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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 101
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 100

Pathetikus Dismas bekennt seine große Schuld vor Gott, bittet aber nicht um Gnade, sondern um gerechte Strafe. Des Herrn Zeugnis, daß Er ein Gott des Lebens ist. Töricht der Sünder, der sich auf die göttliche Gerechtigkeit, anstatt auf die Barmherzigkeit und Gnade beruft

1 Auf diese Worte des Robert Blum setzt sich der Dismas sogleich in die Bewegung, und gehet mit dem Robert Blum zu Mir, dem Herrn des Lebens, hin, und fällt dort am Tische auf sein Angesicht vor Mir nieder, und spricht laut: »O Herr! ewig unwürdig Dein heilig Anlitz anzuschauen, liege ich im Staube meiner vollsten und schändlichsten Nichtigkeit vor Dir, als ein elender stinkender Wurm, voll Eiter und Hurerei, und des schändlichsten Ehebruches! Und bitte von Dir, mir die vollste Strafe für alle meine irdischen Schandtaten nach Deiner Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Dein Wille geschehe!«

2 Rede Ich: »Dismas! wer bist du, und um was bittest du? – Ist es dir recht, so Ich dir's gebe nach den Worten deiner Bitte? Wohl wehe dir dann, so Ich es dir gebe; willst du denn noch unvollkommener werden, als du bist?! So gehe zum Obersten aller Teufel; der richtet mit der Strafe des Feuers! – Ich aber richte und strafe niemanden, somit auch dich nicht! Willst du aber leben, darum du zu Mir kommst, da bitte ums Leben, aber nicht um den Tod! Glaubst du denn, Ich habe ein Wohlgefallen am Tode Meiner Kinder? O du Tor! Bin Ich denn ein Gott des Todes oder ein Gott des Lebens? Siehe, alle Ewigkeiten, und die Unendlichkeit Meiner Himmel geben Mir das ewige Zeugnis, daß Ich ein Gott des Lebens, und kein Gott des Todes bin, und du möchtest Mich zum Todesgotte machen?!

3 Sage Mir denn, wer du seist, damit Ich sehe, welche Verkehrtheit in dir wohnet? Waren deine Handlungen auf der Erde denn nicht schlecht und schnöde zur genüge? Daß du nun auch noch hier vor Meinem Angesichte sündigen willst! Ich aber sehe es wohl, wer du bist, und was du willst; darum sei dir eine schwere Antwort wohl erlassen! Erhebe dich nun aber, und ändere deinen Sinn! Denn mit dieser Bitte wirst du bei Mir ewig nie weiter kommen, und schon gar nie auf eine solche Meine Geduld und Erbarmung auf die Versuchung stellende Bitte! – Siehe, du batest nun wie ein japanischer Sklave Mich um eine gerechte Strafe, und dein Herz will eine vollkommene Gnade! Sage, solle Ich denn nun deiner Wortbitte oder dem Wunsche deines Herzens nachgeben?«

4 Spricht Dismas: »O Herr Jesus, du einiger Gott! Habe Geduld mit mir armen Sauteufelsgeist! – Ich weiß es ja, daß ich ein gröbster Sünder bin, und nicht vermögend bin, auch nur ein weises Wort vor dir zu stammeln; urteile du aber dennoch nicht nach meinen elenden Worten, sondern nach meinem sehr kranken Herzen, und heile es nach Deiner freiesten Gnade, und meine Zunge solle ewig nimmer erlahmen unter deinem Lobe! – Herr! so Du mich nun verstößset, wer solle mich dann annehmen und aufrichten!?«

5 Sage Ich: »Hast du doch Freunde in die Menge; sollen denn diese dir nicht zu helfen imstande sein?! – Gleich und Gleich gesellet sich sonst ja noch immer gerne, und entschuldigt sich gegenseitig, und hält sich somit schadlos! Warum solle das bei dir denn nicht der Fall sein können? Bedenke! über 60 Jahre lebtest du auf der Erde ohne Meine Hilfe, bloß nur mit deinen Freunden, die dich mit allerlei Rat versahen; und du wardst nicht unselig – außer beim Anblicke deines Weibes, so es dich manchmal in einer süßen Stunde zufällig überraschte! So dir jemand von Mir etwas sagte, und zeigte, wie Mir dein Leben mißfallen müsse, so lachtest du ihn weidlich aus; der dich aber lobte, den küßtest du als einen Freund! Nun liegst du vor Mir, und willst Tod und Leben von Mir; was solle Ich dir geben? Den Tod kann ich dir nicht geben, und das Leben willst du nicht vollends, indem dein Wort nicht eins ist mit deinem Herzen, und alle deine irdischen Handlungen nichts in sich tragen, das da gliche einem Samenkorne des Lebens! Nun prüfe dich danach, und sage, was du willst?!«

6 Spricht der Dismas: »Herr! wo ist der Gerechte, daß er mit Dir einen Streit bestehen könnte; denn wo Du Tausend sagen wirst, da wird er nicht Eins zu sagen imstande sein, da Deine Weisheit zu groß, und Deine Macht zu unendlich ist! Um so weniger kann ich mit Dir streiten und rechten, der ich voll Sünden bin vor Dir – wie vor den Menschen; wohl weiß ich, daß man mit Dir zwar auch als ein Sünder reden kann, und daß Du dem reuigen Sünder auch barmherzig sein kannst, so Du es sein willst! Aber dagegen scheint mir auch das richtig zu sein, daß Du, vor dem die Engel nicht makellos sind, auch das bestgemeinte Wort aus dem Munde eines Dich anredenden Sünders deuten kannst, wie Du es willst, und kannst ihm die Sünden vergeben zum ewigen Leben oder vorenthalten zum ewigen Tode, und das alles nach der strengsten Gerechtigkeit.

7 Denn die Gerechtigkeit ist eine Ordnung der Macht! Wer im Besitze der vollsten Macht ist, der ist auch im Besitze des vollsten Rechtes, das ihm niemand je streitig machen kann; ist der Machthaber auch weise, so ist er desto unbesiegbarer, und seine gestellte Ordnung desto unwandelbarer, indem er durch seine Weisheit seiner Macht auch eine desto größere Konsistens bereiten kann. Und so steht bei einem und demselben Wesen Macht und Gerechtigkeit stets in einer und derselben Rubrik. Wenn aber Macht und Gerechtigkeit gleichbedeutend sind, wo solle dann ein ohnmächtiger Sünder sich je von irgend einem ihm zustehenden Rechte etwas träumen lassen?! Was die Macht tut, das ist gerecht; was aber die Ohnmacht tut wider die Macht, das ist ungerecht; denn wäre der Ohnmacht Tat in sich nach allen Vernunftsprinzipien auch recht, was nützete aber das? Die Macht wird es dennoch als ungerecht und strafbar erkennen und erklären, weil des Ohnmächtigen Handlung des Gewaltigen Ordnungsprinzipien zuwider war.

8 Und eben in solchen Verhältnissen befinde ich mich nun vor Dir, o Herr; Du die Allmacht selbst, und ich die höchste Ohnmacht selbst! Ich könnte nun sagen, was ich wollte, so stünde es dann aber dennoch bei Dir, zu tun, was Du wolltest, indem Du der allein Mächtige bist. Ich will und kann daher denn aus den wohlweisesten und vernünftigsten Gründen nichts anderes sagen, als: Herr! Dein Wille geschehe! Ich könnte nun tausenderlei wünschen, so wird aus allen den tausend Wünschen dennoch nur das geschehen, was Du o Herr willst. Ich will daher denn aber auch gar nichts mehr wünschen, sondern mich vollends Deinem allmächtigen Willen unterwerfen, mag dieser über mich Gutes oder Bitteres verfügen! Wird er mich ums kennen glücklicher machen wollen, so wird es gut sein; wird er mich aber zur Hölle verdammen, so werde ich auch zur Hölle müssen! Denn die entschiedenste Ohnmacht kann sich der Allmacht ewig nie widersetzen können! Tue Du, o Herr, mit mir denn nun, was Du willst, mir wird alles recht und gerecht sein müssen! Ich glaube dadurch mit der ersten Anrede meine Ohnmacht gegen Deine allmächtige und somit auch weisest gerechte Anforderung zur Genüge dargetan zu haben, und Du, o Herr, wirst mir tun nach Deinem Vermögen!«

9 Rede Ich: »Nun gut; weil du in die Macht allein alle Gerechtigkeit setzest, so will Meine Macht nun, daß du dich dort gegen Mitternacht hin in dieses Saales Winkel für ewig begibst; dort sollst du dann von einer kleinen Stechfliege unaufhörlich geplaget werden! Meine Macht will es, und so verfüge dich dahin!«

10 Spricht Dismas stark erschreckt und verlegen: »O Herr! obschon ich mich Deiner Macht fügen muß, so bitte ich Dich aber dennoch allerinständigst, daß Du mir wenigstens die mich verzweifelnd machende Stechfliege erlassen möchtest! Denn das wäre ja doch etwas verzweifelt Schreckliches, von solch einem Insekte ewig auf einem Flecke gemartert zu werden!«

11 Rede Ich: »Das weiß Ich; aber Mich rechtfertigt Meine Macht ja; warum willst du denn nun dich nicht allsogleich fügen Meinem allmächtigen Willen?«

12 Spricht Dismas: »O Herr! Du bist allmächtig; aber du bist auch unendlich gut; und so wende Ich mich denn an Deine Güte, und flehe zu Dir um Gnade! – Verschone mich mit der Stechfliege!«

13 Rede Ich: »Du appellierst nun an meine Güte und Gnade, weil dir das Wasser des Todes schon den Mund zu umspülen beginnt; aber Ich frage dich, wie du nun das tun kannst, da du doch früher alles in Meine Allmacht legtest, und mit deinem höchst eigenen Munde sprachst: Herr! Dein Wille geschehe. Dir aber erscheint nun Mein Wille nicht eben sehr angenehm, und so möchtest du in deinem Herzen nun, daß Mein Wille nicht geschehen möchte! Wie aber solle Ich das machen?! Mit dem Munde sprichst du stets was anderes, als was du im Herzen willst; meinst du denn, daß Ich ein Wesen bin, mit dem man förmlich Komödie spielen kann!? O da bist du in einer sehr großen Irre!

14 Siehe, Ich verfahre nicht, wie dumme Eltern, mit Meinen Kindern; dumme Eltern wollen ihre Kinder oft mit einem Scheinernst schrecken; aber die Kinder merken das bald, und lachen sich ins Fäustchen, so ihre Eltern über sie ein falsches Donnerwetter verhängen, werden darauf stutzig, und achten wenig der Worte der Eltern! Aber so ist es bei Mir durchaus nicht gang und gäbe; bei Mir ist überall der festeste unbeugsamste Ernst, und das Leben einer Milbe muß in derselben ernstesten Ordnung, wie das eines Engels erhalten und geleitet werden. Ich bin wie ein Stein von größter Härte und Schwere; der sich an diesem stößt, der wird zerschellen; auf wen aber dieser Stein fällt, den wird er zermalmen!

15 Ich sage dir, so lange dein Wort nicht aus deinem Herzen kommen wird, wirst du mit mir einen harten Stand haben; denn zwei Stimmen in einem Menschen kann ich nicht hören; wann aber dein Herz eins wird mit deinem Munde, dann will ich das Wort hören, und alle Rücksicht darauf nehmen! Was dir an Mir aber heilig erscheint, dem mußt du auch gehorchen! Die Macht Meines Gottwillens ist dir das Heiligste, wie du es selbst dargetan hast; also mußt du dich auch demselben aber auch fügen, willst du dich nicht als ein Meuterer gegen Meine allmächtige Gerechtigkeit aufwerfen!

16 Aber das sollst du auch wissen, daß nicht nur Ich als Gott einen freien Willen habe, und darum tun kann, was Ich will; sondern auch ein jeglicher von Mir geschaffene Geist hat den gleichen freien Willen, und kann tun, was er will. – Ich werde dich daher auch nicht mit Meiner Allmacht nötigen, das zu tun, was Ich dir ehedem als ein scharfer Richter geboten habe; du kannst dich auch widersetzen, und tun was du willst; aber welche andere Frucht dann dir daraus erwachsen wird, das wird dir die Folge zeigen! Daher tue nun, was du willst.«

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