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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 118
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 117

Die Zweifler und Spötter glauben nun, aber als Schuldbewußte fürchten sie den Gang zum Herrn. Zwiegespräch zwischen dem Kirchlichen und dem Freien. Brunos klärende Rede

Am 1. September 1849

1 Spricht darauf der frühere Redner, der vor dem hier sogenannten Grobianus gesprochen hatte, sagend: »Ich und meine Nachredner sind von der Klarheit deiner Rede ganz durchdrungen; die Wahrheit ist durchgehends schlagend da; es ist so, es war so, und es wird auch unfehlbar also werden, wie du es nun in ganz vollkommen prophetischem Geiste vorausgesagt hast. Also ist auch der Jude Jesus der Christ sicher das, was die gute Tradition von Ihm zeigt, und was du nun von ihm ausgesagt hast. Aber um desto wahrer alles das ist, um eben desto schwerer ist es nun für uns, daß wir uns könnten an Ihn wenden. Denn wir sind allzumal grobe Sünder gewesen, und haben Seiner göttlichen Lehre nicht geachtet; wird Er nun, so wir uns auch noch so bittend an Ihnen wenden möchten, uns nicht sogleich zurufen: Weichet von Mir, ihr Täter des Übels, Ich kenne euch nicht!?«

2 Spricht der zweite Redner: »Oh, oh, oh! wo denkst du schon wieder hin? Mir scheint, in dir spuken noch immer so ein halbes Dutzend ganz gemütliche Liguorianer herum. Glaubst du denn im Ernste noch an eine Hölle und an ein Fegefeuer? Nein, so was könnte mir wohl sogar nicht einmal in einem Traume einfallen! Christus wird doch, meine ich, so um ein hübsches Stückchen weiser sein, und besser auch als wir beide; sag' mir, könntest du sogar bei deiner einmaligen nicht unbedeutenden Herzenshärte jemanden in die jesuitische Hölle hineinverdammen, und das auf ewig, so es eine gäbe? Ich sage, da müßte man geradewegs ein Teufel sein, um so was zuwege zu bringen. Wie stellst du dir hernach aber Christus vor, wenn du Ihm so was zumuten kannst?!«

3 Spricht der erste: »Du hast zwar wohl recht; aber weißt du, das sind auch Seine eigenen Worte, denen zufolge Hurer, Ehebrecher, Diebe, Mörder, Betrüger, Meineidige, Geizhälse und Hartherzige nicht ins Reich Gottes eingehen werden. Es heißt: Wer glaubt und getauft wird, der wird selig. Wir sind zwar wohl getauft worden, aber geglaubt haben wir nie etwas, außer das (was) wir mit Händen greifen konnten, alles andere waren bei uns Narrenpossen. Wir können also vor Christus dem Herrn nun mit gar nichts auftreten, das für uns auch nur einen günstigen Schein hätte. Er ist wohl unendlich gut, aber er ist auch ebenso unendlich heilig, und deshalb ebenso gerecht! Wie wir uns aber mit Seiner Gerechtigkeit zurecht finden werden, das ist eine ganz andere Frage?«

4 Spricht der zweite: »Aber ich bitte dich, rede doch nicht gar so geschwollen und lehmlacket. Hast denn unsern Freund und Führer Bruno nicht reden gehört, wie die Sachen stehen? Er ist von Christus dem Herrn an uns abgesandt worden, um uns zu gewinnen, und hinzuführen eben auch vor den Herrn. Er hat uns nun gewonnen; warum sollen wir denn nun noch Umstände machen? Das wissen wir alle, daß wir vor Gott keinen Schuß Pulver wert sind; aber so Er uns gnädig und barmherzig sein will, warum sollen wir uns da spreizen wie eine Jungfrau auf einer Bauernhochzeit, und gschamig tun, wie eine sächsische Prinzessin, wenn sie von ihrem königlichen Gemahle zum ersten Male auf's Ehebett begehret wird. Da heißt es mit beiden Händen zugreifen, wenn uns der große Herr der Himmel etwas geben will, und nicht allerlei jesuitische Bedenken tragen, die ohnehin für jeden Pudel zu schlecht und zu dumm wären, so man sie ihm selbst linea recta unter den Schweif hängete.«

5 Spricht der erste: »Aber wenn du nur um ein bißchen feiner wärest! Auf der Welt warst du stets so ein gerader Michel, und hier bist du um kein Haar anders. Wirst du etwa im Angesichte des Herrn und aller Seiner heiligen Freunde auch so reden? Da wirst du sicher beben, wie das Laub der Espe bei einem großen Sturme!«

6 Spricht der zweite: »O je, o je! ich habe gemeint, du hättest bloß so mit einem halben Dutzend Liguorianer noch zu tun; aber wie ich's nun merke, so steckt noch ein ganzes Jesuitenkollegium in dir! Aber hast du denn auf die klarsten Worte Brunos nicht acht gegeben? Der hat die römische Betrügerei doch so klar enthüllet, als wie klar da einstens der berühmte Spiegel von Arkadien war, und du schwärmst nun noch als wie ein sterbender Pater Kochheim. Geh! laß dich nicht auslachen, sieh, dem Freunde Bruno wird schon ordentlich nicht recht gut, wenn er dich ansieht, weil du nun gar so ein blitzdummes Gesicht machst, und darauf los redest, als wie ein Wiener Fiaker am Karfreitag, wann die Liguorianer seine Pferde mit Weihbrunn besprengen, nötigenfalls auch klystieren. Schäme dich hier im Geisterreich als selbst Geist mit derlei Albernheiten zu kommen! Schau, Christus der Herr müßte dich gerade selbst auslachen, wenn Er dich mit diesem Mölker-Bastei-Löwengesichte sähe!«

7 Spricht der erste: »Aber um Gotteswillen, Freud! ich bitte dich, bezähme deine grobe Zunge, sonst kommst du noch offenbarlichst in die Hölle. Denn es gibt eine Hölle, wie es einen Himmel gibt. Lege doch deiner Zunge ein bißchen einen Zaum an, sonst wirst du ohne weiteres verdammt! Denn du hast ja ein gottloses Maul!« – Spricht der zweite: »Freund Bruno! sei so gut, und tröste doch diesen Helden ein wenig; sonst erleben wir noch hier in der Geisterwelt das famose Malheur einer Hosenverunreinigung. Die Voranstalten dazu scheinen schon so ziemlich getroffen zu sein.« –

8 Die ganze Gesellschaft gerät darüber in eine Lache, und der erste Redner spricht: »Aber Freund Bruno! ich bitte auch, diesem Verunglimpfer meines guten Namens sein zu ungebührlich weites Maul ein wenig zu stopfen. Denn was geht das ihn an, wenn ich ein Freund der Diener Gottes war? Lasse ihn doch nicht solche Anspielungen machen, daß mich darob alle auszulachen anfangen!«

9 Spricht Bruno: »Sei gescheiter, dann wird dich niemand auslachen; nehme an, was ich hier geredet habe, so wirst du wohl daraus kommen! Aber so du hier mit lauter gar so jesuitisch aussehenden Bedenken kommst, und dadurch mein Werk an euch allen verzögerst, so hat der Freund Niklas recht, wenn er dich ein wenig rippelt. – Wer ist denn vor Gott gut und gerecht, und wer hat Verdienste vor Ihm, dem Allmächtigen? Hat Er denn nicht Selbst gesagt: So ihr alles getan habt, da müsset ihr noch sagen, daß ihr faule und unnütze Knechte waret; so Er aber also geredet hat, was urteilen wir denn, ob wir gut oder schlecht seien, oder ob wir welche oder keine Verdienste vor Ihm haben? Siehe, wir sind alle zusammen vor Ihm schlecht, und haben gar keine Verdienste. So Er uns aber gnädig und barmherzig sein will, was sollen wir uns da dagegen stemmen, als so es wirklich Menschen gäbe, die vollends gerecht sind, und vor Gott entschiedende Verdienste haben sollen?! O sieh, das ist eitel! Wir alle sind schlecht, und Gott allein ist gut; so Er uns aber nun etwas Gutes aus Seiner ewigen Güte heraus tun will, so ist es an uns zu tun, wie einst der Sünder Zachäus, als ihn der Herr vom Baume herabsteigen ließ, und in seinem Hause einkehrte, und dann mit ihm das Mahl hielt. Also ruft nun auch uns derselbe Herr; und so tun wir denn auch, was einst Zachäus getan hat.«

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