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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 11
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 10

Seine Gedanken kreisen um das Leben und Wirken von Jesus sowie von der Ähnlichkeit seines Schicksal mit Schicksal von Jesus. Phanthasien über den Bildungsgang von Jesus. Ein Blitz gibt ihm neuen Mut; er sieht heller. Er beginnt an Gott zu glauben. Der Zug zu Jesus wächst

1 Robert Blum: »Dieser weiseste Lehrer der Völker ward gleich mir aus dem Schoße dürftiger Eltern zur Welt geboren, und mußte sich höchst wahrscheinlich nur sehr mühsam und unter allen möglichen Entbehrungen auf den Standpunkt der höchsten moralischen Weisheitshöhe gehoben haben, wonebst er auch noch neben der überverschrobenen jüdischen Pristerschaft gar manche Verfolgungen durch sein ganzes Leben sich hat müssen gefallen lassen! O – es mußte für ihn ganz enorm schwer gewesen sein, sich unter den hartnäckigsten Mosaiten und Aroniten, in deren Kopfe und Herzen eine überstygische Nacht zu Hause sein mußte, zu solcher Weisheit emporzuschwingen!?

2 Wahrscheilich ist er einmal als ein armer Teufel entweder mit seinen ebenso armen Eltern, die im Vaterlande kein Eigentum und sicher auch wenig Arbeit und Verdienst hatten oder mit einer anderen Karawane nach Ägypten gekommen, und hat dort durch seine großen angeborenen Talente die Aufmerksamkeit irgend eines großen Weisen auf sich gezogen, der ihn dann in seine Schule nahm, und ihn in alle Geheimnisse der tiefsten Weisheit einweihte? Aus deren Besitze und aus deren weiser Anwendung er dann bei seinen allerdümmsten Landsleuten die größte Sensation erregen mußte; oder er kam in die Schule der Essäer? Die damals die Quintessenz aller Weisheit besaßen, die nur irgendwo auf der damals bekannten Erde zu Hause war! – Wodurch er dann aber natürlich auch vor den blinden Juden nahe als ein Gott dastehen mußte, der armen Menschheit zum größten Troste, wenn schon der überreichen und hochmütigsten Pristerschaft zum größten Ärger! –

3 O! es lacht mir noch jetzt das Herz, wenn ich daran denke, wie er bei den verschiedensten Anlässen die gesamte hohe – Pristerschaft doch manchmal auf eine Art hingestellt hat, daß sie darob nicht selten vor Ärger hätte zerbersten mögen! Leider ward er am Ende ein Opfer seines zu großen Mutes, und der zu tückischen Niederträchtigkeit der mit Silber, Gold und Edelsteinen verbrämten Tempelbestien.

4 Aber – erging es mir etwa besser?! – o nein! – auch ich bin ein Märtyrer für meine edelsten Bestrebungen geworden; ich wollte die Menschheit von den alten Sklavenketten befreien, und mein Lohn dafür war – der schnödeste Tod in der schönen – Brigittenau! Es ist wahrlich rein des Teufels um die gesamte Menschheit; ihre größten Freunde tötet sie, und ihren niedrigsten abgefeimtesten Feinden bringt sie Vivats und Triumphzüge unter Musiklobgesang und Fackelglanz!

5 Aber es sei nun, wie es ist, ich bin nun von allem erlöset, und zwar mit dem aus aller Weltgeschichte überzeugenden Bewußtsein, daß es allen großen Völkerwohltätern nicht um ein Haar besser gegangen ist, als mir, der ich trotz meines guten Willens doch noch lange kein Jesus bin!«

6 Bei der Nennung dieses Namens fährt schon wieder ein mächtigster Blitz, und zwar diesmal sehr nahe am Robert vorüber, und hinterläßt diesmal schon eine Art Abenddämmerung, so daß unser Mann nun seine ganze Form recht gut ausnehmen kann, wie auch gegen Abend hin etwas von einer dunstigen Gegend, ohne dabei seinen freiesten Zustand in der Luft als freischwebend zu verlassen.

7 Obschon ihn aber der Blitz auch diesmal sehr überrascht, so erschreckt Robert Blum sich davor aber nicht mehr, sondern fängt sogleich mit bedeutender Ruhe darüber nachzudenken an, und spricht sogleich bei sich selbst: »Wahrlich, im höchsten Grade merkwürdig! – Nun fuhr der Blitz mir ja sozusagen durch den Leib, und ich empfand dabei nichts als zum ersten Male ein ganz überaus wohltuendes Lüfterl, und fühle mich nun darauf ganz außergewöhnlich gestärkt; und da dieser Blitz einen noch stärkeren Lichtschimmer zurückließ als der frühere, so tut das meinem Herzen und meinen Augen um so mehr wohl, wie auch, daß ich darf, sicher gegen Abend, wie es mir vorkommt, eine Art sehr dunstiger Gegend erschauen, was mich um so mehr überzeugt, daß ich vollernstlich in der freiesten Luft schwebe! Auch kann ich nun meine Füße, Hände, und siehe da, auch meine Kleidung, wie ich sie am Richtplatze anhatte, vollkommen gut ausnehmen!

8 O – wer auf der Erde würde nicht über Hals und Kopf zu lachen anfangen, so man ihm sagte, daß nach dem Abfalle des Leibes nicht nur die Seele unter der früheren irdischen Menschengestalt, sondern auch im vollsten Ernste des Leibes Kleidung unsterblich ist!?

9 Der große Shakespeare hatte wahrlich recht, da er sagte: Zwischen dem Monde und der Sonne geschehen Dinge, von denen sich die menschliche Weisheit noch nie hatte etwas träumen lassen, – und o Shakespeare, zu diesen Dingen gehört die Unsterblichkeit irdischer Leibesbekleidungen! – Und – da scheint eine ganz sonderbare Fügung dabei obzuwalten; – gerade mein Siegeskleid, das Kleid der höchsten Schande in den Augen meiner Feinde, ist mit mir erhöhet zur höchsten Freiheit! – Ja – das kann nur ein liebevollster und gerechtester Gott also fügen! – Nun glaube ich aber auch, zur Beschämung Hegels und Straußs, daß es einen wahrhaftigen Gott gibt, der es ewig nicht nötig hat, erst bei Hegel und Strauß anzufragen, ob Er da sein darf und kann, auch ohne Hegel und Strauß!?

10 Etwas sonderbar aber kommt es mir doch vor, daß es, so oft ich den Namen des großen Morgenländers nannte, (es) auch eben so oft geblitzet hat! – Sollte etwa auch an seiner mehr als menschlischen Gottessohnschaft doch im Ernste etwas daran sein?

11 Wenn Röcke sogar unsterblich sind! da kann es mit Jesus – aha, aha, hat richtig wieder geblitzt, und das stärker nun als die früheren Male; sonderbar! Sonderbar!« – –

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