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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 110
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 109

Eine gute Eintrachtsrede der Einfältigen, die von der Finsternis nach dem Lichte sich sehnen, Friedenslüfte wehen. Die große Karawane vor dem Herrn noch blind und warum? Erklärung Brunos aus seinen Lebenserfahrungen. Es beginnt zu dämmern

Am 10. August 1849

1 Sagen darauf die ehemaligen Groller: »O unsertwegen habt ihr euch gar nicht zu genieren; hier in dieser Welt hat ja ohnehin jeder Standesunterschied vollends aufgehört, und Platz werden wir im unendlichen Raume hoffentlich auch haben. Und so könnet ihr, ohne darum eigene Worte zu machen, mit uns ganz unbeirrt und ungeniert dorthin ziehen, wohin uns der Freund Bruno führen will!« –

2 Sagt darauf einer aus dem großen Hintergrundshaufen: »So ist's recht, so ein Wort lassen wir uns gefallen! Vor Gott ist alles gleich, Fürst und Bettler, Wolf und Lamm; aber der Fürst darf nicht über den Bettler hinweg blicken, und der Wolf darf nimmer nach dem Blute des Lammes gieren. Sind wir unter uns quitt, so werden wir es auch vor Gott und mit Gott sein. Denn Seinetwegen hat Er uns keine Gesetze gegeben, wohl aber unser selbst wegen; tragen wir aber auf unsern gegenseitigen Schuldtafeln keine gegenseitig obligaten Noten, so werden wir sicher auch im großen Buche des Lebens im großen Ordnungsbüro Gottes keine finden. Sollt ihr irgend gegen uns was haben, so löschet es für ewig von der Schuldtafel, gleichwie wir alles vollends gelöscht haben, was immer wir auf unsern Vormerktafeln gefunden haben!« –

3 Spricht der eine Redner des Vordergrundes: »Schön, sehr schön von euch! Was ihr tatet, das taten auch wir; und somit sind wir nun Freunde und Brüder und Schwestern! Aber nun winkt uns der Freund Bruno, ihm zu folgen, und so wollen wir diese unsere private Unterredungen aufheben, und ganz stumm dem Freunde Bruno folgen.« –

4 Auf diese Worte erheben sich alle, und folgen dem Bruno geradewegs dahin, wohin er ganz heitern Mutes voranzieht.

5 In wenigen Augenblicken mit der ganzen großen Karawane bei Mir angelangt sagt Bruno: »Herr! da wären sie alle, die jenes trübe Gemach gefangen hielt; ich habe schlechtweg meinen Auftrag erfüllet; nun geschehe, o Herr, mit ihnen ohne mich, Dein heiliger und ewig bester Wille! Blind sind sie alle; gebe ihnen daher das Licht, daß sie Dich sehen mögen, wie ich Dich nun sehe, in aller Deiner Milde und Vaterliebe!«

6 Sagt einer aus der Gesellschaft: »Freund Bruno! sind wir denn schon am Ziele unserer kurzen Wanderschaft? Und mit Wem hast denn du nun so in die Geisterluft hineingeredet?« – Spricht Bruno: »Wir sind nun vollkommen am Ziele, und Der, zu Dem ich nun geredet habe, ist der Herr, Gott Jehova, Jesus Zebaoth. Bittet Ihn um Licht, wie ich Ihn schon gebeten habe, so wird euch dann auch sogleich Licht werden; und ihr werdet Ihn dann eben so sehen können, wie ich Ihn nun sehe!«

7 Spricht ein anderer aus der Gesellschaft: »Sage uns doch, ob wir uns nicht in dem großen Saale befinden, da wir früher waren, und nachher aber wegen unserer Arroganz und Impertinenz in jenes finstere Loch getrieben worden sind, und zwar von dem nie zu höflich gewesenen Sachsen Robert Blum, so wir uns nicht irren?«

8 Spricht Bruno: »Ja im selben Saale befindet ihr euch! und der Bruder Robert ist nicht ferne von euch.« – Spricht der Redner: »Da war ja auch, wie wir uns so ganz leise erinnern, der Herr Jesus, an den wir aber damals nicht glaubten, zugegen, und hatte viel zu tun mit der kuckuckscheckichten Lerchenfelder Leanerl. Damals sahen wir Ihn und die Leanerl auch; warum können wir Ihn denn jetzt nicht sehen, wie auch die Leanerl nicht?« –

9 Spricht Bruno: »Der Grund liegt ganz einfach darinnen, daß ihr zu grob sinnlich geworden seid; aus solcher groben Sinnlichkeit aber läßt sich durchaus nichts Geistiges schauen, wahrnehmen und begreifen, wie ich solches aus der eigenen Erfahrung weiß, sowohl aus der Periode meines irdischen, wie nun aus den verschiedenen Zuständen dieses meines geistigen Lebens.

10 Als ich auf der Erde noch als ein recht zarter und gottesfürchtiger Knabe mich im Hause meiner recht frommen Eltern aufhielt, da hatte ich allerlei recht herrliche Gesichte; ja es war mir manchmal, so ich mein Morgengebet oder Abendgebet verrichtete, als umschwebten mich Engelsgestalten, die mich stärkten, und in meiner Brust so sehr ein himmliches Gefühl erweckten, daß es mir dabei gar nicht selten also vorkam, als befände ich mich schon wirklich in irgend einem Eden Gottes. Also hatte ich auch in dieser meiner irdisch frommen Lebensperiode oft so wunderbar herrliche und nicht selten sehr bedeutungsreiche Träume, daß sich dieselben mein irdischer Vater nach meiner Erzählung nahe allzeit von Wort zu Wort in ein ganz eigenes Protokoll aufzeichnete, und daraus so manche moralische Deduktionen (Ableitungen) machte, ja manchmal sogar daraus kommende Ereignisse für den Kreis unserer ziemlich starken Verwandtschaft weissagte. Als ich aber nachher als ein erwachsener Jüngling aus dem väterlichen Hause kam, und stets mehr und mehr Geschmack an der Welt fand, da war es dann mit meinen himmlischen Gesichten auch bald gar; meine lustigen Freunde disputierten mir alles bei Butzen und Stängel weg, und machten mir meine Jugend lächerlich und fad, so daß ich mich am Ende derselben förmlich zu schämen anfing; und so ging ich mit Riesenschritten in die lustige Welt über, ward am Ende ganz grob materiell sinnlich, und hatte von allen meinen herrlichen Knabengesichten kaum noch eine Erinnerung. Erst in meiner letzten Zeit bekam ich manchmal gewisse Mahnungen, die ich aber leider auch nicht eher würdigte, als bis es wahrhaftigst zu spät war. Nun erst sehe ich alles ein, wie alle diese Geschichten an mir sich bestätigt haben und warum? Aber hier läßt sich daraus freilich sehr wenig oder auch wohl gar nichts mehr machen; denn hier kommt es nun bloß darauf an, welche Beschaffenheit das arme Herz der Seele anzunehmen noch irgend eine schwache Fähigkeit besitzt. Ist dasselbe noch einer reineren Erkenntnis und eines besseren Willens fähig, so ist es wohl gut für uns; ist aber das Herz ein Luder, wie man zu sagen pflegt, so ist alles dann ein Luder. Aus dieser meiner getreuesten Beschreibung meines eigenen miserablen Lebens, wie es sich entwickelte und gestaltete, könnet ihr alle nun überdeutlich entnehmen, woher es so ganz eigentlich kommt, daß ihr hier in geistlicher Hinsicht vollends blind noch seid; wendet euch aber nun vollernstlich an den Herrn Jesus in euren Herzen, und bittet Ihn allein um das rechte Licht, und es wird, und es muß euch Licht werden!«

11 Die ganze große Gesellschaft fängt nun sehr darüber nachzudenken an, und viele fangen an, ihre Hände an ihre Brust und an ihr Herz zu legen. –

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