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Richard Feverel

George Meredith: Richard Feverel - Kapitel 10
Quellenangabe
typefiction
booktitleRichard Feverel
authorGeorge Meredith
year1904
firstpub1859
publisherS. Fischer Verlag
addressBerlin
titleRichard Feverel
pages677
created20100628
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zehntes Kapitel.

Richard macht eine Vorprüfung durch und gibt Veranlassung zu einem Aphorismus.

Wenn man sich zu einer Handlung entschlossen hat, die an Heroismus grenzt und sie dann mit kräftigem Lügen ausführt und somit das ganze Gebäude edlen Entschlusses zerstört, so erscheint das ein trauriger Sturz von stolzer Höhe, wenn wir vergessen, woraus die menschliche Natur in ihrer grünen, an Unkraut reichen Frühlingszeit besteht. Richard hatte seinen Vetter Austin mit dem festen Entschluß verlassen, Buße zu tun und den bittern Kelch zu trinken; und er hatte ihn auch getrunken, er hatte viele Becher bis zur Neige geleert, und es war alles unnütz gewesen. Noch schwebten sie vor ihm her, randvoll, dreifach bitter. Fern von Austins Einfluß war er beinahe wieder derselbe Junge, der in Tom Bakewells Hand ein Goldstück und in Farmer Blaizes Heuschober die 88 Streichhölzchen gesteckt hatte. Denn guter Samen reift langsam, und ein guter Junge wird nicht in einer Minute gemacht. Genug, daß das Samenkorn in ihm lag. Auf seinem Wege nach Raynham dachte er mit Wut an das, was er hatte erdulden müssen, und die Gestalt des dicken Belthorper Bauern brannte wie glühendes Eisen auf der Tafel seiner Erinnerung, unerträglich herablassend, und, was das Schlimmste war, dazu berechtigt. Wenn sein Verständnis auch durch seinen verwundeten Stolz getrübt war, das erkannte er doch deutlich und haßte seinen Feind deswegen um so mehr.

Die Zunge des gewichtigen Benson verkündete das Mittagessen, als Richard auf dem Schlosse ankam. Er eilte auf sein Zimmer, um sich umzukleiden. Zufall oder Absicht hatte das Buch mit Sir Austins Aphorismen offen auf seinen Ankleidetisch gelegt. Während er hastig sein Haar kämmte, blickte er darauf und las –

»Der Hund kehrt zu seinem Auswurf zurück: der Lügner muß seine Lüge wiederkäuen.«

Darunter war mit Bleistift hingeworfen: »Eine Teufelsspeise!«

Richard lief hinunter mit dem Gefühl, daß sein Vater ihm ins Gesicht geschlagen hätte.

Sir Austin bemerkte die heißen, roten Flecken auf den Wangen seines Sohnes. Er suchte des Knaben Auge, aber Richard wollte ihn nicht ansehen und saß und blickte auf seinen Teller, mit einem kläglichen Versuch, Adrians wohlgefällige Miene nachzuahmen. Wie konnte er sich anmaßen, das Vergnügen eines Epikuräers nachzuahmen, wenn er sich qualvoll abmühen mußte, »Teufelsspeise« herunterzuwürgen.

Der gewichtige Benson lastete schwer auf dem trübseligen Mittagsmahl. Hippias, der gewöhnlich ein schweigsamer Gast war, schien durch die unnatürliche Stille 89 aufgeweckt zu werden und wurde lebhaft, wie die Nachtschwalbe um Mitternacht. Er sprach viel von seinem Buch, seiner Verdauung und seinen Träumen, und Algernon und Adrian ließen es ihm durchgehen. Er erzählte einen unzusammenhängenden Traum, wie er sich jung und reich vorgekommen wäre und sich plötzlich inmitten eines Feldes befunden hätte, auf dem um ihn herum Rasiermesser gewachsen wären; und als er grade mit vorsichtigen Schritten, wie ein französischer Tanzmeister, den Mittelpunkt erreicht hätte, hätte er zu seinem Kummer einen Pfad entdeckt, der von dieser blutdürstigen, scharf geschliffenen Frucht ganz frei war, und den er von Anfang an hätte wählen können, wenn er nur genau zugesehen hätte; und da war er nun.

Hippias' Brüder sahen ihn mit Blicken an, die deutlich zeigten, wie sie wünschten, er wäre auch dort geblieben. Sir Austin dagegen zog sein Taschenbuch heraus und schrieb eine Bemerkung nieder. Ein Verfasser von Aphorismen kann selbst von einem Rasiermesserfelde Blüten ernten. War nicht Hippias' Traum das wahre Seitenstück zu Richards Lage? Würde er nur genau hingesehen haben, so hätte auch er den freien Pfad wählen können; auch er hatte vorsichtige Schritte gemacht, bis er sich von grinsenden Klingen umgeben sah. Und über diesen Text predigte Sir Austin seinem Sohne, als sie allein waren. Die kleine Klara war noch zu unwohl, als daß man ihr hätte erlauben können, bei dem Nachtische dabei zu sein, und Vater und Sohn waren bald mit einander allein.

Es war ein seltsames Beisammensein. Es schien, als wären sie lange voneinander getrennt gewesen. Der Vater nahm des Sohnes Hand; sie saßen, ohne daß ein Wort zwischen ihnen gewechselt wurde. Das Schweigen war beredt genug. Der Knabe verstand seinen Vater nicht; der Vater hatte oft seine Pläne durchkreuzt, 90 zuweilen hatte er den Vater für töricht gehalten; aber dieser väterliche Druck der Hand sprach beredt genug zu ihm, wie warm er geliebt wurde. Er versuchte ein- oder zweimal seine Hand fortzuziehen, da er fühlte, wie er weich wurde; sein Stolz und seine alten rebellischen Gefühle flüsterten ihm zu, hart zu bleiben, ungebeugt, entschlossen. Hart war er in seines Vaters Studierzimmer eingetreten, hart hatte er seines Vaters Blick erwidert. Jetzt konnte er ihn nicht ansehen. Der Vater saß freundlich neben ihm; sein liebevolles Wesen grenzte beinahe an Schwäche, so sehr liebte er diesen Knaben. Des armen Mannes Lippen bewegten sich. Er betete innerlich zu Gott.

Allmählich erwachte ein Gefühl der Rührung in des Knaben Brust. Liebe ist der gesegnete Zauberstab, der der Härte des Herzens Tränen entlockt. Richard kämpfte dagegen, um der Ehre seines alten Widerstandes willen. Die Tränen wollten kommen, heiß und widerstrebend über die Wälle des Stolzes. Schmachvoll schnell fingen sie an zu strömen. Er konnte sie nicht länger verbergen oder sein Schluchzen unterdrücken. Sir Austin zog ihn näher und näher an sich heran, bis das geliebte Haupt an seiner Brust lag.

Eine Stunde später wurden Adrian Harley, Austin Wentworth und Algernon Feverel in des Barons Studierzimmer gerufen.

Adrian kam zuletzt. Es lag eine Art liebenswürdiger Überlegenheit darin, wie sich der weise Jüngling in einen Stuhl warf und mit den zusammengelegten Spitzen seiner Finger einen Bogen bildete, durch welchen er auf seine in Irrtümern befangenen Verwandten blickte. Sorglos, wie es dem zukam, dessen Weisheit alles vorausgesehen und dessen wohlwollende Bemühungen die Gefahr schon vor der Schwelle abgewendet hatte, nahm 91 er nur insofern an der einleitenden Unterhaltung teil, als er halblaut vor sich hinsummte:

»Ripton und Richard waren zwei wackere Männer,« eine alte Ballade so parodierend. Richards gerötete Augen und des Barons unruhiges Wesen deuteten darauf hin, daß eine Aussprache und eine Versöhnung stattgefunden hatten. Das war gut. Der Baron würde nun freudig zahlen. Adrian rechnete und überlegte in Gedanken und hörte ruhig zu, als der Baron um ihre Aufmerksamkeit bat für das, was er ihnen zu sagen hätte, nämlich alle Anwesenden ausführlich von dem in Kenntnis zu setzen, was alle Anwesenden sehr gut wußten: daß ein Heuschober in Brand gesteckt worden war, daß sein Sohn als Anstifter in der Tat verwickelt war, daß der Ausführende jetzt im Gefängnis saß, und daß für Richards Familie es seiner Meinung nach Ehrensache wäre, ihr Äußerstes zu tun, um die Befreiung des Mannes zu bewerkstelligen.

Dann erzählte der Baron, daß er selbst in Belthorpe gewesen wäre, und sein Sohn ebenfalls, und daß er Blaize durchaus geneigt gefunden habe, seinen Wünschen entgegenzukommen.

Das Licht, das hochgehoben wurde, um endlich die Handlungen dieses verschwiegenen Geschlechtes zu beleuchten, fing langsam an seine Strahlen zu verbreiten; und wie ein Bericht dem andern folgte, sahen sie, daß sie alle von der Sache gewußt hatten, daß sie alle in Belthorpe gewesen waren, alle, mit Ausnahme des weisen Jünglings Adrian, der sich mit der schuldigen Ehrfurcht und einem sarkastischen Achselzucken gegen dieses Verfahren aussprach, da es sie in die Hände des Mannes Blaize brächte. Seine Weisheit entfaltete sich in solch überzeugender und an Sentenzen reicher Beredsamkeit, daß Sir Austin wohl schwankend geworden wäre, hätte nicht Adrian Einspruch erhoben gegen das, was er für durch die Ehre 92 geboten hielt. Aber die Basis von Adrians Weisheit war die Zweckmäßigkeit, und der Baron hatte einen eigenen besseren Spruch, um ihn zu widerlegen:

»Zweckmäßigkeit ist die Weisheit der Menschen, Adrian Harley; recht zu tun ist die Weisheit Gottes.«

Adrian unterdrückte seinen Wunsch, Sir Austin zu fragen, ob der Versuch, dem gerechten Walten des Gesetzes entgegenzuwirken, »recht tun« wäre. Die direkte Anwendung eines Aphorismus war in Raynham nicht beliebt.

»Wenn ich recht verstehe,« sagte er, »willigt also Blaize ein, die Klage fallen zu lassen?«

»Natürlich tut er das,« bemerkte Algernon. »Zum Teufel mit dem Kerl! Er wird sein Geld bekommen, was kann er mehr verlangen?«

»Diese Herren vom Lande müssen sehr zart behandelt werden. Wenn er indessen wirklich einwilligt –«

»Ich habe sein Versprechen,« sagte der Baron, seinen Sohn zärtlich an sich ziehend.

Richard sah zu seinem Vater auf, als wenn er zu sprechen wünschte. Er sagte aber nichts, und der Baron nahm den Blick als eine stumme Antwort auf seine Zärtlichkeit und wurde noch zärtlicher. Adrian bemerkte eine gewisse Zurückhaltung in des Knaben Wesen. Er war nicht zufrieden damit, daß sein Gebieter ihn für das einzig müßige und nicht vielmehr für das schärfste und wachsamste Mitglied der Familie halten sollte und fing daher ein Kreuzverhör an und fragte Richard, wer den Bauern von Belthorpe zuletzt gesprochen hätte.

»Ich glaube, ich sah ihn zuletzt,« sagte Richard und ließ seines Vaters Hand los.

Adrian hielt seine Beute fest. »Und du verließt ihn mit einer klaren und befriedigenden Versicherung seiner freundschaftlichen Absichten?«

93 »Nein,« sagte Richard.

»Nicht?« Die Feverels vereinigten sich in einem Chor des Erstaunens.

Richard schob sich noch weiter von seinem Vater fort und wiederholte ein verschämtes: »Nein!«

»War er feindselig gesinnt?« fragte Adrian, rieb sich die Hände und lächelte.

»Ja,« bekannte der Knabe.

Hier zeigte sich eine ganz neue Auffassung ihrer Lage. Adrian, der gewöhnlich ruhig abwartete, zeigte deutlich, wie er über das Resultat, das er erreicht hatte, triumphierte, und wandte sich gegen Austin Wentworth, dem er Vorwürfe machte, daß er den Knaben dazu veranlaßt hätte, nach Belthorpe zu gehen. Austin sah bekümmert aus. Er fürchtete, daß Richards guter Entschluß fehlgeschlagen wäre.

»Ich hielt es für seine Pflicht zu gehen,« bemerkte er.

»Das war es auch,« sagte der Baron mit Nachdruck.

»Und du siehst, was dabei herauskommt,« warf Adrian ein. »Ich wiederhole noch einmal, diese Herren vom Lande müssen zart behandelt werden. Was mich anbetrifft, so würde ich lieber in der Hand eines Polizisten sein. Wir sind entschieden in der Gewalt dieses Blaize. Was waren seine Worte, Ricky? Laß sie uns in seiner eignen bäurischen Sprache hören.«

»Er sagte, er würde Tom Bakewell deportieren lassen.«

Adrian rieb sich die Hände und lächelte wieder. Dann könnten sie es übernehmen, Herrn Blaize Trotz zu bieten, meinte er wichtig, machte noch einmal eine geheimnisvolle Anspielung auf die punischen Elefanten und bat seine Verwandten, vollständig ruhig zu sein. Sie legten seiner Meinung nach Richards Mitschuld viel zu viel Bedeutung bei. Der Mann wäre ein Narr und wäre ein sehr ungewöhnlicher Brandstifter, wenn er überhaupt einen 94 Mitschuldigen nötig hätte. Das wäre in den Annalen der Heuschoberbrände überhaupt noch nicht vorgekommen. Man würde strenger sein, als das Gesetz selbst, wenn man behaupten wollte, ein vierzehnjähriger Knabe hätte einen erwachsenen Mann zu einem Verbrechen angestiftet. In dem Falle wäre dann allerdings »der Knabe der Vater des Mannes«, und dann würde man wohl nächstens hören, daß das Kind in der Wiege der Vater des Knaben wäre. Man würde aber etwas gesunden Menschenverstand eine bessere Richtschnur nennen dürfen als poetische Metaphysik.

Als er aufhörte, fragte ihn Austin mit seiner gewohnten Gradheit, was er eigentlich meine.

»Ich gebe zu, Adrian,« sagte der Baron, als er hörte, wie Austin wegen seiner Dummheit zur Rede gestellt wurde, »daß auch ich dich nicht verstehe. Ich höre, daß dieser Mann Bakewell sich freiwillig dazu entschlossen hat, meinen Sohn nicht anzuklagen. Ich habe selten etwas gehört, das mich so befriedigt hätte. Es gewährt einen Einblick in die innere Vornehmheit in dem Charakter dieses Landmannes, an der sich manch ein Edelmann ein Beispiel nehmen könnte. Wir sind verpflichtet, unser äußerstes für den Mann zu tun.« Und indem er erklärte, noch einen zweiten Besuch in Belthorpe machen zu wollen, um die Gründe zu erfahren für des Bauern plötzliche Neigung zur Rachsucht, erhob sich der Baron.

Ehe er das Zimmer verlassen hatte, fragte Algernon Richard, ob der Bauer ihm irgend welche Gründe gegeben hätte, und der Knabe sprach nun von der Bestechung der Zeugen und von des Kampfhahns »nicht mit einem heiligen Eide!« worüber Adrian fast vor Lachen erstickte. Selbst der Baron lächelte über diesen feinen Unterschied zwischen dem Schwören und dem Schwören mit einem heiligen Eide.

»Wie wenig,« rief er aus, »kennt ein Bauer den 95 andern. Solch eine kleine Abweichung zu einem Unterschiede zu erheben, ist die natürliche Handlung ihres Verstandes. Ich will Blaize darauf aufmerksam machen. Er soll erkennen, daß solche Gedanken den Bauern natürlich sind.«

Mit Gewissensbissen sah Richard seinen Vater gehen, und auch Adrian fühlte sich nicht ganz behaglich.

»Dieses nach Belthorpe traben verdirbt alles,« sagte er. »Die Sache würde morgen vorüber gehen – Blaize hat keine Zeugen. Der alte Schurke will nur noch mehr Geld erpressen.«

»Nein, das will er nicht,« widersprach ihm Richard, »das ist es nicht. Ich bin überzeugt, er glaubt, daß man sich mit seinen Zeugen zu schaffen gemacht hat, wie er sagt.«

»Und wenn man das getan hätte, mein Junge,« warf Adrian mutig ein. »Der Boden ist ihm unter den Füßen entzogen.«

»Blaize sagte mir, daß wenn mein Vater ihm das Wort darauf gäbe, daß nichts derartiges geschehen sei, er es glauben würde. Mein Vater wird ihm sein Wort darauf geben.«

»Dann lasse ihn lieber nicht hingehen,« sagte Adrian.

Austin sah Adrian scharf an und fragte ihn, ob er glaube, daß der Verdacht des Bauern gerechtfertigt wäre. Der weise Jüngling ließ sich nicht fangen. Man hätte ihm nur zu verstehen gegeben, daß die Zeugen ziemlich unsicher wären, und daß der Kampfhahn bereit wäre, fröhlich zu schwören, aber nicht auf die Bibel. Es beliebte ihm nicht zu sagen, wie er das gehört hatte, aber er wiederholte, daß man es nicht zulassen solle, daß der Baron nach Belthorpe ginge.

Sir Austin war auf dem Feldwege, der nach dem Bauerngehöft führte, als er eilige Schritte hinter sich 96 hörte. Es war dunkel und er schüttelte rauh die Hand ab, die ihn am Mantel hielt, da er seinen Sohn nicht erkannte.

»Ich bin es, Vater,« sagte Richard keuchend, » verzeih mir, du darfst nicht hingehen.«

»Warum nicht?« fragte der Baron und legte seinen Arm um ihn.

»Jetzt nicht,« fuhr der Knabe fort, »ich werde dir heut abend alles sagen. Ich muß den Bauern selbst sprechen. Es war meine Schuld, Vater. Ich – ich habe ihn belogen – der Lügner muß seine Lüge widerkäuen. Ach, vergib mir, daß ich dir Schande mache, Vater. Ich tat es – ich hoffe, ich tat es, um Tom Bakewell zu retten. Laß mich allem hingehen und die Wahrheit sagen.«

»Geh' und ich werde hier auf dich warten,« sagte sein Vater.

Der Wind, der die alten Ulmen niederbeugte und die trocknen Blätter durch die Luft wirbelte, hatte Stimme und Bedeutung für den Baron, während dieser einsamen halben Stunde, die er in der Dunkelheit auf- und abschritt, um auf seinen Sohn zu warten. Die feierliche Freude seines Herzens gab der Natur eine Zunge. Durch die trübe Stimmung der Luft, durch das Wehklagen der Mutter Erde über das kahl gefegte Land – vernahm er deutliche Zeichen von der wohltätigen Ordnung des Weltalls, vernahm sie mit einem Herzen, das neu bestärkt worden war in seinem Verständnis für das Prinzip menschlicher Güte, wie es sich in dem geliebten Kinde, das ihn soeben verlassen hatte, offenbarte: bestärkt worden war in seinem Glauben an den schließlichen Sieg des Guten, ohne den die Natur keine Harmonie, keine Bedeutung hätte, nur Fels, Stein und Baum wäre und nichts weiter.

In der Dunkelheit, während die welken Blätter an 97 sein Antlitz schlugen, nahm er sein Taschenbuch hervor und schrieb mit hastenden Fingern: »Es gibt für den menschlichen Geist nur ein Erfassen des Glücks; von jenem höchsten Gipfel der Weisheit aus, von dem aus wir erkennen, daß diese Welt weise geplant ist.«

 

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