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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 115
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 114

Brunos Antwort aus dem Herrn, zeigt die dem Weltverstand anscheinlichen Widersprüche und Unvollkommenheiten in der Schöpfung und der Gotteslehre, und dann die göttliche wahre Weisheit darin. Beweis der Göttlichkeit der Lehre von Jesus ist ihre Universalität im Vergleich mit menschlichen Lehren

Am 25. August 1849

1 Nach dieser ziemlich klar gefaßten Rede unseres Gröblings wendet sich der Bruno an Mich, und bittet Mich um eine rechte Erleuchtung, damit er einen wirksamsten Gegensatz auf diese Rede dem Redner und dessen Genossen in einer wohlgeordneten Rede entgegenstellen könne.

2 Ich aber sage, und bedeute ihm: »Rede, und sorge dich nicht um die Worte; auf deiner eigenen Zunge wirst du die rechte Entgegnung finden.«

3 Auf diese Meine Zusicherung wendet sich der Bruno wieder an den Redner, und sagt: »Freund, so du eine rechte Geduld mit wahrer Aufmerksamkeit verbunden besitzest, so will ich deiner Aufforderung bereitwilligst entgegenkommen.« Spricht der Gröbling: »Nur zu! an der rechten mit aller Aufmerksamkeit verbundenen Geduld solle es weder mir, noch jemand anderem aus dieser Gesellschaft fehlen. Aber nur nicht über's Alter Christus hinaus darfst du deine Rede dehnen!« –

4 Spricht Bruno: »Ganz wohl, liebe Freunde, meine Rede soll ganz kurz und gut sein, und so vernehmet mich:

5 »Alle zeitlichen Gaben der Gottheit an die Menschen sind so geben und gestellet, daß der unvollendete Mensch mit seinem Naturverstande, der die Gaben durchaus nicht zu würdigen versteht, an ihnen stets etwas zu tadeln hat. Dem einen scheint die Sonne im Sommer zu heiß; ihm wäre ein ewiger Frühling lieber; wieder einem anderen ist der Winter ganz entsetzlich lästig; ein ewiger Sommer wäre ihm denn doch bei weitem lieber; ein dritter schimpft sogar über den Mond, darum dieser nicht stets im Vollichte bleibet; einem ist das menschliche Leben zu kurz, dem andern oft so langweilig, ja und bis zur Verzweiflung langweilig, daß er sich selbst dasselbe gewalttätig abkürzt. Wieder will einer, daß die ganze Erde meerlos ein fruchtbarer fester Boden wäre, während ein Engländer das Meer noch bei weitem ausgedehnter haben möchte, als es an und für sich ohnehin ist. So wollen einige lauter Äcker, andere lauter Wiesen, wieder andere lauter Gärten; noch andere lauter Städte und Festungen, und so tausend verschiedene Dinge, ja ich habe kaum je zwei Menschen kennen gelernt, die ganz auf ein Haar ein und dasselbe wolleten!

6 Also können die Menschen aus eben dem mit allen göttlichen Gaben unzufriedenen Grunde auch diese Gaben nicht lassen, wie sie gegeben sind, sondern sie umwandeln dieselben stets nach ihrem Belieben, und nach ihren irdischen Bedürfnissen; die Tiere werden gefangen, abgerichtet, geschlachtet, und ihr Fleisch unter allerlei Zurichtungen verspeiset; die Bäume und Pflanzen, deren Früchte den Menschen Nahrung geben, werden auf bestimmten Äckern nur gezogen, so wie der Weinstock auf eigens dazu bestimmten Plätzen. Vom Schöpfer aus müßte eigentlich alles wie Kraut und Rüben untereinander wachsen; aber mit dieser Ordnung ist der Mensch nicht zufrieden, und macht sich selbst eine bessere; also wäre von Natur aus angezeigt, daß die Menschen nackt herumwandeln sollen, und Sommers und Winters unter freiem Himmel, oder in zufälligen Höhlen und Grotten kampieren! Allein sie sind mit dieser ihrer feinen Haut etwas zu sehr kitzelnden Bescherung durchaus nicht zufrieden, und machen sich deshalb zweckmäßige, ja mitunter sogar sehr luxuriöse Kleider, mit denen sie ihre Haut bedecken, und bauen sich aus demselben Grunde allerlei Häuser und Wohnungen, und tun sich in selben gütlich!

7 Warum pfuschen denn die Menschen da in die erhabene Gottesschöpfung hinein? und zeigen dadurch der Gottheit tatsächlich, daß sie mit der ersten vom Schöpfer gestellten Ordnung durchaus nicht zufrieden sind? Ein Glück für die Gestirne des Himmels, daß sie von menschlichen Händen nicht können erreicht werden, sonst hätten sie schon lange eine andere Ordnung erhalten. Was läßt der Mensch wohl unangetastet, das er mit seinen Sinnen, und besonders, das er mit seinen Händen erreichen kann? Ich sage dir, nichts! sogar den Himmel nicht; – denn der eine malt sich ihn so, und ein anderer anders; sollen aber alle die von Gott erschaffenen Dinge auf der Erde darum nicht von Gott erschaffen worden sein, weil die ungenügsamen Menschen ihre Hände an selbe gelegt haben, und manche sogar ganz umgestaltet (haben)? – Freund! beantworte mir vorerst diese Frage; sodann wollen wir von der Gotteslehre sehr vernünftig und weise weiter miteinander reden!«

8 Spricht der Redner: »No, no, die Sache läßt sich hören! wie ich nun so ganz leise zu verspüren anfange, so dürfte es dir, so du dir konsequent verbleibst, wohl gelingen, uns auch die Gottheit Christi begreiflich zu machen. Fahre aber nur weiter fort, denn es ist wahrlich sehr interessant, dich in dieser Art reden zu hören!« –

9 Spricht Bruno weiter: »Gut, so ihr das von mir Gesagte einsehet, so will ich denn – im Namen des Herrn – weiter die Sache Gottes vor euren Augen und Ohren kund tun, und so höret!

10 Mit der Lehre Gottes (Bibel) ganz kurz gesagt, verhält es sich gerade also, wie mit der anderen Schöpfung; sie ist vor den Augen des eigentlichen Weltverstandes eine höchst unordentlich aussehende Dummheit; der Weltverstand sucht da vergeblich irgend eine feste Ordnung, die er eine natürliche Logik nennt; – wunderliche Taten und moralische Lehren in zumeist mystischen Bilderleins sind nahe so wie Kraut und Rüben untereinander gemengt; hier liest man ein Wundermärchen, dort einen Verweis; auf einer andern Seite eine an und für sich zwar auserlesenste Moral; aber sie hängt mit den anderen Erzählungen, Gleichnissen und Begebnissen für den Weltverstand oft noch weniger zusammen, als die ordnungsloseste Flora einer gut gedüngten Bauernwiese, auf der ein Botaniker die heterogensten Muster für sein Herbarium beisammen findet. Das aber widerspricht der göttlichen Ordnung in der Gotteslehre an die Menschen dennoch nicht im geringsten, sondern bestätigt dieselbe vielmehr; denn eben dadurch zwingt die Gottheit die träge Natur der Menschen zum fortwährenden Denken und verschiedenartigen Suchen, in dem sich ordentlich zurecht zu finden, was ihr im Anfange, und in der Äußerlichkeit der Gotteslehre gar so unordentlich und wie zufällig ohne alle Logik hingeworfen vorkommt.

11 Was wohl würdet ihr von der Gottheit halten, wenn sie z.B. auf der Erde die

Sache so eingerichtet hätte, daß auf deren Boden nur auf bestimmten ganz mathematisch scharf abgemarkten symmetrisch gleich großen Plätzen nur eine bestimmte Fruchtgattung, auf andern wieder eine andere Fruchtsorte fortkäme; würde aber dann ein Hausvater eine andere Fruchtgattung, die besser und ergiebiger wäre, auf einer solchen Fläche ansäen, und darauf nichts ernten, wie sähe es dann mit seinem Haushalte aus?

12 Daher hat der endlos weise Schöpfer der Welten, Pflanzen, Tiere und Menschen nur dort eine unwandelbare feste Ordnung gestellt, wo sie notwendig ist, und heilbringend den Menschen; aber Dinge, mit denen sich der freie menschliche Geist zu beschäftigen hat, sind von Gott darum ganz bunt durcheinander geschleudert, damit an ihnen der Geist die beste Gelegenheit finden möge, sich im Fleiße zur Erreichung gewisser geordneter Vorteile zu üben, um dadurch jene Fertigkeit und andauernde Kraft sich eigen zu machen, die hier in dieser reinen Geisterwelt die eigentliche freie liebtätige ewige Existenz bedingt!

13 Also ist aber auch die Gotteslehre, wie schon früher bemerkt, so gegeben und gestellet, daß aus ihr wie aus dem Erdboden jeder Geist seine ihm zusagende Nahrung gleich einer Pflanze saugen, sich ernähren, wachsen und zur Vollendung gelangen kann.

14 Wie auf dem Erdboden zwei verschiedene Pflanzen recht gut fortkommen, und ihre Reife erlangen können, ebenso können auch aus derselben Gotteslehre zwei und mehere konfessionell noch so verschiedengestellte Geister ganz ungehindert ihre geistige Vollendung erlangen, wenn sie ihrer Konfession nur treu und gewissenhaft folgen.

15 Daß aber keine Lehre auf der ganzen Welt, wie eben die Gotteslehre Jesu Christi eine solche Menge Kultusarten zuläßt, das ist hauptsächlich ein großer Beweis für die Göttlichkeit dieser Lehre, und ebenso für die ihres erhabensten Verkünders und Stifters. Wäre diese Lehre ein Menschenwerk, so wie etwa ein aus Wachs oder Holz nachgebildeter Baum oder Strauch, so könnte auch niemand aus ihr irgend einen Zweig weiter verpflanzen; und täte das jemand, so wäre er höchstens als ein Narr auszulachen. Da aber die Gotteslehre aus dem Gottesmunde Christi kein durch Menschenhände künstlich geschnitzter, sondern ein ewig wahrer mit aller Lebenskraft in allen seinen Zweigen versehener, also nur von Gott selbst geschaffener und gepflanzter ewiger Lebensbaum ist, so geschieht es denn auch, daß seine Pfopfreiser (Konfessionen) überall grünen, und bei gerechter und richtiger Pflege auch unfehlbar gute Früchte zum Vorscheine und zum ewigen Lebensgenusse bringen.

16 Betrachtet aber nun dagegen menschliche Lehren, z.B. die Philosophie, die Mathematik und dergleichen mehr; sie sind wie eine Maschine, die nur unter einer bestimmten Form und Einrichtung die stets gleiche Wirkung hervorbringt. In der Mathematik ist auf der ganzen Welt ohne alle Sektiererei 2 mal 2 = 4; ein Aristoteles läßt nur eine Sekte, nämlich die rein aristotelische zu, so ein Wolff, ein Leibnitz, ein Fichte, ein Kant, und so ein Hegel; denn sie alle pflanzten nur tote Bäume und Sträucher!

17 Aber nicht also verhält es sich mit der Gotteslehre Christi; jeder verpflanzte Zweig fasset Wurzeln, grünet fort, wächst bald groß zu einem Lebensbaume, und trägt Früchte. Und das ist der gewichtige Unterschied zwischen einem Gotteswerke, und zwischen dem toten eines Menschen, und zugleich der größte Beweis für die unleugbarste Göttlichkeit einer Lehre, die unter allen Zonen und unter den verschiedenartigsten Kultusformen bei gerechter, guter und gewissenhafter Pflege, stets dieselben Lebensfrüchte trägt!

18 Habt ihr aber irgend noch etwas dagegen einzuwenden, so steht es euch nun frei. Ich werde euch im Namen des Herrn keine erläuternde Antwort schuldig bleiben.«

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