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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 109
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 108

Der Liebekämpfer Bruno von Feinden umringt. Börsianer im Jenseits. Die Liebe Christi überwindet alles, auch »Neukatholiken« mit Geduld. Der große Seelenfischfang

1 Als er aber in das Gemach seiner Feinde eingehen will, da stellen sich sogleich mehrere vor die Türe und sagen mit zornerregter Stimme: »Zurück, Elender! was haben wir hier mit dir zu tun!? Warst uns doch stets widerwärtiger als der Tod, und ein Gegenstand unseres Hasses und unserer tiefsten Verachtung; was sollen wir denn nun mit dir hier in der Hölle? – Zu allen Teufeln mit dir, du elendste Menschenbestie!«

2 Spricht ganz beherzt Bruno: »Liebe Freunde! was wohl habe ich euch denn je getan, darum ihr zu mir gar so entsetzlich gehässig seid?! Ich will ja alles tun, was ihr nur immer von mir verlanget nach Recht und Billigkeit, damit ihr mir nur wieder gut werden möchtet?!« –

3 Schreien die in der Tür stehenden: »Du elende Menschenbestie kannst nichts tun, um uns eine bessere Meinung von dir anzubinden, und wir brauchen auch nichts von dir, außer – daß du uns verlässest! Denn deine Gestalt widert uns mehr als die unterste Hölle an; – ein Teufel ist ein Gott gegen dir! Und so weiche gutwillig von uns, sonst zerreißen wir dich in Stücke!«

4 Spricht Bruno: »Wenn euch das mit mir aussöhnen kann, so lasse ich mich gerne kreuzigen von euch! Aber nur versprechen müßt ihr mir, daß ihr dann keinen Groll mehr auf mich habt!« –

5 Sprechen die Wüteriche: »Glaubst du denn, daß uns das zur Ehre gereichen würde, so wir unsere Ehrenhände an den Leib eines Schandbuben legeten?! Wir – und dich kreuzigen, das wäre doch eine barste Schande für uns! Höchstens dich niederschlagen wie einen allerschäbigsten Hund, und das nur so im Vorbeigehen, das könnten wir dir anstandshalber aus ganz besonderen menschlichen Rücksichten tun, wenn wir gerade gut gelaunt wären! Aber mit dir uns eine größere und mehr Aufsehen erregende Mühe zu nehmen wäre wahrlich unehrsam, kleinlich und lächerlich von uns! Fahre daher ab, und ärgere uns nicht länger durch deine scheußliche Gegenwart!«

6 Spricht Bruno: »Aber schätzbarste Freunde! ich muß es euch nun offen gestehen, daß es mir leider nur zu bekannt ist, daß ihr mich auf der Welt allezeit gehaßt und wie und wo nur immer möglich verfolget habt; wie sehr ich aber auch immer mich bemühet habe, davon auf den Grund zu kommen, so war es aber dennoch allezeit vergeblich! Ihr verfolgtet mich bloß nur, weil ich euch nicht zu Gesichte stand. – Hier auf dieser Welt aber haben wir doch alle unsere Gesichter sehr stark verändert. Ich denke nun ganz anders, als wie ich je auf der Erde gedacht habe, und bin auch ein ganz anderer Mensch geworden; dasselbe dürfte denn doch auch mit euch der Fall sein?!

7 Saget mir doch, was ich denn auf der Welt doch gegen euch verbrochen habe? – Ich bin jetzt wahrlich in der Lage, euch allen das tausendfach zu ersetzen, was immer ich euch irgend – wenn schon mir unbewußt – schulde; nur vergebet es mir, und werdet freundlicher gegen mich, als ihr es bis jetzt waret! – Welches Vergnügen kann es euch wohl gewähren, so ihr mich als einen armen Teufel hasset?! Ich prätendiere (fordere) keineswegs eure Freundschaft; denn das wäre von euch als meinen erklärten Feinden gegenüber wohl zu viel verlangt! Aber darum darf ich euch ja dennoch bitten, daß ihr von eurer deklarierten Feindschaft gegen mich abstehet, und das um so leichter, indem ihr mich ohnehin für zu gering haltet, daß ich von euch würdiger Maßen könnte gekreuziget werden?!« –

8 Sprechen die Wüteriche: »Was nützt da dein Reden und dummes Protzmaulen! Du bist einmal ein Scheißkerl, und bleibst das auch in alle Ewigkeit! Ins Gesicht tust du, als wärest du der rarste und biederste Mensch; hintendrein aber bist du dann ein Luder aller Luder, und ist dir niemals zu trauen! Weißt du, wie du mit uns auf der Börse gehandelt hast?! Du sahst nichts als ein fortwährendes Sinken, schrecktest uns die Aktien heraus, und kauftest sie dann selbst! O Lump! stelle dich nur nicht so unschuldig, wir kennen dich! Fallen etwa auch hier die Kurse, weil du nun gar so sehr unsere Freundschaft suchst?!«

9 Spricht Bruno: »Ach! da steckt es also?! O Freunde! wenn euer Groll auf mich von da herrührt, da hoffe ich, daß wir mit einander ehestens die besten Freunde werden; denn da kann ich euch im voraus die treueste und wahrste Versicherung geben, daß ihr mit eurem Hasse gegen mich rein auf dem allerchinesischesten Holzwege seid! Sehet! für's erste konnte ich doch eben so wenig wie ihr im voraus bestimmen, ob die Kurse steigen oder fallen werden, und für's zweite könnet ihr mir ewig nicht beweisen, ob ich eben diejenigen Aktien aufkaufte, die ihr mit Verlust an die Bank zurück verkauftet, ich kaufte, weil ich Geld hatte, und ihr verkauftet, weil euch's Geld ausgegangen ist! Ich habe euch doch bei Gott nicht und nie gefragt, wie es mit dem Kurse stünde; aber ihr umlagertet mich auf der Börse nahe an einem jeden Tage, und fielet mir mit euren stets gleichen Fragen oft zum Ekel lästig! Was habe ich davon denn wohl für Vorteile haben oder ziehen können? – O sehet, wie seicht euer Groll auf mich basiert ist? Habe ich euch doch nie weder zum Kaufe, und eben so wenig zum Verkaufe genötigt; daß ich euch aber allezeit, so viel es auf einer Börse nur möglich ist, immer die Wahrheit über den besonders in Kriegszeiten sehr schwankenden Kursstand benachrichtigte, so ihr mich darum fragtet, das habt ihr ja selbst bei dem täglich neuen Kursausrufe auf das eklatanteste (offenkundigste) ersehen können! Wer aber müßigte euch, eure Papiere beim niedersten Kursstande zu verkaufen, und beim höheren zu kaufen?! Ich sicher nicht, und tausend andere auch nicht! Ihr waret selbst so töricht, und kamet dadurch unter die Scheibe! Aber euch selbst wolltet ihr solche Dummheit nicht zumuten, weil ihr euch für zu spekulationsweise hieltet. Habt ihr aber dann an euch selbst eine derbste Spekulationssünde begangen, so wälztet ihr dann die Schuld auf den nächsten Besten, der in seiner Spekulation irgend klüger war, als ihr! Fraget euch aber nun in dieser Geisterwelt doch einmal ganz ernst, ob solch euer Haß – besonders gegen mich – doch nur wenigstens einen Scheingrund für sich hat? Lasset euch doch nicht auslachen! Was konnten mich eure, und euch meine Papiere genieren? Ich kaufte, ihr auch, so es euch rätlich dünkte; oder ihr verkauftet, und ich kaufte! Das ist doch etwas ganz Natürliches! Woher dann euer Groll auf mich?! Falsche Gerüchte aber habe ich nie ausgestreut, und mich auch nie einer Illusions-Laterne bedient!«

10 »Gut!« sagt einer aus der Haßgesellschaft, »du hast richtig also gehandelt, wie du es nun vor uns allen durchs Wort wiedergegeben hast; aber das kann unsern Groll, Grimm und Haß gegen dich nicht vermindern, weil du auf der Welt, was wir alle erst hier so recht radikal einsehen, stets anders dachtest, als wie der Sinn deiner süßen Worte lautete; sagtest du schwarz, so war es sicher weiß; und sagtest du weiß, da war es schon ganz sicher schwarz. Hättest du in der Börsenspekulationssache durchaus keine Vorsichtskenntnisse, so hättest du doch unmöglich, und das aber allezeit, so sicher, wie nur etwas sicher sein kann, schwarz für weiß, und so auch umgekehrt prognostizieren (voraussagen) können. Siehe, wir alle fragten dich nicht, um von dir von der Stirne weg die Wahrheit zu erfahren, sondern gerade das Gegenteil; und das Gegenteil war dann die volle Wahrheit. Aber das merkte dein tückevollster Scharfsinn doch nicht, daß wir deine Aussagen verkehrt benützten, und dadurch sicher zu deinem geheimen großen Ärger einen 50 pfündigen Huchen (Lachsfisch der Donau) aus dem Strome der Papierspekulation zogen. Daß es uns gerade nicht allezeit glückte, das bringt des Spieles Laune mit sich; aber hätten wir allezeit nach deiner Aussage gehandelt, da hätten wir sicher in kürzester Frist alles verludert, was wir hatten! Sieh', also steht es, und von daher datiert sich auch unser gerechter Haß gegen dich! – Erweise uns aber das Gegenteil, so wollen wir dich sogar um Vergebung bitten, und deine besten Freunde sein.«

11 Spricht Bruno: »Gut, ich nehme euch beim Worte. Beantwortet mir aber zum voraus einige Fragen. Frage Nr.1: War ich auf der Börse mehr als ihr, etwa so ein Direktor, Buchhalter, Kassierer oder Sekretär, oder ein Rechtskonsulent, oder sonst was dergleichen?« – Sagen die Grolligen: »Nein, du warst wie wir bloß ein Interessent!«

12 Spricht Bruno: »Gut, Frage Nr.2: Wer auf der Börse ist denn so ganz eigentlich in alle die finanziellen Geheimnisse eingeweiht?« Antwort: »Die Bank- und Börsenamtsleute.« – »Gut; Frage Nr.3: Werden die vielen Bank- und Börseninteressenten von den unterrichteten Amtsleitern wohl allezeit mit der Wahrheit abgefertigt?« Antwort: »Nein, wenn es etwas schief gehet, so erfährt man schon gar nie die Wahrheit.« – »Gut; Frage Nr.4: So aber bei solchen zweifelhaften Gelegenheiten schon niemand aus der Interessentenmitte zur Wahrheit gelangen kann, wie und wodurch hätte denn da ich zur Wahrheit gelangen sollen?« Antwort: »O gar leicht! auf dem Wege der Bestechung kann ein Lump hinter so manches kommen, was einem ehrlichen Kerl verborgen bleibt!« – »Gut! Ex cantu cognoscitur avis! Aus dem Gesange erkennt man den Vogel; oder wie der Schelm so der Helm. Bringet mir alle Bank- und Börsenbeamten her und sie sollen reden, ob ich je aber auch nur den Geringsten mit einem Heller wegen Verrat eines Bankgeheimnisses bestochen habe? Aber von euch wohl sprach die sogenannte böse Welt, daß ihr bei einer sehr kritischen Gelegenheit einem Eingeweihten einen heimlichen, 1.000 Dukaten schweren Rippenstoß sollet versetzt haben, auf daß er euch eine kleine Vorenthüllung gäbe, wie die Sachen sich gestalten dürften, worauf ihr dann aber auch schon am nächsten Tage eure fast sämtlichen Papiere mit einem bedeutenden Verluste gegen klingende Münzen umtauschtet, und mit denselben dann im Ausland einen geheimen Handel unternommen habt, und dadurch zum zweiten Male eingegangen seid. Saget, habe da auch ich durch mein Schwarz für Weiß euch dazu bewogen?« –

13 Hier stutzen die Groller, und wissen nicht, was sie darauf erwidern sollen. Aber Bruno spricht weiter und sagt: »Freunde! habe ich euch etwa auch dazu den Rat erteilet, daß ihr in Gesellschaft 30.000 Floren c.m. in Zwanzigern in einem Keller habt einmauern lassen? Als aber dann in Wien das liebe Standrecht publiziert worden ist, und die strengen Hausuntersuchungen angeordnet wurden, und im verhängnisvollen Keller die guten Kroati die hohlklingende Mauerstelle aufbrachen, um etwa verborgene Waffen zu entdecken, aber statt den Waffen den für sie noch erfreulicheren Fund von baren 30.000 fl.c.m. fanden, und ihn bis auf den letzten Groschen in den sicheren Empfang nahmen? Ich meine, dazu hat wohl mein Schwarz für Weiß keinen Beitrag gemacht. Ihr waret, kurz gesagt, allezeit selbst Schuld an euren Verlusten; ihr haltet euch aber noch immer für kluge Spekulanten, und meinet im höchsten Grade irrig: Ich sei in eure Spekulationsgeheimnisse eingeweiht gewesen, und habe an euch einen Verräter gemacht? Wie aber wäre so was doch möglich, da ich außer auf der Börse euch wohl nie mit meiner Gegenwart belästiget habe, wie auch auf der Börse nie, außer ihr fielet wie ein Schwarm Moskitos über mich her?! Ich trage an allem eurem Unglücke nicht die geringste Schuld, dessen könnet ihr vollends versichert sein; Gott ist mein Zeuge. Meinet ihr aber noch, daß ich euch unglücklich gemacht habe, so beweiset es mir vor Gott! und ich will alles tun, um meine Schuld an euch 100-fach abzubüßen. Redet nun, wie euch diese Sache vorkommt.« –

14 Sagt darauf einer nach einem etwas längeren Nachdenken: »Die Sache verhält sich allerdings also, wie du sie nun uns allen dargetan hast; aber so du daran denn schon durchaus nicht beteiligt gewesen sein solltest, da begreifen wir aber dennoch nicht, wie du zu dieser genauen Kunde und Evidenz (völlige Klarheit) unserer Verhältnisse gekommen bist! Hättest du an unseren höchst mißlichen Lebensverhältnissen durchaus keinen interessierten Anteil, wie wohl könnten sie dir dergestalt bekannt sein, als hättest du sie selbst angeordnet und geleitet? Es werden in Wien wohl noch eine Menge solch höchst unangenehmer Vorkommnisse stattgefunden haben, wie da die unsrigen waren, sage, sind sie dir ebenso bekannt, wie die unsrigen?« –

15 Spricht Bruno: »Alle sicher nicht, aber gar viele gewiß, ohne daß ich an ihnen eben mehr oder weniger einen Teil hatte, als an den eurigen. Wußtest ihr doch auch allezeit, wer vom Gerichte eingezogen wurde, und warum? Ohne darum irgend elende Denunzianten an den Gerichtsbeteiligten zu sein; warum solle dann ich es nicht auch in eine Erfahrung gebracht haben können, wie es euch ergangen ist in der Zeit der großen Trübsal, da ihr mir von der Börse aus nur zu wohl bekannt waret, ohne an euch einen schändlichen Denunzianten gemacht zu haben? Gebet ihr mir nun darüber eine genügende Rede und Antwort, und erweiset es mir, daß derjenige, der wie zufällig vom Unglück seiner Bekannten Kunde erhält, auch am selben darum eine Schuld haben müsse. Zeiget es mir, in welchem Gesetze das als ein kulpatives (schuldhaftes) Verbrechen aufgeführt ist?«

16 Die Groller stutzen nun, und wissen nicht, was sie tun sollen? Eine gute Rede fällt ihnen nicht ein, und mit einer seichten trauen sie sich nicht mehr aufzutreten. Ebenso steht es auch mit ihrem Zorne, Hasse und Grimme; sie möchten noch sehr gerne weiterhin nahe unversöhnlich zornig verbleiben; aber sie haben dazu bei weiserer Überlegung nun allen Grund verloren, und mit diesem verliert sich denn endlich doch auch der Zorn. So stehen sie nun ohne Grund zum Zorne, und somit ohne Zorn vor Bruno, und ärgern sich nun über sich selbst, da sie nun keinen Zorn, Haß und Groll auf den Bruno haben können.

17 Nach einer ziemlichen Weile tritt einer hervor und spricht: »Dumm, dumm, dumm ist das, ja ganz verzweifelt dumm, daß wir dir nun nichts vernünftig Geltendes mehr entgegen stellen können, und müssen daher notgedrungen von unserem Zorne gegen dich rein abstehen. Wie gerne hätten wir dich so aus dem Salze durchgeprügelt, wann wir dir nur wenigstens eine scheinbare Schuld hätten andichten können! Aber du bist ein zu gescheites Luder, daß man dir nicht an den Leib kommen kann, und so müssen wir nolens volens dir obendrauf noch sogar Freunde werden; das bringt wirklich alles Vieh auf der ganzen Erde auf einmal um. Aber was willst du denn nun ferners noch mit uns? Was sollen wir nun tun?«

18 Spricht Bruno: »Freunde! sehet ihr nicht in diesem großen Saale den großen Ratstisch, und alle, die um denselben versammelt sitzen, und einen mächtigsten Rat gleich über die ganze Unendlichkeit halten?«

19 Spricht der Redner: »Wir sehen gottlob nichts, auch keinen Saal und keinen Ratstisch; nur diese wahrhaftigste Kneipe, die voll Dunkelheit ist, sehen wir, und dich auch; ob sie aber irgend einen Ausgang hat, das sehen und wissen wir nicht. Was aber willst du mit deiner für uns wahrlich unsinnigsten Frage?«

20 Spricht Bruno: »Ich will damit nichts anderes, als euch zu dem Herrn und Heilande Jesus hinführen, damit Er euch reinige, und darauf für ewig wahrhaft glückselig mache! Aus welchem Grunde ich einzig und allein von eben diesem Herrn und Heilande Jesus an euch abgesandt wurde. Ob ihr Ihn nun sehet oder nicht sehet, so folget mir aber dennoch liebewillig dahin, wohin ich vor euch hingehen werde. Am rechten Orte und an der rechten Stelle wird euch schon ein rechtes Augenlicht werden!«

21 Spricht der Redner: »Das wird etwas hart hergehen; denn für's erste besitzt du unser Zutrauen noch lange nicht in dem Maße, daß wir dir nun gleich so blindlings folgen sollten, als wärest du uns ein schon Gott weiß wie lange und mächtig erprobter Freund gewesen, und für's zweite sind wir Neukatholiken, die wohl wissen, was sie von dem Juden Jesus zu halten haben, und sind nicht so dumm wie manche andere, die Ihn sogar zu einem Gotte gemacht haben, wie einst die Griechen ihren Herkules und noch andere Helden aus der grauen Urzeit! Daher mußt du dir zu unserem Besten schon etwas Klügeres und deshalb Annehmbareres ausdenken, so es dir ernst sein solle, uns am Gängelbande herumzuführen.«

22 Spricht Bruno: »Freunde! da könnte ich wohl eine Ewigkeit nachdenken, und mir würde dennoch nichts klügeres beifallen. Der römisch-katholische Glaube ist zwar wohl unendlich dumm, albern und seicht in gar vielen Stücken; aber der neukatholische ist es noch um ganze 1.000 Male blinder und dümmer. Leugnet er nicht das Leben der Seele nach dem Tode? und doch lebet ihr nun nach dem Tode eures Leibes fort. Dieser Umstand beweiset ja schon mehr als zur Übergenüge, welch Geisteskind der Neukatholizismus ist. Ferner leugnet er nicht nur die evidenteste Gottheit Christi, sondern à la Strauß und Hegel jede Gottheit ganz beim Butzen und Stängel weg; wer aber kann solch einer verdammlichen Lehre anhangen, besonders hier in der ewigen Geisterwelt, die hinsichtlich des Fortlebens der Seele gegen eure nun doch sicher lebendigste Überzeugung einen gar so ungeheuren Fehlschuß gemacht hat. Eine Lehre aber, die einen so ungeheuren Fehlschuß gemacht hat, wird doch in allen ihren noch handgreiflichen, aus der Moderluft der barsten Selbstsucht gegriffenen Prinzipien nicht glaubwürdiger sein, als in ihrer schnödesten Annahme der Sterblichkeit der menschlichen Seele! – Ist aber bei einer Lehre ein Hauptlehrsatz grundfalsch, so können die anderen davon mehr oder weniger abgeleiteten Sätze und Theoreme doch unmöglich anders, als ebenfalls grundfalsch sein. Werfet daher eure ganze neukatholische Lehre zum Plunder, und folget mir, wohin ich euch führen will; ich stehe euch dafür, daß es mit euch in Kürze besser gehen werde!«

23 Spricht der Redner: »Freund, du bist ein ganz verteufelt gescheiter Kerl! Man muß dir recht geben, will man es, oder will man es nicht; denn du redest wie ein gedrucktes Buch. Aufrichtig gesagt, es tut mir nun recht von Herzen leid, daß wir alle dir früher so hart und beleidigend entgegen gekommen sind. Aber ich hoffe, du wirst uns das wohl vergeben können, besonders wenn du bedenkest, wie wir zu allen unseren Zeiten mit der barsten Finsternis in allem von der Geburt an geschlagen worden sind. Bedenke, wie in Wien alles so bestellet war, Pfaff und Beamte, die arme Menschheit in des Geistes dickste Nacht zu versenken, sie einzuschläfern durch zotige Komödien, Bälle, geduldete Hurerei und der gleichen mehr. Unter solchen allen Geist tötenden Auspizien (Obhut) war es ja doch unmöglich, sich in ein reineres Wissen emporzuschwingen. Wie wir aber erzogen wurden, so sind wir noch, nämlich: blind, taub und stumm an der Seele und am Geiste, und können daher das Schwarz vom Weiß kaum unterscheiden. Habe daher Nachsicht und Geduld mit uns, und führe uns denn in Gottes Namen irgend wohin, wo wir doch etwas mehr Licht bekommen werden, als es bis jetzt der Fall war.«

24 Spricht Bruno: »Ganz wohl und gut; daß ich mit dem geduldigsten und zornlosesten Herzen zu euch hierhergekommen bin, das brauche ich euch nun hoffentlich wohl nicht mehr zu beweisen; denn mein ganzes Benehmen gegen euch ist dafür ein sprechendster Beweis. Ich habe euch alles vergeben, und bin nun wie allezeit euer Freund in aller Wahrheit; und so glaube ich denn nun auch, daß da zwischen uns nun kein Hindernis mehr obwalten dürfte, das uns beirrte, jenen Weg einzuschlagen, auf dem ganz allein es möglich ist, hier in dieser Welt sich in einen solchen Lebenszustand für ewig zu versetzen, in welchem es dem Bedürfnisse der Seele und des Geistes gemäß möglichst selig zu bestehen ist. Fasset sonach Mut und einen festen Willen, und folget mir! Alles übrige aber erwartet getrost von Dem, Der allein helfen kann (und) mir schon geholfen hat, wie vielen meinen anderen Freunden, und also auch euch sicherst helfen wird; denn nicht umsonst hat Er mich an euch abgesandt. So viel eurer auch sind, ob 100 oder 1.000, das ist gleich; folget mir alle, und es solle euch allen geholfen werden.«

25 Sprechen nun alle die vordern: »Wir, die wir uns von der Börse her kennen, sind unser etliche zwanzig; aber hinter uns gibt es dir eine nahe unzählige Menge lauter allergemeinstes Gesindel, ob diese dir auch folgen werden? Das ist eine ganz andere Frage! Möglich, aber sehr wenig wahrscheinlich, denn die sind zu tief in der Nacht zurück. Versuche es! – uns ist das ein gleiches, ob sie mitziehen oder nicht.

26 Sagen die vielen Hintergründler: »Gar so dumm, wie die Herrn da vorne meinen, sind wir nicht. Daher, nichts für ungut, ihr Herrn, da werden wir denn auch so frei sein, euch als eine wahre Tausendgesellschaft zu begleiten. Denn der euch helfen wird, der wird sicher auch uns nicht zur Türe hinausweisen. Verstehet ihr das? – Also denn auf gut Glück zur Ehre Gottes nur aufgebrochen!«

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