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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 119
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 118

Bardos Rechthaberei und Empfindlichkeit und die Aufklärende Rede des Niklas. Alle wollen nun vereint zum Herrn; Er kommt zu ihnen, belobt die zwei Führer, und bekleidet sie neu

1 Spricht der erste Redner Bardo: »Nun denn, in Gottes Namen, ich will ja wohl nachgeben, wenn es also ist; aber daß der Niklas durchaus kein feiner Geist ist, das muß er doch selbst einsehen; er ist noch wie er auf der Erde war – ein grober, roher und ungeschliffener Mensch. Darum aber, daß der Niklas ein Neukatholik war, und als solcher an den Herrn Jesus gar nicht mehr gelaubet hat, braucht er sich auch nicht eben gar zu viel einzubilden. Denn die haben wollen die Welt zum Himmel machen, und haben uns Katholiken ausgelacht und dumme Schafsköpfe benamset; aber nun sitzt der gute Niklas mit gar vielen seines Glaubens, samt uns alten Katholiken, im gleichen Pfeffer als Geist, und deswegen braucht der Niklas gerade nicht gar so grob mit unsereinem zu sein. Bin ja doch auch ich mit ihm nicht grob gewesen.«

2 Spricht etwas lächelnd der Niklas: »Mein schätzbarster Freund Bardo! nichts für ungut, so ich etwa ein wenig zu hitzig geworden bin! Aber ich habe es wenigstens gut gemeint, was mir niemand negieren kann. Übrigens muß ich aber dennoch offen bekennen, daß mir zehn wohlgemeinte Grobheiten allezeit lieber sind, als eine einzige Dummheit, die nicht einer hitzigen Sau zu einem Bade dienen kann. Ich muß dir offen bekennen, daß mir eine neukatholische Ohrfeige zur rechten Zeit lieber ist, als ein römisch-katholischer Judaskuß. Denn die Ohrfeige wird mich nüchtern machen, und zu irgend einem bestimmten Entschlusse bringen; aber so eine leere römisch-katholische Liebfreundelei sieht dem Freunde nie ins Auge, sondern allemal nur in dessen Geldbeutel! Wahrlich! die 30 Silberlinge hängen der römisch Katholischen überall an, gleich wie der Kuh ihr allezeit sehr schmutziger Schweif. Sag mir, ob je ein eigentlicher römischer Katholik anders zu Gott betet, als um von Gott etwas von Gott zu bekommen?! – Der Bettler betet um ein Almosen, der Landmann um eine gute Ernte, der gläubige Beamte um eine gute Bedienstung, die Jungfrau um einen schönen und wohlhabenden, angesehenen Mann usw., ein jeder um etwas anderes; aber Gott die Ehre zu geben, darum nur, weil Er als Gott das endlos vollkommenste Wesen ist, – Freund Bardo, meine Seligkeit gebe ich für einen Papisten, so er je aus dieser reinen, uneigennützigen Absicht zu Gott gebetet hat. Bilde dir daher auf deine römisch-katholische Sanftmut nur nicht gar zu viel ein; denn diese ist wirklich nicht gar zu weit her! Übrigens meine ich, daß es nun denn doch schon einmal an der Zeit wäre, dem Rate des Freundes Bruno nachzukommen, denn des leeren Strohes hätten wir beide nun, wie ich's glaube, zur Genüge mit einander abgedroschen.« –

3 Spricht Bardo: »Leeres Stroh, so, leeres Stroh! das ist kein leeres Stroh! Verstehst du? Denn wenn man jemanden einen Esel, wenn auch umschriebenermaßen, nennt, so ist das bei mir kein leeres Stroh.« –

4 Spricht Niklas: »Was denn hernach? vielleicht gar ein Limoni-Gfrornes etwa oder ein ungarisches Rebhendl? Wenn es dich denn gar so pitzelt, weil ich dir ein wenig die Wahrheit gesagt habe, so sage mir dafür denn eine zurück, und wir sind dann miteinander quitt! – Schau, schau, siehst denn du das noch nicht ein, daß uns allen nun an Christus dem Herrn mehr gelegen sein muß, als an unserer gegenseitigen gekränkten dummen Ehre? Was ist denn alle Ehre ohne Gott? oder was hättest du denn davon, wenn ich dich für einige durchaus nicht vorsätzliche Beleidigungen mit aller Ehre vergolden würde, du dadurch aber von Christus noch länger geschieden bleiben müßtest? Ich meine, von solch einer Ehre würden wir beide ganz verdammt wenig herabbeißen. Daher Freund Bardo, nun nichts mehr von derlei irdischen Dummheiten; sondern wir vereinigen uns alle nach dem Rate Brunos, und bitten den Herrn Jesus um Licht, um Gnade und um eine uns allen not tuende Erbarmung. – Ich will den Vorbitter machen, und ihr bittet dasselbe (mit) mir laut, und vom Grunde des Herzens nach, so ihr natürlich es wollet?! – Spricht Bardo: »Eh, warum solle ich denn gerade dir nachplappern! ich werde doch etwa selbst auch imstande sein, eine Bitte zu formulieren!« – Spricht Niklas: »Nur zu, habe gar nichts dawider; denn ein jeder muß es am allerbesten wissen, wo ihn der Schuh am meisten drückt! Ich aber werde nun einmal meine Bitte laut vortragen, und es stehe einem jeden frei – sich daran beteiligen zu wollen oder nicht.«

5 Hier spricht die ganze 1.000 Gesellschaft: »Bitte, bitte, Niklas! wir werden dir nachbitten!« –

6 Spricht Bardo: »Wegen meiner, ich aber werde doch allein für mich bitten, denn ich weiß schon warum und was.« – Spricht Niklas: »Tue was du willst, aber um das bitten wir alle dich, daß du uns fürder nicht störest; daher bitte in der Stille.« –

7 Nach diesen Worten fällt es allen, bis auf Bardo, wie Schuppen von den Augen, und Ich Selbst stehe – unweit des großen Ratstisches, um den noch die ganze schon bekannte Gesellschaft versammelt sich befindet – knapp vor dem Niklas. Alle getrauen sich nun kaum aufzuschauen, und können sich über die Größe und Pracht des Saales, wie über die Frische und Schönheit der Gäste nicht genug verwundern.

8 In diesem Momente tritt auch der Bruno in der höchsten Ehrfurcht vor Mich hin und spricht: »O Herr! Dir allein alle Liebe, Ehre und Anbetung! Sieh', als ein allerunnützester Knecht stehe ich hier vor Dir, und übergebe Dir diese Schar, die, wie ich überzeugt bin, nun ganz Dir im Herzen angehört.«

9 Rede Ich: »Sehr gut hast du es gemacht; deine große Geduld und Demut haben dies nicht geringe Werk musterhaft zustande gebracht. Wahrlich, weil du bei diesem deinem ersten Geschäfte in Meinem Reiche dich so musterhaft benommen hast, so sollst du gar bald über Größeres gesetzt werden, und dieser dein Freund Niklas solle dir zur Seite stehen, denn auch er hat gegen das Ende deiner Verhandlung mit dieser 1.000-Gesellschaft entschieden viel dazu beigetragen, daß sie nun, bis auf einen leichten Eigensinnler, als vollkommen gerettet vor Mir, ihrem Gott, Herrn und Vater stehet, und fähig ist, von Mir fernere und größere Gnaden zu empfangen!

10 Wahrlich, keine Gewinnung der Geister ist segensreicher, als die durch ein wahres Wort, und durch eine weise Lehre! Ihr habt aber hier allein durch Wort und Lehre diese Herde gewonnen, was vollkommen Meinem Willen, und Meiner Ordnung gemäß ist; daher aber ist diese Herde nun auch schon vollkommen frei, und kein Wunderwerk hält ihr Herz gerichtet; sie ist daher auch ganz fähig, sogleich größere Gnaden zu empfangen; und das macht Mir wahrlich eine große Freude! Euer Lohn solle aber daher auch ein großer sein.

11 Als alle die früheren zu Mir kamen, da hatten sie Hunger und Durst; denn sie konnten nur mehr durch wunderbare Taten und Erscheinungen zu Mir gebracht werden; euch aber hungert es nun nicht, und niemand bis auf den Bardo hat einen Durst! – Der Grund davon ist, weil ihr alle allein dem Worte gefolget seid. Und das ist recht, und so ist es Mein Wille! –

12 Gehet ihr beide, du Bruno, und du Niklas zum Robert hin; der wird euch neue Kleider geben; Ich Selbst aber werde den Bardo ergreifen, und ihm geben, was er haben will – Süßes oder Bitteres!«

13 Niklas, ganz zerknirscht vor Liebe und Dank, möchte noch etwas reden; – aber Ich sage zu ihm: »Freund! du hast schon geredet; – denn Ich verstehe Mich auf die Zunge des Herzens; daher gehe nur ganz getröstet hin zum Robert, mit Bruno; – im neuen Kleide werden wir dann noch gar vieles miteinander zu reden und zu schlichten bekommen. Es sei!«

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