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Ritter, Tod und Teufel

Hans Frhr. von Hammerstein: Ritter, Tod und Teufel - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
booktitleRitter, Tod und Teufel
authorHans Freiherrn von Hammerstein
year1921
firstpub1921
publisherC. F. Amelangs Verlag
addressLeipzig
titleRitter, Tod und Teufel
pages434
created20181004
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Das Mahl

Ein Raum mit dunkelnder Balkendecke im ersten Stockwerk der Burg. Je eine tiefe Fensternische gegen Süden und Westen. Schwere Truhen mit geschnitzten Wappen, eine dunkle eichene Kredenz mit einigem Silber- und Zinngeschirr die schlicht getünchten Wände entlang. Ein grüner, turmartiger Ofen aus figurenreichen Kacheln strahlte Wärme wegen des grauen, windfeuchten Tages.

Da saßen zu Tisch Mangold und seine Eheherrin, die schöne Odheimerin und ihr steiles Töchterlein und der Burgpfaffe, ein Mann, dessen Lebensäußerung sich, von seinen Amtsverrichtungen abgesehen, auf Schweigen, Essen und unvermittelt hervorbrechendes Lachen beschränkte. Er hatte einen starken Blähhals und Froschaugen, die er bedrohlich rollte, zumal in seinen Sonntagspredigten, in denen er unermüdlich das Laster zu schelten, eine schreckhaft zunehmende Verderbnis der Welt festzustellen und die Vorzeichen des nahenden Jüngsten Tages klärlich nachzuweisen pflegte.

Die Odheimerin war schlicht in Grau und Schwarz gekleidet. Der frischweiße Hemdlatz, in seinem Gefältel bis unters rundliche Kinn gezogen, umgab anmutig ihr freundliches Haupt.

Martha, die Kämmerin, trug die Speisen auf. Der junge Frowin von Hutten aber legte vor und machte den Mundschenk.

»Ihr gebt es fürnehm, Herr von Eberstein,« sagte die Odheimerin, »laßt Edelknaben bei Tisch aufwarten.« 97

»Das müssen sie lernen,« erwiderte Mangold. »Dann wissen sie später, was gute Art ist. Und besser, sie lernens bei ihresgleichen, dann bei den großen Herren, wo Unfug mitläuft, den ein Knabe besser nit kennt. Ein Pferd putzen, füttern und satteln, einen Hirschziemer gerecht vorlegen und einen Trunkenen in Ehren heimbringen, das gehört zur hohen Schul des Rittertums so gut wie Fechten und Reiten. Nur wer gedient hat, der weiß, wie man verlangt, und was man verlangen kann. Doch Ihr sollt mich Vetter heißen, Frau Base. Ist auch unsere Verwandtschaft ein wenig ums Eck, die Not macht sie näher, und dem Schutz, den ich Euch leihe, gibt sie ein freundlicher Gesicht.«

»Du sollst noch ein Stücklein von dem Kapaun nehmen,« sagte Margarete zu dem Mädchen. »Du hast schier nichts gessen.«

Der junge Hutten trug schon das Brett herbei und löste mit Sorgfalt eine feiste Stelze von dem gebratenen Vogel.

»Das ist zu viel,« lispelte Helena mit einem gezierten Augenaufschlag.

»Ihr werdet's schaffen, Jungfer,« meinte Hutten, sie anlächelnd. »Es schaut nach mehr aus, ist ein stark Bein drin.«

Helena saß auf den Händen und trommelte mit den Füßen leise an das Kreuz der Sesselbeine. Sie betrachtete die schlanken Finger des jungen Edelmannes, als er ihr das Stück auf den Zinnteller legte. Dann blickte sie ihm rasch und seltsam ins Gesicht. Frowin wurde verlegen.

Der Geistliche benagte einen Flügel und rollte die Blicke auf und ab über das Mädchen und den Knaben.

»Es ist überwarm hie,« sprach die Hausfrau. »Findet Ihr's nit auch, Frau Base?«

»Der prächtige Ofen ist gar eifrig bei der letzten Winterarbeit,« antwortete Agatha mit ihrer dunkelsamtigen Stimme.

»Die seine erste war,« sagte Mangold aufstehend. »Ich hab ihn vergangenen Herbst von Frankfurt bringen lassen. Früher stund ein offener Herd da, machte viel Qualm und wenig Hitz.«

Er trat zu dem südlichen Fenster und stieß es auf. 98

»Der Wind hat sich mehr gen Mittag gewendet,« fügte er hinzu. »Das spürt man gleich.«

Nun gaben die trüben, bleigefaßten Scheibchen einen Blick ins Land frei: unendlich weite, verblauende Waldwellen und darüber hin das graubauchige Wolkengeschiebe. Ein nebelnder Regenstreif hier, ein dunstiger Himmelschein dort schräg in ferne Gründe hinab.

Helena, die dem Fenster gegenüber saß, schauderte ein wenig.

»Friert Euch, Jungfer?« fragte Mangold, zum Sitz kehrend.

Das Mädchen: »O nein, aber das ist ein grausig großer Wald.«

Mangold: »Den heißt man den Spessart. Habt Ihr noch nit gehört von ihm?«

Helena: »Freilich. Da gibt's Wölf und Bären und Räuber. Die Kaufleut fürchten ihn gar sehr.«

Mangold lächelte. »Und geht just der nächste Weg zur Frankfurter Meß durch, von Lohr auf Aschenburg. Das hat der Herrgott halt schlecht gemacht, daß er zwischen Nürnberg und Frankfurt solch ein düster Gehölz hat wachsen lassen.«

Das Mädchen: »Sie sollten's abhacken.«

Mangold: »Da täten wir ihnen aber kommen, Jungfer. Unsern herrlichen Spessart abhauen! Ihr wißt wohl nit, wie kaiserlich schön so ein großer Wald ist.«

Die Schloßfrau: »Wie sollt sie's wissen? Kennt nur Häuser und Gäßlein.«

Helena: »Wir hatten einen schönen Garten in Nürnberg, schier so groß wie der ganze Berg da. Und in Farrnbach hat man auch den Wald aus 'm Fenster gesehen.«

Margareta: »In den Gassen könnt mir nit wohl sein.«

Die Odheimerin: »Aber hier muß Euch doch manchmal die Zeit lang werden. Und wenn Ihr nit so tapfere Ritter um Euch hättet, es wär doch zum Fürchten einödig.«

Mangold: »In der Stadt, ja, da könnt ich mich fürchten. Im Spessart leg ich mich nieder und schlaf ruhig, nur nit grad an der Straßen.«

Helena: »Aber das wilde Getier und die bösen Geister.« 99

Mangold lachend: »Ein Wolf oder Bär sucht sich einen besseren Braten als einen geharnischten Reuter. Und die bösen Geister, Jungfräulein, die gehn nit im Wald um, die halten sich zu den Leuten in Dörfer und Städt. Im Wald da sind nur gute.«

Helena drauf: »Hab aber schon oft vernommen, wie die Kobold und Nixen einen Wanderer geirrt und gar verdorben hätten.«

Mangold: »Da hört man vielerlei, ist aber nie wer dabei gewesen.«

Helena: »Wann Ihr so einsam reitet, seht Ihr nie Gespenster?«

Der Ritter ernsthaft: »Ich hab wohl schon manches gesehn, was nit menschlich war.«

Und nach einer Weile Sinnens: »So wie ich inne ward, daß es kein Mensch ist, war ich allemal ruhig. Nur vor den Menschen muß man auf der Hut sein, Jungfräulein. Deshalb hab ich gern einen Hund hinter mir, wenn ich allein geh, daß er mir's anzeigt, wenn was von hinten aufrückt. Was vorn kommt, das soll mir nur kommen.«

Das Mädchen, sich gruselnd: »Erzählt doch was recht Gespenstisches. Habt Ihr schon einer Wasserfrau begegnet?«

Indem hörte man draußen die Gangtür gehn und dann das Getrappel kleiner Füße durch den Vorraum. Die Tür ging auf, und zwei Kinder kamen herein, ein Knabe bei sieben und ein Mädchen bei fünf Jahren.

»Ihr wollt euch wohl was Süßes holen?« begrüßte sie Mangold, von dem inzwischen aufgetragenen Backwerk nehmend. »Seid ihr auch brav gewesen?«

Die Kleinen starrten mit großen Augen die fremden Leute an und schwiegen verlegen.

Die Odheimerin strich dem Mädchen über den Blondkopf.

Mangold sah auf ihre feinen, weißen Hände und dann auf die roten, verarbeiteten seiner Gattin.

Margarete sagte: »Die Kinder sind nit die meinen. Der da ist von meinem verstorbenen Bruder Jörg, ein Waislein, und die Gretel gehört meinem Bruder Kunz, hat keine Mutter 100 mehr, und der Vater ist so viel unstät, da haben wir sie auch hergenommen.«

Die Odheimerin: »Und Ihr habt keine?«

Margarete schüttelte den Kopf.

Mangold ernst: »Gott hat sie uns versagt.«

Margarete: »Ist auch gescheiter. Zu der vielen Arbeit noch alle Jahr ein Wochenbett, das könnt ich brauchen.«

»Der Matthes hat einen Fisch gefangen,« sagte der Knabe, »so groß . . .«, und er zeigte, soweit es seine Arme langen wollten.

»Drunt in der Reiterstube liegt er auf 'm Tisch,« fügte das Mädchen bei.

»Wie groß ist er?« fragte Mangold, scherzhaft drohend. »Du, du! Wer gelogen hat, bricht sich drauß auf der Brücken das Bein.«

Der Bube steckte den Finger in den Mund.

»Und der süße Weck wird auch immer kleiner, je größer der Fisch gelogen ist,« fügte Mangold hinzu.

Der Kleine verzog das Gesicht. »Er ist aber wirklich so groß,« begann er zu schluchzen.

Da legte sich Katharina, die Kammerfrau, die eben einen gezimteten Süßwein zum Nachtisch auftrug, ins Mittel und sagte:

»Der Jörgel hat recht, Herr. Er kann 's nit einmal greifen, wie groß der Fisch ist. Der Matthes hat ihn in der Kinzig gestochen. Ist ein Salm vom Main herauf. Hab mein Lebtag so ein schön Stück nit gesehen.«

»Das ist brav,« sprach Mangold. »Brav vom Matthes, daß er ihn bracht hat, und brav von dir, daß du trotz Bedroh mit Beinbruch und Weckverlust bei der Wahrheit bliebst. Du wirst ein fester Reitersmann, Jörgel. Und jetzt darfst du selbst nehmen, soviel du magst.«

Damit hielt er dem Getrösteten und Gerechtfertigten den Teller hin.

Frowin von Hutten, der vor einer Weile hinabgegangen war, trat schnell ein und zog die Tür zu. Hinter ihm auf dem Gang hörte man schlurfende Schritte. 101

»Oheim,« sagte er hastig, »der Herr Nebukadnezar ist da, und er hat . . .«

»Einen Rausch wie immer,« fiel ihm Mangold sichtlich betreten und ärgerlich ins Wort.

Frowin: »Was soll ich . . .? Er kommt schon . . ., ich hab ihm nit gesagt, daß Ihr hier seid.«

Mangold: »Der find't überall hin wie ein Nachtwandler.«

Da ward schon die Tür aufgeklingt, und Nebukadnezar Voit, schwer vornüber gebeugt, betrat das Zimmer.

»Gott schütz dich . . .,« damit warf es ihn an den Türpfosten, daß er nach Halt griff. Die geröteten Augen weitend, starrte er die Odheimerin an.

Der Pfaff lachte grob auf.

»Gelobt sei Jesus Christus,« sprach Nebukadnezar ergeben und wankte ohne weiteres an den Tisch.

»In Ewigkeit,« erwiderte der Geistliche, die Augen rollend.

Auf Mangolds Wink schob ihm Frowin schnell einen Stuhl herbei.

Nebukadnezar ließ sich niedersinken, daß der Sessel knarrte, schwieg und blickte müd von einem Gesicht zum andern.

»Das ist Herr Nebukadnezar Voit von Rieneck,« sagte Mangold zur Odheimerin. »Ein tapferer Ritter und mein guter Freund. Aber Gott hat ihn mit großem Durst und Weiberhaß geschlagen.«

»Ein seltsamer Name,« sagte Frau Agatha sanft lächelnd.

Nebukadnezar nickte. »Sie sagen auch Nabucho . . . Nabucho . . . Nabuchodono . . . sor zu mir. . . . Mir ist's gleich.«

Helena wurde krebsrot im Gesicht und kämpfte mühsam mit einem Kichern, das sich schlagschnell auf den jungen Hutten übertrug.

»Hast du gessen?« fragte Mangold, die Stirn runzelnd.

Nebukadnezar machte eine abwehrende Handbewegung.

Margarete leise zur Kämmerin: »Es ist gewiß noch ein Süpplein warm. Tu gut Pfeffer drein und bring's ihm. Das macht ihn frisch. Nimm die Kinder mit.«

Katharina ging mit den Kleinen. 102

Der Voit sah dem Pfarrer in den Becher und rümpfte die Nase.

»Trinken magst du wohl nimmer?« sagte Mangold.

Nebukadnezar, ihn traurig anblickend, langsam: »Hast du schon einen Bach gefragt, ob er nimmer rinnen mag? Ich trink schon, aber das süße Geschlamp nit. Gib mir den Hellen vom Stein – du weißt schon.«

Frowin nahm auf Mangolds stummes Geheiß ein seltsames Trinkgefäß aus getriebenem Silber vom Kastensims, beste Nürnberger Feinschmiedearbeit, darstellend ein Wasserweiblein, das ein Becken über sich hält. Der Schuppenschwanz krümmte sich bequem zum Henkel, und weil er hohl war, faßte das Ding mehr Wein, als es den Anschein hatte.

Der Knabe füllte von einem Krug hinein und stellte es vor den Nebukadnezar. Die Odheimerin sah verwundert auf den schönen Becher. Mangold erklärte lächelnd: »Das hat mir einmal ein Kaufmann lassen müssen. Da hab ich's dem Herrn Voit zum Stammbecher auf dem Brandenstein gestiftet, weil er immer sagt, alles Verderben käm aus dem Weibsvolk.«

Nebukadnezar hob das Gemäß und streckte sich. »Alle Damen,« sprach er, und seine trüben Augen blitzten auf.

»Soll der Teufel holen, denkt er sich dabei,« sagte die Schloßfrau.

Nebukadnezar schwenkte einen Finger.

»Euch nicht, gute Frau, Euch nicht.«

Er tat einen tiefen Schluck. »Die andern holt er von selber.« Setzte den Becher hin. »Und die Männer, die holt er vermittels der Weiber.«

Darnach knickte er zusammen und versank wieder in trübes Sinnen.

Die Katharina trug ein Näpflein Suppe auf und stellte es vor den Junker. Nebukadnezar lehnte sich an den Tisch und legte die verschränkten Hände in den Napf. Die Suppe war nicht mehr gar warm, so brannte es ihn nicht in die Finger. 103

Helena platzte mit lautem Kichern heraus. Der junge Hutten folgte ihr unaufhaltsam. Der Kapellan tat ein paar rauhe Blöker.

Margarete nahm den Voit beim Ärmel und sagte: »Ich dacht, Ihr solltet Euch mit dem guten Süpplein die Gurgel waschen, nit die Händ.«

Nebukadnezar, der immerzu wie ein trauriger Hund die Odheimerin angestarrt hatte, sah geistesabwesend auf. Katharina entzog ihm das Näpflein, Hutten brachte ein Mundtüchlein und legte es ihm über die Hände. Der Voit besah gleichmütig die Bescherung, trocknete sich ein wenig ab und ließ das Tuch zu Boden fallen.

»So sollt Ihr doch was Gebratenes essen,« rief ihn die Hausfrau an.

Er schüttelte den Kopf und sprach wieder dem Becher zu.

Mangold suchte für die Odheimerin ein ablenkendes Gespräch.

Da wurden unten Hufschläge und Stimmen laut. Frowin sprang zum hofseitigen Fenster und schlug es auf.

»Zwei Reiter sind es,« rief er. »Der Miltitz und einer, den ich nit kenn.«

Mangold erhob sich. »Mein Bub, den ich auf Nürnberg geschickt hab. Was er wohl für Antwort bringt? Mich dünkt, der Knecht hat Nürnberger Farben. Adelhart!« rief er hinab. »Hast du Brief? – Komm flugs herauf damit.«

Mangold ging ungeduldig im Zimmer auf und nieder. Frowin von Hutten war hinab seinem Genossen entgegengelaufen.

Nun trat er mit ihm ein.

Der junge Miltitz war ein hübscher Bursche, größer als der Hutten und mit seideglänzendem Braunhaar um das jugendlich glatte Gesicht. Er trug Halbharnisch und hohe Reiterstiefel. Vorerst verbeugte er sich gewandt gegen die Damen und musterte Helena mit einem raschen, begierigen Blick. Dann zog er zwei Schreiben aus der angehängten Tasche hervor und gab sie Mangold.

»Eines von den Nürnbergern,« sagte er. »Ein Knecht ist mit, der soll Antwort bringen.« 104

»Hast du ihm die Augen verbunden?« fiel ihm Mangold ins Wort.

Adelhart von Miltitz nickte. »Oben, eh die Straß vom Holz herauskommt, hab ich ihm die Kappen selbst überzogen. Und von Lohr herauf bin ich quer durch 'n Wald Weglein geritten, die er nimmer findt. Das andere Schreiben ist vom Herrn Amtmann zu Lohr. Hat mich angerufen, wie ich vorüber bin, hab warten müssen, bis der Brief samt Copia eines, den er den Nürnbergern geschickt, fertig war.«

Mangold hatte das erste Schreiben erbrochen und gab's dem Pfaffen.

»Lest. Mir wird's schwer. Und die Schrift ist gar kraus.«

Der Kapellan entzog den Falten des Talars eine große Brille, putzte sie umständlich mit seinem Mundtüchlein und hing sie über die Nase.

Das Schreiben ans Licht wendend, räusperte er sich mehrmals und las:

»Erbar und vester, euer Widerschrift, belangend unser verpflichte und ungeledigte Bürgerin Agathan Odheimerin, uns yetzund zugesandt mit anzaig, daß ihr unser jüngstes Schreiben nit klein geachtet und darauf gedachter Odheimerin Gerechtigkeit Erbschaft, Testament übergeben Cammergerichts, unser und ander Urtel mit emsigem Fleiß beratschlagen und ersehen lassen und besunder, daß diese der Odheimerin Forderung nit allein auf sie, sondern auch Helena, ihrer Tochter, nach Absterben ihres Vaters erwachsen sey, die Ir auch auf Ir anlangen in alle Forderung gezogen und damit ewer vor überschickte Schrift wider erholet haben wollet mit erneuerung angehoffter Bit und derselben ferrer verursachung etc. haben wir alles Innhalts horn lesen und anfengklich nit unpillich angezogen, das Ir von bemelter Odheimerin neben der wahrhait bericht und mit ungrund In angezeigtem ewrem schreiben verursacht seyt, dann sich wirdet der Odhamerin und Ir tochter Forderung, zuvor dhweil sie die gegen uns als dem Commun understeen zustellen mit der Zeit ganz on grund und unpillich fürgenommen erfunden.«

Der Kapellan hielt schnaufend inne.

Mangold unwirsch: »Was heißt das nun? Diese gedrechselte 105 Red, dieses Gewind und Geschling, höflich und falsch, ein rechtes Stadtdeutsch.«

»Ich versteh gar nichzid,« sagte Margarete.

Die Odheimerin, mit Tränen kämpfend: »So viel versteh ich wohl, daß sie sagen, ich hätt euch neben die Wahrheit geführt, die Böswichter.«

Nebukadnezar, der, anscheinend stumpf brütend, fein hingehört hatte, fuhr auf, tat ein Zug und sprach: »Klar wie Brunnenwasser. Sie weisen's ab, daß die Frau ihr Forderung an den Nürnberger Commun stellt. Was geht's die Stadt Nürnberg an, wann ihre Bürger Unrecht tun?«

Mangold hitzig: »Wälsche Praktik. So mein Bauer stiehlt, muß ich's entgelten. Dafür hab ich Gericht über ihn.«

Nebukadnezar: »Der Städter ist frei.«

Mangold: »So hat er kein Gericht? Mag rauben, betrügen, placken, straft ihn niemand dann Gott in der Ewigkeit?«

Nebukadnezar: »Die Frau soll klagen vorm Nürnberger Gericht.«

Agatha: »Das hab ich getan drei Jahr lang, Herr Ritter. Ihr seht, was es nützt. Dort wer das größer Maul hat und den volleren Beutel und den bessern Doktor, der hat das Recht.«

Mangold: »Drum muß doch ein Ritter sich drein schlagen, weil Wittib und Wais in der Reichsstadt ihr Recht nit finden.«

Nebukadnezar hob die Kanne und schwieg.

»Lest weiter,« herrschte Mangold ärgerlich.

Der Pfaffe las. »Und das dem also und Ir augenscheinlich mocht befinden, was fug oder unfug die Odhamerin und Ir tochter gegen uns haben und suchen mog: So hat der gestrenng, Erbar und vest Herr Marx von Berlingen, Ritter zu Rottelsee vergangen Jar der Odhamerin halben auch an uns geschrieben, sich einer Übergab der Odhamerin Forderung berombt und gelegener weis abtrags begert.«

»Immer die alte Leier,« unterbrach Mangold. »Der Marx von Berlingen, das ist ihr Schaustück. Weil der sich hat von ihnen auf den Kopf machen lassen. Was geht mich der Marx von Berlingen an? Kenn ihn gar nit, weiß keine handliche 106 Tat von ihm.« Zu Nebukadnezar: »Und du, was hast denn du Dummes vom Götz von Berlichingen geschwefelt, daß er des Handels sich entschlagen hätt? Warst halt wieder voll. Marx und Götz, das ist dir gleich, als ob Spatz und Sperber ein Vogel wär. Möcht sehn, ob's dir gleich wär, wann ich dir Sachsenhausner Apfelwein statt Würzburger Tropfen vom Stein in den Krug schütten tät. Der Götz, der hätt den Handel nit gelassen, der hätt ihn brav geführt, da wär die hoffärtige Reichsstadt längst zu Kreuz gekrochen, hätt die arme Frau all ihr Recht und Gut und tüchtig Schadensgeld dazu.«

Nebukadnezar starrte unbeweglich vor sich.

Der Pfaff las weiter: »So hat der gestrenng . . .«

»Schon gehört,« fuhr ihn Mangold an.

Der Kapellan suchte eine Weile, räusperte sich und fuhr fort: »Wir haben aber her Marxen laut inliegender copey antwort und soviel underrichtung getan . . .«

Mangold: »Wo ist die Copey?«

Der Kapellan blätterte um, sah auf den Boden. »Nichts da.«

»Mir ward sonst nichts übergeben,« sagte der von Miltitz.

Mangold zum Voit: »Siehst du: Die ganze Geschicht mit dem Berlingen ist Lug und Trug. Verlang ich die Copey, dann ist die Urkund verloren und so weiter. Ah! Ich werd lange Umzüg machen, hab zweimal freundlich, christlich geschrieben, die schlüpfen wie der Aalfisch. Ich hau zu, ich sag ab, werf ihnen Kaufleut nieder, wolln sehn, ob sie für ihre Bürger einstehn. – Weiter das Gefasel.«

». . . laut inliegender copey antwort und soviel underrichtung getan, das er der sachen bisher Ru geben hat . . .«

Die Odheimerin einfallend: »Ich hab den Herrn von Berlingen gar nit selbsten gesehen, viel weniger gesprochen. Mein Bruder, damals noch am Leben, hat ihn angegangen. Darnach hat der Ritter einmal dem Rat geschrieben und seither nichts mehr getan.«

Mangold: »Ist ihm wohl der Mut wider die Nürnberger ausgangen. Gibt gar manchen schwachmütigen Ritter, Gott sei's geklagt. Will ihm nit nachfahren. Lest weiter.«

Der Pfaff las. »Ru geben hat wie Ir volligen bericht diser Hanndlung aus solcher unser Antwort geleicher weyse 107 habt zunemen, guter zuversicht, Ir werden euch frembde Sachen der maszen nit lieben, auch dise Weibspersonen, die unser verpflichte undertanen sein, dohin nit bewegen lassen, gegen uns laut eures anfenngklichen bedrohlichen schreibens thatlich zu hanndeln, sondern diser unser Antwort und underrichtung gesettigt sein . . .«

Mangold, abermals mit Erregung unterbrechend: »Das ist gut! Verpflichte Untertanen müssen und dürfen sie sein, Recht aber wird ihnen keins vom hohen Rat, und ich soll die großmächtige Stadt Nürnberg nun gar noch am End vor Bedrohung von ihren Untertanen schützen. Voit – hast du's vernommen? Was sagst du dazu? Ist das nit die Reichsstadt, wie sie leibt und lebt? Falsch, ungerecht, hinterhältig, feig. Der Wanst, der nur seine Ruh haben will.«

Nebukadnezar mit einem riesigen Gähnen: »Hab ich der Stadt je Gutes nachgesagt oder gewollt? Wünsch ihr den Teufel an Hals. Aber warum sollst du just des Teufels Geschäft treiben?«

Mangold: »Das ist nit des Teufels Sach, die ich treib, das ist Gottes Gerechtigkeit.«

Nebukadnezar: »Der Teufel spielt gar oft des Herrgotts Anwalt, wann er wen verderben will. Möcht er nur dir vom Hals bleiben, Mangold.«

Mangold: »Du spinnst. – Weiter.«

Der Pfaffe: ». . . gesettigt sein: Wo aber nit, so sein wir urpütig, wöllen euch auch hiemit zugeschrieben haben, das wir euch auch der Odhamerin und Irer tochter aller Irer Forderung halben Rechtens wie Recht ist sein und pflegen wollen vor Romischer kayserlicher Mayestat . . .«

Der Pfaffe sprach mit erhobener Stimme, die Augen traten ihm vor lauter Hochachtung ganz schreckhaft hervor.

». . . vor Romischer kayserlicher Mayestat, unsern allergnädigsten Herrn, Irer Mayestat Kammergericht, den Stennden des Bunds im Land zu Swaben, auch den hochwürdigsten, hochwürdigen, durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herren Albrechten, Ertzbischove zu Mentz und Magdeburg, Ehurfürsten etc., Georgen zu Bamberg etc., Herrn Konraden zu Würtzburg Bischove, Herrn Kasimir 108 Marggraf zu Brandenburg oder gemeiner Ritterschaft im Lannde zu Franken, unser gnädigsten, gnädigen und günstigen Herrn, welcher ende euch das gelieben wyll und dazu der Odhamerin oder euch zu den unsern, zu den sy zuspruch zu haben vermainen, oder Iren Erben schleinigs Rechtens zu verhelfen, verhofflich, euch solle dises unser übermäßigs erpieten dohin bewegen, des settigung zu tragen oder über das der Odhamerin und Irer tochter nit mehr anzunehmen, sondern die von euch zu weysen, dester genaygter beleyben euch, Dienstparkeit und guten Willen zu erzaigen. Datum Sambstag nach oculj 1519.«

Der Kapellan legte den Brief hin und stärkte sich. Auch Nebukadnezar tat einen tiefen Zug. Alle schwiegen und sahen vor sich hin. Mangold schritt mit schweren Tritten vor dem Ofen auf und nieder.

Nebukadnezar tat noch einen Schluck und sprach zuerst: »Unbillig ist's nit, was sie erbieten. Das will viel heißen, daß sie fremdes Gericht vorschlagen.«

Die Odheimerin: »Der Herr Mangold macht ihnen doch Respekt.«

Mangold: »Das ist's. Und so ist das ganze Geschwätz mit den anderen Gerichten ein Schlupf, eine Ausflucht, so hoffen sie's auf die lange Bank zu schieben, und dann gute Nacht. Der Kaiser – was kann der Kaiser! Den halten die Reichsstädt und die Fürsten am ersten zum Narren. Was tut er, wenn's an ihn kommt? Er weist's an das Kammergericht, und da kriegt etwan der Helena Urenkelkind einmal Bescheid. Und die Pfaffen, die sie nennen, die Hochwürdigsten, die Hochwürdigen und die Fürsten, das steckt doch alles unter einem Hut: Der Bischof von Würzburg, der verdirbt sich's doch lieber mit der Odhamerin als mit Nürnberg. So ist's ja: Gerechtigkeit findt der Schwache heut nimmer in Deutschland. Alles auf Vorteil der Großen eingericht. Hundert Instanzen, das heißt Mäuler und hohle Händ zwischen dem geringen Mann und dem Kaiser. Was auf güldenen Rädlein lauft, das kommt vielleicht ans Ziel, so ihm nit ein güldener und schwerer Fuhrwerk den Weg kreuzt. Es hilft nichts, dann das Schwert.« 109

Nebukadnezar: »Sie schreiben da auch von gemeiner Ritterschaft im Lande Franken. Das sind wir selber, das ist sehr viel für eine Reichsstadt, daß sie sich uns will unterwerfen.«

Mangold: »Voit, du weißt's so gut wie ich, was vom ritterschaftlichen Gericht ist zu halten. Was tun wir, so wir Händel unter uns haben? Rufen wir unser Gericht? Wir ziehn vom Leder und gehen uns ans Fell. Und gäb's auch noch ein rechtes Gericht, säßen die Schöffen unterm Eichenbaum wie in guter, alter Zeit, dein Recht findst du heut doch nimmer, weil uns die wälschen Doktores unser gerades deutsches Recht schon lang mit dem krummen römischen vertauscht haben. Alles Übel von dem fremden Recht. Verstehn tut's keiner, er nähm denn einen Doktor. Und darum haben sie's eingeführt, dem Kaiser aufgeschwatzt, im ganzen Reich, verordnen lassen, damit die Doktores davon leben können. Die Fürsten und die Reichsstädt, die haben am ersten dazugeholfen. Jetzt geh und schaff dir dein Recht, aber nimm dir erst einen Beutel voll Geld und kauf dir einen Doktor und schau, daß ihn dir dein Feind nit abkauft. Dann kauf den Richter und paß auf, daß dein Feind ihm nit mehr zahlt. Ist's so, oder ist's nit?

Darnach wird Recht fälschlich Ohnrecht,
Das macht manchen Armen Knecht.

Zitiert, distinguiert, dezerniert, skribiert wird annitzt mehr, als manche Sach wert ist, einen ehrlichen, freien Rechtsspruch, den hörst du nimmermehr.«

Er blieb vor Nebukadnezar stehn, schlug sich auf die Schwertseite und dann auf den Tisch, daß die Kannen hüpften.

»Da hängt unser Recht und da, diese Faust wird's sprechen, so wahr ein Gott da droben ist und ich ein Ritter bin.«

Nebukadnezar schläfrig: »Du weißt's besser. Man ist allemal gar gescheit, wenn man blind in sein Schicksal rennt. Red nit viel und tu, was du nit lassen wirst.«

Mangold hatte sich an den Ofen gelehnt und sah düster vor sich hin. Es war ein so tiefes Schweigen im Zimmer, daß man die Diele knistern hörte, wenn einer sein Gewicht von einem Fuß auf den andern legte oder tiefer Atem zog. 110

Mangold hob den Blick, ließ ihn schnell von der Odheimerin zu Margareta, wieder zurück und wieder hin gleiten.

Mit einem plötzlichen Ruck sich spannend: »Es gibt nur eine Antwort auf das gleißende Gefasel: den Feindsbrief. Herr Kapellan, holt Euer Schreibzeug.«

Der Pfaffe sah den Ritter verstört an.

»Einen Feindsbrief, den schreib ich nit. Das ist nit geweihter Hände Amt,« sagte er mit Ingrimm lachend.

Mangold: »Ja so. Ihr habt recht. Aber mir geht die Schrift übel und krumm aus der Hand. Zum Namen langt's noch grad. Frau Base, Ihr führt gewißlich eine gute Feder.«

Die Odheimerin: »Lesen könnt man's, Herr Mangold. Aber ich denk, wo Blut draus werden kann, da sollt auch eine Frauenhand nicht dran rühren. Überhaupt, mir ist gar schlimm zu Mut, nun wo Ihr Ernst machen wollt. Ich hört, es wär noch ein Brief da von einem Amtmann. Vielleicht . . .«

Mangold: »Ja. Lest das andere Schreiben.«

Der Kapellan öffnete den Brief des Sebastian von Lautter, dem eine Beilage entfiel, und las:

»Mein freuntlichen dinst zuvoran. Liber Schwager, mir ist kund worden, daß du in willen hast, handel aufzuheben mit denen von Nürnberg einer wittib halben, Odhamerin genannt, auch hab ich vernommen, du hättst schon ettlich Nürnberger Bürger nyderwerffen oder fahen lassen, so ist ein Gered bei Bamberg, mag auch nit war seyn, weill in diser Zeit mancher von Adel sich auf freier Straßen nährt und üble tatt leider Gotts schier jeden Tag geschicht, wo doch besser Ding vor einen Ritter zu treiben wär. So hab ich auch dir wollen gutten Dinst tun, daß du nit in keiner Sach übereilst, weil du mir insonder Frundt und verwandt und auch meines Amts ist, frieden halten und wahren, so ichs vermag, was dann yedes christlichen Edelmanns Schuldigkeit wär, nit gleich dreinschlagen, es sey dann auf Turcken und Wellsche, aber das will heut keinem Ritter nit schmecken, sucht lieber handel auf den Straßen und rauft sich mit Städtern herum vor sachen, so ihn nichts angehn. Hab also dem Rat zu Nürnberg ein schrifft in copey angeschlossen getan, wo vielleicht 111 noch was gut zu machen wär und vermeint, dir damit guten dinst zu erweisen, darumb du mirs nit für übel halten sollst. Und ich sag dir, sich dich vor, es wird gar bald schlimme Zeit haben für uns vom Adel, ich hör gar manches, was andern nit ans Ohr kommen mag, insonderheit sind die pauern finster und geht ein heimlich empörung und viel seltsam red um beim gemeinen mann. Solchs hab ich dir nit wollen verhalten, ratt, du sollst dir die Sach wider Nürnberg gutt überlegen und nit Zorn vor pillichkeyt gen lassen, das ist mein freundtlich maynung, weil ich dir stetz willig zu verdinen bin. Datum uff laetare. Bastian von Lautter mayn hant.«

Eopey: »Dem erbarn fürchsichtigen und weysen Herrn Bürgermeister und Rate der Stadt zu Nürnberg, maynen günstigen Herrn. Mein freuntlichen dinst zuvor. Erbarn, fürsichtigen herrn, mir ist fürkommen, wie der ernvest mangolt von Eberstein, der mir frunntschafft und nachparschafft halben verwannt, mit euch einer eurer mitburgerin halben, die des Irn durch euch oder die euern unpilliche vergeweltigt sey, In Irrung stee, deszhalb gegen euch ein verwahrung getan, auch ettliche der euern darob gefangen und geschatzt haben solle. Dhweil ich dann dieselb Irrung und solchen widerwyll zwischen euch, als meinen günstigen Herrn, und Ime Mangolten, als meinem In sunder guten Frunnt und nachparn, nit gern sehe, und diselb Irrung ye gern hingelegt sehn wollt: Wu Ihr dann hierjnnen gutlich unverpüntlich hanndlung fürzunehmen leyden mocht, wolt ich maynes tayls mit andern so der sachen verstenndig, egedachten Mangolten meines versehens zu solchem auch vermogen und alsdann understeen, müglichenn fleys fürzuwenden, domit diselb Irrung nach pillichen dingen bey und hingelegt werdt und weitterung, so daraus mag ervolgen, vermitten plybe: begere hievon bey gegenwertigem boten euer beschrieben antwort. Datum uff josephi. Bastian von Lautter, Amptmann zu Lohr. P. S. ist mir noch kein antwort zukommen.«

Der Kapellan war zu Ende. Nebukadnezar fand zuerst ein Wort. »Der gute Bastian,« sprach er. »Das ist ein rechtschaffner Mann. Den sollst du hören, Mangold. Der richt dir den Handel nit nach römischem Recht.« 112

Mangold tat schweigend ein paar Schritte auf und nieder.

»Gut meint er's,« sagte er achselzuckend, »und ist wohl in Ansehn bei Rittern und Fürsten und hat Freunde in Nürnberg.«

Die Odheimerin: »Ich mein auch, Herr Vetter, Ihr sollt's ihn versuchen lassen. Hat's so lang gedauert, mag's auch noch ein paar Wochen Weil haben, eh man tätlich anfangt. Ist's wahr, habt Ihr schon Nürnberger gefangen?«

Mangold: »Nit einen. Leeres Geschwätz. Vielleicht der Absberger, vielleicht der Seckendorff. Es ist gar mancher derer zu Nürnberg Feind.«

Und wieder nach ein paar sinnenden Schritten: »Man kann's beschlafen.« Zu Miltitz: »Wer ist der Nürnberger, den du mitgenommen hast?«

»Herrn Endresens Tucher Stallbursch.«

»Führ ihn in die Reiterstuben, sorg für Quartier und Atzung. Er wird morgen Antwort kriegen – oder übermorgen. – Was ist das?«

Er hielt inne und horchte. Unten legten die Hunde von neuem los, und der Türmer stieß ins Horn.

Hutten war zum Fenster geeilt.

»Reiter sind im Hof. Das ist Herr Kunz von Rosenberg und noch ein Junker, ich nehm ihn nit aus. Und ein Knecht.«

Margareta, beim andern Fenster: »Da von Vollmerz her ziehen auch reisige Leut.«

Mangold: »Sie kommen allgemach zusammen, die ich gerufen hab.« Zur Odheimerin: »Ihr werdet heut manchen fränkischen Ritter da sehn, es könnt ein Dutzend werden. Sind aber nit all so schlimm wie der da.« Er deutete lächelnd auf Nebukadnezar.

Der sagte: »Wollt Gott, du hättst keinen schlimmern Freund denn mich. Da wärst du gut beraten.«

Mangold, ihm die Schulter klopfend: »Ich weiß, daß du's ehrlich meinst, Alter. Margaret, laß Feuer machen im großen Saal und ein Faß Wein auflegen, auch Imbiß zurichten. Es wird hitzig hergehn. Sie haben alle die Köpf voll von der Königswahl.« 113

Die Schloßfrau erhob sich und ging. In der Tür, die hart von außen aufgerissen wurde, fuhr sie an ihren Bruder, den Kunz von Rosenberg.

 

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