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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 106
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 105

Die Rede des Dismas über die Unfruchtbarkeit des Verstandes. Er bringt die gewonnenen dreißig zum Herrn. Des Herrn Lob und Lohn für Dismas

1 Spricht Dismas: »Nun, habt ihr euch endlich einmal für den Lebensweg entschieden! Da hat's doch ziemlich was gebraucht! Recht, recht so, wenn wir tun, wie es der Herr will, da werden wir nie irregehen; aber mit unserem eigenen Verstande, und mit unsern Einsichten sind wir am allerdürresten Holzwege, auf dem man höchstens in eine Köhlerhütte gelangen kann. Wo der Mensch überhaupt seinem kalten Verstande folgt, da kommt er auch gewöhnlich aufs Eis, wo es bekanntermaßen mit dem Feststehen einen sehr bedeutenden Faden hat; nur wo der Mensch dem lebendigen Rate seines Herzens nachgehet, da ist das grüne Gras nicht ferne, und er kommt, wie man sagt, auf ein grünes Gras oder respektive auf eine lebendige Hoffnung! und so ist es nun auch mit euch, wie mit mir selbst der Fall; wir haben nun dem Rate unserer Herzen nachgegeben, und den Rat des Verstandes wie einen Vagabunden und ewigen Schuldenmacher zur Tür hinausgeworfen; und ich bin ganz fest überzeugt, daß es nun mit uns allen ehestens besser wird!

2 Denket nun einmal nach, was alles uns unser eigener Verstand geraten, und welchen Wust von Regeln und Gesetzen er zuwege gebracht hat! Was aber haben sie uns genützt? In der Betrachtung dieses unseres elenden Zustandes findet ihr alle die überzeugendste Antwort. Nehmen wir alle die großen und nützlichen Produkte der Menschen auf der Erde, als z.B. große Meister in den schönen Künsten, als etwa in der Musik, Poesie und Malerei; alle die Großmeister in diesen Künsten waren Schüler ihrer Herzen, ihres Gemütes, und ihre Werke stehen groß und unerreichbar vor den halbblinden Augen der aus lauter Verstand zusammengesetzten Nachwelt, die sich die saure Mühe nimmt – die großen Werke eines freien Herzens durch tausend Regeln und Gesetze zu erörtern, von denen dem Großmeister bei der Schöpfung ihrer unerreichbaren Werke sicher nie etwas geträumet hat!

3 Fraget aber! ob je ein solcher nachhinkender Regelschmied etwas Geniales, Freies und Lebensduftiges zuwege gebracht hat? – Sind solcher Regelfabrikanten Werke nicht stets so trocken und steif, wie die Spitze eines Dschimborazo, und so kalt und leblos wie der Nordpol oder der Südpol der Erde? Ja, ich sage es euch jetzt frei heraus, wie ich's nun klarst erschaue: die Werke des Verstandes kommen mir gerade so vor wie die Fossilien; – da haben wie eine Mumie, einen versteinerten Fisch, Krebse, ein versteinertes Holz, ein Farrenkraut unter anderem mehr; aber welch ein Unterschied zwischen diesen leblosen Fossilien, und zwischen der lebendigen Wirklichkeit!? – Welch eine verzerrte und verkrüppelte Steife in der Form selbst; und welch' eine schauderhafte Leblosigkeit! – Daher hinweg nun mit all dem, was nur einigermaßen vom Verstande in uns herrührt, denn an allen Werken des ledigen Verstandes liegt der Fluch! Während die geringsten Werke des Herzens in einem endlos großen Werte sind für alles, was da atmet und lebet. Ein bloßer Verstandesmensch ist ein echter Totengräber; sein Verstand als ein Konglomerat von tausend Regeln und Gesetzen ist der Spaten in seiner Hand, mit dem der tolle Totengräber einen Schacht in die vom lebendigen Golde strotzenden Tiefen des Herzens schlagen will; aber seine Mühe ist eitel, und fruchtlos seine Arbeit! – Denn das lebendige Gold bleibet nicht haften am plumpen Spaten, wohl aber taubes Gestein und Schlacken, aus dem kein echter Lebenschemiker auch nur einen kleinsten Tropfen echten Goldes bekommt!

4 Aus diesem nur zu wahren Grunde aber wollen wir, wie ich schon früher bemerkte, auch dem Verstande samt allen seinen Elaboraten (Pfuscharbeiten) für ewig den Abschied geben, und uns an die allein auf unser Herz Bezug habenden Wege und Werke halten, und wir werden sicher bald zu einem besseren Ziele gelangen, als das bis jetzt der Fall war.

5 Mit dieser nötigen Vorbetrachtung können wir aber auch nun ganz getrost uns zum Herrn hin begeben, wo wir in dieser unserer umgewandelten Einsicht und Gemütsstimmung auch zu der erforderlichen Herzensstärkung und Magenstärkung gelangen werden! und so folget mir nun in der Ordnung, die ihr selbst wegen der sehr unvorteilhaften Bekleidung als geziemend angeordnet habt.« –

6 Nach dieser sehr guten und wahren Rede des Dismas, die von der gesamten Gesellschaft begutachtet ward, gehen nun alle etwas furchtsam zu Mir her; und als sie nach wenigen Schritten bei Mir anlangen, verneigt sich Dismas abermals tiefst vor Mir, und spricht: »O Herr! durch Deine Gnade, und durch Deine alleinige Hilfe ist mir armen Sünder vor Dir dies heilige Werk gelungen; alle dreißig sind mir in Deinem Namen hierher gefolget, wie Du es mir gnädigst aufgetragen hast; nun geschehe mit ihnen wie mit mir Dein heiliger Wille! Aber nur kein Ehrenkleid mir dafür; darum bitte ich Dich! Denn ich bin ewig keiner Ehre wert; Dir allein aber sei alle Ehre ewig!«

7 Rede Ich: »Recht gut hast du, Mein lieber Dismas, deine Mission vollendet, und hast dich nun um Meinen Namen sehr verdient gemacht! Ich will dir aber deshalb auch geben, was und wie es dir gebührt; nachher aber auch deinen Gewonnenen nach ihrem Herzen!« – Mich zum Robert wendend: »Du Robert aber gehe hin, und bringe Wein und Brot und ein rechtes Gewand für den Bruder Dismas! Ich aber werde nun mit diesen dreißig eine kleine Verhandlung halten. Es sei!«

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