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Rheinisches Dichterbuch - Auszug

: Rheinisches Dichterbuch - Auszug - Kapitel 39
Quellenangabe
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typemisc
authorVerschiedene Autoren
titleRheinisches Dichterbuch - Auszug
publisherVerlag von Hoursch u. Bechstedt
editorHeinrich Sarnetzki
year1909
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Hugo C. Jüngst

Das ist der Herbst ...

Das ist der Herbst, wie ich ihn liebe!
Auf welkem Laub ruht Sonnenduft;
Ein letztes Blütenduftgestiebe
Geht schmeichelnd durch die kühle Luft.

Noch sind die Blätter nicht gefallen;
Von fernher tönt der Drescherschlag;
Des Segens lichte Boten wallen
Holdlächelnd über Feld und Hag.

Ich schreite jauchzend meine Wege;
Die Lieder quillen quikbornreich;
Geöffnet steht an jedem Stege
Das goldne Tor zum Himmelreich.

Das ist der Herbst, wie ich ihn liebe!
Auf welkem Laub ruht Sonnenduft;
Ein letztes Blütenduftgestiebe
Geht schmeichelnd durch die kühle Luft.

Es fliegen zwei jubelnde Schwalben ..

Es fliegen zwei jubelnde Schwalben
In sterbender Abendglut,
Ueber die Blätter, die falben,
Fließt rinnendes Sonnenblut;
Rings schwebt in schmeichelnden Wellen
Spätsommerblütenduft.
Aus laubumzitterten Stellen
Einsam ein Vogel ruft.

Zwei jubelnde Schwalben fliegen
Ins schimmernde Aethermeer;
Weich kosend und lockend schmiegen
Sich Glutwellen um sie her.
Ich hab' mit sehnenden Blicken
Den Vögeln nachgeschaut ...
Rings schimmernde Blüten nicken,
Vom Abendhauch betaut.

Dämmergang

Verträumt in blassem Nebelhauch
Dehnt sich die müde Heide,
Ein Vogel wispert leis im Strauch,
Heuduft zieht von der Weide.

Es hält ein todessüßer Bann
Die ganze Flur umfangen,
Der Abendhauch sein Goldnetz spann,
Ich bin feldein gegangen.

Da schwellt's mein Herz so sehnsuchtsweit,
Still falten sich die Hände,
Möcht' beten, daß nach all dem Leid
Ich endlich Ruhe fände.

Meiner Mutter

Ein weiches Wehen weht schon in den Lüften ...
Nun kommt der Lenz mit seinen zarten Düften,
Mit all den Blumen, die du so geliebt.
Doch von dem neuen, hoffnungsreichen Leben
Kann ich dir nichts als ein paar Blüten geben,
Nur ein paar Blüten, die der Wind zerstiebt.

Seit du aus meinem Leben bist gegangen
Liegt auf der Seele mir ein wehes Bangen;
Ich geh' und weiß nicht, geh' ich rechten Gang?
Ich leb' mein Leben wie in einem Traume.
An der Erinnerungen schmalem Saume
Geht unruhvoll mein müder Geist entlang.

Wie kam es nur, daß ich von dir gegangen?
Ins große Leben trieb mich mein Verlangen. –
Heut laß ich still dem Leben seinen Gang.
Im Traume halt ich wieder deine Hände ...
Wo ist ein Hafen, da ich Ruhe fände? –
Die Saite riß, die einst so hell erklang.

*

Ein weiches Wehen weht schon in den Lüften,
Nun kommt der Lenz mit seinen zarten Düften,
Mit all den Blumen, die du so geliebt.
Doch von dem neuen, hoffnungsreichen Leben
Kann ich Dir nichts als ein paar Blüten geben,
Nur ein paar Blüten, die der Wind zerstiebt.

An die Stillen

Die Ihr im engen Kreis Genügen findet
Und nicht den Blick nach weiten Fernen hebt,
Und glücklich seid, wenn still ein Tag entschwindet,
Wenn nicht ein Sturm durch Eure Stille bebt ...

Die Ihr zufrieden seid in Euern Träumen,
Und nie der Wirklichkeit ins Antlitz seht,
Und weltfern wandelt unter Blütenbäumen,
Wenn sacht der Lenzhauch durch die Zweige geht ...

Ich schelt' Euch nicht und will Euch nicht zerstören
Was Ihr als Lebensglück Euch habt erbaut,
Ihr, denen vor den vollen Lebenschören
Und vor der Zukunft wildem Brausen graut.

Doch laß auch mich auf meinen Wegen schreiten,
Und stört auch Ihr mir meine Kreise nicht;
Mich zieht der Geist in jene großen Weiten,
Wo sich der Strom der Zeit an Felsen bricht.

In meiner Seele lebt ein wildes Glühen,
Aus Gluten steigt die neue Welt herauf,
Und wo der Zukunft Flammenzeichen sprühen,
Da lodern jauchzend meine Lieder auf.

 

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