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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 121
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 120

Über das Wesen der himmlischen Bekleidung. Segensrede des Herrn an die Neu-Gewonnenen. Robert Blum und seine Freunde im neunen Speisesaal in Not. Robert Blums verwunderliche Erfahrung vom leeren Haus, danach sein Aufruf zur Beratung

1 Alle begeben sich nun urplötzlich hin zum Robert, und dieser führt die ganze große Schar zu dem großen Goldschranke, öffnet ihn, und teilet allen die neuen Kleider aus, die sie auch sogleich anziehen, und sodann in und durch die Kleider ein besseres Aussehen bekommen, und voll frohen Mutes werden!

2 Es ist aber im Reiche der Geister ein bedeutender Unterschied zwischen solchen, die durch ihre innerste Erkenntnis, die rein durch Liebe zu Mir erwecket wird, sich von selbst zu Mir wenden, – und zwischen jenen, die nur durch einen weisen Unterricht von außen her zu Mir gekehret werden; – die ersten bekommen eine neue Kleidung wie von innen heraus; die zweiten aber müssen sichtlich ihr altes Weltkleid ausziehen, und dafür ein neues himmlisches aber dann auch wie von außen her anziehen. Diese kurze Erläuterung wird hier deshalb gegeben, auf daß da in der Folge niemand einen Anstoß finden solle, indem es hie und da bei andern Szenen vorkommt, daß manche Geister plötzlich wie aus sich heraus in eine neue Kleidung geraten, ungefähr also, als wie ein Baum im Frühjahr! – Während die Geister dieser Szene zumeist von außen her, als wären sie auf der Erde noch, neu bekleidet werden müssen.

3 Wir sehen nun vor uns die ganze große Gruppe schon neu bekleidet voll heiteren Mutes dastehen; alle preisen Mich heimlich, und manche können Meine Herablassung nicht tief genug bewundern! – Andere betrachten die Urväter und die Apostel mit einer gewissen heiligen Scheue, und wieder andere wagen es freilich ganz schüchtern ein Gespräch mit den Aposteln anzuküpfen. Aber Petrus bedeutet allen, sich zuvor zu Mir hin zu begeben, und allda zu empfangen den verheißenen Segen, alsdann werden sie schon in allerlei Weisheit wie von selbst eingeführet werden! – Auf diese Mahnung von Petrus eilen nun alle zu Mir hin, danken Mir für die schönen Kleider, und bitten Mich um den verheißenen Segen.

4 Ich erhebe darauf sogleich die Hände über alle und sage: »Nehmet alle hin den verheißenen Segen zur wahrsten Stärkung eurer nun noch schwachen Liebe und Weisheit, ohne welche es unmöglich wäre, in Mein eigentliches Himmelreich einzugehen. Da ihr nun aber Meinen Vatersegen empfangen habt, so seid ihr nun aber auch fähig, einen starken Schritt weiter zu machen in Meinem Reiche. – Ihr habet euch auf der Erde oft gefragt, wenn ihr manchmal einen Blick zu den Sternen emporgerichtet habt: Was etwa doch diese Sterne sind, was der Mond, was die Sonne? und noch so manches andere! – Einige aus euch meinten dies, einige jenes, ja einige meinten wohl auch gar nichts! Allein das tut nun fürder nichts zur Sache; denn ihr alle habt das Irdische überwunden, und stehet froh, munter und tief erbauet vor Mir, eurem Gott, Vater und Erlöser, als vollendete Kinder, und habt das Recht, in alle die großen und endlos vielen Wohnungen eures himmlischen Vaters eingeführt zu werden. Und so denn bereitet euch alle wohl vor! – Denn von nun an erst beginnt eine wahrhaft große Einführung in alle die Werke, die euch durch euer ganzes Leben als ein allerverhülltestes Rätsel täglich vor den Augen schwebten.

5 Dies Haus aber, in dem ihr gefallen, und nun wieder erstanden seid, wird euch so lange als eine allgemeine Wohnung dienen, in der ihr Mich allemal wieder finden werdet, so ihr von einer großen Wanderung ein wenig müde euch eine Erholung wünschen werdet.

6 So ihr aber durch die vielen großen Erfahrungen in der Liebe zu Mir ein rechtes Übermaß erreicht haben werdet, dann wird auch ein jeder in sich selbst sein höchst eigenes Wohnhaus finden, das er dann seligst bewohnen wird für alle Ewigkeiten der Ewigkeiten!

7 Auf daß ihr aber alle die vor der Türe harrenden großen Erfahrungswanderungen in Meinen Reichen vollgestärkt machen möget, so wollen wir vorerst allesamt ein wahres Lebensmahl zu uns nehmen, – und du Robert, und alle deine Hauptbrüder gehet, und öffnet die mittlere Türe gegen Mittag, dort wird sich euch ein neuer Saal zeigen; in diesem Saale werdet ihr eine Menge Tische und Stühle finden. Ordnet sie, und besetzet sie wohl mit Brot und Wein! – Ich aber werde sodann Selbst diese Gäste alle einführen in den großen Saal des Friedens und der Ruhe. Da sollen sie alle gesättiget werden! Gehet nun, und tut, was Ich euch nun anbefohlen habe!«

8 Robert begibt sich nun mit den anderen Freunden in den vorbezeichneten Saal, der überaus groß, und mit einer Menge großer und kleiner Tische versehen ist; aber diese Tische stehen noch in einer Unordnung, welche Unordnung entsprechend gleich ist jener des Geistes, in der der Geist zwar schon im Vollbesitze von allerlei liebtätigen Grundsätzen ist; aber sie sind noch nicht geordnet, und daher zu den verschieden guten Zwecken auch noch nicht anwendbar, weil der Geist es noch nicht merken kann, was da Nr.1, was Nr.2, was Nr.3 – usw. folgen solle! – Aus diesem Grunde müssen diese Geister denn nun auch gehen voraus, um die Tische, die gleich sind den Liebtätigkeitsgrundsätzen, zu ordnen; und werden sie geordnet sein, so komme dann Ich Selbst, und führe die Gäste in den geordneten Wohltätigkeitssaal und Liebtätigkeitssaal ein, wo sie die höheren Gnaden und Gaben auch in einer höheren und reineren Ordnung empfangen und genießen sollen!

9 Als Robert, mit seinen Freunden, als da sind: der Messenhauser, Becher, Jellinek, Max Olaf, Dismas, Niklas, Bardo und noch einigen sich dazu frei Anbietenden, die vielen Tische in einer ziemlichen Unordnung untereinanderstehend erschaut, macht er große Augen, und spricht: »Freunde! da werden wir eine ziemliche Weile zu ordnen und zu stellen haben, bis alles so dastehen wird, wie es so ganz eigentlich dastehen solle. Es ist nur mit der verschiedenen Größe der Tische so fatal; einige sind höher, einige, wie ich's merke, niederer; andere sind schmaler, einige wieder kürzer, als einige andere; so sind auch die Stühle und Bänke nicht gleich! – Das wird ein schönes Stück Arbeit absetzen?! – Ich bin aber auch ein schöner Hausherr, weiß nicht einmal, was alles sich etwa noch irgendwo in diesem Hause vorfindet, und wie es geordnet sein solle?! – Und ich solle vollauf der eigentliche Besitzer und Eigentümer alles dessen sein, wovor – ich nun mit euch allen meinen lieben Freunden dastehe wie eine Kuh vor einem neuen Tore. O! das ist eine saubere Hausherrschaft! – Aber – was ist da zu machen? Wir werden uns denn doch müssen an die Arbeit machen, und diese Geschichte ordnen, so gut wie wir es nur immer vermögen.«

10 Spricht Messenhauser: »Es ist wahrlich sonderbar! Im früheren Saale waren wir schon wie ganz vollendete Weise, und hier – nur um einen Saal weiter, stehen wir schon wieder so schön dumm da, als hätten wir nie das Einmaleins kennen gelernt. Es handelt sich hier bloß nur um die ordentliche Zusammenstellung dieser Tische und Bänke und Stühle, und wir stehen da wahrlich wie die schönsten Ochsen am Berge, und wissen nicht, was wir zuerst angreifen sollen. Welcher Tisch ist Nr.1, also oben an, der welche Nr.2 – , und so weiter? Wie werden wir die niederen zu den höheren stellen, und die schmalen zu den breiten?« –

11 Spricht Becher: »Freunde! – machet, was ihr wollt, ich helfe überall; aber verlanget nur keinen Plan von mir; – denn wahrlich in dieser ungeheuer großen Halle komme ich mir aber schon so dumm vor, als wäre ich erst aus dem Mutterleibe gekrochen!« – Spricht Jellinek: »Ja, ja, es ist diese Sache, wie es mir heimlich vorkommt, viel bedeutungsvoller, als wir sie uns vorstellen! – Ich meine: Der gute, beste Herr hat uns alle hier ein wenig anrennen lassen?! – und es wird uns am Ende dennoch nichts übrig bleiben, als zu Ihm zu gehen, und Ihn zu bitten um einen rechten Plan! – Denn wir können da eine halbe Ewigkeit harren, studieren und simulieren, – und wir werden dennoch mit gar nichts zu einem Ende kommen! – Bei tausend Tische, und einige tausend Stühle und Bänke von der verschiedensten Größe! – Diese alle so zu sagen – unter ein Dach zu bringen, das vermögen wir nicht! – Daher senden wir jemanden an den Herrn, auf daß er sich erkundige nach der rechten Ordnung!«

12 Spricht Robert: »Da gehe ich selbst, und ihr bleibet unterdessen hier, und beschauet unterdessen die anderen Wunderlichkeiten dieses Saales!« –

13 Nach diesen Worten kehrt Robert in den früheren Saal zurück, und – macht ganz übergroße Augen, als er diesen Saal ganz leer findet, d.h. leer von menschlichen Wesen; die Einrichtung, und Türen, Wände und Fenster, aber sind dieselben, wie sie früher waren! – Es rührt sich auch nirgends etwas, und kein Laut läßt sich von irgend woher vernehmen. Robert schaut zu den Fenstern hinaus, sieht aber niemanden; er öffnet andere Türen; aber überall ist nichts von dem zu erspähen, was er sucht! Er gehet sogar in des Hauses großen Hofraum hinaus, und es rühret sich nirgends etwas! – Als Robert trotz alles (seines) Suchens und Rufens nichts findet, kehrt er ganz betrübt wieder zurück, wo er seine Freunde nicht minder betrübt antrifft.

14 Bei ihnen angelangt spricht er: »Gott Lob und Dank, daß ich doch euch noch hier antreffe! Denn der draußige Saal ist so leer von allen Wesen, wie ein Eispol der Erde. Kein Herr, und kein anderes Wesen ist irgendwo mehr vorhanden, auch in allen den Nebengemächern nicht, deren ich doch eine Menge durchsucht habe. Das bringt wahrlich ein Vieh um, und hätte es ein noch so zähes Leben! Nun erst stehen wir so recht wie die dümmsten Ochsen am Berge hier. O du verzweifelte Geschichte! – Was machen wir nun?!«

15 Spricht ganz erstaunt Jellinek: »Das ist nicht übel, o – das ist ganz absonderlich sonderbar nicht übel! In Gottesnamen, sei's nun, wie's ihm wolle; fangen wir denn doch an – so gut es geht, diese Tische zu ordnen; werden sie geordnet sein, und besetzt mit Broten und Wein, so wird es sich dann ja zeigen, ob wir die Gefoppten sind!?« –

16 Beruft Robert den Max Olaf, und sagt zu ihm: »Bruder! Du bist auf der Erde so ein Seemann, Ingenieur und Geometer gewesen; daher dürftest du denn auch am ersten mit diesen Tischen und Bänken eine gute Ordnung zu treffen imstande sein?! – Gehe und überschaue die Geschichte! – Denn nun bleibt uns schon nichts anderes übrig, als das zu tun, was der Herr uns ehedem anbefohlen hat, und wie es auch der Bruder Jellinek meint!« –

17 Spricht der Max Olaf: »Mehr, als man im Stande ist, kann kein Gott von jemanden verlangen! und so wollen wir die Beordnung dieser Tische auch sogleich ins Werk setzen! – Die großen von gleicher Höhe und Breite stoßen wir zuoberst des Saales zusammen, an diese die ein wenig niederen und schmaleren; an diese wieder die um etwas weniges niederen und ebenfalls um etwas weniges schmaleren, und so fort in der Ordnung, bis wir auf diese Art alle werden zurecht gebracht haben. Im Ganzen formieren wir ein langes Viereck oder aber auch ein Kreuz, was nahe noch entsprechender wäre, da wir mit dieser Arbeit schon so ein eigentliches Kreuz haben! – Und eben auf die gleiche Weise verfahren wir denn auch mit den Bänken und Stühlen. Haben wir diese Arbeit, wie ich's hoffe, recht bald beendet, dann wird es sich ja wohl zeigen, ob der Herr kommen wird, wie Er es verheißen hat; kommt Er aber nicht, so gehen wir dann auch ins Freie hinaus, und suchen unsere Gesellschaft in allen Winkeln dieser Welt. Und so fangen wir in Gottes Namen denn diese Geschichte an zu ordnen!«

18 Mit dem Plane des Max Olaf sind alle einverstanden, und legen ihre Hände auch sogleich rasch an's Werk, und nach einer guten Weile stehen Tische, Bänke und Stühle in der Ordnung, und zwar in der Form eines Kreuzes. – Robert öffnet darauf mehrere Schränke, die alle voll Brot und Wein sind; das Brot in der Form der gewöhnlich runden Laibe, und der Wein in mit goldenen Deckeln versehenen Bechern. Robert bestellt nun auch mit Hilfe der übrigen Freunde alle Tische mit Brot und Wein;

19 und als auch diese Arbeit zu Ende ist, spricht Robert: »Herr! der Du allsehend, allhörend und allwissend bist, Du siehst nun sicher, daß wir die von Dir uns gegebene Aufgabe, so gut es nur immer sein konnte, allergetreuest gelöset haben; Du hast uns verheißen, sofort mit all den übrigen Gästen hierher zu kommen, und uns alle für höhere Geschäfte der Himmel zu stärken und zu segnen! – O so verziehe denn nun auch nicht, und komme zu uns, die wir gar so schwer nunmehr Deine heilige, allbelebende und allbeseligende Gegenwart missen!« – –

20 Sprechen darauf auch alle die anderen das gleiche; – aber es bleibt alles in der tiefsten Ruhe, und niemand vernimmt irgendwo ein Geräusch oder irgend eine andere Stimme. Aber das macht unsere Tischordner nicht irre, sie warten ganz geduldig eine geraume Weile. 21 Als aber trotz dieses geraumen Wartens noch niemand zum Vorscheine kommt, da spricht Robert: »Das ist wahrlich sonderbar! – Solle der Herr uns eigens versuchen wollen oder haben wir etwas verschuldet? Oder ist diese ganze lange Geschichte seit unserer Ankunft in dieser Welt denn doch nur ein Traum? Es ist wahrlich sonderbar, ja übersonderbar! Was tun wir aber nun?! Tretet zusammen, liebe Freunde, und machet Rat und Vorschläge! Sonst bekommt diese Sache ein wahrhaft verzweifeltes Aussehen.«

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