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Rheinisches Dichterbuch - Auszug

: Rheinisches Dichterbuch - Auszug - Kapitel 29
Quellenangabe
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typemisc
authorVerschiedene Autoren
titleRheinisches Dichterbuch - Auszug
publisherVerlag von Hoursch u. Bechstedt
editorHeinrich Sarnetzki
year1909
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20120717
projectid7a2c092d
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Otto Haendler

Neue Jugend

Wem des Lebens Sommerjahre
Schweres Siechtum hat bedrückt,
Doppelt fühlt er, Reif im Haare,
Wie ein frischer Herbst beglückt.

Mich berauscht dies neubescherte
Liederquellenfindeglück:
Ach, es ist mir fast, als kehrte
Meine Jugend mir zurück.

Doch des Blutes Stürme schweigen,
Ruhig ist der Blick und klar,
Und mein Herz ist – ganz mein eigen,
Das so oft verloren war.

Könnt' ich's nur in Worte fassen,
Welche Wonne mich durchbebt,
Und der Welt es hinterlassen!
Nicht umsonst hätt' ich gelebt!

Das Pulvermaar

Welch glatter Spiegel, blau und klar,
Bei Gillenfeld das Pulvermaar!
Einst gähnte hier im Kesselrund
Graunvoll ein schwarzer Höllenschlund.
Dumpf grollt' es oft im Bergesschoß,
Bald waren tausend Teufel los,
Die brüllten laut im wilden Chor,
Die Feuersäule schoß empor
Und rötete weithin die Nacht:
Satan fuhr hoch in blutiger Pracht!
So war's in grauer Heidenzeit.
Dann ward durch Christi Blut geweiht
Dem Herrn das liebe Eifelland,
Und alles kam in Rand und Band.
Verschlossen ward der Hölle Tor,
Kein Feuer schlug mehr draus empor,
Und über schwarzem Felsgeroll
Hob sich allmählich Zoll für Zoll,
Vom Regen und des Winters Schnee
Gespeist, der tiefe, stille See,
Von grünem Buchenhag umsäumt –
Ein blaues Auge, hold verträumt.
Nur selten noch, da wogt es wild,
Das Wasser wächst im Nu und schwillt
Hinauf zum höchsten Kesselrand,
Ein Schrecken für das ganze Land.
Dann zieht das Volk, daß die Gefahr
Sich wende, rings ums Pulvermaar,
Das Kreuz voran, und betet laut:
Und Gott hilft dem, so ihm vertraut!
Zuletzt da ward im Voraus schon
Bestimmt der Tag der Prozession,
Einmal hat man den frommen Brauch
Versäumt: lau war man früher auch.
Da donnert noch am selb'gen Tag
Der Berg, und wie mit einem Schlag,
Aufwallt der See und schäumt und zischt,
Zum Himmel spritzt der heiße Gischt.
Schon lockt die Flut am Kraterrand,
Wo just der alte Schäfer stand,
Da nimmt entsetzt den Hut der ab
Und hängt ihn auf den Hirtenstab
Und betet laut mit aller Kraft
Zu ihm, der Tod und Leben schafft.
So geht er um den See herum,
Mit ihm sein Hund, andächtig stumm,
Die Schafe blöckend hinterdrein,
Paarweis, voran die Lämmelein:
Und machtlos wird der Hölle Wut,
Das Wasser sinkt, und lautlos ruht
Ein glatter Spiegel, blau und klar
wie je zuvor, des Pulvermaar.

Erfüllen sie den frommen Brauch,
Tun's Schäfer, Hund und Schafe auch.
Ja, wen hier noch ein Zweifel quält:
Der Pastor hat's mir selbst erzählt!

Grundbesitz

Der Platz für unsers Edgars Grab ist mein!
Ein Bote bringt ins Haus mir diesen Schein.
Hier stehts gedruckt: drei Ellen lang und breit,
Da darf er schlafen nun in Ewigkeit!

Längst war ich ja auf Grundbesitz erpicht,
Du aber, liebes Weib, du wolltest nicht.
Nun hab' ich doch vom deutschen Land mein Stück:
Ein kleines Grab für unser großes Glück!

 

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