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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 10
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 9

Weiteres Selbstgespräch über seine Atmosphäre. Es dämmert außerhalb und in ihm, daß er gestorben; beginnt die Hohlheit der Philosophie zu erkennen. Lob des Blindglaubens. Von seiner Todesangst und vom Wert des Glaubens

Am 13. Dezember 1848

1 Gar sorglichst aufmerksam betrachtet Robert Blum den nachhaltigen Schimmer und weiß nicht, was er daraus machen solle; – nach einer Weile kommt er aus seiner Überraschung gewisserart wieder zu sich, und fängt wieder nüchterner über diese Erscheinung zu denken an, und sagt bei sich selbst:

2 »Es ist am Ende doch noch ein Wetter, dessen Gewölke sich nun nach dem dritten Blitze auf einer Seite ein wenig zu lichten anfängt; nur eines geht mir dabei nicht so ganz ein, und das ist, daß ich erst jetzt, da ich meine Umgebung etwas besser ausnehme, recht klar gewahr werde, daß ich mich ganz vollkommen gleich einem Vogel in freier Luft oder im freiesten Äther ohne aller Unterlage befinde; es hätte solch' ein Zustand in der frühern derbsten Nacht wohl noch als ein Gefühlstrug können angenommen werden; aber nun ist es kein Trug mehr, sondern volle Wahrheit.

3 Jetzt wenigstens wird es mir wohl klar, daß ich dem Leibe nach wirklich gestorben bin, da man doch unmöglich annehmen kann, daß sich ein schwerer Leib so lange im Luftraume oder Ätherraume frei schwebend halten könnte; – ich sehe aber auch außer mir nichts; weder unter mir, noch ober mir ist irgend etwas Gegenständliches wahrzunehmen; ich muß mich sonach sehr ferne von irgend einem Weltkörper befinden!? – hm, sonderbar, sonderbar! –

4 O Hegel, o Strauß, o Ronge! – eure Weisheit scheint hier sehr stark Schiffbruch zu leiden! – Wo ist eure allgemeine Weltseele, in die nach des Leibes Auflösung der Mensch übergehen solle?! – Wo ist der im Menschen auftauchende Gott, und wo sein sich seiner selbst bewußt werden im Menschen? – Ich bin gestorben, bin nun hier so ganz in der allerohnmächtigsten Alleinheit, wie nur irgend eine vollkommenste Alleinheit sich denken und vorstellen läßt; da ist keine Spur von irgend einer auftauchenden Gottheit, und eben so wenig irgend ein Übergang meines Wesens in das allgemeine Weltseelentum wahrzunehmen!

5 O ihr eingebildeten menschenfreundlichen Weltweisen, eure Sehe hat sehr trüb gesehen, und wird noch trüber sehen; denn von solch' einem Befinden nach des Leibes Tode habt ihr wohl noch nie die allerleiseste Ahnung gehabt, kurz und gut, ihr habt mich betrogen und werdet noch viele betrügen; aber es sei euch alles vergeben, da ihr ja auch Deutsche seid; wüßtet ihr etwas besseres und der Wahrheit gemäßeres, so würdet ihr, als echte Deutsche, es euren Jüngern auch sicher nicht vorenthalten haben!? – Aber da ihr dessen nicht fähig seid, so gebet ihr, was ihr habt, und das ist wenigstens redlich gehandelt!

6 Freilich wohl nützt dem Menschen hier eure Redlichkeit eben nicht gar besonders oder auch gar nicht; aber das macht auch eben nichts, da es im Grunde genug getan ist, die Menschheit bloß irdisch, materiellerseits in einer gewissen Ordnung zu erhalten. Was aber dieses oft bezweifelte Leben nach des Leibes Tode betrifft, – vorausgesetzt, daß höchst wahrscheinlich sich jedwedes Menschenleben dem meinen gleich gestaltet, – so braucht es da sicher keine Gesetze mehr; denn welche Verpflichtungen könnten mir nun noch mehr obliegen? – Sicher keine andere als die eines Wölkchens in der Luft, das die Winde treiben, wohin sie gehen! Hätte ich nun die Weisheit Salomons und die Stärke Goliaths, wozu wohl könnten sie mir dienen?! –

7 Darum wäre es wahrlich besser, in dem finstersten Aberglauben Roms zu leben und zu sterben, da man wenigstens im blinden Glauben seinen Leib ablegte, nach dessen Abfalle entweder gut oder schlecht der Seele nach fort zu leben des Glaubens wäre, und sonach auch dem Tode leichter in's Angesicht schauen könnte, als daß man als ein Rongeanischer Puritaner mit des Leibes Tode alles Leben für ewig zu verlieren wähnt, und sich somit vor dem Tode auch ganz gräßlich entsetzlich fürchten muß, wie es bei mir seligen Angedenkens der schaudervollste Fall war! O Himmel! – lieber ewig in dieser wesenlosen Leere schmachten, als noch einmal solch' eine Todesangst auszustehen! – –

8 Darum Lehrer, ihr Lehrer! lehret euren Jüngern glauben, und sie werden glücklicher sterben, als wie ich mit aller meiner Vernunftstärke gestorben bin! Nun wird es mir auch klar, warum der große Meisterlehrer seinen Jüngern stets nur den Glauben an's Herz legte!«

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