern kaum geahnet wird!

9 Merkst du nun diesen gewichtigen Unterschied? Ja, du merkst ihn nun schon! und weil du ihn merkest, so bist du auch schon um vieles glücklicher, als du ehedem warst, und das ist gut und recht, und Mir am meisten wohlgefällig, weil es also in Meiner Ordnung ist. Du wirst gar bald an Meiner Seite die ungeheuersten Großwerke voll Wunder über Wunder zu schauen und zu genießen bekommen; wenn du da allezeit groß erhaben fragen würdest: Wer fühlet es tief genug, und wer empfindet es ganz, was Gott ist!? Siehe, da würden dich dann Meine lieben Kindlein auslachen, und dir sagen: Aber kindisch schwacher Bruder Thomas! was schwärmst denn du da für (einen) Unsinn zusammen. Wer kann es ewig je tief genug, und ganz fühlen und empfinden, was Gott in Sich Selbst ist! Wie kann das Endliche das Unendliche je erfassen? Siehe, das ist eine eitle Schwärmerei; Gott ist unser aller Vater, und wir lieben Ihn über alles, und Er ist bei uns, und führet uns, und wir sehen Ihn, wie lieb und endlos gut Er ist, und das ist ja bei weitem mehr; Gott als den heilig besten Vater über alles zu lieben, ist ja endlos mehr wert, als Ihn läppischer Weise ergründen wollen! Was wohl ist eines Menschen würdiger, sich in große Gedanken vertiefen, und so ein armer Bruder an dem Großdenker vorüberzieht, ihn dieser vor lauter großen Gedanken gar nicht bemerkt; oder die großen Gedanken Gott dem heiligen Vater überlassen, und mit liebfreundlichen Augen den armen Brüdern dienstfertig entgegenkommen. Lassen wir daher das Große den Großen über; wir aber bleiben in der Liebe allein so hübsch klein beisammen, und wir werden glücklicher sein, als die großglücklichen Großen! –

10 Siehe Thomas! so würden alle diese Brüder mit dir reden, und du könntest ihnen nicht Unrecht geben; daher aber bleiben wir denn auch so hübsch klein beisammen! Denn um den ganzen Himmel zu sehen, braucht man ja gerade nicht eben so große Augen zu haben, als wie groß der Himmel selbst ist; man erreicht dasselbe auch mit den gewöhnlich kleinen Augen! Verstehst du das? –

11 Ja du verstehst es nun schon; und so wollen wir nun sogleich uns an das Mahl machen, da wir uns alle nun schon in dem großen Saale befinden, wo die Tische schon bestellet sind.«

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