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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 126
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 125

Fortsetzung der Kur an dem hinausgeworfenen Mönch, sein Erwachen, und seine Selbstgespräche. Christus sein Seelenanker, auch trotz mancher Bedenken gegen das Christentum

1 Robert bückt sich sogleich, und behauchet den ehedem hinausgeworfenen Mönch; und dieser fängt sogleich an sich zu rühren, als wie ein aus einem tiefsten Schlafe Erwachender. –

2 Als er sich nach einer Weile vollends (in den Sitz) aufrichtet, da fragt der Mönch: »Wer hauchte denn ein Leben in meine Eingeweide, da ich doch tot war, getötet von meinen Feinden?« (In der Geisterwelt werden alle, die von einem Hause hinausgeworfen werden, wie tot auf eine Weile; denn hinausstoßen oder hinauswerfen heißt in der Geisterwelt so viel als gewaltsam richten oder töten.) »Wo bin ich denn nun? Es ist Nacht und sehr finster, wohin ich auch meine Augen wende; und kein Laut wird vernommen von meinen Ohren. Ob ich auch lahm bin, weiß ich kaum; denn ich fühle keinen Boden unter mir. O, wenn ich doch nur einen kleinsten Lichtschimmer irgendwo wahrnehmen könnte! –

3 Ich war auf der Welt ein Priester, verrichtete meinen vorgeschriebenen Dienst mit allem Eifer; freilich waren damit zumeist pure irdische Interessen verbunden, und von einem Glauben an alle meine Verrichtungen war freilich auch wohl nicht viel vorhanden. Aber dessen ungeachtet verrichtete ich mein Amt gewissenhaft, und war dabei nie verdrossen; aber welch einen schauderhaften Lohn habe ich nun im Reiche des Todes geerntet! O Gott! so Du irgend Einer bist oder Du unerbittlich hartes Fatum! Warum mußte ich denn zu einem denkenden, seiner selbst bewußten Wesen werden? Warum geführt durch alle die unnatürlichsten Lebensverhältnisse, die mit allem Fluche belastet sind? Ja, ich war und bin noch ein ganz unnatürliches Wesen; aber wer wollte es denn so, daß ich das und nichts anderes werden mußte? Was wohl kann ein Kind dafür, daß es blind zur Welt geboren wird, und es dann keinen Arzt mehr gibt, einem Blindgeborenen den Star zu stechen? O hartes Fatum, das da mich werden hieß! Wo bist du, daß ich zu dir hin mich wende, und dir fluche? Denn mein ganzes Leben bisher war nur ein ununterbrochener Fluch; ich selbst bin ein Fluch, und meine Taten können darum auch nichts als ein Fluch sein! Aber dennoch sei ferne, daß ich fluchen solle, ich will nicht mehr fluchen; denn es ist genug, daß ich selbst ein Fluch bin.«

4 Sage Ich zum Robert: »Nun behauche ihm die Ohren!« –

5 Robert tut das, und der Mönch horcht und spricht nach einer Weile: »Wohin, wohin bin ich denn gekommen? Denn nun vernehme ich ja wie ein Rauschen großer Gewässer, und unter dem Rauschen wie Stimmen von allerlei Vögeln! Hm, hm, das ist wahrlich sonderbar, und das Rauschen wird mächtiger, und stärker das Getön der Vögel! Werden die Wässer mich denn überfluten, und die Vögel dann sich sättigen mit meinem Leichname? O gräßlichs Fatum! warum öffnetest du dem Tauben das Ohr? warum muß ich denn, darum ich untergehe, zuvor vernehmen die schreckliche Stimme des Verderbens! Kannst du, lüsterner Verderber, denn nicht wie ein Meuchelmörder dich über mich endlos Schwachen und Ohnmächtigen hermachen? Aber was hadre ich denn hier? Was nützt es mir? Verlesen ja doch auch die harten Menschenrichter auf der Erde denen ihr Todesurteil eher, als sie dieselben wirklich töten wollen! Denn der grausamen Härte des Menschenherzens genügt nimmer der alleinige Tod ihres wehrlosen, unglücklichen Bruders; sondern er muß zuvor auch gequälet werden. Tun es die Menschen also, warum solle sich da das harte Fatum ein Blatt vor den Mund nehmen? Also nur zu mit dem Rasseln mit den Ketten meiner ewigen Vernichtung, auf daß mich zuvor etwa doch die gütige Verzweiflung töte«!

6 Ich sage darauf zum Robert: »Nun behauche ihm die Augen.« Robert tut es,

7 und der Mönch fängt darauf an – die Augen sich zu reiben und spricht: »Was war denn das? Ich vernahm ja deutlich einen Hauch über meine Augen gleiten, und nun sehe ich plötzlich als durch eine Abenddämmerung hindurch, und sehe und gewahre unter mir nun wieder einen festen Boden! Also kehrt bei mir die Erinnerung wieder zurück, und da, da sieh, da ist ja wieder dasselbe Haus, aus dem mich meine echten Feinde hinausgeworfen haben. Ja, ja, es ist auf ein Haar dasselbe, und ich vernehme nun anstatt des ominösen Wasserrauschens die vielen Stimmen meiner Feinde, und das Vögelgetöne sind Stimmen in meiner Nähe; aber ich vermag niemanden (zu) entdecken! –

8 Nun glaube ich doch wieder an irgend einen Gott, und der General drinnen im Hause, der meine Messe gewisserart nicht ganz mit Unrecht verschmähte, hatte Recht, daß er die Gottheit als viel besser pries, als ich sie ihm darzustellen bemühte. – Aber wie die Arbeit, so auch der Lohn! Habe ich schlecht gearbeitet, so kann mir auch kein besserer Lohn zuteil werden. Recht haben sie gehabt, daß sie mich herausgeworfen haben. Warum wollte ich sogar noch hier ein finsterer Esel sein?«

9 Sage Ich zum Robert: »Behauche ihm nun den Mund und die Brust.« Robert tut sogleich, was Ich ihm sage, –

10 und der Mönch spricht: »O wie herrlich und überaus wohltuend umwehte ein zartes Lüftchen meinen Mund! War das etwa eines Engels sanftester Kuß? Ja, ja, so können, so müssen die Engel küssen! Denn ich gewahrte es ja auch in meiner Brust, die ein wonnigstes Leben durchdrang, daß meinen Mund ein Engel geküßt haben mußte, ansonst es mir nimmer gar so wonnigst hätte zu Mute werden können. Es ist wahrlich sonderbar, es wird nun auch auf eine ganz eigentümliche Weise heller und heller in mir, und meine Hände werden voller, und in den Füßen empfinde ich ein wohltuhend Drängen. Es ist, als ob eine ganz neue Lebenskraft mein ganzes Wesen zu durchströmen begänne.

11 Und ach, da sieh, es wird auch die ganze Gegend heller, und das Haus in allen seinen schönen Bauformen bestimmter ersichtlich. Ach, das ist wohl ein gar wunderherrliches Haus! Drei Stockwerke! und diese herrlichen Arkaden und Balkone unter den Fenstern! Diese imposante Größe und Höhe! Nein, es kommt mir die ganze Sache wie ein Traum vor! Ich habe ja doch schon ehedem dies Haus gesehen, als uns alle der General hierher brachte, und dann in dasselbe Haus hineinführte; aber ich kann mich nicht erinnern, daß es damals gar so herrlich ausgesehen habe.

12 Ich möchte wohl nun wieder in dies Haus gehen; aber da würde ich sicher schnell wieder hinausgeworfen werden; daher bleibe ich denn doch lieber hier im Freien, und bewundere so ganz im Stillen dies ungeheure Prachtgebäude, das nun mit dem Zunehmen des Lichtes, das denn doch von Morgen her zu kommen scheint, stets größer und prachtvoller zu werden scheint. Ja, ja, ich bleibe hier! Denn es wird mir nun gar so wohl zu Mute.

13 Ich begreife nur nicht, wie es mir hier nun gar so heimelig vorkommt, es ist, als ob ich schon Gott weiß wie lange hier zu Hause gewesen wäre, und doch ist mir diese Gegend so fremd, als einem Menschen nur je etwas vollends Fremdes und nie Gesehenes vorkommen kann und mag. Es hat viel Ähnlichheit mit dem Gefühle, das ich auf der Erde empfand, wenn ich mich in Hochgebirgsgegenden befand. Ach, herrlich, herrlich ist es hier! – Es harmoniert aber auch alles, dieser weitgedehnte Garten mit den wunderherrlichsten Anlagen, der schöne Gebirgskreis, der diese Villa in weiter Ausdehnung unter den herrlichsten Formen umgibt, und sich besonders gegen Morgen stets höher und höher erhebt; und gegen Abend und Mitternacht in eine unabsehbare Ebene verflachet. O, das ist herrlich, das ist unbeschreiblich herrlich! –

14 Aber da ganz in meiner Nähe ersehe ich ja einen gar herrlichen Pavillon; wie wäre es denn, so ich ihn bestiege? Da müßte sich diese Gegend ja noch wunderherrlicher ausnehmen! Kraft habe ich nun in den Füßen, es ist zwar hübsch hoch hinaufzusteigen, aber das macht nichts; nur hinauf, hinauf mit mir! Doch nein, ich bleibe dennoch hier unten, es könnte so was dem Eigentümer dieses Hauses denn doch nicht angenehm sein, und so will ich mich hier selbst verleugnen, und meiner zu viel begehrenden Neugier Zügel anlegen. Es ist hier nun schon alles gut; aber wie es nun um mich her und auch in mir stets lichter und heller wird, so merke ich aber auch, daß es gleichen Schrittes in meinem Magen heller wird. Das heißt, ich fange an zu verspüren, daß der Mensch auch im Geisterreiche hungrig und durstig werden kann. So ein Stückchen Brot und etwas Trinkbares zu dieser Gott Lob allgemeinen Beleuchtung der Geisterwelt könnte sich wahrlich nicht schlecht ausnehmen!«

15 Sage Ich zum Robert: »Stelle ihm nun Brot und Wein vor.« Robert nimmt seiner Helena schnell das Brot und den Wein ab, und gibt es in den Schoß des Mönches; der, sich hoch erfreulich verwundernd, wohl das Brot und den Wein sogleich erschauet, aber noch nicht die ihn umgebenden Geber.

16 Der Mönch betrachtet eine Weile das Brot und den Wein, und spricht dann zu sich: »Gott Lob! nun wäre freilich alles beisammen. O du göttlich's Tischl deck' dich! No, no, so tut es sich ja Gott Lob in der Geisterwelt; eine bezaubernde Aussicht, und so eine Einsicht für einen lichten Magen, wahrlich, da wird es schon auszuhalten sein, so in alle Ewigkeit, Amen. – Aber nur keine Nacht mehr in dieser Gegend; denn die Nacht war hier sehr schauderhaft.

17 Aber nun möchte ich dann doch auch wissen, wer hier so dienstfertig ist? Geister sind es in jedem Falle, und das sicher lauter gute. Aber ich bin ja nun doch hoffentlich auch ein Geist! Wie kommt es denn, daß ich als selbst Geist diese guten, mir unsichtbar dienenden Geister oder Engel nicht sehen kann? – Wahrscheinlich werde ich noch viel zu unheilig sein, um die reinen, heiligen Engelsgeister zu schauen! Aber das Brot und den Wein sehe ich doch. No, es ist schon auch also gut; hab ich nur Brot und Wein vorderhand, das andere wird sich nachderhand etwa wohl machen. In Gottes Namen, und Seinen Segen dazu, werde ich denn doch mich zuerst an's Brot machen, und dann aber auch an den überaus gut aussehenden Wein. O, in Gottes Namen, o in Gottes Namen! Gott segne es! Ihm allein alle Ehre, alles Lob und aller Preis!«

18 Nach diesen Worten bricht er sich ein tüchtiges Stück Brot vom ganzen Laibe, fängt an es zu essen, und findet es wunderbar wohlschmeckend; daher er sich sogleich über den ganzen Laib hermacht, und spricht, als er damit ganz vergnügt fertig ist:

19 »O Gott Lob, Gott Lob! das war ein Brot, so wohlschmeckend wie eine vollkommen reife Ananas aus Brasilien. Es war gar nicht mehr zum Aufhören, als man einmal hineinbiß! Nun aber will ich auch dem Weine zusprechen. In Gottes Namen, in Gottes heiligstem Namen! Ist fast mehr als eine Maß, aber das macht nichts, hab' ja öfter auf der Erde auch bei so guten Versehgängen ein Maßl, und manchmal noch etwas darüber, etwa so einen heiligen Johannessegen mitgenommen. No, no, in Gottes Namen; es wird sich schon auch hier tun! O du liebs, liebs, liebs Weinle du! was für eine herrliche Goldfarbe, und was für ein nahe Finger hohes Oelrafl (Ölranft)!«

20 Hier setzt er die Flasche an, und setzt sie nicht eher ab, als bis der letzte Tropfen draußen ist. – Nun kann der Mönch sich nimmer genug verwundern über die enorme Güte des Weines, und wird nun ganz über die Maßen heiter und fröhlich, und dabei sehr andächtig gestimmt, so daß er am Ende (nicht mehr) als nur in einem fort: »O Gott Lob, o Gott Lob« herausbringt. –

21 Nach einer Weile seiner andächtigen Ergießungen richtet er sich endlich ganz auf, und spricht bei sich: »Wie doch hat mich dieses Mahl gestärket! Das war kein irdisch Brot, und kein irdischer Wein! Das war ein wahrhaftiges Brot aus den Himmeln, und ein wahrhaftiger Wein aus den höchsten Himmeln! Denn das Brot war ganz Nahrung, und der Wein ganz Leben. – Nun erst lebe ich wahrhaft wieder, und der Tod scheint für ewig von mir gewichen zu sein. Am Ende ist die alte Mythe von Christus, der das Abendmahl im Brot und Wein seinen Jüngern gegeben habe, und dessen Genuß anbefohlen zur Gewinnung des ewigen Lebens, denn doch nicht gar so leer, als wie sie freilich ganz heimlich von dem gebildeten höheren Klerus geglaubt ward!

22 Es ist zwar wohl in dieser alten Christuslehre, die durch die vier mythischen Evangelisten sich bis auf diese Zeit – freilich wohl schon sehr verkrüppelt – erhielt, so manches Widersprechende enthalten, das ein gesunder Geist eben nicht so leicht verdauen kann, wie ich nun dies Brot und diesen Wein, das alles ich nun zu mir genommen habe; aber dem ungeachtet enthält sie doch wieder andere höchst konsequente Dinge, aus denen man eben nicht gar so unklar ersehen kann, daß der Stifter solch einer Lehre, vorausgesetzt, daß er einmal existiert hat, durchaus kein gewöhnlicher Mensch, sondern offenbar ein Gott sein mußte, und nun diese Neubelebung durch Brot und Wein geben mir einen nahe unwiderlegbaren Beweis, daß Christus auf der Erde einst wirklich existiert hat, und daß es mit Seiner Gottessohnschaft eben nicht gar so schlecht aussehen mag und kann, als wie es heimlich die hohe Klerisei meint.

23 Wer weiß es oder wer kann es wissen, ob es sich denn nun in dieser schönsten Geisterwelt doch nicht einmal begeben kann, daß ich irgendwo mit dem Geiste Christi zusammenkäme! O Gott! wenn ich solches erlebete, dann würde ich Christus aber doch so lange bitten, mir zu gestatten, dem Papste und sämtlichen Kardinälen einen sicher sehr unwillkommenen Besuch abzustatten, und ihnen zu zeigen, wer Christus ist, und wessen Geistes Kinder sie sind. Freilich würde das eben nicht viel nützen; denn diese alle sind zu sicher von aller Welt gefangen. Aber wohl täte es unsereinem, wenn diesen jedes bessern Gefühls baren Rotmäntlern, diesen offenbarsten Widerchristen zeigen könnte, daß Christus keine Fabel, wie sie es dafür halten, sei, sondern wahrhaft Der und Das, als Wen und als was Er Sich Selbst geoffenbart hat! Augen wenigstens müßten sie machen so groß wie der allerschönste Vollmond.

24 Aber ich vernehme nun auf einmal ein Gelispel wie von Menschen um mich her, und das Morgenlicht wird stärker und stärker; darum stille nun, ganz stille! Vielleicht vernehme ich ganz wohl artikulierte Worte und Sätze.«

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