Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Jakob Lorber >

Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 112
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
Schließen

Navigation:

Kapitel 111

»Schaffe den kleinen Richter aus dir.« Missionswinke für den Himmel

Am 15. August 1849

1 Bruno solches vernehmend begibt sich sogleich zu Mir her, nun schon mit einer weißen Faltentoga angetan, die mit roten Streifen verbrämt ist, und sagt: »Herr! ich armer Sünder danke Dir für diese große unschätzbare Gnade, deren Du mich nun allerunverdientester Maßen gewürdigt hast. Ich bin nun für meinen Teil glücklich, überglücklich; nur ein bißchen Hunger verspüre ich noch, und eben so auch etwas weniges von einem Durste; aber das macht nichts, denn die Seligkeit, die nun vor Dir und von Dir ausgehend mein ganzes Wesen durchströmt, macht mir weder Hunger noch Durst empfinden. Kurz – ich bin nun selig, und mein Herz fühlt zum ersten Male eine wahre, reine himmlische Liebe zu Dir, o Herr! und so auch zu allen diesen meinen armen Brüdern und Schwestern. O, das ist eine Liebe, von der den schwachen Sterblichen wohl äußerst selten etwas in den Sinn kommen dürfte. Denn selbst die besten Menschen auf der Erde lieben sich selbst um reine tausend Male mehr als ihre allerinnigsten besten Freunde; um wie viel weniger werden sie dann erst ihre Feinde lieben!? Also lieben die Männer die Mägde auch nur des Genusses wegen, also nur sich selbst in den Mägden; aber die Mägde um ihrer selbst willen lieben sie nimmer. Denn liebeten sie dieselben rein, da würden sie mit ihnen nicht Dinge begehen wollen, durch die sie den armen Mägden allezeit schaden müssen; sie wollen die Armen wohl genießen, aber von einer Dir wohlgefälligen und liebgerechten Versorgung wollen sie sogar dann nichts wissen, wenn sie selbe auch bestens zu leisten imstande wären. Die Männer halten große Stücke auf ihre Ehre; aber so sie die armen schwachen Mägde mit allem Spotte und aller Schande versehen (haben) durch ihre Geilheit, das macht ihnen nichts, wenn nur sie bei Nacht und Nebel mit ihrer Ehre davon kommen. Wie sah ich in Wien tausend geile Böcke in der Nacht Gassen auf und Gassen ab rennen, um irgend eine arme verführte feile Dirne für ihren sinnlichsten Genuß auf einige Minuten zu gewinnen! Haben sie den erbärmlichen Zweck ihrer nächtlichen Herumrennerei erreicht, und ihre scheußliche Lust befriedigt, so gaben sie dann der armen nahe zu Tode geschändeten Maid einige elende Groschen; und bat sie um noch ein paar Groschen mehr, so wurde sie mit den schmählichsten Worten, – mitunter auch Schlägen traktiert, und zu allen Teufeln verwünscht. Und das heißt auf der Welt nun auch Liebe !!! O du verfluchte Liebe! – Herr, habe Erbarmen mit den Mägden, die durch der Männer schändlichste und gewissenloseste Geilheit zu Huren gemacht worden sind; aber den Männern gebe für solche Verdienste auch den bestverdienten Lohn in der Hölle bei allen Teufeln.

2 Denn so mächtig mein Herz nun von der reinen himmlischen Liebe auch erfüllet ist, und wie sehr ich auch allen armen Sündern und Sünderinnen die vollste Vergebung ihrer Sünden von ganzer Seele wünsche, und für sie auch alles zu tun bereit bin; so fühle ich aber dennoch gegen solche gewissenloseste Geilböcke nicht die geringste Erbarmung, und hätte eine wahre Freude daran, sie so lange in der Hölle brennen zu sehen, bis sie ihre Geilheit bis zum letzten Tropfen würden abgebüßet haben. Ich wünsche wohl niemandem etwas Böses; nein! das wünsche ich nicht; aber den Bösen wünsche ich auch so lange nichts Gutes, als bis sie desselben durch eine wahre und vollkommene Buße sich als würdig erwiesen haben. Wohl wird es auch unter diesen von mir hierhergebrachten Fischen einige faule Nattern und Schlangen geben, die sich auf der Welt mit der raffiniertesten Geilerei sehr abgegeben haben; aber für sie bitte ich Dich dennoch um Gnade und Erbarmen; denn es sind darunter meistens solche, die auch nicht wußten, was sie taten. Aber es gibt andernorts viele, die gar wohl wissen, was sie so ganz eigentlich tun, für diese Lumpen bitte ich nicht, die sollen alle Schärfe Deines Gerichtes verkosten!«

3 Rede Ich: »Mein lieber Bruno! du verspürest noch einen Hunger und einen Durst! – Weißt du aber auch, woher das kommt? – Siehe, das kommt daher, weil in deinem Herzen noch ein kleiner Richter sitzt! – Dieser Richter ist an und für sich zwar sehr billig und gerecht, aber das ist dennoch nicht in Meiner Ordnung.

4 Willst du aber ganz nach Meiner Ordnung sein, da mußt du auch diesen Richter aus deinem Herzen schaffen, und du wirst darauf ewig keinen Hunger und keinen Durst mehr empfinden, denn sieh! – Ich ganz allein bin ein Richter, gut und gerecht, in aller Fülle Meiner Macht und Kraft! und dennoch richte Ich Selbst niemanden; sondern ein jeder richtet sich nach seiner Liebe; ist diese rein und gut, so wird auch sein Gericht über ihn selbst gut und rein sein; ist aber seine Liebe unlauter und schlecht, so wird desgleichen auch sein Gericht. So Ich aber aus Meiner Macht und Kraft schon niemanden richte, um wie viel weniger darfst dann du erst jemanden richten.

5 Wie die Welt, und wie die Wiener beschaffen sind, und welch ein Geist sie belebt, das weiß Ich am allerbesten. Sie haben sich gebettet ohne Meiner; daher aber ruhen sie nun auch so, wie sie sich gebettet haben für Zeit und Ewigkeit. Sie übten allerlei Blutschande aus; daher ruhen sie nun auch auf blutigen Lagern. Wohl schreit dieses Blut vielfach um Rache zu Mir. Aber Ich will es dennoch nicht rächen, sondern lasse es ganz einfach nur zu, daß sich die Blutschänder aller Art unter einander wie die Tiger zerfleischen und sich unter einander geben den Lohn, den sie sich gegenseitig verdient haben; und das ist die Hölle im Vollmaße; und eine andere Hölle gibt es nirgends, als eben diese nur, die aus der Selbstsucht im Herzen des Menschen von selbst sich gestaltet und aufbauet.

6 Wer sich selbst nicht verdammet, den verdammen auch wir nicht; – wer sich aber aus der argen Liebe seines Herzens selbst verdammet, der solle auch verdammet sein! Kurz und gut, einem jeden werde, was er selbst will, und so ihm das wird, was er will, unbeschadet für alle anderen, die etwas anderes wollen, so ist das wohl das höchste und vollendetste Recht, das je jemanden zuteil werden kann. Es solle wohl von unserer Seite nie ermangeln, allen nach ihrer Fassungskraft den rechten Weg zu zeigen, und sie durch eine rechte Belehrung hinzulenken; wollen sie denselben wandeln, so wird es für sie wohl und gut sein; wollen sie aber das durchaus nicht, no – so werde ihnen darob von uns aus keine Strafe zuteil, sondern bloß das nur, was sie selbst wollen; und sie haben dadurch des Gerichtes und der Strafe in Überfülle! Wollen sie sich aber mit der Zeit, durch ihre Leiden genötigt, wieder auf den guten Weg begeben, so sollen ihnen ewig nie hemmende Schranken in den Weg geleget werden.

7 Siehe, das ist die wahre himmlische Ordnung der reinsten Liebe Meines Herzens; diese Ordnung muß auch ganz die deines Herzens werden, so wirst du so vollkommen sein, wie Ich Selbst, und wirst nimmer irgend eine drückende Leere in deinen Eingeweiden verspüren. Auf diese Weise nun gesättigt und durch und durch erleuchtet, wird es dir ein Leichtes sein, allen diesen von dir Hierhergebrachten aus deiner eigenen Überfülle überall zu helfen, wo sie nur immer irgend einer Hilfe befürfen. Du wirst sie sättigen und ihnen den Durst stillen; die Nackten wirst du bekleiden, die Gefangenen frei machen, die Traurigen wirst du trösten, und die Elenden heilen; und den Blinden wirst du selbst also am ehesten die Augen öffnen; und den Tauben hören machen das Wort des Lebens. So nun ausgerüstet und vollends gesättigt wende dich nun wieder zu deinen Fischlein, und öffne ihnen die Augen und Ohren ihres Herzens für ewig!«

 << Kapitel 111  Kapitel 113 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.