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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 103
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 102

Dismas wird endlich doch einsichtig, und hegt Reue, und wendet sich, seine Schuld aufrichtig bekennend, an den Herrn und bittet um Gnade und Barmherzigkeit, die er dort auch findet, desgleichen tut er abbittet bei seinen Gläubigern

1 Dismas, der nun solche Urteile über sich vernimmt, und aus allen Gesichtern nur zu klar entnehmen kann, daß sie ihm durchaus nicht gewogen sind, richtet sich nun auf, und richtet an Mich folgende Worte: »Herr! ich glaube und sehe nun, daß Du der alleinige wahrhaftige Gott und Schöpfer aller Dinge bist; Du allein bist endlos vollkommen in allem, und niemand ist Dir gleich! Alles Erkennen, alles Wollen, und alle Taten in allen Deinen Geschöpfen sind vom Ursprunge an Dein Werk, und somit in sich selbst gut; denn ein ewig vollkommenster Gott kann ja doch unmöglich etwas Unvollkommenes und somit Schlechtes erschaffen haben; Dir allein gegenüber kann es daher auch keine Sünder und Sünden geben! Aber da Du den Menschen also nach Deiner unendlichen Weisheit eingerichtet hast, daß das Wollen, welches Du ihm ursprünglich eingehauchet hast, für die ewige Folge ein von Dir ganz getrenntes, selbständiges, und nach den ihm innewohnenden mannigfaltigsten Erkenntnissen sich selbst bestimmendes Freies werden solle, aber ganz natürlich nur in der Ordnung, die von Dir allerweisest zur Erhaltung des unendlichen Ganzen bestimmet und festgesetzet ist; so kann dann freilich ein Mensch, der mit so zahllos mannigfaltigen Kenntnissen, Fähigkeiten und Inklinationen (Neigungen) ausgestattet ist, in der vollsten Trennung von Dir, und in seiner ungebundensten Selbstbestimmungsperiode auf der materiellen Welt wohl nur zu leicht trotz Deines geoffenbarten heiligen Willens so manche Handlungen begehen, die Deiner göttlichen heiligen Ordnung im engern Sinne schnurgerade entgegen laufen müssen, und somit auch zur Sünde werden, obschon alle derlei enge Abirrungen in der großen Allumfassung Deiner Ordnung als vollste Nichtigkeiten angesehen werden können.

2 Aber Du, o Herr und Schöpfer aller Menschen, siehst auch sicher den Grund ein, wie so mancher Mensch nur zu leicht und oft gerade das tut, was er nicht tun solle, und so ganz eigentlich auch im Grunde nicht tun wollte; aber ein sonderbarer Trieb ihn dazu wie bei den Haaren zieht, und ihm eher keine Ruhe läßt, bis er ihn befriedigt hat!

3 Da Dir, o Herr, das alles wie sonst keinem Wesen aus dem tiefsten Grunde des Grundes ewig klar ist und sein muß, so wirst du ja auch meine Taten, die ohne alle weitere Entschuldigung offenbar allergröbste Verstöße gegen Deine Ordnung sind, denn doch nicht mit jener unbegrenzten Schärfe beurteilen und richten wollen, als hätte ein zweiter Gott vor Dir gesündiget; sondern denke es gnädig in Deinem heiligsten Vaterherzen: der Sünder, der nun matt, schwach, und hilflos vor Deiner unbegrenzten Macht stehet, war, ist und wird auch ewig bleiben ein aus sich selbst schwacher Mensch, der nur von Dir allein eine volle Kraft bekommen kann, weil Du allein alles in allem bist, aus sich selbst aber bleibt er, was er ist, ein schwacher Schatten des Hauches aus Deinem Munde nur.

4 Und so sei mir als einem allerschwächsten Schatten vor Dir denn auch gnädig und barmherzig! Ich bekenne es ja laut, daß ich vor Dir leider ein gröbster Sünder bin; aber ich erhoffe es auch bestbegründet von Deiner unbegrenzten Weisheit, Güte und Macht, daß Du, o Herr, Schöpfer und Allvater, die von mir begangenen vielen Sünden mir denn doch nicht ganz allein zur Schuldenlast schreiben wirst?! Denn, so es irgend eine Hölle gibt, da wird auch sie sicher ihren gehörigen Anteil haben!?

5 So bekenne ich auch, daß ich ehedem freventlich Dir ins Angesicht gesprochen habe zum sicher großen Ärger aller Deiner hier anwesenden lieben Freunde; aber ich fühle darob nun wahrlich eine tiefste Reue, und bitte aus aller meiner nun mir wohlbewußten Nichtigkeit vor Dir, Dich um eine vielleicht doch noch mögliche Vergebung. Wohl sagtest Du einst Deinen lieben Brüdern, als Dir der Jüngling wegen seinen Reichtümern nicht folgen konnte und wollte, daß ein Kamel leichter durch ein Nadelöhr gehe, als ein Reicher in das Himmelreich! Leider hat sich die ewige Wahrheit dieses Deines Spruches an mir nur zu praktisch bewähret, und nur zu schwer fühle ich nun den Fluch, der aus Deinem Munde an allen materiellen Gütern haftet.

6 Aber ich weiß es auch aus Deinen Worten, daß Du zu Deinen Jüngern bei derselben Gelegenheit geredet hast, und sagtest: Bei den Menschen sei solches freilich nicht möglich! Aber bei Gott sind alle Dinge möglich! und so, o Herr! könnte es denn doch vielleicht bei Dir möglich sein, mir meine Vergehen zu vergeben, und dann gnädigst zu gestatten, mich von den Brosamen spärlich zu ernähren, die vom Tisch Deiner Freunde fallen?!«

7 Rede Ich: »Lieber Dismas, diese deine Rede gefällt Mir besser, als alle deine früheren, wo du in deiner großen Verblendung mit Mir rechten wolltest! Dies dein offenes Bekenntnis hat auch wieder den Riegel an der schon geöffneten Pforte der Hölle vorgeschoben, daß du nun nimmer hinein kommen könntest, so du es auch wolltest; von Mir aus sind dir alle deine Sünden erlassen; aber du siehst hier eine Menge starker Gläubiger, denen du große Summen schuldest; wie wirst du mit ihnen gleich werden?! – Denn siehe, es steht auch geschrieben: So lange ihr nicht den letzten Heller eurer Schuld an eure Brüder werdet entrichtet haben, werdet ihr ins Himmelreich nicht eingehen! – Was meinst du, wie diese Sache zu schlichten sein wird?!«

8 Spricht Dismas: »O Herr! Du weißt es, daß ich hier in jeder Beziehung so nackt und arm bin, wie vielleicht kein zweiter in der ganzen Unendlichkeit; wenn es hier ganz allein auf mich ankommen solle, aus meinem Vermögen, das ich nicht habe, die Gläubiger zufrieden zu stellen, dann sind sie wahrlich sehr zu bedauern; denn da dürften sie wohl ewig keine Vergütung zu erwarten haben! – Aber ich getraue mir in meinem Herzen zu denken: Wenn Du, o Herr, es willst, so dürfte es sicher nicht schwer werden, durch Deine Güte und große Erbarmung aller meiner Schuld an ihnen ledig zu werden!

9 Alles, was ich aber nun aus mir tun kann, ist, daß ich sie vor Dir um Vergebung und Nachsicht bitte, und für ewig treulichst einbekenne, daß ich gegen sie wie gegen Dich allezeit arg und gröblich gesündiget habe! Setze, o Herr, mich hier aber irgend in eine Lage, und ich werde alle meine Kräfte dahin in die Tätigkeit setzen, ihnen nach Möglichkeit alles zu ersetzen, was sich nur immer als von meiner Seite gegen sie darstellen läßt!

10 Die größte Schuld aber wird wohl die an mein liebes Weib, und an den Freund Max Olaf sein!? – Die beiden aber flehe ich nun nach Dir auch vor allen andern auch zuerst um eine gütige Nachsicht und Vergebung mit der treuesten Versicherung an, daß ich zur Tilgung meiner Schuld an ihnen ja von ganzem Herzen alles tun will, was sie nur immer in Deinem heiligsten Namen von mir verlangen! Du, o Herr, aber wolle gnädigst stärken ihr und mein Herz zur Vollführung alles dessen, was vor Dir, wie vor allen Deinen Engeln, als recht, billig und gerecht erscheint!« 11 Rede Ich: »Nun gut! so werde Ich für dich ein versöhnendes Wörtlein reden mit deinen Gläubigern, und es wird sich zeigen, was sie ferner verlangen werden? und so sei du unterdessen ruhig.«

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