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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 102
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 101

Dismas murrt wider Gott gegenüber Robert Blum; das noch latente Böse kommt eklig heraus, und Robert und seine Freunde wenden sich entsetzt von ihm ab. Max Olaf gibt seinem Schmerzgefühl Ausdruck; auch Mariandl und Franz machen ihrem Unmut Luft

1 Hier wendet sich der Dismas an den Robert Blum und sagt: »Lieber schätzbarster Freund! wie ich es mir gedacht habe, also ist es auch; mit diesem Jesus ist nichts zu reden und nichts zu machen! Je mehr man sich vor Ihm beugt und demütigt, desto schroffer und unzugänglicher wird Er auch! Die Folge davon ist, daß man sich von Ihm entfernen muß, und nach aller Möglichkeit zu trachten anfangen, dieses elenden Lebens, um das man nie einen Gott gebeten hat, los zu werden! Denn bei solcher Seckatur (Neckerei) pfeife ich auf ein solch verfluchtes Leben, das bloß zum Vergnügen einer göttlichen Schmeißfliege oder Stechfliege da sein solle! Wohl sehe ich es nun ein, daß meine Ohnmacht gegen die göttliche Allmacht ewig nichts wird auszurichten vermögen; aber danken werde ich der göttlichen Tyrannei wohl auch ewig nimmer für ein solches Sauteufelsleben!

2 Bin ich dem Herrn doch so devot als nur immer möglich gekommen, und glaubte, daß Er mich doch insoweit glimpflich aufnehmen werde, wie diese Lerchenfelderin!? Aber welch ein Unterschied ist da zwischen ihr und mir! Sie wird behandelt wie ein Engel, und ich wie ein Verdammter! Und doch war sie so gut eine Hure, wie ich ein Hurenlump. Wer bei solcher Handlung nicht in der Gottheit eine allerlaunenhafteste Willkür ersieht, der muß seine Augen im Steiße und nicht im Kopfe haben! Auf der verfluchten Erde ist man ein Sklave seines Fleisches, und hier ein allerelendstes Scheusal! – Und für so ein sauberes Leben solle man gar noch Gott danken?! Wann, wann, in allen Teufelsnamen habe ich denn je Gott gebeten, mir ein Leben zu geben, wo sind denn die ewigen Kontraktsbedingungen, unter denen mich die Gottheit zu einem selbständigen Wesen gestaltete?!

3 Die Gottheit hat mich geschaffen, wie ich bin, und hat mir erst nachträglich Gesetze gegeben, die ich bewußter Maßen nicht halten konnte, weil meine ganze Natur dazu gar nicht eingerichtet war! und nun solle ich dafür ewig zur Unterhaltung des göttlichen Mutwillens geplaget werden, weil ich zufolge meiner von Gott eingerichteten Natur nicht so handeln könnte, wie es dem Gesetze Seiner Laune angenehm wäre!? – Kurz und gut, nun ist mir Gott und Teufel ein Ding, das Mächtige spielt mit der Ohnmacht wie die Katze mit der Maus. Wenn es der Katze beliebt, so läßt sie die Maus laufen, und beliebt es ihr nicht, so wird die arme Maus gefressen! Und gerade so handelt die Gottheit mit den Menschen! Ein schönes Los – ein Mensch zu sein!? – Aber nun ist mir schon alles ein Teufel! Wo ist derselbe Sauwinkel, da ich ewig von einer Stechfliege solle gepeinigt werden?! Ich werde mich sogleich dahin begeben, und der allergerechteste – Herr Jesus kann dann ein oder 1.000 Moskitos über mich senden! Meine Dankbarkeit dafür solle unbegrenzt sein – oder was? Die Gerechtigkeit der Weltfürsten ist bekannt! Denn da ist einer wie der andere ein Cicero pro domo suo. Aber die Gerechtigkeit Gottes sucht in der tyrannischesten Willkür ihresgleichen. Aber so lange ich noch eines freien Gedankens fähig bin, will ich ihr einen Rezensenten (Kritiker) machen, daß ihr die Augen übergehen sollen; und je mehr sie mich plagen wird, desto ärger werde ich schreien wider sie! Und nun in den verfluchten Dreckwinkel hin mit mir, damit ich desto eher aus allen Kräften zu fluchen die schönste Gelegenheit bekomme!«

4 Spricht Robert: »Freund! bei solcher deiner Sprache kann ich mit dir nicht weiter reden; der Herr, gegen Den du zu Felde ziehest, wird dir die Antwort geben! – Wir Geister Seiner Gnade haben das Recht der Liebe, die verirrten Seelen durch die Liebe und göttliche Weisheit für das wahre ewige Leben zu gewinnen, und sie zu führen vor des Herrn Angesicht, dessen reinstes Licht sie dann durchleuchtet und wahrhaftigst erwecket zum ewigen freiesten Leben aus und in Ihm. Aber so irgend eine von uns schwächeren Geistern gewonnene Seele ein barster Teufel ist, da haben wir kein Recht und Befugnis mehr uns weiter mit ihr einzulassen; erwarte daher von mir nichts mehr, sondern der Herr wird dir's geben nach deinem Verdienste!«

5 Hier wendet sich der Robert vom Dismas ab, und gehet zu seinen Freunden hin, die voll Ärgers sich über die Frechheit des Dismas nicht genug verwundern können! – Die Verwandten schlagen ein Kreuz ums andere, und sind voll Entsetzens über die Verstocktheit ihres so nahen Anverwandten. Die anwesenden Apostel werden voll bittern Ernstes, und die Väter der Erde erschauern vor diesem Sohne des Greuels, wie sie es sich gegenseitig laut bekennen! Die Helena brennt vor Grimm gegen dieses Scheusal, wie sie ihn benennt!

6 Der biedere Max Olaf schlägt, mit Tränen in den Augen, die Hände überm Haupte zusammen, und sagt: »O Gott, o Gott! ist es denn wohl möglich, daß aus einem Menschen, der in der Schrift bestens bewandert war, durch die pure Fleischlust so ein allerefrontester Teufel werden kann?! Um Gottes willen, was ist das!? Wer könnte das je glauben?! Nein, nein! Gott zu kennen, Gott vor sich zu haben, seine eigene Nichtigkeit einsehen, und – solch eine Sprache zu führen!!! – O Jesus, o Du mein heiligster, liebevollster, allerwahrhaftigster bester Vater! Mir zerspringt das Herz vor Gram, darum daß Du, o heiligster, ewiger Vater von einem elendsten Wurme des Staubes gar so allerschändlichst verkannt, und allertiefst beleidigt wirst, hier vor uns, Deinen begnadigten Kindern! O Herr, Vater Jesus! räche Dich doch an diesem Elenden! Denn er tritt Deine sichtbare Gnade, die Du ihm erteilen willst, mit den echtest satanischen Füßen, und getrauet sich hier Dir ins Angesicht zu trotzen!«

7 Die gewisse Mariandl schlägt 7 Kreuze über ihre Stirne, Mund und Brust, und spricht dann im noch Wienerschen Dialekt zu dem oben bekannten Franz, dessen Augen auch größer und größer werden. »No, host iena ghört! O der höllischi Sausackre der! Waon i hiazt af die Erd zruck denke thua, und mi so erinnern thua, daß de höllische Sausackre mei Liebhobr woar, und wos er mit mi alles tribe had, do möcht i aber schun vor Zorn grod aus der Haut faahrn! Na, hod aber so was a mohl a menschlichi Seel gsehn und ghört! I bin a a große Sündrin, und waß es a recht guad, daß ich nix als d'Höll verdient han; aber i mieg hiazt grod zerfließa vor Lieb zum Herrn Herrgott Jesus, weil Er holt goar so entsetzlich guad is; und i wär auf d'r Welt a nit gar a so große Sünderin wurn, waon i nuar a Bißel a beßri Erziehung ghobt hiet! Aber der höllische Sausackre hod die besti Erziehung ghobt, und immer d' heilige Schrift g'lesen, und aondri geistliche Bücher a no dazua, so daß seini Freund gemant hon, er mießt von Mund auf schnurgrod ins Himmelreich auffohrn! Aber hiatzt zagt sich, was für ein höllischer Sausacker von an Schriftgelehrte er woar! Fur der Welt hod er wuhl fur an ehrlichen Mensche gelte wuhln, aber unser liebesti Herrgott woar ihma a Pomadi, und drum hod er furn Leite a so thaon, als waon er schun 's gaonzi Himmelreich mit a große Löfl gfreße hiate, ober Samsti, waon er sani lustge Zeit hod ghobt, do hod er's Himmelreich schön saubr an guadn Monn sein loße, und waon ma iehna draon erinnert hod, so woar er glei Fuchsteufels toll, und sagte: Sei still, dumme Gans! was versteast du von dem Reich Gottes!? Sechs Tage ghöre Gott, und einer der Natur! Do hobmer hiazt seine wohre Natur! O du höllischer Sausackre du! Na woart, na woart! In der Höll' werdes di schon sage, was du wert bist! Na, mit unsern liebasten Herrgott so z'reden!? Dos hod die Welt no nit gseahn!«

8 Spricht der Franz: »Jo wuhl, jo wuhl, i moan, dös brächt der allerirgest Teifl net zwege! No, waon dös Luadr nöt in die Höll kummt, so wird noch der irgeste Teifl selig! Du waßt, i bin sist a guater Kerl, und winsch kan Hund wos Schleachts; aber dös Vieh kunt i in dr Höll siede und brode seahn, und mi kummet ka Erbarmnus über'n ahn! No, ober i moan, den wird unser liabe Herrgott schun sogn, wie viel hiatzt fur iehma gschlohn hod!?«

9 Spricht darauf noch ein anderer Freund des Franz: »Du Fraonz, wie wars denn epr, waon mi badi den Limmel unsern liabe Herrgott z'liab pockete, und frisch von der Leber weg hinaus werfetn, und drauße, woaßt du, so reacht ausn Solz odrischanetn, doß er so auf a holbi Ewigkeit gnua hiat?!«

10 Spricht der Franz: »Waon unsr liebesti Herrgott nix dagegn hiat, do loß i mi so wos net zwa mol sogn! Denn a Gift hob i af dös Luadr schun so, doß i iehn in klane Stickl' zreiße kunnt! Aber sei du hiazt nur ruhbig; wias miar fur kummt, so is der liabi Herrgott a schun gricht, dös Luadr von aner Spitzbubnseel just in d' Höll zhoaßa; sei d'her nuar stadig derwal!«

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