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Rinaldo Rinaldini der Räuberhauptmann

Christian August Vulpius: Rinaldo Rinaldini der Räuberhauptmann - Kapitel 3
Quellenangabe
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typefiction
authorChristian August Vulpius
titleRinaldo Rinaldini der Räuberhauptmann
publisherInsel Verlag
seriesinsel taschenbuch
volume426
printrun1. Auflage
editorKarl Riha
year1980
firstpub1799
correctorfranka.antenne@gmx.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
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Zweites Buch

Der Zufall weilt, wo Liebe weilet,
Er wirkt und schafft, er führt zum Ziel;
Dort wird der süße Raub geteilet,
Und immer kühner wird das Spiel.

Originalillustration

Die Sonne war aufgegangen. Unser Pärchen machte sich auf den Weg. – Sie kamen der Landstraße näher und sahen, als sie eben dieselbe wieder verlassen wollten, einen Bauer auf sich zukommen, der bei ihrem Anblicke seine Schritte verdoppelte. Rosalie sprang in den Wald zurück; Rinaldo aber blieb stehen und erwartete die Annäherung des Bauern, der, noch weiter als zehn Schritte von ihm entfernt, ihm laut entgegenjauchzte:

»Sei gegrüßt, du glücklich Wiedergefundener!«

Da erkannte Rinaldo an der Stimme, daß es der wackere Cinthio war, der ihn so froh grüßte.

Sie eilten aufeinander zu und umarmten sich mit Frohlocken. – Rosalie trat schüchtern herbei.

Rinaldo Sehe ich dich wieder, braver Cinthio! – Und du bist dem Tode entkommen?

Cinthio Glücklich! – Ich, Altaverde und der Bube Steffano, wir sind es, glaube ich, nebst dir allein, die von uns allen entkommen sind. Wir dreie, verwundet, aber ich am leichtesten, wurden über die Gebirge getrieben. Bei dem Caprilischen Passe war Matheo mit seinem Kommando von den Soldaten beängstigt worden und zog sich, der Grenze näher zu sein, über die Perlenhöhen. Dort trafen wir uns und erzählten ihm unser Unglück. Es war nicht zu zaudern. Wir griffen einen Milizposten an, ließen acht Mann auf dem Platze und schlugen uns durch, bis in die Waldungen, wo ich dich jetzt so glücklich gefunden habe. Und hier hausen wir.

Rinaldo Führe mich zu den braven Burschen. – Ich weiß einen guten Platz für uns.

Cinthio Wer ist das Mädchen?

Rinaldo Sie gehört mir an.

Cinthio So sei sie gegrüßt und willkommen.

Nun wanderten sie dem Platze zu, wo Matheo und seine Gesellen ihr Lager aufgeschlagen hatten. – Rinaldo wurde mit lautem Jubel empfangen und erzählte die Geschichte seines Kampfs mit Batistello.

»Das war recht, Hauptmann!« schrie Matheo, »daß du den Kerl niederschossest.«

Hierauf beschrieb ihnen Rinaldo die Ruinen, und sie brachen sogleich auf, von denselben Besitz zu nehmen. – Da quartierten sie sich ein und fingen an zu kochen und braten.

Gegen Abend gaben die Wachen Signale. Alle griffen zu den Waffen und zogen einem Trupp von zehn Mann entgegen, die von Batistellos Bande waren. Es kam bald zwischen beiden Parteien zum Handgemenge, die Batistellianer zogen den kürzeren. Sechs Mann blieben auf dem Platze. Die übrigen vier unterwarfen sich, schwuren Rinaldo den Eid der Treue und wurden unter seine Bande aufgenommen.

 

»Es kommt nicht wenig darauf an«, – sagte Rinaldo, als sie einige Tage unter den Ruinen verlebt hatten, – »zu wissen, wie es in dem Florentinischen steht. Ich habe mich entschlossen, selbst Nachforschungen anzustellen, und werde daher morgen auf einige Zeit von euch gehen. Ihr sollt mich aber bald wiedersehen, hoffe ich. Bis dahin mag Altaverde das Kommando über euch führen. Als Beistände gebe ich ihm Matheo und Cinthio zu.« Den folgenden Morgen bestieg er, fein gekleidet, ein schönes Pferd, und Rosalie folgte ihm in Bubentracht auf einem Maultiere nach.

Er schlug den Weg nach Oriolo ein, und die Leser können leicht denken, daß er in die Gebirge eilte, seinem Freunde Donato einen Besuch abzustatten.

Die Soldaten waren wieder in ihre Quartiere zurückgekehrt, glaubten Rinaldinis Bande ganz zerstreut zu haben, und die Grenzen waren unbesetzt.

Es war ein schwüler Morgen, als er sich Donatos Klause näherte. Der Alte saß vor der Tür seiner Einsiedelei, hörte Hufschlag und stand eben auf, dem Geräusch entgegenzugehen, als Rinaldo vor ihm stand. Donato erkannte ihn nicht gleich, denn er hatte sein Gesicht unkenntlich gemacht, dennoch aber hatte er eine gewisse Ahnung, mit der er ihn scharf ins Auge faßte.

Rinaldo Gott mit dir! Ich freue mich sehr, dich wohlauf zu sehen, ehrlicher Freund!

Donato Du kennst mich?

Rinaldo Wir kennen uns beide. – Kannst du nicht erraten, wer ich bin?

Donato Ach! meine Ahnung! – Und du lebst wirklich noch? Man sagt für gewiß dich tot.

Rinaldo Desto besser! – Du siehst aber, daß ich noch lebe.

Donato Was willst du nun hier?

Rinaldo Dich will ich noch einmal besuchen, ehe ich Italien verlasse.

Donato Das willst du? – Und in andern Ländern? –

Rinaldo Will ich in der Stille leben, Gutes tun und keine Räuber mehr anführen.

Donato Segne der Himmel deinen Vorsatz!

Rinaldo Jetzt bleibe ich bei dir und verlasse dich vor morgen nicht wieder.

Pferd und Maultiere wurden abgesattelt, die Mantelsäcke in Donatos Stube gebracht, und die Gäste nahmen Quartier. Was sie bei sich hatten, wurde für die Tafel hergegeben, und Rosalie, in ihrer jetzigen Tracht Rosetto genannt, nahm sich der Küche an.

 

Gegen Abend saßen Donato und Rinaldo vor der Tür und beobachteten den Zug donnerschwangerer Gewitterwolken, die die Gipfel der Berge umhüllten. Flammende Blitze durchkreuzten den schwülen Horizont, und das verdoppelte Echo gab die entfernten Donnerschläge zurück. Nach und nach fielen Tropfen; endlich strömte der Regen herab und trieb sie in die Klause. – Sie setzten sich an den Tisch, und Rosalie kredenzte den aufgetragenen Wein.

Rinaldo Nun, Freund! da es sehr wahrscheinlich ist, daß wir uns jetzt zum letztenmal sprechen, so sage mir: Wo ist Aurelia?

Donato Ich sage dir, bei Hand und Schwur, sie ist nicht mehr in dieser Gegend.

Rinaldo Im Kloster?

Donato Nein. – Ihr Vater hat sie mit sich genommen.

Rinaldo Wer ist ihr Vater?

Donato Mein Freund, der Mann, den du kennenlerntest, als du letzthin von mir gingst; der Malteser; der Prinz della Roccela.

Rinaldo Ach! gewiß: Die Dame im Nonnenschleier ist Aureliens Mutter?

Donato So ist es. – Sie ging nach der Geburt ihrer Tochter ins Kloster, denn – ihr Liebhaber, der Vater ihres Kindes, ist, wie du weißt, Malteser-Ritter. Der Prinz hat seine Tochter mit sich genommen und wird sie vermählen.

Rinaldo Bist du mit ihm verwandt?

Donato Ich bin sein Oheim.

Rinaldo Du bist? –

Donato Ich bin ein verbannter Römer aus einem vornehmen Geschlecht, der dem verderblichen Nepotismus weichen mußte, dessen Anmaßungen er sich widersetzte.

Rinaldo Kann ich dir gegen deine Feinde dienen? Willst du sie zur Rechenschaft gezogen sehen? Das Racheschwert lag schon oft in meiner Hand. Oft werden selbst Strafbare strafende Werkzeuge des Himmels.

Donato Ich habe meinen Feinden verziehen und überlasse meine Rache dem Himmel selbst, ohne ihm vorzugreifen.

Rinaldo Mein Anerbieten soll dich nicht beleidigen. – Brauchst du Geld?

Donato Ich brauche keins. Du hast mich ohnehin neulich, ohne meine Erlaubnis, beschenkt. Wir trinken jetzt von dem Weine, den ich von dir erhielt.

Schweigend leerte Rinaldini sein Glas, und nach einer starken Pause fragte er mit beinahe wehmütiger Stimme:

»Wird Aurelia glücklich sein?«

Donato Ich hoffe und glaube es. – Fürchtest du nichts, daß du dich so ganz allein in ein Land wagst, wo allenthalben deine Verräter lauern?

Rinaldo Ich bin nie ohne Bedeckung, wenn sie auch nicht um mich ist.

Donato Du bist ein gefürchteter Mensch!

Rinaldo Und fürchte mich nur vor mir selbst.

Donato So ringst du mit einem sehr mächtigen Feinde, den du nie besiegen wirst.

 

Mit Tagesanbruch verließ Rinaldo seinen Wirt, ließ ihm eine Sicherheitskarte zurück und suchte einen Platz, auf welchem er Geld vergraben hatte, das er auch glücklich wiederfand, und eben war er im Begriff, sein Pferd zu besteigen, als er einen Kapuziner auf sich zukommen sah, den er bald erkannte. Es war Amadeo, der in dieser Verkappung umherschlich und seine Kameraden suchte. Sie bewillkommneten sich beide und hatten sich viel zu erzählen.

Während eines guten Frühstücks, dessen der Pseudo-Kapuziner gar sehr bedurfte, schrieb Rinaldo einen Brief an seine Leute, den er durch Amadeo an Altaverde sendete. Er schrieb:

»Die Umstände zwingen mich weiterzugehen, und ich werde euch so bald nicht wiedersehen können. Wird euch euer jetziger Aufenthalt lästig oder unsicher, so geht in die Apenninen zurück, wo ihr jetzt wieder ruhig sein könnt. Vermehrt die Truppe und seid vorsichtig! Ich bin auf dem Wege, einen großen Streich auszuführen. Vor allen Dingen empfehle ich euch Einigkeit und die gänzliche Vernichtung der Batistellischen Bande.«

Mit dieser Depesche ging Amadeo den bezeichneten Weg zu seinen Kameraden, und Rinaldo schlug die Straße über Benedetto nach Sarsina ein, um nach Cesena zu gehen. Unterwegs traf er auf Nikolo und Sebastiano, die aus den Basinischen Waldungen mit gutem Glück entkommen waren und die Grenze erreicht hatten. Nikolo erhielt von ihm Weisung, seine Gesellen zu finden, und Sebastiano blieb als Kutscher bei ihm. Denn zu Sarsina kaufte er sich vier Zugmaultiere und einen Wagen, weil die Last seines Gepäcks durch seine aufgegrabenen und glücklich gefundenen Schätze immer stärker wurde. Rosalie saß bei ihm in dem Wagen. Er reiste als Graf Dalbrogo weiter.

 

Zu Cesena fand er einen Bänkelsänger, der Rinaldinis Taten auf einem offenen Platze unter einer bemalten Leinwandtafel absang. Das um ihn herum versammelte Volk hörte diesem Manne mit großer Aufmerksamkeit zu, und Rinaldo drängte sich in den Kreis, zu hören, was man von ihm sang. Eben sang der Bänkelsänger folgende Stanzen:

Da lag er hart verwundet
Und seufzte jämmerlich:
»Ach, wer erbarmt sich meiner?
Wer kommt und rettet mich?

Sind alle meine Leute
So schnell davon geflohn?
Ach, wär' doch hier ein Priester!
Die Zunge stammelt schon.

Er möge meiner Sünden,
Und meiner bangen Qual,
Mich väterlich entbinden,
Und trösten überall!«

Hier zog der Bänkelsänger den Hut vom Kopfe und schrie: »Laßt uns, o laßt uns, meine Christen, ein Vaterunser beten für den armen beichtenden Rinaldini!«

Alle zogen die Hüte ab und falteten die Hände. Rinaldo tat, um nicht aufzufallen, was die andern taten, und betete für sich selbst.

Hierauf warf der Bänkelsänger den Hut unter die Zuhörer und schrie ihnen zu:

»Mai! e io sono un povero Christiano! Selig sind, die da geben!« Einer hob den Hut auf, und es regnete Kupfermünzen in denselben. Rinaldo warf Silbergeld hinein, das zog ihm von einem Nachbarn ein

»Bravo Christiano!«

zu. – Als der Hut wieder zu seinem Herrn kam, strich dieser das Geld zusammen, steckte es zu sich, setzte den Hut auf und sang fort:

So seufzte Rinaldini
Und sprach im großen Schmerz:
»Ach! brich doch mein getreues,
Zu viel beschwertes Herz!«

Er sprach: »Ach! Jungfrau reine,
Du unbefleckte Magd!
Dich bitt' ich um Erbarmen,
Dir sei mein Leid geklagt.

Erbarme dich des Sünders
Und nimm ihn zu dir auf!«
Drauf gab er mit Verzücken,
Sein böses Leben auf.

Erlös uns, Herr, vom Übel,
Und nimm dich unsrer an,
Damit wir nie betreten
Des Lasters breite Bahn!

Die Zuhörer waren alle erbaut und gerührt, nur Rinaldo nicht, und gingen auseinander. Der Bänkelsänger aber packte seine Herrlichkeiten zusammen und zog auf einen andern Platz, seine Romanze zu wiederholen. Viele folgten ihm nach, die Geschichte noch einmal zu hören.

Rinaldo aber wendete sich zu seinem Nachbarn, der eine Art von Stadtviertelsmeister oder so etwas zu sein schien, und fragte: »Also ist der Erzräuber Rinaldini wirklich tot?«

»Ja!« – erwiderte dieser – »Gott sei seiner belasteten Seele gnädig! Er ist wirklich tot und geblieben in einem Gefechte gegen die Toscanische Miliz. Sein Kopf steckt vor dem Rathause zu Pienza, dort kann ihn jedermann sehen auf einem Pfahle.«

»Das ist sehr gut!«

»Jawohl! – Er war der Schrecken von ganz Toscana und der Lombardei. – Schade! ewig schade! daß er seine Verstandeskräfte und seine Tapferkeit nicht besser anwendete!«

Ein Franziskaner erbot sich, ein paar Messen für Rinaldini zu lesen, und erhielt Geld. Rinaldo selbst gab ihm etwas dazu und beförderte also seine Exsequien bei lebendigem Leibe.

 

Als er den folgenden Tag Cesena verlassen wollte, erblickte er den bekannten Malteser, der ihm auf der Straße entgegenkam. Es war unmöglich, ihm auszuweichen. Er faßte sich schnell, ging auf ihn zu, nahm ihn bei der Hand und sagte:

»Prinz! ich bin in Eurer Gewalt.«

»Mein Gott!« – rief dieser verwunderungsvoll aus: – »Seid Ihr es wirklich? Seid Ihr vom Tode auferstanden?«

Rinaldo Ihr seht mich lebendig vor Euch.

Prinz Fürchtet nichts von mir. Ich bin kein Sbirre.

Rinaldo Wenn ich Euch einmal in meinem Leben auf irgendeine Art dienen kann.

Prinz Ohne Umstände! – Seht Euch wohl vor.

Rinaldo Man glaubt mich tot und singt mein unglückliches Ende auf allen Straßen ab.

Prinz Gut für Euch! – Aber daß Ihr hier so öffentlich und allein –

Rinaldo Glaubt nicht, daß ich allein bin. In hunderterlei Gestalten umgeben mich die Meinigen. Sich meiner Person zu bemächtigen, würde Blut genug kosten.

Prinz Wollt Ihr nicht einmal endigen?

Rinaldo Das will ich. In Deutschland will ich die Meinigen auseinandergehen lassen, wenn es mir gelingt, dieses Land zu erreichen. – Wohin geht Ihr?

Prinz Jetzt nach Urbino.

Rinaldo Dort sehe ich Euch wieder. – Prinz, erlaubt mir die Frage: Ist Eure Tochter glücklich?

Prinz Wie? Ihr wißt –

Rinaldo Donato hat mir alles gesagt.

Prinz Ja – sie ist glücklich verheiratet, hoffe ich.

Rinaldo Gott segne sie! – Prinz! Eure Maultiere wurden einst von meinen Leuten –

Prinz Still davon!

Rinaldo Ich bitte Euch, nehmt diesen Ring von mir!

Prinz Als ein Andenken von einem so merkwürdigen Mann, als Ihr seid, nehme ich diesen Ring an.

Rinaldo Ich danke Euch! – Und da Ihr viel zu reisen pflegt, so bitte ich Euch, nehmt diese Karte von mir. Meine Leute werden sie allenthalben und unbeschränkt respektieren.

Prinz Ich nehme auch dieses Euer Geschenk an. –

Rinaldo Gehabt Euch wohl und gedenkt meiner!

Er ließ sogleich anspannen und ging auf einem andern Wege weiter.

 

Er schickte Sebastiano, als er seine Maultiere verkauft hatte, voraus, brachte sein Geld wieder in Sicherheit und zog sich in die Apenninen rechts hinunter.

Hier fand er eine leere Klause, die nicht längst verlassen zu sein schien, wie eine noch ziemlich frische Schrift bezeugte, welche auf dem Tische des einzigen Einsiedlerzimmers lag. In dieser hieß es: »Wer du auch sein magst, der du nach mir diese Klause zu deiner Wohnung wählst, so wünsche ich dir, daß du ebenso glücklich als ich, der ich dieselbe bewohnte und dieses schrieb, dieselbe wieder verlassen magst.«

Rinaldo hatte dieses kaum gelesen, als es ihm einfiel, hier einige Zeit ein Eremitenleben zu führen. Die Kutte war schnell übergeworfen und Rosalie nahm sich der Haushaltung an; die aber, was besonders Tisch und Keller betraf, weit glänzender war, als ein gewöhnlicher Klausner sie zu haben pflegt.

 

Er hatte hier einige Tage verlebt und war eben einmal auf seinem Morgenspaziergang, als er auf einen Menschen stieß, der auf einer Anhöhe saß und zeichnete. Diesem nahte er sich, grüßte ihn, redete ihn an und fragte, was er da zeichne?

»Ich zeichne diese Gegend«, antwortete jener – »weil sie in unsern Tagen merkwürdig geworden ist: denn hier ist Rinaldini gefallen. Unter jenem Baume hat er mit gespaltenem Haupte seinen Geist aufgegeben. – Ein Soldat, der mit in dem Gefecht war, hat mir diesen Platz genau bezeichnet. – Ist der Platz gezeichnet, radiere ich ihn und verkaufe ihn illuminiert, wovon ich einen guten Profit zu ziehen hoffe. Eine zweite Platte enthält das Gefecht, das auch Käufer finden wird. – Auf dem ersten Blatt, wo ich das Tal leer lasse, bringe ich neben dem Baume, wo Rinaldini fiel, einen Galgen an, und die Sache wird emblematisch.«

Lächelnd nickte seinem Unternehmen, wie es schien, der Mann, von dem er eben sprach, Beifall und sagte ganz trocken:

»Das gibt eine gute Spekulation!«

Der spekulative Künstler fiel rasch ein:

»So muß es in der Welt gehen! Dergleichen Vorfälle müssen die Kunst ernähren, für welche die Menschen so wenig tun.«

Schnell verließ Rinaldo diesen Spekulanten und wünschte ihm guten Absatz seines Kunstwerks. Heimlich aber ärgerte er sich doch ein wenig über den Galgen, der zum sprechenden Emblem seines Grabmals gemacht werden sollte.

Als er nach seiner Klause zurückkam, hörte er Lärm in derselben. Er lauschte, vernahm drohende Stimmen und hörte Rosalien weinen.

Schnell trat er in das Zimmer, wo Rosalie weinend auf der Bank saß, und zwei Kerle von ziemlich ungeschlachtem Ansehen waren eben damit beschäftigt, ein Wandschränkchen zu erbrechen. Sie waren so sehr auf ihre Arbeit erpicht, daß sie ihn nicht kommen hörten. Er winkte Rosalie, die ihn sah, zu schweigen, trat rasch hinzu, warf den einen Kerl zu Boden und bemächtigte sich einer Pistole des Räubers, die auf dem Tische lag. Rosalie zog schnell eine Stutzbüchse hinter dem Stuhle hervor, sprang auf und legte auf den zweiten Kerl an, der ganz betäubt sein Werkzeug, womit er an Erbrechung des Schrankes gearbeitet hatte, fallen ließ.

Indem Rinaldo dem Unterliegenden die Pistole auf die Brust setzte, rief er dem andern zu:

»Leg deine Waffen ab!«

Rosalie schrie ihm eben diesen Befehl zu und setzte hinzu:

»Leg ab, oder ich schieße dich nieder!«

Beide Räuber wurden entwaffnet und Rinaldo fragte nun ganz gelassen:

»Was habt ihr hier zu tun, und wer seid ihr?«

»Habt Respekt!« antwortete der eine. – »Wir gehören zu Rinaldinis Leuten.«

»Nimmermehr!« sagte Rinaldo. – »Dergleichen erlauben sich Rinaldinis Leute nicht. Ich behaupte, ihr seid Gauner, die Rinaldini ebensowenig als ihr ihn selbst kennt. – Schurken, die ihr seid! stürzt nieder. Ich – ich selbst bin Rinaldini.«

Beide fielen erschrocken nieder und umfaßten seine Knie:

»Vergebung, Hauptmann!« – stammelte der eine: – »Wir kannten dich nicht. Aber seit drei Tagen gehören wir wirklich zu den Deinigen. Altaverde und Cinthio haben uns selbst geworben. – Wir haben Strafe nach deinen Gesetzen verdient. Züchtige uns nach Wohlgefallen.«

Eben wollte Rinaldo antworten, als die Tür aufging und Cinthio in das Zimmer trat.

»Ihr habt schöne Hechte angeworben!« – rief ihm Rinaldo entgegen.

Cinthio Zum Teufel! Du hier, Hauptmann! in einer Klausnerkutte? – Da hätte ich dich nicht gesucht. – Wie freue ich mich, dich wiederzusehen! – Was diese Kreuzbeine anbetrifft, so sind sie noch Neulinge. –

Rinaldo Kennen aber doch unsere Gesetze?

Cinthio Die sind ihnen vorgelesen worden.

Rinaldo Und sie haben sie beschworen?

Cinthio Das haben sie.

Rinaldo Das Mädchen war allein daheim, und wie ich komme, arbeiten sie daran, den Schrank aufzubrechen.

Rosalie Und ich zeigte ihnen noch zum Überfluß eine Sicherheitskarte von Rinaldini vor.

Rinaldo Wie?

Cinthio Tausend Schwerenot! und ihr respektiertet diese Karte nicht? – Heda! Kameraden, bindet diese Nichtswürdigen an den Baum dort und schießt sie nieder! Sie haben des Hauptmanns Sicherheitskarte nicht respektiert.

»Alle Wetter über euch Schnapphähne! Ihr seid schlechte Burschen!« schrien die Räuber durcheinander, die jetzt auf Cinthios Ruf hereintraten, packten die Unglücklichen an, führten sie hinaus, banden sie an den bezeichneten Baum und bliesen ihnen mit acht Kugeln das Lebenslicht aus.

Dieser Vorfall machte, daß Rinaldo die Klause verließ. – Cinthio zog seine Leute zusammen. Sie gingen, zwanzig Köpfe stark, in den Tälern hinab, in die Fortinischen Gebirge, wo Altaverde mit sechzig Leuten stand, weil sie Bewegungen im Kirchenstaate bemerkten, die auf ihre Aufhebung in den Waldungen, wo sie vorher lagen, abzweckten.

Rinaldo ließ sein Gezelt auf der Spitze des höchsten Berges, gegen Belforte zu, aufschlagen, musterte seine Bande und verlegte sie rundherum in die Gebirge bis vor Brandolino. – Man war begierig zu sehen, was er tun würde. Alles blieb ruhig.

 

Einige Tage darauf kam Altaverde zu ihm. –

»Hauptmann! – sprach er; es fängt nach und nach an, an Lebensmitteln zu fehlen.«

Rinaldo Das ist schlimm!

Altaverde Jawohl! – Deine Leute murmeln auch schon und raisonnieren über ihre Untätigkeit.

Rinaldo So müssen wir sie beschäftigen!

Altaverde Natürlich! – Zudem wird auch das Geld bei einigen rar. Sie spielen und verlieren.

Rinaldo Gut! – Hier sind zweihundert Zechinen. Diese will ich den Burschen schenken. Beschäftigung sollen sie auch bekommen. Laß diesen Abend das ganze Corps zusammenrücken. Ich will die Rollen verteilen.

Der Abend kam und die Bande versammelte sich in dem bestimmten Tale. Rinaldo trat in dem Schmucke seiner Hauptmannswürde unter sie und hieß sie einen Kreis um ihn schließen. Dann sprach er:

»Kameraden, euer Proviant geht, wie ich höre, auf die Neige, und es ist billig, daß wir Anstalten treffen, frische Lebensmittel zu erhalten. Bis dies nun mit Klugheit geschehen kann, verteile ich hier zweihundert Stück Zechinen von meinem Eigentum unter euch.«

»Es lebe unser großmütiger Hauptmann!« – jauchzten alle, daß die Berge widerhallten.

Er aber, nachdem er den Hut gezogen und sich wieder bedeckt hatte, sprach weiter:

»Für dieses Geld sucht einstweilen in den benachbarten Orten Proviant einzukaufen. Einige von euch, die der Gegend kundig sind, mögen sich in Eremitenkleidern diesem Geschäfte unterziehen. Sie haben sich deshalb mit Altaverde zu besprechen, der das Ganze ordnen wird. – Binnen fünf bis sechs Tagen werde ich wieder mit euch sprechen und hoffe euch dann zu einem großen Unternehmen anführen zu können. – Cinthio mag sich indessen mit zwölf Mann in die Grenzwaldung, nach der Heerstraße zu, begeben, und kommen Weinladungen, Früchte oder Öl vorüber, so weiß er, was er zu tun hat. Ich gebe ihm hiermit Geld, den armen Fuhrleuten zu bezahlen, was er ihnen abnimmt, und sie unter hohen Drohungen zur Verschwiegenheit zu ermahnen. Wagen und Maultiere mögen den Leuten gelassen werden. Kommt aber ein reicher Müßiggänger, ein Prälat, oder so etwas von dieser Art, euch in den Wurf, so nehmt ihm ab, was er von Gelde und Geldeswerte bei sich hat. Gegen arme Wanderer und Klausner aber empfehle ich euch nochmals Schonung. Jede Plünderung dieser Art bestrafe ich mit dem Leben, wie ihr wißt.

– Nun begebt euch zurück auf eure Plätze und schlaft wohl.« Er ging und ein lautes Freudengeschrei tönte ihm nach.

 

Als er in sein Gezelt zurückkam, fand er Rosalie ängstlich und erschrocken im Winkel sitzen.

Er Was ist dir?

Sie Ach! – Ich zittere am ganzen Leibe.

Er Was gibt es?

Sie Eine weiße Gestalt ist hier zweimal vorübergeschlüpft. Sie sah das zweitemal in das Gezelt herein, erhob die Hand und drohte mit dem Finger. – Ich danke Gott, daß du wieder da bist!

Ohne ein Wort zu sprechen, gab Rinaldo das Signal, und es kamen bald einige von seinen Leuten herbei, unter denen auch Cinthio war.

Rinaldo erzählte, was Rosalie gesehen hatte, und befahl sogleich, Wachen um den Berg herum zu stellen; auch schickte er Sebastiano an Altaverde ab, dem er Vorsicht empfehlen und das Geschehene melden ließ.

Alle gingen an ihre Posten und Rinaldo streckte sich auf sein Feldbett, nachdem er noch eine zweite Lampe hatte anzünden lassen.

Eben wollte er sprechen, als die weiße Gestalt in das Gezelt trat. – Rosalie schrie laut auf:

»Jesus Maria! da ist sie.«

Rinaldo richtete sich auf und fragte:

»Wer bist du?«

Er wiederholte diese Frage, und als er keine Antwort erhielt, ergriff er seine Pistole, schlug an und sagte:

»Wenn du ein Geist bis, so erwarte diese Kugel.«

Die Figur drohte mit dem Finger. Rinaldo drückte ab. Sein gutes Gewehr versagte. Als er den Hahn wieder aufzog, verschwand die Gestalt am Eingange des Gezelts. Er sprang auf und eilte hinaus. Nichts war zu sehen und zu hören. Gleich darauf fiel im Tale ein Schuß, dann ein zweiter und endlich ein dritter. Drei seiner Leute hatten Feuer nach einer weißen Gestalt gegeben.

Auf diese Schüsse kam alles in Alarm. Die Hörner ertönten, die Pfeifchen erklangen, und schnell war das Corps beisammen. Man erzählte sich, was geschehen sei, und ging, als weiter nichts erfolgte, mit verschiedenen Gedanken auseinander.

 

Rinaldo trank einen Becher Wein, als er in sein Gezelt zurückkam, und Rosalie mußte eben das tun. Dann legten sich beide nieder. Rosalie entschlief bald. Rinaldo aber sprach mit sich selbst:

»Die Geschichte erzählt uns Beispiele, daß dergleichen Erscheinungen berühmten Männern den Untergang weissagten. – Brutus' Gespenst sprach. Diese Erscheinung aber nicht. Sie drohte mit dem Finger. – Mir? – Sie hat ja aber auch Rosalien gedroht, als sie allein im Gezelte war. – Ihr zuerst. Mir später. – Einbildung war es nicht. Unserer fünf haben es gesehen. – Mein gutes Gewehr versagte, das noch nie versagt hat. – Die andern konnten schießen. Sie wissen ihren Mann mit ihren gezogenen Rohren fest zu fassen und trafen nichts. – – Wunderbar! – Doch wozu mache ich mich selbst furchtsam? – Furchtsam? – Das bin ich nicht. Bedenklich? – Nein! auch das will ich nicht sein. Das hätte ich eher sein müssen. Jetzt wär' es zu spät.

Er konnte nicht schlafen, sprang auf, warf seinen Mantel um und ging hinab ins Tal. Er sprach und trank mit seinen Wachen und fing an, über den Vorgang zu scherzen.

Die Sonne ging eben auf. Er weidete seine Augen an dem herrlichen Schauspiel und seufzte:

»Sie geht mir doch nicht mehr so schön auf als damals, da ich noch bei meinen Ziegen war!«

Da kam Nikolo herbeigesprungen und jauchzte:

»Hauptmann, wir haben einen Transport erbeutet, der den reichen Mönchen zu Mangolo gehörte. Deshalb haben wir ihn nicht bezahlt. – Was das Lustigste bei der Sache ist: Ein Pater, der dabei war, mußte uns allen noch dazu Absolution erteilen. Er gab sie uns mit kläglicher Stimme, und wir ließen ihn ziehen.«

»Der Vorfall wird Aufsehen machen«, – sagte Rinaldo und ging nachdenkend in sein Gezelt zurück, wo Rosalie eben aufgestanden war und Schokolade kochte.

 

Er setzte sich mit seinem Frühstück vor das Gezelt und überschaute das dampfende Tal. Die Strahlen der Sonne wurden mächtiger, der Nebel entfloh, und die herrliche Fläche lag in ihrer ganzen unbeschreiblichen Schönheit vor seinen Augen. Er überschaute durch sein Fernrohr die Landstraßen und sah sie alle leer. Nur auf der einen schien sich ein Fuhrwerk langsam fortzubewegen. Er befahl Sebastiano zuzusehen, was es dort gebe. Dieser flog davon.

Rinaldo faßte ein schönes, nicht allzu entfernt gelegenes Schloß ins Auge, welches schon längst seine Aufmerksamkeit gereizt hatte, ohne sich selbst ein Warum? deshalb angeben zu können. Dasselbe in der Nähe zu besehen, war jetzt sein Vorsatz. Er kleidete sich in ein grünes, mit Gold besetztes Jagdkleid, setzte einen Federhut auf, nahm sein Doppelrohr und ging in Begleitung eines Windspiels den Berg hinab auf die Straße, die zu dem Schlosse führte.

Rechts lag ein Kloster, besetzt mit wohlgenährten Benediktinern, vor dessen Pforte ein Mönch, in einem Buche lesend, auf und ab spazierte.

Nach einem Morgengruße von beiden Seiten kamen sie ins Gespräch.

Rinaldo Ihr seht mich, wie es scheint, verwunderungsvoll an? Warum das?

Pater Ich wundere mich, daß Ihr so allein hier umhergeht, als sei gar nichts zu fürchten.

Rinaldo Was sollte denn auch zu fürchten sein?

Pater Ihr wißt das nicht? – Es hausen Räuber in den Gebirgen.

Rinaldo Wovon ich noch nichts gehört habe.

Pater Aber es ist Wahrheit. Wir haben es empfunden. Die Räuber haben uns eine Ladung Wein genommen, und P. Bernhard, der dabei war, hat die Spitzbuben noch dazu absolvieren müssen. Eine solche Absolution ist aber erzwungen und folglich ungültig. Auch soll den Buschkleppern der Spaß nicht wohl bekommen.

Rinaldo Wieso?

Pater Die bösen Buben sollen von uns nicht allein förmlich exkommuniziert werden, sondern wir werden auch ihr Begehen höhern Orts anzeigen, und es wird bald ein Aufgebot von Mannschaft gegen sie ergehen, die sie aus ihren Schlupfwinkeln jagen wird.

Rinaldo Da wird Blut fließen!

Pater Es fließe dessen soviel wie möglich, zum Besten der beraubten Menschheit.

Rinaldo Kann ich für Geld und gute Worte ein Frühstück bei Euch bekommen?

Pater Warum das nicht? Wollt Ihr eintreten?

Rinaldo Ich will es hier im Freien genießen und mich dann wieder auf den Rückweg machen, weil Ihr mir sagt, die Gegend sei nicht sicher.

Der Pater ging und kam bald mit einem Laienbruder wieder zurück, der eine Flasche Wein und etwas Gebackenes mit sich brachte.

Pater Um Vergebung! Seid Ihr denn nicht hier herum wohnhaft?

Rinaldo Ich bin als Gast bei einem Freunde, dessen Schloß nicht weit von hier liegt.

Pater Aha! – Ihr habt also nichts von dem berüchtigten Rinaldini gehört?

Rinaldo Und doch! Er soll in einem Gefechte geblieben sein, und zu Cesena habe ich seinen Tod umständlich vernommen.

Pater So sagt man. Indessen wollen doch einige behaupten, dieser Proteus lebe noch. Denn ein wahrer Proteus soll er sein und in tausenderlei Gestalten wandeln.

Rinaldo Kennt Ihr ihn nicht?

Pater Gott bewahre! – Indessen, wenn wir gewiß wüßten, wo er anzutreffen wäre, würden wir suchen, von ihm eine Sicherheitskarte für uns und unser Eigentum zu erhandeln.

Rinaldo Was müßtet Ihr wohl dafür geben?

Pater Wir böten ihm 100 Zechinen und rückten zu, wenn er mehr forderte.

Rinaldo Wenn Ihr aber nun das Geld den Soldaten gäbt, die gegen ihn ausgeschickt würden –

Pater Das würde wenig helfen. Seine Bande wächst gleich wieder an, wenn sie auch zehnmal halb niedergehauen wird. Sie soll ohnehin jetzt über 500 Mann stark sein.

Rinaldo Mein Gott! Wovon der Mann nur diese Leute alle ernähren mag?

Pater Vom Raube. Sie stehlen wie die Raben, diese heillosen Buben!

Rinaldo Ich dächte aber doch, wenn man es klug anfing, so müßte diesem Unwesen zu steuern sein.

Pater Klug? – Wie das?

Rinaldo Es sind nur so meine Gedanken –

Pater Ei nun! jeder Mensch kann kluge Gedanken haben, er sei Laie oder Priester – Was meintet Ihr wohl, daß zu tun sein könnte?

Rinaldo Nach meinen Einsichten muß das die Regierung tun.

Pater Zum Beispiel?

Rinaldo Z. B. ein allgemeiner Pardon für Rinaldini und seine Leute –

Pater Gott bewahre!

Rinaldo Eine Einladung zur Rückkehr in die Arme der bürgerlichen Gesellschaft –

Pater Gott stehe uns bei! Wer wollte mit solchem Spitzbubenvolke in einer Gesellschaft leben? Man kann ja einen frommen Christen mit gutem Gewissen nicht einmal neben einem solchen Galgenstrick begraben, geschweige denn, daß man ihm sollte zumuten können, neben und mit ihm zu leben. – Nein, damit ist es nichts! – Ihre Sünden kann man diesen Verworfenen allenfalls in der Todesstunde vergeben, wenn sie sich zu Gott bekehren, aber hängen müssen sie ohne Gnade. Sterben sie in ihren Sünden und ohne Absolution, so mag sie der Teufel holen! – Gemeinschaft aber muß man mit solchem Gesindel nicht haben.

Rinaldo Ihr wollt ja aber doch selbst in Gemeinschaft mit ihnen treten.

Pater Wir? – Davor bewahre uns Gott!

Rinaldo Wollt Ihr nicht eine Sicherheitskarte erkaufen?

Pater Das ist keine Gemeinschaft, sondern Klugheit. Man streckt sich nach der Decke. Wir kaufen ihnen die Sauvegarde ab und exkommunizieren sie pleniter hintennach. Dergleichen Volk behandelt man wie die Heiden, die nichts von Gott wissen.

Rinaldo Gesetzt nun, ich wüßte das, – und ich wär' Rinaldini –

Pater Wovor Euch Gott in Gnaden bewahren wolle!

Rinaldo Es ist nur ein Fall –

Pater Nun ja doch! Aber –

Rinaldo So würde ich, – als Rinaldini, versteht sich –

Pater Ja, ja!

Rinaldo So würde ich euch Herren schlimm über die Kronen kommen.

Pater Es ist gut, daß es Rinaldini nicht weiß!

Rinaldo Jawohl!

Pater Denn er soll ein rachgieriger Bursche sein! – Vielleicht aber lebt er doch wohl gar nicht mehr.

Rinaldo Das ist sehr wahrscheinlich. – Zu Pienza soll sein Kopf auf einem Pfahle stecken, sagt man.

Pater So? – Aber ich fürchte seine Nachfolger ebensosehr wie ihn selbst.

Rinaldo Wer weiß auch, ob sie seinen Kopf haben.

Pater Kopf? Hm! daran kann nun so viel eben nicht sein. Er war ja in seiner Jugend bloß ein Ziegenhirt.

Rinaldo Deshalb kann ihn aber doch die Natur besser als manchen Prälaten bedacht haben.

Pater Er hat keine Studia gehabt. Natur tuts nicht allein. – Ihr habt doch studiert?

Rinaldo Auf drei hohen Schulen.

Pater Habt Vermögen?

Rinaldo Ich bin reich!

Pater Reichtum ist eine Gabe Gottes. Wen er lieb hat, dem gibt er Geld, und – notabene! – Verstandeskräfte, dasselbe wohl anzuwenden. – Wir sind eben so reich nicht, als wir scheinen. Der Schein blendet. Zu leben haben wir, aber – Überfluß ist nicht da.

Rinaldo Taugt auch nichts! Er macht faul, träge, untätig, erschlafft und entnervt. – Euer Wein ist gut.

Pater O ja! Wir haben ein gutes Glas Wein – für Fremde. Für uns selbst wächst so etwas nicht. Da tuts etwas Geringeres auch.

Rinaldo So trinkt mit mir!

Pater Danke!

Rinaldo Ohne Umstände!

Pater Nun – wenn Ihr darauf besteht – wenn Ihr es durchaus haben wollt, so – Euer Wohlergehen, edler Herr!

Rinaldo Wohl bekomm' es! – Weil wir denn so wohlgemut hier beisammen sind, so wollen wir noch eine Flasche in Compagnie leeren. – Nicht?

Pater Je nun! ich –

Rinaldo Ihr trinkt ja doch auch gern?

Pater Libenter? Das eben nicht, aber –

Rinaldo Keine Umstände! – Sagt mir doch, wem gehört denn das schöne Schloß dort drüben?

Pater Seit nicht gar langer Zeit gehört es einem gewissen Baron Rovezzo, der es gekauft hat. Vorher gehörte es der Familie Altieri.

Rinaldo Der Baron bewohnt es?

Pater Er bewohnt es nebst seiner jungen, liebenswürdigen Gemahlin. Sie sind nicht lange miteinander vermählt. Sie soll eine stille, christliche Dame sein. Der Baron ist ein wenig wild, ein Jagdteufel, und reitet, wie man sagt, auf Tod und Leben. – Was ich sagen wollte! Dürfte ich auch um Euren Namen bitten?

Rinaldo Graf Dalbrogo.

Pater Dalbrogo? – Dalbrogo? – Ein Geschlecht aus –

Rinaldo Aus der Italienischen Schweiz.

Pater Aha! Aus der Schweiz! – So so! –

Indem sie so sprachen, kam Sebastiano einhergeschlichen und näherte sich beiden. Rinaldo gab ihm einen Wink, den dieser verstand.

Rinaldo Wandersmann, wohinaus?

Sebastiano In die Berge, wo ich wohne.

Rinaldo Seid ihr dort sicher?

Sebastiano Warum nicht?

Rinaldo Man spricht von Räubern.

Sebastiano Wo sie nichts finden, können sie nichts nehmen. Wir haben nicht viel zum Besten. Hinter solchen Mauern, wie hier, steckt mehr.

Pater Ach Gott! was sagt ihr, ihr unverständiger Mensch! Das wenige, was bei uns zu finden ist, ist Kirchengut. – Was uns selbst betrifft, so ist bei uns nichts zu suchen und zu finden als die liebe christliche Armut.

Sebastiano Die euch aber recht wohl nährt. – Adio!

Pater Hört einmal an! – Der Kerl sieht mir verdächtig aus. Er gehört vielleicht gar selbst zu der infernalischen Räuberbande.

Rinaldo Die Gebirgsbewohner sind meist wilden Ansehens. –

Indem ertönte die Glocke. Der Pater eilte ins Chor. Rinaldo bezahlte seine Zeche und nahm seinen Weg gerade auf das Schloß zu.

 

Eine hohe Mauer umfing das Innere eines schönen Gartens, nahe an dem Schlosse. Eine Gittertür fand Rinaldo offen und ging in den Garten.

Er nahte sich eben einem Boskett, als er ein Frauenzimmer gewahr ward, das kaum ein Geräusch von Fußtritten hinter sich vernahm, als es sich herumdrehte. – Sie erblickte Rinaldo und schrie laut auf. Dieser erkannte sie sogleich und nahte sich ihr.

Er Ist es möglich? Darf ich meinen Augen trauen? Ist es Phantasie oder Wirklichkeit? Aurelia! die schöne Aurelia hier? – Hier? in diesem Schlosse?

Sie Es ist das Schloß meines Gemahls.

Er Gemahls? Also wirklich verheiratet?

Sie Ja. – Leider!

Er Wie? – Tränen in Aureliens Augen?

Sie O! diese Zeugen meines Unglücks, die mich überall hin durch dies Leben begleiten werden, können Euch mein Leid erklären.

Er Aurelia! – Unglücklich verheiratet?

Sie Ach Gott!

Er Ach! wenn der gute, alte Donato –

Sie O! daß man mich bei ihm in seiner Einöde gelassen hätte! Daß ich auf dem Meierhofe meines Pflegevaters geblieben wär! Wie glücklich war ich noch! Mein guter Vater meinte es auch gut, er wollte mich glücklich machen, aber ich bin es nicht.

Er Sollte Aurelia vielleicht den Stoff zu ihrem Unglück mit sich hierher genommen haben?

Sie Wie meint Ihr das? – Mein Herz war frei. Unschuldig und rein war ich, als ich zu meinem Gemahl kam. – Mein Vater gab mir eine sehr große Aussteuer. Nach dieser hat mein Mann gefreit. – Ach! Freund meines guten Donato! sprecht Ihr diesen ehrwürdigen Alten, so sagt ihm, wie unglücklich ich bin.

Er Wollt Ihr Euch mir ganz anvertrauen?

Sie Mein Vater kennt Euch auch, und –

Er Was hat Euch Euer Vater von mir gesagt? Wißt Ihr, wer ich bin?

Sie Als ich mich nach Euch erkundigte, nannte er Euch einen berühmten Mann, aber Euren Namen sagte er mir nicht.

Er Nehmt mich für den Graf Dalbrogo. Und ihr wißt doch, daß ich Euers Vaters Freund bin? Noch vor kurzem haben wir zu Cesena freundschaftlich unsere Ringe gewechselt. Hat er Euch davon nichts gesagt?

Sie Ich habe ihn lange nicht gesehen und gesprochen.

Er Weiß er Euer Unglück?

Sie Wenn er meine Briefe erhalten hat, muß er es wissen. Aber ich zweifle fast daran, denn noch immer habe ich auf keinen dieser Briefe Antwort erhalten; oder mein Mann unterschlägt vielleicht durch seine Spione meine Briefe selbst.

Er Gut! – Mich soll er weder bestechen noch unterschlagen können. Ich werde Euern Vater sprechen und werde ihm alles sagen, was Ihr mir an ihn auftragen wollt.

Sie Wollt Ihr das?

Er Ich gebe Euch mein Ehrenwort. Welche Klagen habt Ihr gegen Euern Mann?

Er Er ist mein Tyrann. Er begegnet mir verächtlich. Er bricht seine eheliche Treue beinahe vor meinen Augen mit feilen Kreaturen, die er im Schlosse unterhält.

Er Schlecht!

Sie Er peinigt und quält mich unaufhörlich mit Vorwürfen –

Er Mit welchen?

Sie Ach Gott! meine außereheliche Geburt, die – – Ach! er wußte das ja, als er mir seine Hand gab.

Er Liebt Ihr ihn?

Sie Ich habe ihn geliebt. – Er hat sich mir selbst verhaßt gemacht.

Er Ihr hasset ihn?

Sie Ich verabscheue ihn wie meine Sünden. – Noch erst gestern gab er mich dem Hohngelächter seiner Spießgesellen preis, und seine feilen Dirnen spotten meiner allenthalben. Man behandelt mich wie eine Dienstmagd.

Er Ihr sollt Genugtuung haben.

Sie Ich bin fest entschlossen, wenn mein Vater sich meiner nicht bald annimmt, diesen schändlichen Ort der höchsten Ausgelassenheit zu verlassen, zu entfliehen.

Er Wohin wollt Ihr gehen?

Sie Zu meiner Mutter.

Er Wo ist sie?

Sie Sie ist Äbtissin des Klaren Klosters bei Montamara.

Er Als ich Aurelien das erstemal in jenem stillen Tale sah, als ich sie nachher bei Donatos friedlicher Hütte sprach, sagte ich zu mir selbst: Wie beneidenswert wird der Mann sein, dem Aurelia einst Herz und Hand geben wird! Und dieses gute, edle Mädchen soll unglücklich sein? – Nein, wahrlich nicht! – Wenigstens soll sie Rache haben. Dies schwört ihr feierlich, ein Mann, der Wort halten kann, – Graf Dalbrogo.

Sie Ach, Graf! warum wollt Ihr Euch meinetwegen vielleicht in Verlegenheit stürzen?

Er In die Hölle für Euch! Ich könnte für Aurelien mit Ungeheuern und Teufeln kämpfen.

Sie Graf! Dieses fürchterlich rollende Auge –

Er Wie lerne ich den Nichtswürdigen kennen, den Ihr Mann nennen müßt? – Ist er im Schlosse?

Sie Er ist mit seinen Gesellen auf der Jagd.

Er Wer sind diese Menschen?

Sie Abenteurer aus allen Winkeln der Erde, die sich um ihn herum versammelt haben und mein Vermögen mit ihm verprassen, verspielen, vertrinken, und – ach Gott! Es sind sehr schlechte Menschen. Zwei Franzosen und ein Sizilianer, die vielleicht alle den Händen der Justiz entronnen sind. Sie nennen sich Edelleute, aber das sind sie gewiß nicht. Ihr solltet sehen, wie sie mich mit Unanständigkeiten mißhandeln.

Er Bei Gott! säh ich das, so wäre es ihre letzte Mißhandlung in der Welt.

Sie O Graf. Ihr, als ein fremder Mann, wolltet –

Er Meinen freiwilligen Schwur will ich lösen und Euch rächen. Das schallende Gelächter dieser Buben soll sich in Klagen verwandeln, und Ihr sollt fürchterliche Genugtuung haben oder ich will nicht Dalbrogo heißen. Wessen ist das Bild, das Ihr auf Eurer Brust tragt?

Sie Das Portrait meines Mannes.

Er Zeigt es mir. – Ist er getroffen?

Sie Ganz.

Er Gut! – Nun kenne ich ihn. – Herab mit dem Bilde von Euerm Busen!

Sie Um Gottes willen nicht! Er würde mich mißhandeln, trüg' ich es nicht mehr hier!

Er Hat er es schon einmal gewagt, Euch tätlich zu mißhandeln?

Sie Ach Gott! noch trage ich die Spuren seiner Grausamkeit an meinem Leibe.

Er O! er soll Denkmale einer Vergeltung tragen, die –

Sie Um Gottes willen! dort kommt mein Mann mit seinen Gesellen die Allee herauf.

Er Es ist zu spät, zu entfliehen. Bleibt! Ich bleibe auch. Ich bin ein Freund Euers Vaters, der mir Grüße an Euch aufgetragen hat. – In meiner Gegenwart sollen sie nichts wagen. Mit einem einzigen Worte kann ich sie zu Boden schmettern, wenn ich will. Und ehe der morgige Tag anbricht, sollt Ihr gerettet sein.

 

Der Baron und seine Begleiter kamen näher. Rinaldo trat ihnen auf einige Schritte entgegen und zog seinen Hut mit der Anrede: »Es freut mich sehr, Herr Baron! Eure Bekanntschaft zu machen. Der Prinz, Euer Schwiegervater, läßt Euch grüßen und Euch durch mich seinen nahen Besuch melden. Ich bin sein Freund. Graf Dalbrogo ist mein Name.«

»Euer Diener!« antwortete der Baron ganz kalt, wendete sich darauf zu Aurelien und sagte mit spöttischem Lächeln: »Vermutlich auch ein alter Bekannter von Euch? Und Ihr habt diesen angenehmen Gast und Überbringer einer so frohen Botschaft von Euerm Vater nicht in Euerm Zimmer empfangen?« –

»Verzeiht!« – setzte er hinzu, indem er sich gegen Rinaldo drehte, »den Fehler der Etikette meiner Frau! Sie ist auf einem Meierhofe erzogen worden. Doch, das wißt Ihr vielleicht schon?«

Rinaldo Das weiß ich. Sie hat unter sehr edlen und guten Menschen gelebt.

Baron Also mein Schwiegervater will uns besuchen? – Hat der gute Herr den Tag seines Besuchs nicht bestimmt?

Rinaldo Ich glaube, Ihr habt ihn mit jedem Tage zu erwarten.

Baron Ärgerlich! Und ich habe auf Morgen eine Reise festgesetzt, die ich nicht aufschieben kann.

Rinaldo Er wird Eure Rückkehr erwarten. Er sagte, er habe notwendig, er habe mancherlei mit Euch zu sprechen.

Baron So? – Ja, mein Gott! es kann wohl sein, daß ich einige Monate wegbleibe. – Ihr werdet den Prinzen vermutlich hier erwarten wollen?

Rinaldo Nein. – Ich habe dringende Geschäfte in Rom und werde mich sogleich dahin auf den Weg machen. Wärt Ihr nicht soeben gekommen, so würde ich sogar das Vergnügen haben entbehren müssen, Eure Bekanntschaft zu machen. Ich wollte schon Abschied von Eurer Gemahlin nehmen, als ich Eure Ankunft vernahm.

Baron Ein Mittagsbrot werdet Ihr doch wohl bei uns einnehmen?

Rinaldo Ich muß danken.

Baron Ich bitte sehr!

Rinaldo Es ist mir unmöglich. Die Stunden sind mir zugezählt.

Baron Ich bedaure, daß ich nicht das Vergnügen Eurer Bekanntschaft habe früher genießen können. Indessen hoffe ich, meine Frau wird Euch wohl unterhalten haben? Sie müßte denn ihre fatale Laune gehabt haben, was so ganz gewöhnlich bei ihr der Fall ist.

Rinaldo In der Tat – verzeiht! – hätte ich, so wie ich Eure Gemahlin fand, mehr auf Kummer als auf üble Laune gerechnet. Indessen wollte ich nicht unbescheiden sein, und –

Baron Ja, ja! sie überwirft ihrer fatalen Laune gewöhnlich den Mantel des Kummers, und ihren Eigensinn nennt sie Gram.

Rinaldo Sie war doch sonst so froh, unbefangen und heiter –

Baron Vielleicht ist sie nicht nach ihrem Geschmack verheiratet. – Herr Graf! Ihr hättet sie nicht an mich sollen kommen lassen.

Rinaldo Herr Baron! Ihr scherzet.

Baron Wahrlich nicht! Dieses Gänschen aus den Schäferfluren wäre vielleicht in Eurer Hut besser gediehen. So ist sie noch immer, was sie war.

Rinaldo Also gut, edel und liebenswürdig.

Baron Für den Liebhaber.

Rinaldo Herr Baron, ich merke mit Erstaunen, daß Eure Ehe – nicht glücklich ist.

Baron Das wird Euch dieses Muster von Sanftheit schon selbst gesagt haben. Sie klagt's ja der ganzen Dorfwelt.

Rinaldo Bei Gott! es tut mir leid – daß Euer Herr Schwiegervater das so finden muß, wie es ist.

Baron Er mag sie wieder mit sich nehmen, oder sie zu ihrer ehrenfesten Mutter stecken.

Rinaldo Herr Baron! diese Bitterkeit zeigt an –

Baron Daß ich die Närrin los sein möchte. Weiter nichts! – Wollt Ihr sie etwa gleich mitnehmen?

Rinaldo Herr Baron, keine Beleidigungen! Ich höre sie nicht gelassen an.

Baron Diese Wärme für die Sache meiner Frau beweist –

Rinaldo Das, was sie beweisen soll. Nichts mehr und nichts weniger. Ich bin der Freund ihres Vaters, der gewiß nicht zugeben wird –

Baron Er kann ja das Kleinod wiederbekommen. Ich mag es nicht mehr.

Rinaldo Und Ihr verdient auch nicht, es zu besitzen.

Baron Donnerwetter! Herr Graf –

Rinaldo Was beliebt?

Baron Schert Euch zum Teufel! und nehmt die Magdalenen-Figur mit Euch, daß sie mir aus den Augen kommt.

Rinaldo Eure Grobheit –

Baron Ich bin hier Herr –

Rinaldo Werdet es von Euch selbst. – Über alles, was Ihr gesagt und getan habt, sollt Ihr mir gewiß die pünktlichste Rechenschaft ablegen.

Baron Nun! so fordert sie mir nur ab.

Rinaldo Heute noch.

Baron Lieber jetzt gleich. Ich will Euch das Fazit machen.

Rinaldo Ich werde es Dir machen, Elender!

Baron Auf dergleichen Reden lasse ich durch meine Bedienten mit Hetzpeitschen antworten.

Rinaldo (legt die Hand an den Säbel) Zieht!

Baron Was wollt Ihr?

Rinaldo Zieht, oder ich haue Euch nieder!

Aurelia Um Gotteswillen, Graf, mäßiget Euch! Ihr kennt diese Menschen nicht.

Baron (gibt ihr eine Ohrfeige) Schweig! – Und dies klage deinem Liebhaber.

Rinaldo Baron! Das kostet, bei Gott! Blut.

Baron Verlaßt mein Schloß, oder so wahr ich diese Hände mein nenne, ich lasse Euch von meinen Leuten hinauswerfen.

Rinaldo Schlechter, feiger Bösewicht! Das wirst du gewiß nicht selbst zu tun wagen – Aurelia, Deine Rettung ist gewiß! – Dich Buben, der du dich ihren Mann nennst, spreche ich heute noch, auf eine Art, die dir sehr empfindlich sein soll.

Der Baron und seine Gesellen lachten laut auf. Rinaldo verließ den Garten, und die Herren schrien ihm nach:

»Wir wünschen glückliche Reise, moderner Herr Don Quixote! – Erzählt Euer Abenteuer der Frau Mama!«

 

In welcher Stimmung Rinaldo bei seinen Gefährten ankam, kann man sich leicht denken. Er war außer sich. Rosalie zitterte. So hatte sie ihn noch nie gesehen.

Er sprach mit großer Bewegung mit Altaverde und Cinthio, und als es Abend wurde, rückte der erstere an der Spitze von zwanzig Mann den Berg hinab, ins Tal. Cinthio ging links mit sechzehn Mann, und zehn Mann folgten Rinaldo. – Rosalie blieb im Lager zurück, das unter Nikolos Aufsicht wohl bewacht wurde. – Als es dunkler wurde, setzten die Corps sich in Bewegung und Sebastiano rückte mit zwanzig Mann nach.

Cinthio ging über den Fluß, besetzte die Brücke und stellte seine Posten um die Gartenmauer des Schlosses des Barons. – Altaverde besetzte die Landstraße, den Weg nach dem Dorfe und stellte seine Posten um das Schloß bis an Cinthios Posten. – Rinaldo ging mit seinen Gesellen auf das Schloßtor zu. Es war verschlossen. Man schellte. Ein Knecht riegelte auf und wollte fragen, wer da sei, als man ihn bei der Kehle packte, hinaus ins Freie zog und ihn Altaverdes Leuten übergab. Drei Mann besetzten das Tor, und die andern folgten Rinaldo über den Schloßhof nach. – Die Haustür ward besetzt. Zwei Mann traten mit gespannten Pistolen in die Bedientenstube und geboten Stillschweigen, welches die Leute erschrocken und zitternd gelobten.

Rinaldo durchschnitt den Strang von der Turmglocke, der ins Haus herabhing, mit dem Stilett und ging mit drei Mann die Treppe hinauf, nach dem Saale zu, wo der Baron mit seinen Gesellen und Dirnen bei Tafel saß. – Die Tür war halb geöffnet. Rinaldo lauschte und hörte, daß er selbst, als Graf Dalbrogo, der Gegenstand ihrer spöttischen Unterhaltung war. Man schalt ihn eine Memme, und Aurelia, die zur Tafel gezwungen worden war, mußte die kränkendsten Reden ihres Mannes stillschweigend anhören, um sich keinen Mißhandlungen auszusetzen.

Des Barons Freudenmädchen neckten sie bitter über ihren vorgeblichen Liebhaber, und ihr Mann schrie laut:

»Wenn ich doch den Kerl nicht fortgelassen hätte!«

»Wir hätten ihn durch einen einzigen Schnitt dem Baron auf ewig können unschädlich machen« – sagte einer von den beiden Franzosen, – »und man hätte dann Eurer Frau diesen Combab zu Wächter gegeben«

»Wenn er nur wieder käm'!« fuhr der Baron fort.

»Da ist er«, sagte Rinaldo und trat in den Saal.

Indessen hatten Altaverdes Leute das Schloßtor besetzt und Sebastiano rückte näher herbei. – Drei Mann von Rinaldos Gefolge kamen nun zu den andern dreien, die vor der Saaltür standen, und sechs Mann von Altaverdes Gesellen folgten ihnen.

Diese Zwölf harrten des Signals, und Rinaldo war noch allein im Saal.

Sein plötzliches Erscheinen hatte die Gesellschaft nicht wenig frappiert. Er sprach weiter:

»Hier bin ich, wie ich versprochen habe, um Wort zu halten. Ihr seht doch wohl, wie pünktlich ich bin? – Hier stehe ich und fordere Rechenschaft von Euch. Von dem Baron an bis auf den, der den combabischen Vorschlag tat, werde ich euch allen das Fazit machen.«

Jetzt fing der Baron an, laut aufzulachen, und schrie einem seiner aufwartenden Bedienten zu, seine Leute herbeizurufen.

Der Bediente setzte sich kaum in Bewegung, als ihn Rinaldo packte und zu Boden warf. – Hierauf zog er eine Pistole, streckte sie der Tafel entgegen und sagte:

»Der erste, der sich von euch von Ort und Stelle bewegt, ist des Todes. – Ihr elenden, nichtswürdigen Tagediebe! Ihr wollt mir drohen? Mir? Zittert und stürzt zusammen vor mir nieder! Wißt ihr, wer ich bin? – Nieder auf die Knie! – Nieder! – Ich bin Rinaldini!«

Wie vom Schlage getroffen stürzten alle mit einem Tempo von ihren Stühlen auf die Knie vor ihm nieder.

Aurelia schrie laut auf, und sank in Ohnmacht. – Rinaldo nötigte die Mädchen, ihr beizustehen. Hierauf gab er das Signal, und seine zwölf Attachés traten in den Saal.

Die Gesellschaft blieb auf den Knien, und Rinaldo nahte sich Aurelien, die jetzt wieder zu sich kam. – Er ließ sich vor ihr nieder und küßte ihr die Hände.

»Du bist es«, – stammelte sie, – »furchtbarer Mann! Du, der mich gerettet hat? O! sei ebenso großmütig, als du tapfer bist, sei ebenso gütig, als du furchtbar bist, handle edel gegen mich und bringe mich zu meiner Mutter. Mißbrauche deine Gewalt nicht und mache meinen unbefleckten Namen nicht zum Spotte der Welt.«

»O!« – seufzte Rinaldini, – »jetzt fühle ich, wer ich bin!«

Rasch sprang er auf, drehte sich herum, als eben Sebastiano mit einigen Helfershelfern in den Saal trat, und sagte:

»Diese Rattenjagd hat noch kein Blut gekostet, und so gar rein und stille soll's und kann's doch nicht abgehen. – Diesen Burschen, den Mann jenes unglücklichen Engels, züchtiget mit den schärfsten Geißelhieben. Diesen Franzosen und Sizilianer jagt ein paarmal Spießruten auf und ab. Die Mädchen werft zum Schlosse hinaus. Und diesem guten Französischen Ratgeber geschehe, wie er wollte, daß mir geschehen sollte. Dann mit ihm vor die Pforte.«

Der zum Eunuch bestimmte Franzose lamentierte erschrecklich; es blieb aber bei dem Befehle. Die Räuber schleiften ihre Delinquenten aus dem Saale.

Rinaldo aber nahte sich Aurelien wieder, hieß ihr ihren Schmuck und ihre Kostbarkeiten mitnehmen, ließ einen Wagen anspannen und sie mit ihren Kammerjungfern hineinsteigen. Hierauf schwang er sich auf sein Roß und schrie seinen Gesellen zu:

»Plündert das Schloß aus, brennt es aber nicht ab!«

und jagte der Kutsche nach. – Eine Viertelstunde von dem Klarenkloster bei Montamara ließ er anhalten. Hier ritt er an den Kutschenschlag, forderte Aureliens Hand, schob ihr, als er sie erhielt, einen Ring an den Finger, küßte ihre Hand und sagte mit Innigkeit:

»Aurelia, lebe glücklicher als ich!«, gab dem Pferde die Sporen und jagte seinem Lager zu, wo er mit anbrechendem Tage ankam, als seine Gesellen mit Beute beladen soeben wieder zurückgekommen waren.

 

Rinaldo saß vor seinem Gezelte und dachte eben nach, welche Folgen die Geschichte haben könnte, als Rosalie sich ihm nahte, sich bei ihm niedersetzte, ihr Guitarre ergriff, spielte und sang:

»O Almanzor! willst du hören,
Was Zaide wird gestehn?
Soll Zaide bei dir bleiben,
Oder soll sie von dir gehn?
Wirst du sie nun stärker lieben,
Wenn ihr Kind dich Vater nennt?
Oder willst du, daß sie scheidend
Weine nun, von dir getrennt?«

»Ach Rosalie!« – unterbrach sie Rinaldo, – »ich errate – ich weiß, wer sie ist, diese Zaide, und Almanzor wird sie nie von sich lassen.«

Rosalie umarmte und küßte ihn heftig. Er sprach weiter: »Was der Mutter Freude macht, ihr oder ihres Lieben Ebenbild auf ihrem Schoße zu haben, das wird uns viel Kummer machen, wenn wir dieses Leben nicht verlassen können. Aber, bei Gott! das soll und muß geschehen. Ich will meinen Sohn nicht dem Verbrechen entgegen erziehen. – Und du bleibst bei mir.«

Sebastiano kam und unterbrach diese Unterhaltung. Er meldete, zwei ihrer Leute wären in St. Leo angehalten und ins Gefängnis geführt worden. Der Dritte sei entwischt und bringe die Nachricht, daß durch des Barons Anzeige ein Aufgebot gegen sie bewirkt werde.

Gegen Abend ließ Rinaldo das Lager abbrechen, gab das Signal zum Aufbruch, zog weiter und rückte am dritten Tage in die Täler der Gebirge von Albano ein.

 

Einige Tage hatte er hier gelegen, als er Sebastiano befahl, mit sechzehn entschlossenen Gesellen unter mancherlei Gestalten sich über Cagli in die Gegend von Montamara zu begeben. Altaverde erhielt den Auftrag, mit List oder Gewalt die Befreiung der beiden Kameraden zu versuchen, die man in St. Leo festgehalten hatte. Rinaldo selbst nahm Nikolo und Alfonso zu sich und ging, als ein Reisender, von seinen Bedienten begleitet, zu Pferde ins Land und aufs Spionieren aus. Cinthio blieb, als Oberhaupt der Bande, zurück, und Rinaldo empfahl ihm Rosalien, die weinend von ihm Abschied nahm.

»Es ist mir« – jammerte sie, – »als würden wir uns nie wiedersehen!«

Rinaldo suchte sie zu trösten. Es wollte ihm aber nicht gelingen, und er verließ sie selbst sehr gerührt.

Schon hatte er Fossombrona erreicht und quartierte sich dort in das beste Wirtshaus ein, wo er ein paar Tage ausruhen und Sebastianos Gesellen Zeit lassen wollte, sich bei Montamara zu sammeln.

Den Tag nach seiner Ankunft besuchte er ein Weinhaus und fand in demselben einige Bürger des Orts, ein paar Advokaten und Notare, die bei einer Flasche Wein ein für ihn interessantes Gespräch führten.

Ein Notar Es wird ein sehr schlimmer Handel werden!

Ein Advokat Die Baronin ist nun schon zum zweitenmal verhört worden. Sie besteht darauf, sie habe zwar ehemals die Person des vorgeblichen Grafen Dalbrogo gekannt, aber in allen Ehren, und habe nie gewußt, nicht einmal geahnt, daß er der verrufene Rinaldini sei. Erst wie er sich in jener Nacht selbst zu erkennen gegeben habe, habe sie das mit Schrecken gehört und erfahren. – Der Baron hingegen – er ist erschrecklich mißhandelt worden! – behauptet, seine Frau habe im Einverständnis mit dem gefürchteten Räuber gelebt, und ihr Vater sei einer seiner Bekannten, der schon längst gegen die Gesetze gehandelt habe, der Obrigkeit eine Entdeckung nicht zu machen, zu der er verbunden gewesen sei. Der Prinz hat zu Urbino Wache und wird scharf verhört.

Notar Der Baron gibt den Verlust seiner Habseligkeiten durch die Plünderung der Räuber auf 6000 Dukaten an. Er und seine Freunde sind mißhandelt worden, und den einen von der großen Französischen Nation haben die Räuber sogar zum Verschnittenen gemacht.

Bürger Das sind verteufelte Kerle!

Notar Mich dauert der Prinz Roccella. Er ist ein braver Herr! – Und, im Vertrauen, meine Herren! wer unter uns würde es wohl wagen, Rinaldini festzuhalten, wenn er auch mitten unter uns wäre?

Bürger Ich nicht.

Advokat Ach ja! Man muß nur caute verfahren und auf Hilfe rechnen können.

Bürger Er drückt los, ich stürze, und wer belohnt dann meinen Diensteifer? – Einige Leichen liegen gewiß um ihn herum, ehe man ihn festhalten kann.

Notar Ich möchte ihn nur einmal sehen.

Rinaldo Um Vergebung, meine Herren! – Ich habe ihn gesehn.

Advokat Wie? Was? Der Herr haben –

Rinaldo Ich bin der Marchese Soligno. Meine Güter liegen in Savoyen, und ich bin auf Reisen. – Vor sechs Tagen fiel ich in die Hände Rinaldinischer Räuber. Ich wurde mit meinen Leuten übermannt und erwartete schon, ganz ausgeplündert zu werden, als Rinaldini selbst erschien.

Bürger Wie sieht er denn aus?

Rinaldo Er ist ein kleiner, untersetzter, schwarzbrauner Mann, hat blaue Augen, braunes Haar, eine Habichtsnase und einen Knebelbart.

Advokat Nach andern Nachrichten soll er groß und schlank gewachsen sein, ein glattes Kinn, schwarze Augen und Haare und eine Griechische Nase haben. – Wiewohl ich sagen muß, daß sich die Habichtsnase besser zu seinem Gewerbe schicken möchte als die Griechische.

Rinaldo Ich habe ihn ja selbst gesehen und gesprochen. Wie ich ihn beschrieb, so sieht er aus. – Er examinierte mich lange. Ich mußte meine ganze Barschaft und alle Sachen von Wert angeben, die ich bei mir hatte. Hierauf forderte er mir 100 Zechinen ab. Dafür gab er mir diese Sicherheitskarte. Sehen die Herren, da ist sie.

Advokat Ach der Tausend! (liest) »Viaggio seguroStatt sicuro oder secura. – So waren Rinaldinis Sicherheits-Reise-Karten bezeichnet. – Rinaldini.« – Wenig Worte. – Ein imponierender Monsignore!

Rinaldo Es ist doch aber unverzeihlich, daß die Obrigkeit dem Menschen nicht das Handwerk legt.

Advokat Nur Geduld! – Ich weiß es von sicherer Hand. Es werden 500 Mann toscanische und 800 Mann päpstliche Truppen gegen Rinaldini ausrücken, werden ihn umringen, von allen Seiten angreifen und ganz gewiß erhaschen.

Bürger Wie stark mag wohl die Bande sein?

Rinaldo Wer will das wissen? Einige sprechen von 200 Mann, andere sagen, sie sei noch stärker. Verwegene Kerle sind sie alle, die dazu gehören.

Gegen Abend verließ Rinaldo den Ort. Gab aber vorher Sebastiano den Befehl, den Baron Rovezzo zu fangen und tot oder lebendig an Cinthio abzuliefern. – Sebastianos Begleiter ließ er in der Gegend von Montamara. Er selbst wagte sich in Pilgerkleidern nach Urbino.

 

Hier vernahm er, der Prinz Roccella sei zwar jetzt ohne Wache, habe aber starke Kaution machen müssen und werde noch immer verhört. Er erfragte seine Wohnung und hatte die Kühnheit, einst des Abends in sein Zimmer zu treten.

Rinaldo Ich bin an Euch abgeschickt. – Rinaldini schickt mich zu Euch.

Prinz Gott! was höre ich? – Du bist es selbst. Ich erkenne dich.

Rinaldo Ja, ich bin es. – Ich weiß, in welche Verlegenheit ich Euch gebracht habe, und komme, Euch meine Dienste anzubieten.

Prinz Ich bin verloren, wenn man entdeckt –

Rinaldo Besorgt nichts! Sagt nur, worinnen ich Euch dienen kann?

Prinz Mann! was hast du getan?

Rinaldo Kann ich Euch und Aurelia mit meinem Leben retten, so soll es geschehen.

Prinz Dein Tod kann uns unserer Verlegenheit nicht entreißen. Man beschuldigt uns eines Einverständnisses mit dir. Die Ehre meines Kindes ist verloren, und ich habe mich der allgemeinen Meinung eben auch nicht zu erfreuen. Willst du mir eine Gefälligkeit erzeigen, so verlaß mich und die Stadt.

Rinaldo Wollt Ihr Euch von dem Verdacht eines Einverständnisses mit mir reinigen, so überliefert mich der Justiz. Ich will hier bleiben.

Prinz Was könnte mir das helfen? Verräterei ist keines echten Maltesers Handwerk.

Rinaldo So will ich mich der Obrigkeit selbst überliefern.

Prinz Kann das meine Lage bessern?

Rinaldo Helfen muß und will ich Euch aber nun einmal.

Prinz Mein Onkel, der Kardinal Legat, hat sich der Sache unterzogen, und die Untersuchung gegen mich wird, wie ich hoffe, in Kürze geendigt sein.

Rinaldo Ein Glück für Eure Richter!

Prinz Rinaldini, willst du den Lauf der Gerechtigkeit hemmen?

Rinaldo Prinz, wenn ich nichts für Euch tun kann, so erlaubt mir wenigstens etwas für Aurelia zu tun. – Hier sind Wechselbriefe auf 10 000 Zechinen. Ich gebe sie ihr zu einem neuen Heiratsgute.

Prinz Zu einem Heiratsgute?

Rinaldo Der Baron muß nun schon in den Händen der Meinigen sein. Ist er lebendig drinnen, so wird er erschossen. Aurelia ist wieder frei.

Prinz Mann! Was beginnst du? – Frei oder nicht, bleibt Aurelia nun auf immer in dem Kloster. – Verschenke dein Geld an die Armut. Wir bedürfen desselben nicht.

Rinaldo Gute Nacht!

Prinz Mann! Wie willst du enden?

Rinaldo Das weiß Gott! Geht's aber mir nach, gut.

Prinz Das kannst du schwerlich erwarten.

Rinaldo Wie Gott will! – Gute Nacht!

Prinz Der Weg, auf welchem du in eingebildeter Sicherheit dahintaumelst –

Rinaldo Prinz! Ihr kennt mich Selbstpeiniger nicht. Meine Lage ist schrecklich. Wenn auch die Justiz keine Folter für mich hat, so habe ich sie selbst für mich. – Gehabt Euch wohl!

 

Rinaldo verließ die Stadt und zog sich in die Gegend von Montamara zurück, wo er seine Begleiter fand.

Den folgenden Tag erhielt er durch Nero, den Sebastiano an ihn abschickte, die schriftliche Nachricht:

»Der vermaledeite Baron ist nach Rom gegangen, und das Nest war leer. Unser guter Altaverde ist nebst dreien von unserer Gesellschaft zu St. Leo erwischt, eingezogen und zu unseren Brüdern ins Gefängnis geworfen worden. Cinthio soll ein Gefecht mit Toskanischen Truppen gehabt haben. Wir ziehen ihm zu. Komm' uns bald nach.«

Rinaldo fertigte Alfonso an Cinthio ab, mit dem Befehl, Altaverdes Befreiung zu versuchen, und sollte es auch mit Gewalt geschehen. An Rosalie schrieb er, sie möchte sich zu Donato in seine Einsiedelei begeben. – Dann befahl er Nikolo und Nero nach Rom zu gehen, um dem Baron auf die Spur zu kommen, und blieb einige Tage lang unentschlossen, was er selbst tun wollte.

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