Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Jakob Lorber >

Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 123
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
Schließen

Navigation:

Kapitel 122

Neue Überraschungen. Eindringen der höllische Gesellschaft, Rede des Anführers; dann sein Aufruf zum Gebet, sonderbare Versuche ein »Vater unser« beten zu lassen

1 Alle bewegen sich sogleich zur Türe, und schauen etwas verstohlen durch dieselbe, in den bekannten großen Vorsaal in der ganz natürlichen Hoffnung, den Herrn an der Spitze der ebenfalls auch bekannten Gäste zu erblicken; aber dem ist nicht also! Eine große Menge von allerlei menschlichen Wesen dringen in den Saal ein, und verlangen stürmisch den Herrn dieses Palastes. –

2 Spricht Robert zum Dismas: »Bruder! das ist ja eine ganz verzweifelte Bescherung! An der Stelle der nun schon so sehnlichst erwarteten Gäste an der Seite des Herrn, kommt und dringt ein sehr zweideutig aussehendes Gesindel in dies Haus, und verlanget ganz keck und stürmisch den Herrn dieses Hauses, der ich leider zu sein die sogestaltig traurige Ehre habe! Was wollen sie doch hier, um des Herrn willen? Gibt es etwa auch hier Räuber und Mörder? Wahrlich, das wäre doch so eine hübsche Zulage für Gottes Himmelreich. Schaue sie nur (an), was sie für glutentbrannte Augen haben, aus denen doch alles eher als irgend ein leisester Funke Demut und Sanftmut herausblicket. Nein! hörst du! Wenn dieses Gesindel nicht geradewegs der Hölle entsprungen ist, so leiste ich auf alles Verzicht; sage mir doch, was wir nun mit diesem Gesindel machen sollen. Diese Kerls wären imstande, uns sogar hier im Himmelreiche, wie man zu sagen pflegt, von Haus und Hof zu jagen. Da vorne schaut einer ja gar entsetzlich grimmig aus. Wie das wogt und tobt! Der ganze Saal ist nun schon gedrängt voll, und noch sehe ich durch die Türe des Vorsaales, wie sich sogar der Hofraum stets mehr und mehr anfüllet. Wenn das noch eine Weile so fort geht, so werden wir ohne weiteres erdrückt. Auch der sehr üble ganz bestialische Gestank will meinen Nüstern nimmer behagen. Ach das ist wahrlich eine ganz unerwartet höchst fatale Erscheinung! Aber nur, was nun machen?«

3 Spricht Dismas: »Gar nichts vorderhand; denn sie sehen uns nicht, wie auch diese Türe nicht, und können daher auch hier nicht eindringen. Übrigens scheinen sie erst von der Erde in diese Welt eingewandert zu sein, und ich werde mich kaum irren, höchst wahrscheinlich von den Schlachtfeldern Ungarns und mitunter auch Italiens; denn ich vernehme ganz deutlich ungarische Flüche, und mitunter auch welsche Scheltworte! Wir müssen sie notwendig eher recht abkümmern lassen, wodurch sie etwas sanfter werden, dann erst wollen wir uns ihnen nahen und zeigen; denn jetzt in dieser ihrer ersten Zornwut und Rachefurie wäre mit ihnen wenig oder nichts zu machen. Behorchen wir sie aber ein wenig, auf daß wir die Richtung ihrer Herzen erkennen mögen.

4 Siehe, da vorne nimmer ferne von uns scheinen die drei Weisel (Führer) zu sein; denn wie sie sich gebärden, so gebärdet sich dann auch die ganze übergroße Menge. Daher nur aufgepaßt, wir werden da ganz merkwürdige Dinge vernehmen! Sieh', der mittlere wendet sich nun um, und gebietet Stille, Ordnung und Ruhe; er wird nun sicher eine Anrede an den ganzen großen Troß halten? Diese Anrede wird sicher von großer Bedeutung für uns sein; daher wollen wir sie auch mit aller Aufmerksamkeit behorchen! Es wird nun schon stiller und ruhiger, und es kommen auch keine weiteren Unholde mehr nach, was sehr gut ist; daher nun nur aufgepaßt; er gebietet nun die vollste Aufmerksamkeit, und räuspert sich bereits!

5 Horchet! ein Führer der Neuen spricht: »Meine teuren Kaupfgenossen! Auf dem sogenannten Felde der Ehre für's Vaterland haben wir (gekämpft und sind) verendet, wie das Vieh in der Schlachtbank eines feisten Fleischers! Was haben wir nun davon? Nach oben strebten wir, und tief nach unten sind wir gekommen! Als tapferste Helden kämpften wir mit aller Verachtung des Todes, und glaubten an kein Jenseits; denn unsere große Philosophie zeigte uns die Nichtigkeit der Mythe von Christus, und wir lachten über das sogenannte Evangelium; nun aber sind wir de facto in der offenbarsten Hölle, was durchaus kein Traum und noch weniger irgend ein Irrglaube ist; denn wir fühlen das nun um so mehr, als uns alle, wahrscheinlich aus purer Dankbarkeit für unsere großen Heldentaten – irgend ein Teufel diesen wahren Höllenpalast finden ließ, und dann in denselben also hineintrieb, wie auf der Erde irgend ein Schweineschlächter seine erkaufte Schweineherde! Nun sind wir hier eingezwängt, gleich wie die allerschönsten Pökelheringe, ringsum finster wie in einer unterirdischen Höhle; nirdends mehr irgend ein Ausweg! Der eigentliche Herr dieses Hauses ist nirgends zu entdecken; es wird auch wahrscheinlich nirgends einen geben, und so haben wir nun erst den wahren Lohn aller unserer irdischen Mühen und Bestrebungen.

6 O wäre es doch möglich, das allen unseren Kameraden auf der Welt kund zu machen, welch ein Lohn hier ihrer harret! Wahrlich, nicht einer würde mehr das verfluchte Feld der Ehre suchen und betreten; wären wir in allen Teufelsnamen ganz hingeworden, so würde alles gut sein; denn wer nicht ist, und nicht lebt, der empfindet auch nichts mehr! Aber dem ist es leider nicht also! Wir empfinden erst hier so recht intensivst, daß wir sind, und leider fortleben im größten Elende, und in der allergräßlichsten Not. Wir leiden an allem Guten den größten Mangel, und haben dafür den schrecklichsten Überfluß an allen erdenklichen Leiden, Hunger, Durst, Hitze und Kälte zugleich. Allerlei Schmerzen nagen gleich Würmern in unseren Eingeweiden; kein Licht erquicket unsere Augen, und die Stimme der Freundschaft scheint für ewig verklungen zu sein. O, das ist ein herrlicher Lohn für unsere unerhörten Mühen, Leiden und Entbehrungen aller Art, die uns das schöne Feld der Ehre in so reichlichstem Maße hat allergnädigst angedeihen lassen!

7 Das ist also das Los des stolzen hochtrabenden Herrn der Erde, daß er am Ende lebendig von ihm gefressen wird, und dann als ein sich selbst mächtig bewußtes Wesen in der ewigen schmerzvollsten Finsternis schmachten und verzweifeln kann. O du verfluchtes, betrugvollstes Leben eines Menschen, und ganz besonders eines Helden! – Was ist aber da nun zu machen? Geflucht hätten wir hoffentlich genug, und es hat uns nichts geholfen, wie wäre es denn, so wir einmal beten möchten? Vielleicht könnte uns irgend ein kurzes Gebet nützen? Kann denn niemand aus euch allen so irgend ein lausig's Gebet auswendig?«

8 Spricht einer aus der Mitte: »Herr Kommandant! ich kann das von Koschut!« – Spricht der Kommendant: »Dummer Esel! das könnten wir gerade brauchen! Koshut ist damit auf den Hund gekommen; was wird es uns dann nützen?! – Kann niemand ein anderes?« –

9 Spricht ein Italiener: »Signore Generale! io schon kann altre che! – einer Sönheit vor hani Kebete! hani Kebete von die santa Maria, un hani de lo santo Giuseppe! ho – san er Sönheit von hani Kebete!« –

10 Spricht der Kommandant: »Halte dein Maul, dummer Esel von einem Italiener! Solche Dummheiten gingen uns hier gerade noch ab! Melde sich irgend ein anderer, aber mit etwas Vernünftigerem! Nein, so ein Maria- und Josephsgebet ginge uns gerade noch ab! Kann aus euch allen in des Kuckucks-Namen niemand das sogenannte alte Vaterunser beten? Wer es kann, der melde sich!« – Tritt einer hervor, und sagt: »Herr General! ich hob amohl glernt, wie war i noch Bub, hob i glernt Vaterhunser; is Kebet schönes, und is a wunderlich! Aber kann i hitzt nit mehr konz (ganz), aber was kann i no, un dos will i vorweten (vorbeten)!« – Spricht der General: »No, so bete er denn, wie viel, und so gut er's kann!« –

11 Beginnt der sich zum Vorbeten Angebotene also: »Also wetet mi noche, und soget: Vode hunse, Du bis in Himmel, – nun wort a bißel! wie haßt weite? – a, – waß i schun; – Vode hunse, du bis in Himmel, – dei Nohm gheilig! – Dei Wille gschitt im Himmel und af Erd! – Nun wort wiede a bißl! – Wie haßt i hitzt weite? – Bitt um Verzeihung, Herr General, weil geht mi so schlechte; aber nu Gedul, wird schun olle werden! – Aha, waß i schun, wie geht weite! – Gieb uns heutige Brod! – und – und – ha, waß i schun; – Gib uns heutige Brod! – und – führ nit in Versuchung!« –

12 Spricht ein anderer: »Oha, vergeb uns unsere Sünden, wie wir sie vergeben unsren Schuldnern, kommt noch früher!« – Sagt der erste Vorbeter: »Bitt di, beth du s'letzti Stuck a aus, weil waß i nit kanz kut!« – Spricht der zweite: »No gut; weiter heißt es dann: führ uns nicht in die Versuchung, sondern befreie uns von allen blitzdummen Kerlen, die schon in sich das größte Übel sind, Amen!« – Spricht der erste: »Ho, a so haßti nit af die Letzte! – haste nu: erles uns von halle Uibel, Amen! – Aber hob i di schun vestande, daß hast du mir gemant, daß bin i a dumme Kerl! – Bis du selbe ha nix beße! – weil glaubst a, daß bist du ha kscheide Kerl; aber i sage di, du bist de kanne kscheide Kerl, ober bist de dumme Kerl selbe! hitzt waß du!« –

13 Spricht der General: »Nur keine Zänkereien! wir sind hoffentlich unglücklich zur Genüge durch des Schicksals ewig unbesiegbare Macht; warum sollen wir uns da noch durch gegenseitige Witzeleien und Ehrverletzungen noch unglücklicher machen, als wir es ohnehin schon sind?! – Und – was kann so ein Gebet nützen, wo der eine gut die Hälfte nicht mehr beten kann, und ein zweiter ihn darum lächerlich zu machen sucht?! Das heißt alles nichts! Trete jemand vor, der dies Gebet ordentlich beten kann; sonst ist es offenbar besser gar nicht zu beten!« –

14 Tritt eine Dame vor und sagt: »Herr General! ich kann dies Gebet wohl, aber deutsch zu beten kommt mir so läppisch vor, und ist auch gewisserart so gemein, aber französisch oder englisch könnte ich damit schon ganz famos dienen!« –

15 Spricht der General: »Meine liebe Dame! ich bitte sie, treten sie wieder dorthin, von woher sie gekommen sind, und beten sie für sich englisch oder chinesisch; wir aber verstehen bisher nur allgemein deutsch, obschon es unter uns recht viele Ungarn und Slaven gibt. Ich glaube, daß es in der Welt keine Sprache mehr gibt, die der Gottheit lästiger und abgeschmackter sein dürfte, als eben die französische und englische, weil sie eine Sprache des Hochmutes ist; und möchten wir dann in solch einer Sprache beten? – No da würden wir uns bei der Gottheit ein Bildchen einlegen, um das uns sicher kein Teufel beneiden würde! Ich frage daher noch einmal klar und deutlich: Wer aus euch allen kann das Vaterunser gut deutsch beten? der trete hervor, und bete gut deutsch vor.« –

16 Tritt ein Pastor vor, und spricht: »Herr General! so das nichts macht, daß ich ein Lutheraner bin, da möchte ich es versuchen, hier einen Vorbeter zu machen!?« – Spricht der General: »Mir ist das wohl höchst einerlei, ob Lutheraner, Römisch-Katholik oder Türke; aber es gibt in dieser großen Gesellschaft, deren Führer ich bin, leider eine bei weitem größte Menge finsterer Römlinge, und diese könnten sich dann doch stoßen daran; daher danke ich ihnen vorderhand für diesen Antrag, von dem ich erst dann Gebrauch machen werde, wann sich in der römisch-katholischen Gemeinde wirklich niemand vorfinden sollte, der dies Gebet gut vorzubeten imstande wäre. Bleiben sie unterdessen aber nun hier bei mir!«

 << Kapitel 122  Kapitel 124 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.