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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 113
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 112

Der blinde »Gescheite«. Gute Antwort Brunos an diese noch geistig Blinden. Der Spottvogel, von Bruno zurechtgewiesen. Der hartnäckige Grobian, wird doch überwunden; seine einlenkende Rede

1 Diese Lehre gestaltet den Bruno ganz himmlisch; und er wendet sich darauf auch sogleich zu seinen Fischlein, und fängt an sie zu lehren recht und gerecht!

2 Als er aber mit seiner Lehre zu Ende kommt, spricht einer, der ein Neukatholik (Freidenker) ist, aus der ziemlichen Anzahl seiner Glaubensgenossen sagend: »Freund! deine Worte waren gewählt, und deine Syntax sucht ihres gleichen; aber wozu alle diese Unkosten von theosophischen Weisheitsphrasen? – Siehe, Mose erzählt in seiner Genesies: Als Gott Sich an das Schöpfungswerk machte, da war es Nacht in der ganzen Unendlichkeit; und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht in allen den endlosen Räumen. Als die Unendlichkeit auf diese Art erhellet ward, da erst begann der Allmächtige Gottes-Geist, der in der Mitte über allen den Gewässern und ihrem chaotischen Inhalte schwebte, eben diese Gewässer, und ihre Chaos zu teilen und zu ordnen. Und siehe, Freund, das war wahrlich vollends eines Gottes würdig weise gehandelt. Aber du fängst mit uns gerade den verkehrten Weg an zu gehen. Was nützt all das ellenlange weise Geplapper von der himmlischen Farbenordnung den Blinden? Was nützt es zu hören den Feind durch's Dickicht hereinbrechen, so man blind ist? Wohin wird man fliehen vor ihm? Wird man nicht, da man sich von ihm zu entfernen wähnt, ihm gerade nur entgegen eilen? Also sprachst auch du nun viel und ganz wohl geordnet über Christus und über Seine alleinige Gottheit, über Seine Liebe, Güte und Erbarmung, und ebenso von Seiner nächsten Nähe; aber was nützt uns alles das, so wir keine Augen haben, Ihn zu sehen, und danach zu beurteilen, ob Er es wirklich ist?

3 Daher sage auch du, so dir irgend eine Macht eigen ist, gleich der Gottheit über uns: Es werde Licht! Dann wird sich alles andere, so wir einmal geläuterten Gesichtes sind, von selbst geben. Aber so du sprichst, was du alles siehst, wir aber außer dir nichts erschauen und vernehmen können, auch das Gemach nur so, wie eine ganz ordinäre Bauernstube, in der wir wie Pökelheringe zusammengeferchet sind, von der du sagst, daß es ein außerordenlich großer Saal sei; wie sollen wir da deinen Worten vollsten Glauben beimessen können? Besinne dich daher ordentlich, und tue, was uns zuerst not tut, so wirst du hoffentlich auch nicht wider die Ordnung der Himmel handeln, indem doch diese Ordnung das erste Werden aller Dinge bedingte.

4 Wir begreifen das immer noch nicht, warum wir jetzt weniger sehen, als wir gleich im Anfange unseres Hierseins sahen? Daher ist uns die rechte Eröffnung unserer Augen auch ein erstes Bedürfnis, auf daß wir zu der Einsicht kommen, warum wir nun weniger sehen, als wir im Anfange sahen. Anfangs unseres Hierseins sahen wir recht gut den sehr geräumigen Saal, also auch den seinsollenden Heiland Jesus, den Robert Blum, Messenhauser, Jellinek, Becher, die Leanerl, den Pathetikus Dismas, seinen Freund Max Olaf, und ein paar Dutzend der saubersten Tänzerinnen, und nun sehen und hören wir aber allesamt nichts von ihnen, und von den noch vielen anderen. Wo liegt denn da der Hund begraben?

5 Wir haben dich darüber schon einmal gefragt, und du hast uns darüber keinen befriedigenden Bescheid geben können, wohl aber auf die Geduld mit dem Versprechen gewiesen, daß uns allen Gott der Herr Selbst die Augen eröffnen werde. Aber nun geschieht von allem dem nichts. Führe daher du an uns das aus, was ich nun von dir gebeten habe, so wird sich dann, wie gesagt, alles andere von selbst geben.« –

6 Spricht Bruno: »Freunde! nur noch eine kleine Geduld, und es solle euch dann vor allem das werden, danach ihr nun bester Maßen ganz besonders dürstet. Du hast mir zwar recht weise die Ordnung Gottes bei der Welterschaffung vorgeführt, um dadurch meiner an euch gerichteten Lehre ein starkes Gegengewicht zu stellen. Aber ich muß mit euch nicht wie Gott mit den Urgewässern seiner ewigen Ideen bei der Schöpfung verfahren, sondern so nur, wie eine Wehemutter mit einem neugeborenen Kindlein. Bei dem Kinde ist die Öffnung der Augen doch auch nicht das erste; wie solle sie bei euch es sein? Lasset euch erst willigst aus dem Mutterleibe eurer Sinnlichkeit vollends herausheben, dann erst wird es sich zeigen, wie viel des Gotteslichtes ihr auf einmal werdet zu ertragen imstande sein, und so sei es, und so geschehe es im Namen des Herrn!«

Am 20. August 1849

7 Spricht ein anderer neben dem früheren Redner auftauchend, mit satyrischen Spottungen, und mit einer sarkastischen Zunge sagend: »No, no, Liebster! auf diese Art bis du ja eine himmlische Schwerenotsmutter geworden! Schade, daß so was die heiligen Patres Liguorianer auf der Erd' noch nicht erfahren haben; die hätten dich vielleicht schon als einen Gnadenpatron unter dem Namen Hebammius coelestis in einem Hochaltare entweder gemalt oder aus Holz geschnitzt und falsch vergoldet, und hätten dir zu Ehren sich schon einige gute Messen für die Erreichung leichter Geburten um einige Hundert Silberlinge heruntergestochen. Nein, du bist schon einmal ein grundgescheidter Mann; zu helfen weißt du dir schon aus jeder Verlegenheit.

8 Aber mein lieber St.Hebammius coelestis! sage mir als ein in allen nativitatibus wohl erfahrener Patron: Wie oft muß denn so ganz eigentlich eine Menschenseele geboren werden, bis sie endlich einmal sagen kann: Nun, gottlob, bin ich aus dem letzten Mutterleibe an ein beständiges Tageslicht gebrochen! Ich glaube, dahin wird's bei dieser deiner Himmelsverfassung wohl ewig keine Seele bringen. Kein Wunder, daß ein Nikodemus einst Christus, Der ihm von einer Wiedergeburt des Geistes etwas vorsagte, entgegen zu fragen sich genötigt fand: Ob er denn wieder in einen Mutterleib wird hinein schlüpfen müssen. Mir scheint, eure ganze himmlische Weisheit ist aus sonst nichts, als lediglich aus Geburt und Tod, und dann wieder aus Wiedergeburt, und also auch aus Wiedertod zusammengestoppelt. Sag' uns das doch einmal recht aufrichtig, wie oft du an uns noch deine himmlische Hebammenschaft ausüben wirst, bis wir zum wahren Augenlichte gelangen werden. Licht! Licht, Freund Hebammius! Dann wird alles ohne viel Hebammerei anders und offenbar besser werden, denn ohne Licht ist jedes Mundwetzen eine Altweiber-Dummheit. Verstehst du das?«

9 Spricht Bruno: »Freund! mit dem Grobianismus hat es hier im Reiche der Geister noch keine Seele gar zu weit gebracht, das kannst du dir vorderhand ganz ernstlich gesagt sein lassen! Ich werde dich dafür zwar ewig nie richten und strafen; aber du wirst dich dadurch vom Ziele deiner Bestimmung von selbst nur stets mehr und mehr entfernen, anstatt dich zu nahen demselben. – Was fragst du denn, wie oft du noch werdest aus irgend einem Mutterleibe geboren werden, bis du zu einer vollichten Wahrheit bleibend und unwandelbar gelangen würdest? Ich sage dir darauf: Wohl noch einige 100 Male, so du verbleibest in solcher deiner eigensinnigen und über die Gebühr gröbsten Gemütsverfassung!

10 Ist es denn wohl gar so schwer, seinen eigenen Willen zu verabschieden, und an dessen nichtswerte Stelle den Willen der göttlichen Ordnung zu setzen, und denselben tatsächlich zu befestigen?! – Siehe, hättest du das schon auf der Erde getan, da wärest du auch schon lange aus dem letzten Mutterleibe herausgeboren worden, und befändest dich auch schon längst im wahrsten Lichte alles Lichtes; aber es hat dir wohl nie gemundet, deinem Herrlichkeitswillen nur den geringsten Abbruch zu tun, und so muß es dir denn nun auch munden, blind zu sein, gleich allen denen, die so beschaffen waren, und noch sind, wie du es warst, und leider – trotz vielfacher bittersten Erfahrungen – noch bist.

11 Wolle was anderes, als was du willst; d.h. wolle du, was Gott will, so wirst du zum Lichte gelangen; willst du aber nur stets, was du eigentlich willst, da wird es mit dir wohl ganz verzweifelt lange nicht anders werden, als es eben jetzt ist. Hast du diese Worte wohl verstanden?«

12 Spricht der Grobianus: »Jau! Brüderchen St.Hebammius – jau – jech hobs verstunden! Männike! hör emal, Männike! du bist aber sehr dumm, und redest etwas daher, was weder einen Fuß, und noch viel weniger einen Kopf hat! und wenn es schon irgend einen Kopf hat, so dürfte der wohl so ein verabschiedetes Exemplar von einem auf Reisen begriffenen Stockfisch sein.

13 Aber sage mir, wer kann denn seinen eigenen Willen verbannen, und dafür einen ganz fremden in seine Seele einpfropfen? Schau, du sagst, daß du sehend bist, und wir sind blind; aber es ist dann doppelt merkwürdig, wie du als ein Sehender das nicht einsiehst, daß ich den Willen eines Fremden ja doch unmöglich anders, als nur durch meinen höchst eigenen Willen zu meinem eigenen machen kann. Hätte ich aber schon durchaus keinen eigenen Willen, da möchte ich denn doch von dir erfahren, mit welchem Willen ich das wollen solle können, was irgend jemand anderer mir zum Wollen auferlegen solle. Geh' und lasse dir mit deiner himmlischen Weisheit ein wenig heimgeigen! Ich habe dich wohl immer für ein wenig dumm gehalten; aber daß du so enorm dumm wärest, das wäre mir nicht einmal bei einer Traumschmeißerei eingefallen! Nein, keinen Willen haben, und dabei aber dennoch unbeugsam wollen, was ein zweiter will, das will noch mehr sagen, als jemandem eine Herrschaft schenken, während man selbst nicht einmal der Inhaber eines Schneckenhauses ist. Sage mir Männike doch jefälligst, heste diese Weshet von enen Pater Liguorianer oder etwa gar vom heiligen Ignatius von Loyola dich egen jemacht haben jetun? Oder hast dir eenmal dein Jehirn mit eenen schlecht osjebachnen Schöps'nen verdorben? – –

14 Aber nun Spaß bei Seite; sage mir ganz aufrichtig, bist du wohl wirklich so dumm oder foppst du uns bloß so zu deinem Privatvergnügen? Schau, schau, ein Mensch ohne Willen wäre ja doch nichts anderes als ein organomechanisches Uhrwerk ohne Feder oder Gewicht. Ich meine, der Mensch kann wohl seinen Willen einem anderen auf eine Zeit lang zu Diensten stellen, und das wollen und tun, was irgend ein anderer haben will, mag es nun etwas Vernünftiges oder etwas Unvernünftiges sein; denn keine Einsicht kann definitiv einen einmal gefaßten Willen ändern. Aber seines eigenen Willens ehedem ganz ledig werden, so wie ein schwangeres Weib ihrer Frucht, und sich sodann erst einen andern Willen gewisserart einsetzen lassen, als wie ein Pfopfreis auf einen abgeschnittenen und gespaltenen Wildling, Freund! das geht sogar über den Horizont des letzten Fixsternes bei weitem hinaus; haue du dir so ganz nach dem Evangelium wohlgemeint beide Hände, und zugleich auch beide Füße ab, und lasse dir dann ein paar fremde, wann's leicht sein kann, anheften, und wir werden sehen, welche Bockssprünge du damit machen wirst. Also nur gescheite, Freunderl, gescheite! Hast du eine Kraft, so handle zu unserem Besten! Aber mit deinen ganz leeren Worten verschone uns für immer, o Herr Brunissimus!« –

Am 21. August 1849

15 Bruno wendet nun alles auf, sein etwas erregtes Gemüt zu beruhigen; aber der Grobianus will ihm nicht so ganz aus dem Herzen weichen. Nach einer Weile, nachdem Bruno sein Inneres mehr und mehr beruhiget hat, spricht er zum Grobian, sagend: »Freund! aus deiner ganzen absichtlich beleidigen wollend gestellten Einrede habe ich mehr als klar entnommen, daß du meine an euch gerichtete Anrede nicht im geringsten verstanden hast. Ich habe euch vorerst zu einer gerechten Geduld ermahnet, ohne die kein Mensch je zu etwas Ausgezeichnetem gelangen kann, denn die sogenannten Überskniebrecher haben noch nie etwas Großes geleistet. Darauf habe ich euch gezeiget, wie ein Mensch nur dadurch am ehesten vorwärts und zu einem erwünschten Ziele gelangt, wenn er seinen eignen nichtswerten Willen dahin gefangen nimmt, daß er durch ihn den Willen eines Weisen in sich aufnimmt, und dann nicht mehr den (verkehrten) eigenen, sondern lediglich nur den (besseren) fremden Willen als volle Tatkraft in sich wirken läßt.

16 Ich meine, diese Sache sollte doch klar sein? Aber du findest in dieser wichtigsten Wahrheit nur eine Dummheit, weil du die Sache dahin auffassest, daß man ehedem sich ganz willenlos machen müsse, um dann einen fremden Willen erst als den eigenen in sich wirkend aufzunehmen. Wer aber hat dir je eine solche Lehre gegeben? Das weiß ich so gut als du, und vielleicht noch etwas besser, daß man ohne Willen das, was ein zweiter will, durchaus nicht wollen kann; denn ein Mensch ohne Willen wäre entweder ein stummster Automat oder eine barste Statue. Und so versteht es sich ja doch von selbst, daß ein Mensch nur so gestaltig seinen Willen in den eines anderen übergehen lassen kann, wenn er eben mit dem eigenen Willen den Willen eines andern will, fest will, und danach seine Handlungen einrichtet.

17 Der Wille ist der Arm der menschlichen Bedürfnisse; wer demnach seinen Willen bestens ändern will, der muß zuvor seine Bedürfnisse ändern. Ist dem Menschen die Trägheit ein angestammtes Bedürfnis, so bindet dies Bedürfnis der Seele die Notwendigkeit auf, nichts zu tun. Ist dem Menschen die Befriedigung seines Fleisches ein Bedürfnis, so muß die Seele alles aufbieten, um eine Sättigung dem Fleische zuzuführen. Der Mensch aber hat auch ein höheres Erkenntnisvermögen, durch das er das Schädliche der groben Bedürfnisse einsieht; damit kann er solche unlautern Bedürfnisse bekämpfen, sie endlich ganz verbannen, und an ihre Stelle bessere, d.h. göttliche setzen, und das heißt dann seinen materiellen Willen gegen einen wahren göttlichen vertauschen. Das aber ist es auch, das ich von euch im Namen des Herrn verlange.

18 So ich aber nur das, und nichts anderes von euch verlange, da sage du mir, aus welchem Grunde du gegen mich also empörend roh und grob aufgetreten bist?«

19 Spricht der Grobianus: »Hättest du früher auch so, wie nun, deutsch, d.h. verständlich mit uns gesprochen, so wäre ich dir auch ganz anders entgegengetreten; aber du hast ehedem nur hochweise und sehr orthodoxisch mit uns parlieret, daß wir dich selbst mit dem besten Willen nicht anders hätten verstehen können, als wie wir dich verstanden haben, und die für dich ein wenig unangenehme Folge war, daß ich dir deshalb im Namen dieser meiner zahlreichen Brüderschaft einige wohlgemeinte Komplimente habe müssen zukommen lassen, die ich aber nun wieder zurücknehme, weil ich aus deiner letzten, deine früheren unklaren Worte berichtigenden, Rede ersehen habe, daß du denn doch nicht gar so einfältig bist, als für wie sehr stark einfach dich zu halten ich mich des guten reellen Umstandes wegen für berechtigt fühlte, aus dem uns allen entweder Heil oder Verderben zuteil werden könnte. Jetzt aber nach dieser deiner letzten Berichtigung stehen die Aktien bei weitem besser, und wir alle sehen nun die Notwendigkeit dessen recht wohl ein, was du über die gute Geduld, und über den gewissen Austausch des menschlichen Willens geredet hast; ja, ja, auf diese Art kann es auch gehen, wenn auch mit manchen Schwierigkeiten. Denn ein berittenes Pferd nimmt allezeit schwerer eine andere Dressur an als ein Remont (Nachwuchspferd), aber das tut nichts zur Sache, wo im Hintergrunde die Jungfrau Geduld am rechten Flecke weilt.«

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