Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Jakob Lorber >

Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 125
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
Schließen

Navigation:

Kapitel 124

Robert Blums Begrüßungsrede. Des Herrn erklärende Antwort auf die Begrüßungsrede. Der hinausgeworfene Mönch kommt in eine Heilandskur. Robert Blum als Heilgehilfe mit Brot und Wein. Der Herr gibt ihm die Helena als ewige himmlische Gehilfin und segnet beide

1 Alle die acht Männer begeben sich nun eiligst hinaus vor's Haus, wo sie des Herrn ansichtig geworden sind; und als sie hinauskommen, finden sie Ihn, d.h. Mich, gerade mit dem hinausgeworfenen Mönch beschäftigt, welcher Mönch Mich aber natürlich noch lange nicht kennt.

2 Der Robert tritt sogleich hin, und richtet mit Tränen in den Augen folgende Worte an Mich, sagend: »O Herr Vater! Du lieber heiliger Vater! wo warst denn Du nun so eine geraume Weile, daß wir Dich trotz alles Suchens, Fragens, Rufens und Ratens nicht finden konnten!? Ach wie doch gar so traurig, öde und leer war es hier, als wir Dich im Hause nirgends mehr finden konnten, – wie gar schlecht ging es uns mit der in die Ordnungstellung der großen und kleinen Tische! Ja, kurz; es war ohne Dich nahe nicht mehr zum Aushalten; nun aber, weil Du nun wieder zu uns in Dein Eigentum gekommen bist, ist schon auch alles wieder gut, ja alles unaussprechlich gut! O Herr Vater! ich könnte nun vor Freude gerade ausgelassen werden gleich dem lieben Bruder David vor der Bundeslade! Aber nicht meine Füße, sondern mein nun seligstes Herz solle hüpfen und springen vor höchster Freude und Wonne! O wie ewig wahr ist es doch, was Du gesagt hast: Ohne Mich vermöget ihr nichts! Ich setze noch hinzu, und sage es laut: Ohne Dich, o Du lieber heiliger Vater, ist überall vollkommen nichts! Alles ist öde, leer und bis zum Verzweifeln traurig! Aber von nun an wirst Du uns denn doch nimmer verlassen?«

3 Rede Ich: »Ich habe euch ja auch diesmal nicht verlassen; Ich führte diese deine Gäste, als Meine Kindlein nur ein wenig in den großen Garten dieses Hauses, und zeigte ihnen die mannigfachen ganz neuen Anlagen, an denen alle ein übergroßes Wohlgefallen hatten, sogar der Adam, Noah, Abraham, Isaak und Jakob; und du hattest unterdessen die schönste Weile, den großen Speisesaal in die sicher beste Ordnung zu bringen, was auch zu Meiner Freude geschehen ist; daß du Mich auf einige Augenblicke gerade mit den Augen nicht wahrnehmen konntest, das hat ja doch gar nichts zu bedeuten, da Ich mit der gleichen Liebe bei euch war, und habe dem Bruder Dismas Selbst Worte auf die Zunge gelegt, die er zu euer aller tiefster Belehrung und Beruhigung gesprochen hat, nun aber bin Ich wieder sichtlich bei euch, und will und werde mit euch nun wieder in dies Haus einziehen, und allda heilen die vielen Kranken zum Leben!

4 Da vor uns haben wir schon so einen Patienten, der nun noch ganz taub, blind, stumm und lahm zugleich ist; diesem muß zuerst geholfen werden; und er wird uns sodann die anderen bearbeiten helfen. Der General hat ihn zu derb angegriffen, und ihn gewisser Verbrechen beschuldigt, an die dieser Arme in seinem ganzen Leben wohl nie gedacht, geschweige sie ausgeübet hat! Das war nicht recht von dem sonst ganz nach Wahrheit und Licht lechzenden Generale! Dieser Mensch ist nur, wie alle seinesgleichen taub, blind, stumm und lahm, und da muß ihm geholfen werden. Denn ein eingefleischter römischer Katholik sein heißt: geistig taub, blind, stumm und lahm sein (?). Ein Zustand, in dem niemand als zurechnungsfähig betrachtet werden kann. Aber für seinen innerlichen priesterlichen Hochmut war diese erste Kur, wenn auch etwas stark angreifend, dennoch wieder gut; denn er sieht es nun in sich ein, daß er gefehlt hat, indem er allen anderen etwas glauben machen wollte, an das er selbst noch nie geglaubet hat, denn die Hölle gebrauchte er bloß als ein Schreckmittel, und den Himmel als eine süße Lockspeise; aber er selbst glaubte bei sich weder an das eine wie an das andere; die ganze Religion war bei ihm ein altes mythologisches Mittel, die Völker der Erde in dem Gehorsam gegen die weltlichen Gesetze zu halten. Und den Gottesdienst verrichtete er stets nur als notwendiges Blendwerk für die geistig blinde Menge, hielt aber selbst nie etwas darauf, und sagte gleich einem gewissen Papste oft bei sich, und auch nicht selten in Gegenwart seiner vertrautesten Kollegen: die alte Mythe von Christus ist gar nicht übel! Man kann aus ihr machen, was man will, und sie trägt ihren Dienern sehr viel Geld und Ansehen, und das ist aber zugleich auch das Beste an ihr; ansonst denn doch die alte griechische viel besser und erhabener gewesen wäre! –

5 Aber Ich sage es euch: Das alles tut dennoch nichts zur Sache; denn er ist in solche seine große Blindheit hinein mit aller Gewalt gezwängt worden, und war ein dreifacher Sklave Roms! Kann man aber einen Sklaven darum züchtigen, darum er sich hat von seinem Herrn, der mächtiger war denn er, die Augen ausstechen, und die Ohren ausbrennen lassen. Ich meine, darüber läßt sich weiter nichts mehr sagen, als: Hilfe dem, der derselben bedarf! Daher gehe du Bruder Robert nun sogleich ins Haus, und bringe Wein und Brot heraus. Denn dieser muß eher eine volle Stärkung bekommen, auf daß er fähig wird, für die nähere Lebensfolge von uns belehrt und geordnet zu werden. Daher begebe dich nur schnell ins Haus, und tue, was Ich dir nun anbefohlen habe!«

6 Robert begibt sich nun auch sogleich ins Haus, und bringt in ein paar Augenblicken eine tüchtige Flasche Wein, und einen ganzen Laib Brot und spricht: »Herr Vater! hier ist es schon! Wie werden wir aber diesen Armen damit laben? Denn er liegt ja, als wäre er tot, mit dem Gesichte am Boden! Wir werden ihn doch offenbar eher vom Boden aufrichten müssen.« –

7 Rede Ich: »Liebster Robert, nur eine kleine Geduld! Unsere Nähe wird ihn schon gar bald aufrichten! Aber es sind das immer sehr gefährliche Patienten; daher muß man sich mit ihnen schon ein wenig mehr Weile nehmen. Aber Ich sehe, daß dir der Wein und der ganze Laib Brot ein wenig schwer zu halten ist; wie wäre es denn, so dir die liebe Helena, die dich hier so teilnehmend betrachtet, ein wenig unter die Arme griffe. Wenn du so eine Wirtin hättest, was meinst du, ginge da dein Hauswesen nicht um ein bedeutendes besser vonstatten?« –

8 Robert schmunzelt ganz verlegen, und sagt nach einer Weile: »Wäre alles unaussprechlich gut, wohl und recht, wenn sie nur nicht gar so ungeheuer schön wäre. Aber sonst so eine Gehilfin! O Herr! von Dir mir gegeben! würde freilich aus diesem meinem einen Hause zehntausend Himmel machen! Aber sie ist zu schön, ja zu ungeheuer schön, lieb und herrlich für mich!«

Am 27. September 1849

9 Rede Ich: »Du warst ja doch sonst ein übermäßiger Freund alles Schönen, und dabei freilich auch Nützlichen; dein Wahlspruch lautete ja sogar: Das Schöne muß nützlich, und das Nützliche schön sein, sonst ist das Schöne nur halb schön, und das Nützliche nur halb nützlich! Und siehe, dieser dein Wahlspruch ist auch von Ewigkeit her Meine höchst eigene Handlungsmaxime gewesen, daher denn alle Meine Werke nicht nur nützlich, sondern auch nach dem Grade ihrer Nützlichkeit eben so schön als wie nützlich sind; denn die Nützlichkeit entspricht Meiner ewigen Liebe und Güte; und die Schönheit Meiner Weisheit und Wahrheit. Und so kannst du hier im Reiche der Himmel nie eines ohne das andere haben; je schöner hier sich dir etwas darstellet, desto nützlicher ist es auch!

10 Die liebe Helena ist wohl wahrlich gar überaus schön; aber sie ist eben deshalb auch ein ebenso überaus nützliches Wesen. Daher scheue dich nicht so sehr ihrer Schönheit wegen, da sie nicht so schön wäre, wenn in ihr nicht ein gleich großer Grad des Nützlichen vorhanden wäre. Du wirst erst durch sie ein vollkommener Mensch und Engel, und sie durch dich noch schöner, vollkommener und nützlicher! Ich gebe sie dir zu einem wahren himmlischen Weibe, mit dem du stets weiser, glücklicher und seliger werden wirst; reiche ihr daher deine Rechte, und drücke sie an deine Brust! Und die Erfüllung dieses Meines Willens ist der ewige Segen für euch.« –

11 Robert ganz schwindelnd vor Wonne spricht: »O Herr, vergib mir meine große Schwachheit! Aber hier muß ich dir offenbar gestehen, daß ich die Bitte: Herr! Dein Wille geschehe! wohl nie leichter und seliger ausgesprochen habe, wie diesmal. Und so komme denn her an meine Brust, du überhimmlisch schöne und herrliche Helena; was der Herr Vater Jesus Jehova Zebaoth mir gnädigst gegeben hat für ewig, das hat Er durch mich auch dir gegeben für ewig; und so wollen wir denn seligst eins sein in allem, in der Liebe, in der Wahrheit, in aller Liebtätigkeit, und dadurch eins in unserem heiligsten liebevollsten Vater!«

12 Spricht die Helena ganz strahlend von himmlischer Schönheit: »Des Herrn Name sei gepriesen ewig, und Sein heiliger Wille geschehe! Ebenso aber wird mir auch ewig heilig sein dein Wille, da ich nun klarst erschaue, daß du keinen anderen Willen mehr in deinem Herzen birgst, als allein den heiligen des himmlischen liebevollsten Vaters aller Menschen und Engel! – Sollte dein Herz je nach großen Taten in der Liebe auf Augenblicke matt werden, da solle es an dem meinen eine reiche Sättigung und Stärkung finden; und sollte ich je im heiligen Wollen irgend eine Schwäche gewahren, da wird dein Herz mich stärken und kräftigen in allem, was dem heiligsten Vater wohlgefällig ist; und so will ich denn im Namen unseres heiligsten himmlischen Vaters sein und bleiben für ewig dein himmlisches Weib, das mit dir und in dir leben und handeln wird als ein Wesen mit und in dir ewig! – Des heiligsten Vaters Gnade, Liebe, Weisheit, Ordnung und Wille sei unser Segen für ewig!«

13 Robert ganz über alle Maßen gerührt, drückt die Helena an seine Brust, und küsset sie drei Male auf die Stirne, und darauf sie ihn ebenso oft auf den Mund, und nimmt ihm darauf sogleich den Wein und das Brot ab, und Helena spricht: »Als nun für ewig dein Weib lasse dir deine Mühe von mir geringer machen. Es ist genug, daß du ordnest im Namen des heiligsten Vaters; handeln werde dann schon ich als dein rechter Arm!«

14 Rede Ich: »Gut, gut, Meine geliebtesten Kinder: ihr seid nun gesegnet und eins, und werdet es bleiben stets seliger für ewig.

15 Aber unser Werk ist dadurch nicht zu Ende. Nun heißt es erst so recht an's Handeln übergehen; aber jede Handlung wird von nun an leichter und schneller beendet werden können, indem du Mein geliebter Robert als ein vollendeter Bürger des Himmelreichs dastehest, und hast nicht nur eine überweisende Macht durch die Wahrheit des Wortes, sondern auch eine richtende durch den Liebewillen aus Mir, die du aber jedoch nur dann gebrauchen wirst, wo die erste durchaus nicht ausreichen solle! Und so bücke dich denn zu diesem Patienten nieder, und hauche in an, auf daß er erstehe zur Heilung!« –

 << Kapitel 124  Kapitel 126 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.