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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 107
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 106

Die Ansprache des Wortführers der dreißig Geretteten, des Herrn kritische Fragen, und des Brunos demütig und reumütig vertrauensvolle Antwort

1 Der Redeführer der dreißig tritt hervor, verneigt sich tiefst vor Mir, und ebenso auch vor der ganzen Tischgesellschaft, und spricht dann ganz beherzt: »Herr, Schöpfer, Erhalter und Regent der ganzen Unendlichkeit und alles dessen, was ihre ewig unbegrenzte Räumlichkeit erfüllet! Wir stehen hier als vollste Nichtigkeiten vor Dir, Der Du allein alles in allem bist, und erwarten von Dir Gnade und Barmherzigkeit, nicht aber so, als hätten wir irgend auch nur ein scheinbares Recht darauf, da wir alle größtenteils schwache, und mitunter sogar gröbliche Sünder sind; sondern dieweilen Du Gott, als die reinste und vollkommenste Liebe bist, die sich nicht für die Engel, sondern für die gefallenen Sünder hat an das Kreuz heften lassen! – Du allein bist die Stärke der Schwachen, der Heiland der Elenden, die Hilfe der Notleidenden! Du selbst offenbartest Dich als Das, und sagtest zu den Sündern: »Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken!«

2 Und so wären denn auch wir nun vor Dir vollbelastet von allen Beschwerden des Lebens, die irgend eine Hölle über uns ausgeschüttet hat; nehme sie uns ab nach Deiner Erbarmung, o Herr! Wohl können wir Dir dafür nichts bieten als höchstens 30 mit allerlei Sünden behaftete Herzen, die Dich über alles lieben möchten, so sie sich getraueten! aber ich denke nun, wie ich auf der Erde oft gedacht habe, so ich mich in schwachen Augenblicken einer üppigen Hure bedient habe: Wenn diese Hure ein Herz hätte, das für mich erglühen könnte, so müßte ich sie auch lieben trotz allen ihren Unzuchtstaten; denn die wahre Liebe sucht nur das Herz, und schauet nur aufs Herz; für alles andere ist sie blind! –

3 So wollest denn auch Du, o Herr, mit uns verfahren! – Sehe nicht auf unsere Taten, die da allesamt schlecht sind; sondern sehe auf unsere Herzen, die, wenn schon unlauter, aber dennoch nach Deinem heiligsten Vaterherzen gieren wie ein dürres Gras nach einem belebenden Tautropfen.«

4 Rede Ich: »Ja, mein lieber Bruno, es ist alles recht gut, wahr und schön, was du nun geredet hast im Namen dieser deiner Brüder und Schwestern; aber in der Schrift stehet es geschrieben, daß da Hurer und Ehebrecher in das Reich Gottes nicht eingehen werden! Ihr aber seid durch die Bank grobe Hurer und Ehebrecher, und seid dabei voll Selbstsucht gewesen. Meine Gnade aber, die ihr wollt, ist das eigentliche Gottesreich. Es fragt sich daher, wie im Einklange mit der Schrift, ihr als Hurer und Ehebrecher Meiner Gnade und Erbarmung teilhaftig zu werden gedenket!«

5 Spricht Bruno: »O Herr, so Du es gestattest, daß ein Sünder vor Dir seinen Mund öffnen darf, so wirst Du es ihm ja auch nicht verwehren, Reue zu fühlen über seine Sünden, und Dich anzuflehen um Gnade!? Siehe, Du hast ja trotz dieses schlimmen Richtertextes Deiner heiligen Schrift dem Mörder am Kreuze Dein Reich nicht verschlossen, hast die Ehebrecherin im Tempel nicht gerichtet, und die Magdalena nicht, und kehrtest in's Haus des Zachäus ein; also hast Du auch nun hier so manche schon beseligt durch Deine Gnade, die Dir doch auch nicht mehr tun konnten als wir. O so sei auch mit uns nicht härter!«

6 Rede Ich: »Ja, ja, aber alle diese waren nicht gar so grobe Sünder, als ihr es seid!«

7 Spricht der Bruno: »O Herr! was wohl kann vor Dir groß oder klein sein, ob Sünde oder Tugend!? Du allein bist groß und gut; alles andere aber ist nichts vor Dir; o Herr, der Du für Hunde, für Panther, Löwen, Hyänen und Tiger sorgest, das da böse Tiere sind, so sorge denn auch für uns, wenigstens nach dem Maße, wie für diese Tiere!« –

8 Ich winke hier dem Robert zu kommen mit Wein und Brot, Bruno schaut ganz erstaunt dem Robert entgegen; weiß aber noch nicht, was das bedeuten solle.

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