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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 100
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 99

Robert Blum ist voll Freude über die Geistesregung des Pathetikus (Dismas). Robert Blum ermutigt ihn auf dem Erlösungsweg voran zu schreiten. Der Pathetikus bekennt laut seine Schande. Szene mit seinen ebenso argen Freunden, seine gute Rede an sie. Dismas ist nun bereit zum Herrn zu gehen

Am 9. Juli 1849

1 Spricht Robert voll Freuden: »Nun, nun, Bruder Dismas! das freut, das freut mich wahrlich recht sehr, daß du nun endlich auch einmal helle wirst, und dadurch den ersten Schritt zur Erreichung des wahren vollkommensten Lebens des Geistes im Herrn getan hast; aber nun mußt du dennoch hier nicht stehen bleiben, und dein dich richtendes Herz behorchen, in wie weit es dich verdamme oder nicht, sondern nun mache dich behende auf, und eile hin zum Herrn!

2 Denn glaube es mir, daß auch ich keines leichten Kaufes Ihn als den alleinigen Gott und Herrn der Unendlichkeit anerkannt und angenommen habe; es kostete Ihn und mich eine große Geduld, bis ich aus meinem finstersten Hegeltum und Straußianismus herausgehoben werden konnte, desgleichen auch aus meiner Herrschsucht und Unzucht; aber als ich einmal, natürlich nur durch Seine helfende Gnade, in ein wahres Licht versezt wurde, da sah ich aber dann auch mit Sonnenaugen mein schreiendstes Unrecht ein, und erkannte in dem Heilande Jesus den alleinigen Gott Himmels und aller Welten! – Und so tue du nun desgleichen!

3 Du hast nun leicht wandeln, da du an mir einen wohl durchgebildeten Vorwandler hast; mir ging es wohl bei weitem schwerer; denn ich hatte niemanden, der mir in meiner Nacht ein rechtes Zeugnis gegeben hätte über Jesus den Gekreuzigten; ich mußte allein Seinen Worten trauen, und aus deren Weisheit entnehmen, daß Er wirklich das einzig und allein wahre Gottwesen ist! Zudem war ich nicht weniger als du, auch sogar noch hier im Reiche der Geister, von der Begierlichkeit des Fleisches geplagt; aber da ich von der Tiefe der Wahrheit und Weisheit des Gotteswortes Christi überführet war, so tat ich denn hernach meinen Sinnen auch eine größere Gewalt an, und ward mit der Hilfe des Herrn dadurch auch bald und leicht Sieger über meine fleischlichen Schwächen, die in meiner Seele von der Sinnenwelt in der Erinnerung mit herüber genommen wurden.

4 Mein eigenes Herz war auch mein Richter, und hatte in seinem Unflate weder eine Ruhe, noch weniger eine rechte Hoffnung, außer die mir sicherst dünkende Anwartschaft auf den ewigen Tod; aber da half mir der Herr aus meiner größten mich für ewig töten wollenden Not; mein Herz ward darauf durch meine mächtige Liebe zu Ihm gereinigt, und bekam Raum zur Aufnahme Seiner Gnade; ich aber ward dadurch seliger und seliger! – Das alles aber wird auch an dir vorgenommen werden, und so du diese Prüfungen ohne Zweifel auch mir gleich gut bestehen wirst, so wirst du dich aber auch bald in meinem seligsten Zustande befinden. Mache dich aber nun auf, und eile mit mir hin zu Dem, Der allein allen helfen kann!«

5 Spricht der Pathetikus Dismas: »Wäre alles recht, wenn ich dazu den Mut hätte! aber der Mut, der Mut! woher werde ich den hernehmen?! Siehe, ich fange nun wohl an zu glauben, daß jener Jesus das allerhöchste allmächtigste Gottwesen ist; aber mit dem Wachstume dieses schönen Glaubens wächst auch die Furcht vor Ihm, dem allein Heiligsten! wer wird mich von der großen Furcht befreien?!«

6 Spricht Robert: »Freund! danke dem Herrn für diese Furcht; denn in dieser Furcht hat der Herr Seine Hand an dein Herz gelegt, und hat kräftig angefangen, dein sehr zerstreutes Geistesleben zu sammeln; diese heilige Tätigkeit des Herrn in deinem Herzen dränget deinen Geist, daß er wach werde, und bewirkt in deiner Seele das leidige Gefühl der Furcht! Aber du ermanne dich selbst, und folge mir, da wirst du bald deiner guten Furcht ledig werden! Der Herr Selbst, Der dir diese heilige Furcht gibt, wird sie dir nehmen; daher noch einmal gesagt: Mache dich auf, und folge mir hin zum Herrn!« –

7 Spricht der Pathetikus Dismas: »Nun denn, auf dein Wort, Freund Robert, will ich es wagen! Nun solle mir nach wohlverdientem Maße geschehen, was da wolle, so werde ich es ertragen! Denn hatte ich schon keine Ehre in mir, so ich als ein Ehemann mit feilen Dirnen gäulte, warum sollte ich nun vor den Augen, ja vor den sichtbaren Augen des allsehenden Gottes eine Ehre haben wollen, deren ich ewig nie als würdig angesehen werden kann! Nur Schande und große Beschämung nun über mich! Das sei nun meine Lebenslosung; denn so ich auf der Erde den Gottesgeist in mir nicht achtete, der mir das Leben gab und erhielt, wie solle ich nun eine Ehre verlangen können von Ihm, Den ich so oft zu Schanden gestellt habe!? – Daher nun nur Schande der Schande über mich!

8 Gott gab mir aus Sich Selbst ein Leben Seines heiligen Geistes, und ich wollte die hohe Heiligkeit dieses Lebens nicht erkennen, und verherrlichen durch eine gerechte Ordnung und Zucht, sondern floh allezeit der rechten Erkenntnis, und verkehrte so das Heilige in tierisches und unheiliges, durch die Brechung der wahren Gottesordnung und hundemäßige Unzucht! Nun stehe ich hier auf wohlverdientem Schandpranger vor Gott und Seinen Heiligen, als ein Unheiligster! Daher noch einmal laut gerufen: Nur Schande mir, wohlverdiente Schande der Schande!«

9 Auf diese laut gesprochenen Worte des Pathetikus Dismas treten seine pathetischen Freunde zu ihm (hin), und sagen: »Aber Freund Dismas! was ist dir, was hast du vor, warum rufst du Schande über dich?! Sind wir denn nicht alle, wie du, beschaffen?! So du aber Schande über dich rufest, da rufest du sie ja auch über uns, und das kann uns wahrlich nicht einerlei sein! So du uns nicht exemtierest (mit uns eine Ausnahme machst), sonst solle es dir wahrlich nicht am besten ergehen!«

10 Spricht der Dismas: »Was, was, was wollt ihr echte Schlaraffen von mir?! Wollt ihr etwa auch eine Ehre für euer echtes Schlaraffenleben?! O, schreiet nicht zu früh danach; sie wird euch nicht ausbleiben! Was tatet ihr denn samt mir auf der Welt, das da einer Ehre wert wäre, hier vor Gott und Seinen Heiligen?! Meinet ihr denn, daß auch hier die äußere Silberlarve und Goldlarve einen Geist, wie etwa auf der Materiewelt, vor öffentlicher Beschämung schützt!? O da irret ihr euch sehr! Der giftige Golddunst und Silberdunst, durch den die Menschen auf der Welt ihre Schande bedecken, nützet hier nichts mehr; denn hier kommt nur die nackte Wahrheit an das Licht des ewigen Gottestages, welche zu verbergen es hier für eine längere Dauer kein schnödes Dunstmittel mehr gibt! Daher tue ein jeder von euch nur selbst das, was ich nun tue, so wird er dadurch doch wenigstens diese Ehre seinem Lebensgeiste retten, die er als ein Geist der Gotteswahrheit von seiner Seele mit allem göttlichen Rechte fordern kann! Tun wir aber das nicht, so haben wir in der Bälde die volle Wegnahme des göttlichen Lebensgeistes aus unserer schnödesten Wesenheit zu erwarten, und mit ihr den, sage wohlverdienten ewigen Tod! – Daher Schande über Schande über unsere Seelen, damit dem lebendigen Gottesgeiste in uns die Ehre der ewigen Wahrheit und Ordnung gerettet werde!«

11 Auf diese Worte ziehen sich die Freunde murrend zurück, und kratzen sich stark hinter den Ohren; Robert aber spricht zum Pathetikus Dismas: »Nun, nun! Bruder, lieber Bruder! bei dir geht es nun ja mit Riesenschritten vorwärts! Wahrlich, ich sage es dir, so schnell ist es bei mir nicht gegangen! Nun, nun, nun! das freuet mich wahrhaft über die Maßen von dir! Du wirst, wie ich's nun sehe, wahrlich keinen zu schweren Stand vor des Herrn Angesichte haben. Komme nun, komme! wahrlich, ich freue mich auf deine Worte vor dem Herrn!«

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