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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 114
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 113

Die Rede des Gröblings über schiefe Religionsansichten, und woher sie kommen

1 Spricht der Grobianus: »Daß wir Menschen nun aber so ganz unmenschlich dumm sind, besonders in den Dingen der Religion Christi, das kann uns kein Gott für übelnehmen. Denn die frühere Metternichsche Regierung, die mit tausend mal tausend Spitzelaugen best versehene Polizei als rechter Arm der Kameralia (Staatsverwaltung), und endlich das mit ihr in bester Harmonie stehende hohe und niedere Pfaffentum haben mit der lieben Lehre Christi ja doch so gewirtschaftet, daß es am Ende doch schon sogar dem letzten Sauhalter auf den Pußten Ungarns auffallen mußte, wie die vom größten Wohlleben strotzenden Diener der heiligen Religion den anderen Gläubigen und dito getauften Bekennern der allein seligmachenden römisch-katholischen Kirche nichts so sehr an's Herz legten, als die liebe himmlische Armut, Liebe, Geduld und den unbedingtesten Gehorsam, vorerst gegenüber der Kirche und ihren göttlichen (oder was?) Dienern, und dann aber auch gegen den Staat, in so ferne natürlich dieser die Sache der allein seligmachenden Kirche begünstige!

2 Bin ich doch selbst zu öftern Malen mit den allereinfachsten Leutchen darüber zu reden gekommen, die solche Lumpereien ebenso gut wie unsereiner beurteilten, und daraus den Schluß machten und sagten: Die Religion sei nichts anderes, als ein schon in alten Zeiten fein ausgedachtes Mittel, die armen Menschen zu blenden, und sie durch höllische und himmlische Vorspieglungen, und durch allerlei auf diese beiden Bezug habenden Lügen und glänzenden Betrügereien dahin zu verhalten, daß diese dann aus Furcht vor der Hölle oder aus großem Wunsche nach dem Himmel, für die arbeitsscheue Priesterkaste arbeiten, ihr die besten Bissen zubringen, und selbst aber schlechter leben sollen als der gemeinste Kettenhund, natürlich alles zur größeren Ehre Gottes (oder was?), woraus denn dann doch allerdeutlichst hervorginge, daß es entweder nie einen Jesus gegeben habe oder so es schon einen gegeben habe, da kann Er doch unmöglich Gottes Sohn gewesen sein! Denn wenn man die erschaffene Einrichtung der Welt, die unendlich weise ist, betrachtet und erforschet, und daneben aber dann die löblichen Grundsätze der römisch-katholischen allein seligmachenden Religion, wo man so zu sagen ganz ohne Gedanken, so als schon ein quasi Vieh, alles glauben muß, wenn es auch noch so dumm und widersinnig wäre, wenn es nur vom Papste ausgehe, und wenn man dazu noch bekennen muß, daß nur sogestaltig die römische Lehre die allein rein christliche sei (?) – so muß man ja doch mit sogar verbundenen Augen sehen, daß derselbe Gott, Der die Erde mit allem, was auf ihr ist, und Sonne, Mond und alle die Sterne so höchst weise erschaffen hat, auf der anderen Seite zur Erweckung und Belebung des Geistes der Menschen denn doch unmöglich eine Lehre könne gegeben haben, die sogar einem Sauhalter keine Ehre gemacht haben würde, so er sie erfunden und der Menschheit zu ihrer Beseligung gegeben hätte.

3 Siehe, Bruno, so philosophieren nun ganz einfache Leutchen, und das mit gutem Grunde; frage, wie sollen dann erst wir Gebildeteren philosophieren und urteilen, gegenüber den uns nur zu aufgedeckten Dummheiten, Lügen und schreiendsten Betrügereien der römisch-katholischen Kirche?! und in welch' einem Ansehen muß da erst der Stifter einer solchen Lehre stehen, die sich wie Wachs oder Gips in alle erdenklichen Mißformen umwandeln läßt?! –

4 Man sagt freilich: Das Papsttum sehe der reinen Christuslehre ebenso ähnlich als ein schmutziger Courirstiefel einer mediciischen Venus; aber das ändert mein Urteil über's Christentum und dessen Stifter nicht; denn was von Gott ausgeht, das kann keine menschliche Selbstsucht, und stellete sie sich darob auch auf den Kopf, nur im geringsten ändern; sie kann wohl Fruchtbäume veredeln, aber ihnen eine andere Form zu geben vermag sie nimmer, wie sie auch keinen Baum schlechter zu machen imstande ist, als wie er als wild der Natur entstammt. Wäre sonach die Lehre Christi göttlich, da solle es doch mit allen Teufeln hergehen, daß daran die elende Menschheit etwas nach ihrem selbstsüchtigen Belieben zu ändern imstande sein solle! Und solle es der Gottheit wirklich nur daran gelegen sein, durch eine Lehre von der vollsten Freiheit der Menschen eben den Menschen auch jene Konzession mit der Lehre gegeben zu haben, daß sie auch mit ihr nach ihrem Belieben Schindluder treiben mögen, wie sie wollen!? Dann Freund, adieu Gottheit! Denn dann muß es sogar ein Blinder einsehen, daß der Menschheit solch eine Lehre noch viel weniger nützt, als gar keine.

5 Ich meine aber: Vor einer rein göttlichen Lehre solle doch ein jeder Mensch, wie vor einer aufgehenden Sonne, die höchste Achtung und Ehrfurcht haben, und am allermeisten der Verkündiger und Ausbreiter solcher einzigen Lehre. So aber eben die Pfaffen gerade diejenigen es sind, die in der Wahrheit die reine Lehre Christi, die doch eine Gotteslehre sein solle, am wenigsten respektieren, sondern sie als ein reines Menschenwerk zu ihren herrschsüchtigen und selbstsüchtigsten Zwecken ummodeln, wie sie dieselbe am besten brauchen können, ja, man kann es sagen, nachgerade nur das schroffste Gegenteil von dem sind, als was die ursprüngliche Lehre gebietet, muß da nicht ein jeder nur einigermaßen hellerdenkende Mensch bei sich selbst also zu denken und zu schließen anfangen: Eine Lehre, die sogar von den Priestern keine Achtung in der Tat genießet, sondern bloß nur durch äußere nichtssagende, die arme Menschheit mit aller Blindheit zu schlagen beflissene Zeremonie, kann nicht göttlich sein. Denn vor rein göttlichen Dingen hat sogar das Vieh eine Achtung; um wie viel mehr der mit Vernunft begabte Mensch.

6 Wer kann beim Anblicke der aufgehenden Sonne ohne Achtung vor der großen Gottheit dastehen, wen ergreift der Anblick hoher majestätischer Gebirge nicht? Wer kann ohne Achtung gleichgültig das Meer ansehen, und höhnisch lachen bei einem gewaltigsten Meeressturme? Wessen Brust wird nicht mächtig erschüttert beim mächtigen Rollen der Donner Gottes? Siehe, das sind göttliche Dinge, vor denen der stupideste und eingennützigste Pfaffe eben so vor Ehrfurcht bebet wie der gemeinste Sauhirte. Aber das seinsollende Wort Gottes ist ihm Pomade. Wie sieht es dann da mit der Göttlichkeit aus? Wenn das seinsollende Gotteswort aber den Pfaffen tatsächlich nichts als eine verkäufliche schlechte Pomade ist, was solle es dann uns Laien sein, die wir keine Doktoren der Gottesgelehrtheit sind, besonders so wir nur zu oft und zu klar zu der Einsicht durch die Taten der Pfaffen ordentlich bei den Haaren hingerissen werden, daß die Gotteslehre von Christus noch weniger als eine schlechte Pomade sein muß, ansonst sie doch unmöglich mit ihr solchen Mißbrauch treiben könnten.

7 So der Mensch auf diese Weise aber doch notwendig vor solch einer Lehre einen Degout (Widerwillen) bekommen muß, ist es dann etwa zu wundern, daß sich hernach ein jeder nur etwas über's gemeinste Leben erhebende Mensch aus den soliden Bedürfnissen seiner Natur Lebensregeln formt, und nach denselben vernünftig lebt, und alles mit Ziel und Maß genießet, was ihm die liebe und wahrhaftige Gottheit auf dem natürlichsten Wege zum Genusse darstellet.

8 Ich habe gegen die Grundsätze der reinen Urlehre Christi nichts einzuwenden; sie sind gut, und den gegenseitigen Bedürfnissen der Menschheit ganz naturgerecht angepaßet; aber was nützt das, so man sie, um ein guter Katholik zu sein, sogar nicht einmal in ihrer Echheit erkennen, geschweige denn erst anwenden kann und darf. Da die Gottheit aber doch sonst alles leitet, ordnet und erhält, was sie einmal geschaffen hat, sollte es Ihr denn nicht auch möglich sein, ihre eigene Lehre vor solchen Verwüstungen zu verwahren, wie es deren besonders in der römisch-katholischen Kirche nur leider – zu ungeheuer viele gibt (?) wenn die Lehre wirklich aus ihrem Munde gleich der ganzen Schöpfung gekommen wäre? Wo aber ist eine solche Verwahrung ersichtlich? Freund! auf der ganzen Erde mir bekanntermaßen nirgends!

9 Wenn die Sache sich aber – sage – tatsächlich so und nicht anders verhält, da bitte ich, und wir alle dich, zeige uns, wo es dann stecken mag, so die Lehre Christi etwa dennoch göttlich sein solle, daß sie vorerst gerade von jenen, die ihre Göttlichkeit am tiefsten fühlen sollten, als eine barste Nullität betrachtet, und dann auf alle nur erdenklich mögliche Weise gemißbraucht wird, und darauf, als notwendige Folge, dann natürlich auch bei allen ein wenig nur hellersehenden Menschen in Mißkredit kommt.

10. Rede! und erweise uns die Göttlichkeit der Lehre Christi; als dann wollen wir dir aber auch alles aufs Wort glauben, was du uns nur immer von den Pflichten, die Gott durch Seine Lehre von den Menschen zu ihrem eignen Besten fordert, vorsagen wirst; und haben wir je dawider gesündiget, so wollen wir gerne unsere Sünden bereuen, und womöglich abbüßen – sogar mehr als alle Ignatius von Loyola, wenn es sein müßte!

11 Aber natürlich müßtest du uns auch beweisen, daß der Mensch ohne Gesetze auch sündigen kann. Wir aber hatten als hellerdenkende Menschen aus obersichlichen Gründen notwendig kein, und am wenigsten ein positives göttliches Gesetz, außer das in unserer Natur, das wir auch stets beobachtet haben, und konnten daher auch keines befolgen. Bitte nun, Freund, so du Lust hast zu reden, so rede! Sonst aber lasse uns gehen, dahin uns unsere Sinne den geraden Weg weisen werden!«

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