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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 124
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 123

Der General und der Mönch oder ein scharfer Wind in die dumpfe Gruft Roms. Robert Blum und Dismas möchten da helfen, doch mit der Hilfe des Herrn, und Er kommt

Am 24. September 1849

1 Spricht der General: »Ist denn unter dieser großen höchst armseligen Gesellschaft niemand dabei, der aus der römisch-katholischen Konfession das alte Vaterunser klar, deutlich und gut deutsch beten könnte? Wer es kann, sei verpflichtet, es allen laut und gut vorzubeten.«

2 Auf diese Aufforderung tritt ein noch bekutteter Mönch hervor, und spricht: »Herr General! ich kann dies Gebet wohl; aber es wird uns nichts nützen, denn wir alle sind ohne die letzten heiligen Sterbesakramente gestorben, und haben keine Beichte abgelegt, weshalb wir uns im Zustande der gänzlichen Gnadenlosigkeit befinden; in solchem Zustande aber könnten wir uns nun die Zunge herausbeten, und es würde uns allen dennoch nichts nützen, zumal wir respective brevi manu von Gott aus schon für ewig verdammt sind. Wir werden in diesem traurigen Zustande wohl bis ans Jüngste Gericht verharren; da wird uns dann die schreckliche Posaune in unsere Leiber zurückrufen, in denen wir dann werden vor den unerbittlichen Richterstuhl Gottes hintreten müssen, und da de facto empfangen die ewige Verdammnis, und werden geworfen werden in die ewige allerschrecklichste Feuerqual.

3 Ich kenne nur ein einziges Rettungsmittel, und dieses heißt die heilige Messe, die allein Gott wohlgefällig ist. Ich habe hier zwar keine Gelegenheit und keine Behelfe, eine zu lesen; aber so sie, Herr General, mich unterstützen wollten und ich von allen diesen unglücklichen Mitmenschen eine kleine Prämie bekäme, da möchte ich dennoch eine solche auswendig lesen, und wir alle möchten dadurch wohl gerettet werden. Denn nur die Messe kann uns helfen, alle anderen Gebete sind zu nichts nütze.« –

4 Spricht der General: »Schau, daß du weiter kommst, sonst packe ich dich, und werfe dich wenigstens 10 deutsche Meilen weit von uns hinweg! du Hauptlump! wenn du die Messe als ein einzig gültiges Rettungsmittel ansiehst, ohne das wir alle verloren sind, und hast dabei nicht so viel Brudersinn und Nächstenliebe, uns, die wir sämtlich nichts haben, unentgeltlich zuretten, so bist du schlechter als alle Diebe, Mörder, Räuber, Hurer und Ehebrecher der ganzen Erde, und verdienst nicht einmal den schlechtesten Namen eines Menschen. Du bist hier, was du auf der Erde warst, ein Gottesdiener ums Geld; ohne Geld aber kann von dir aus die ganz Welt verdammt werden, und du wirst dich darum nicht im geringsten abhärmen, sondern dich dabei ganz wohl befinden. Gehe mir aus den Augen, und lese deinen lateinischen Quark, wo du willst; aber uns verschone damit; denn wir sind zum größten Teile Deutsche und Slaven, und wollen und werden daher auch deutsch oder slavisch beten. Halb rechts! Marsch!«

5 Der Mönch entfernt sich auf diese sehr militärisch gehaltene Einrede des Generals, und dieser ruft nun die Slaven auf, daß jemand aus ihnen das Vaterunser beten möchte.

6 Und sogleich tritt ein Pole heraus, und spricht: »General, ich kann es in fünf Sprachen!« – Spricht der General: »Gut, so bete er's zuerst deutsch und dann slavisch! Aber gut, vernehmlich, und erbaulich.«

7 Der Pole betet nun sogleich ganz nach dem Wunsche des Generals vor, und alle beten ihm von Wort zu Wort nach; nur der Mönch, der die Messe lesen wollte, und einige seines Gelichters nehmen daran keinen Anteil, und sind darob voll Ärgers und Ingrimms, darum der General sich nicht ihres lateinischen Gottesdienstes habe bedienen wollen. Die Umstehenden aber merken das, daß diese Geistlichen nicht nur nicht mit beten, sondern nur schmähliche Gebärden schneiden, und der Messen lesen wollende Mönch bei der Bitte: zu uns komme dein Reich, gesagt hatte: zu euch komme die Hölle. Deshalb packen sie diese heiligen Gottesdiener sogleich zusammen und schleppen sie vor den General hin, und erzählen ihm alles, was diese während des Gebetes für schmähliches Unwesen getrieben haben!

8 Der General, ganz erbost über diese ärgerlichsten Gottesdiener, spricht zu denen, die sie vor ihn hingeschleppt haben: »Gebt euch ruhig! ihr wisset es doch hoffentlich, daß dieses Pfaffengeschmeis auf der Erde noch allezeit mit seltener und geringer Ausnahme alles eher war, als das, was es hätte sein sollen; und so darf es euch hier um so weniger wundern, wenn der allerletzte Sauhirte von der Ketschkemeder Heide noch ein beiweitem besserer Christ und Gottesbekenner ist, als so ein Pfaffe. Wer hat Christus gekreuziget? Die Pfaffen; damit sie aber in diesem brutalsten Werke nicht aus der Übung kommen möchten, so haben sie die Messe erfunden; in der sie als tagtägliche Gottesscharfrichter fungieren können. Denn die ganze Messe ich nichts als eine grob unsinnige zeremoniell-formelle Rekapitulation der einstigen wirklichen Kreuzigung Christi. Was man von solchen »Gottesscharfrichtern« erwarten kann, läßt sich leicht einsehen und mit den Händen begreifen. Denn wer jemanden richtet, der muß entweder mächtiger sein denn der, den er richtet, und ist somit sein Herr oder er maßet sich das Richteramt an, und tut, als wäre er ein Herr dessen, den er wenigstens in seiner Idee richtet. Der Pfaffe aber richtet, verurteilet und tötet Christus den Herrn täglich, und macht Ihn auch wieder lebendig, um Ihn wieder zu töten, weil er einen beständig lebendigen nicht brauchen kann! – Ist er dann als Gottesrichter nicht mehr als Gott Selbst?! – Wer kann es leugnen, daß es nicht so ist in der alleinseligmachenden römisch-katholischen Kirche? – So sich aber dies schwarze Pfaffenpack schon über Gott selbst ein Todesurteil, und sogar die wirkliche Gottestötung anmaßet, wie solle es uns dann wundern, so es uns so oft zur Hölle verdammt, als wie oft es ihm nur immer beliebt. –

9 Ich habe in meinem irdischen Leben die Weltgeschichte studieret, und habe aber noch allezeit gefunden, daß, wo es sich irgend um Hauptniederträchtigkeiten handelte, die Pfaffen meist obenan waren! – Was aber auch ganz natürlich ist; denn von den privilegierten Gottesscharfrichtern läßt sich doch ewig nichts Gutes erwarten. Nehmet nur die gegenwärtige Revolutions- und Kriegsgeschichte. Wer hat sie angezettelt? Die Pfaffen!

10 In der Schweiz haben sie angefangen, und sind dafür gehörig geplätscht worden, und mußten in alle Winde das löbliche Fersengeld nehmen. Das ärgerte diese Brut ganz entsetzlich. Darauf wurde der Papst von allen Seiten torquirt (gedrängt), diese Greueltat womöglich auf der ganzen Erde zu rächen; denn die Schweiz wäre für eine solche Missetat viel zu wenig gewesen, weil das Volk dieses Hochlandes gleich wie etwa einst Adam, sich nicht nur für sich, sondern für und in allen Völkern der Erde an der Heiligkeit der Priester Gottes versündigt habe. Denn es hat, nämlich das Schweizervolk, sogar die unverzeihliche Keckheit gehabt, als es einige Male sehr hungrig war, sich an den heiligen mit den besten Weinen gefüllten Kellern, und an strotzend vollen Speisekammern der Gottesdiener zu vergreifen, weil die Gottesdiener so nichts hergeben wollten, natürlich aus purer christlicher Nächstenliebe. Und diese Greueltat hatte die reinen heiligen Gottesdiener dann so aufgebracht, daß sie nur gleich die ganze Erde verfluchten, und darauf auf allen möglichen Wegen die Menschen aufzuhetzen anfingen, damit ihr Fluch über die Erde in die blutigste Erfüllung gehen solle. Und sehet, sie haben ihre sich selbst gestellte Aufgabe sehr effektvoll gelöst, aber dabei auch Gottlob sich selbst eine Wunde versetzt, die höchst wahrscheinlich auch kein irdisch Kräutlein mehr heilen wird! – Ich meine, ihr habt mich verstanden, und wisset nun, wie ihr mit den Pfaffen daran seid; daher seid nun darob ganz ruhig, wenn euch diese Schwarzen auch tausendmal die Hölle wünschen; denn ihr wisset es ja, daß man von den Dornenhecken keine Trauben lesen kann, und von den Disteln keine Feigen! –

11 Wer einen Menschen kennen lernen will, der betrachte sein Tun; denn jeder Mensch ist aus seinem Tun am leichtesten zu erkennen! – Das Herz der Fleischer und Jäger ist stets roh und gefühllos; und das Herz der Scharfrichter wird sicher noch roher und gefühlloser sein. So aber schon diese Menschen doch sicher kein Herz haben können, außer das eines Wolfs oder eines Tigers; was für ein Herz aber muß erst dann in der Brust derer pulsen, denen es sogar erbaulich dünkt, Gott selbst tagtäglich ans Kreuz zu heften, und zu töten. So es aber schon sehr bedenklich ist, mit Viehschlächtern und noch weniger mit Menschenschlächtern einen Freundschaftsbund zu schließen, um wie viel weniger mit den sicher im allgemeinen allerherzlosesten Gottesschlächtern?! –

12 Die Geschichte aller Zeiten, und insbesondere die von Spanien zeigt nur zu klar, wie überteuflisch grausam die Gottesdiener mit ihren verirrten Schäfleins umgegangen sind. Lasset daher diese Schwarzen am Leibe, Seele und Geiste gehen, wohin sie wollen, und fluchen, so viel sie nur immer wollen; wir alle aber wollen uns von nun an als wahre Brüder verhalten, und einander raten und helfen, so gut es geht! –

13 Ich denke, so es irgend einen Gott gibt, woran ich eigentlich noch nie gezweifelt habe, und hier um so weniger zweifle, weil ich nun sehe, daß wir nach dem Tode des Leibes wirklich fortleben, so muß Er nach der Betrachtung der weisesten Einrichtung der ganzen Schöpfung sicher weiser und besser sein, als Seine seinsollenden Diener, die Er in der Person Christi zu den Zeiten Jerusalems Selbst gehörig gewürdiget hat, und gezeiget, wessen Geistes Kinder sie sind! – Und wir dürfen darum der nahe sichern Hoffnung sein, daß Er uns auch sicher besser richten wir, denn dieses finsterste Pfaffenpack!« –

14 Die ganze Gesellschaft bricht in einen Jubel aus, als sie vom General so eine energische Rede, an die etlichen Pfaffen gerichtet, vernommen hatte. Aber die Pfaffen machen dazu die grimmigsten Gesichter, und der vorerwähnte Mönch, dem es nicht mehr möglich ist, seine schäumende Wut zu verbeißen, fängt an in den Boden zu stampfen, und der Hölle zuzurufen, daß sie sich öffnen solle, und jählings verschlingen solche greuelhafte Frevler. Aber die Gesellschaft läßt sich das nicht zu lange gefallen, packt den Gottesdiener beim Kragen, und wirft ihn in der besten Form vors Haus hinaus; wo er auch ganz ermattet eine Weile liegen bleibt.

15 Zugleich aber spricht auch der an der Türe des zweiten Saales von dieser neuen Gesellschaft noch immer nicht bemerkte Robert zum ebenso nicht bemerkten Dismas: »Bruder! die Rede und Gesinnung des Generals gefällt mir, bis auf die etwas zu starke Auftragung über das Wesen der Pfaffen sehr gut; so es tunlich wäre, möchte ich denn doch diesen armen Narren ihren noch sehr trüben Zustand ein wenig verbessern?« –

16 Spricht Dismas: »Nur noch eine kleine Geduld, und die Sache wird sich wie von selbst machen! – Nur müssen wir den Herrn haben, und ich fühle es, daß Er kommt! – und, da sieh zum Fenster hinaus. Schon ist Er da, mit allen den uns wohlbekannten Gästen. Gehen wir Ihm nur schnell entgegen! O, Er ist es, Er ist es!«

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