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Reisenovellen - Band 2

Heinrich Laube: Reisenovellen - Band 2 - Kapitel 12
Quellenangabe
typenovelette
booktitleReisenovellen - Band 2
authorHeinrich Laube
year1834
publisherVerlag von Otto Wigand
addressLeipzig
titleReisenovellen - Band 2
pages550
created20120503
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Andreas Hofer

Durch Immermanns »Trauerspiel in Tyrol« und ähnliche Bücher ist es Mode geworden, den Hofer immer nur für eine große Puppe anzusehn, welche die Pfaffen am Draht zogen. Er war eine Puppe, aber eine lebendige, er haßte nicht bloß auf Geheiß, er haßte von Herzen, und liebte von Herzen. Und sein Haß traf nicht bloß, wie die Pfaffen wollten, die Franken und Baiern, sein Haß traf auch den Adel, seine Liebe umfaßte nicht allein die unantastbare Kirche, sie war eine demokratische. Und der ganze Aufstand war nicht bloß eine blutige Posse, zum Vergnügen des Hauses Habsburg aufgeführt, er stammte wirklich von der Freiheit. Das Pfaffen- und Habsburgthum haben seinen Glanz getrübt, aber sein Element nicht verändert. Die »rothen Hosen« des österreichischen Kaisers haben allerdings ihre Rolle dabei gespielt, aber sie waren nicht das Motiv des Stücks.

142 Es war eine verwickelte Geschichte um den Preßburger Frieden und um die Ursachen, daß in der Nacht des zehnten April 1809 der Aufstand losbrach in Tyrol, ich habe hier auf der Reise nicht Zeit genug, sie ausführlich zu erzählen. Oesterreich hat viele seiner kleinen Klugheiten dabei entwickelt, die seinem Verstande immer Ehre machen werden. Ohne viele Umstände gab es Napoleon Tyrol in den Kauf, als er es verlangte, man kannte zu Wien das ehrliche, offne Tyrolerherz auf und nieder, und trat die Provinz viel leichter ab, als jede andre. Mit dem Paragraphen dieser Abtretung ward dem Napoleon der Uriasbrief eingesiegelt in die Friedensdepesche; das wußte man. Es war eine vergiftete Hostie, die den Frieden weihte.

Oesterreich behandelt nämlich seine Provinzen immer wie die Kinder, denen man in kleinen Ungezogenheiten den Willen läßt, damit sie nur sonst artig bleiben. In Tyrol wohnten die kleinsten Kinder, denen man all' die garstigen Angewöhnungen von Nationalität, Privilegien, Selbstbesteuerung und dergleichen durch die Finger gesehen hatte. So waren die Tyroler meist guter Laune gegen Wien.

Napoleon aber und das damalige bairische Gouvernement, welchem Tyrol zugefallen war, verfuhr mit der neuen Provinz wie mit einem erwachsenen Menschen, welcher Härten und Uebelstände zu 143 übersehen vermag gegen allgemeine, weitaussehende Vortheile, gegen moderne Verbesserung. Das erzeugte das lebhafteste Mißbehagen gegen die neue Herrschaft. Der Tyroler sieht von einem schmalen Thale bis zum anderen, seine Pupille gewöhnt sich nicht ohne Schmerz plötzlich an weite, breite Weltreformen. Diese total falsche Behandlung war der erste Grund zum Aufstande.

Tyrol ist fromm, man tastete seine Kirchen und Priester an. Die Priester schrieen »Anathema!«. Tyrol ist nicht bloß fromm, es ist abergläubisch – die Priester legten einen breiten zweiten Grund zum Aufstande.

Tyrol ist arm; man verlangte höhere Steuern von ihm, das war ein dritter Grund. Aber das waren Alles nur Dinge für Einen, der durchaus Gründe haben wollte. Die Hauptsache waren lauter Empfindungen, für welche sie keine Worte hatten. Das Tyrolerthum war bedroht. Jede Aenderung, jedes Neue ist einem stabilen Volke wie dieses ein Gräuel. Sie ahnten es, daß am Ende auch ihre Hosenträger, ihre grünen Hüte, ihre bunten Bänder bedroht würden, sie ahnten es, daß man ihnen am Ende gar die Stutzen nehmen könnte. Und Alles geschah, ohne daß sie gefragt wurden – die ganze Freiheit mit all' den Freuden, Rechten und Ungezogenheiten, welche in diesem 144 Worte liegen, war gefährdet. Das lag dem Dümmsten vor Augen, wenn er nicht mehr thun und lassen durfte, was früher.

Und um die Freiheit handelte sich's wirklich in diesem Aufstande, wenn sie auch einen andern Rock trug als gewöhnlich, wenn sie auch verdächtigt wurde durch das Zulächeln Oesterreichs.

Die Tyroler sagten untereinander, sie wollten diese Wirthschaft nicht leiden, und gingen still zu Rathe, wie das zu ändern sei. Nun wohnte auf dem Sande zu Passeyer ein großer, gewaltiger Gastwirth, der war in ganz Tyrol bekannt wegen seines enormen Appetits, seiner herkulischen Leibeslänge und wegen seines erschrecklich großen, schwarzen Bartes. Dieser Mann aß und trank mehr, als jeder andre Tyroler, führte ein entschlossen Regiment im Hause, und auch die Weiber hatten ihm gar nichts an. Man wußte zum Beispiel, daß sein Weib den großen Bart nicht leiden konnte, und daß er ihn nur wachsen ließ, um aller Welt und seiner Frau zu zeigen, daß er Herr im Hause sei. Bei diesem Manne, der von der Natur zu einem Anführer bestimmt schien, versammelten sich die unzufriednen Tyroler, und schworen, sie wollten halten zu Tyrol, ja, sie verschworen sich gegen die Franken und Baiern auf Leben und Tod, und tranken dazu 145 Botzener Wein beim Sandwirth zu Passeyer, und der Sandwirth trank mehr, als alle.

Dieser Sandwirth mit dem großen Appetite, großem Leibe und großem Barte ist aber Andreas Hofer.

Noch ehe sie miteinander einig waren, daß man zum Stutz greifen müsse, war Hofer mit einigen Verschwornen hinabgestiegen nach Grätz, um mit Oesterreich zu unterhandeln. Der Erzherzog Johann nämlich war der Naturforschung wegen bereits längere Zeit in den Kärnthner Gebirgen umhergezogen, um für die Tyroler Natur rasch bei der Hand zu sein. Er empfing den langen und breiten Andreas auf das Vortrefflichste, und als ihm Hofer sagte, sie wollten losschießen in Tyrol, wenn nur Oesterreich hinterdrein schießen wollte, da klopfte ihn der Erzherzog auf die Achsel, und versicherte ihn, die Sache sei ganz in der Ordnung.

Dieser Moment der letzten Zeit ist so überaus interessant, weil Oesterreich eine Revolution angestiftet. Wenn ich den Namen Oesterreich höre, so denke ich an Ollmütz und Munkatsch, wo Lafayette und Ypsilanti, zwei Freiheitshelden, geschmachtet haben, ich denke an den Oesterr. Beobachter, an Mehlspeisen, an das leere Lächeln eines ganzen Volks, das man verwahrlos't &c. hat, ich denke an die friedliche Hofburg in Wien, an Wiener Walzer, 146 an den Staberl, an die langen ungarischen Grenadiere; aber das Wort Revolution fällt mir nicht ein. Ich sehe die im Kerker zerstörten Wangen, die zertrümmerte Brust Ypsilantis zum letzten Male schmerzhaft Athem holen, und die gequälte Seele aushauchen, aber an eine Revolution denk' ich nicht.

Und dort, dort zu Grätz unterhandelte der österreichische Erzherzog mit einem Gastwirth aus Tyrol um eine Revolution, er schloß den Kontrakt ab, und Hofer ging zurück gutes Muths, und trank eine Flasche Botzener mehr, lud seinen Stutzen, und die Geschichte ging los.

O Oesterreich, Oesterreich, hast du keine nächtlichen Erscheinungen, wenn du gegen die Freiheit agirst, siehst du sie nicht, die schönen, wohlgebildeten Tyroler Leiber, die blutbefleckt, von Kugeln zerrissen, in den Schluchten lagen, oder die der grüne Inn herabschwemmte bis in die Donau?! Fällt dir's nicht manchmal ein, daß um's Jahr Neun zuweilen bunte durchschossene Bänder an den Wiener Bastionen auf der Donau vorbeischwammen hinab nach Ungarn, und daß die Leute sagten, die Bänder kämen aus Tyrol herab, und dort gäb's viel Unglück.

Nein, solche Dinge fallen dir nicht ein, und ich lobe dich drum, du hast Recht, es wäre eine Sentimentalität, um derentwillen ich dich auslachen würde. Ein absoluter Staat muß kein Gewissen 147 haben, sein Vortheil ist sein Gesetz. Daß Oesterreich Tyrol aufreizen und dann im Todesunglück verlassen konnte, das ist ein Beweis seiner absoluten Größe. Ich weiß, daß Kaiser Franz bittre Thränen um seine armen, braven Tyroler geweint haben mag, denn er ist ein natürlicher Mann mit weichem, menschenfreundlichem Herzen, ich seh' ihn mit seinem quälenden Weh in der Hofburg umhereilen, und die Hände ringen um die armen Tyroler, die man zusammenschoß, aber Oesterreich ist mehr als Kaiser Franz; die Götter vermochten nichts gegen das Fatum.

Unter solchen Umständen ist der Tyroler Aufstand ewig merkwürdig.

Und der Sandwirth von Passeyer sagte zu seinen Brüdern: Es ist alles richtig, man wird uns helfen. Geht hinab, und ordnet Alles an. Die Zahl der Verschwornen war aber angewachsen bis auf Sechshundert, und diese Sechshundert bewahrten das Geheimniß mehrere Monate. Das können nur Tyroler, die alle dasselbe wollen.

Am neunten April waren die Bäche, welche von den Bergen kommen, mit Sägspänen bedeckt, und auf dem Inn schwammen Bretter und Balken mit Fähnchen bepflanzt in's Thal hinab, um den tiefer Wohnenden anzuzeigen, daß man im Gebirge fertig sei. Und in der Nacht zum zehnten April blitzten auf den Bergspitzen Fackeln in die Höhe, in den 148 Dörfern antworteten große Feuer, die Sturmglocken dröhnten, Alles, was eine Waffe führen konnte, griff darnach, und durch die dunkle Nacht strichen die langen Gestalten dahin nach den Sammelplätzen still und verschwiegen, nur die Priester, das Kruzifix in der Hand, predigten. Als die Sonne kam, brachen sie herab auf die fremden Truppen wie die zerschmetternden Bergwasser, »zerreißt die Schurken mit den Zähnen,« schrie der lange aus dem dunkeln Haufen ragende Hofer, und wie eine sicilianische Vesper braus'te die Tyroler Rache durch die Thäler, die Stutzen knallten, die Tyroler johlten mit tödtlicher Stimme, die Getroffenen schrieen nur einmal gellend, die Berge rauchten, der Inn blutete – binnen wenig Tagen war Tyrol gesäubert.

Das war die Frühjahrsarbeit der Tyroler Landleute, denn kein Edelmann hatte sich sehen lassen, auch die Städter hatten nur voll Theilnahme zugeschaut – die Urbewohner, die der harten Muttererde am nächsten, hatten allein den Boden gereinigt. Es war eine legitimirte Bauernrevolution.

Nun schickte Oestreich ein jämmerlich Häuflein Truppen, das langsam die Fersen hob, und sich nach dem Rückzuge umsah. Die Tyroler meinten, sie würden abgelös't, und gingen heim, der Adel ward nach Baiern zusammenberufen, von Wien kamen ein Paar magere Worte, und Hofer warf sich weinend wie ein 149 Kind an die Erde – er übersah mit der Wuth eines getäuschten Demokraten das ganze Elend, er fluchte den unnützen Junkern, er fluchte dem trügerischen Wien. »Gulden, Gewehre, Lebensmittel, Kanonen brauchen wir, und da wollen sie uns mit Worten abspeisen,« rief er zähneknirschend.

Armer Hofer!

Unterdessen hatte Napoleon die verworrne mörderische Schlacht bei Wagram geschlagen, über Salzburg herein ergossen sich die Franzosenheere, und Lefevre, der Herzog von Danzig, drang gegen Tyrol.

Die Baiern saßen wieder in Innsbruck. Das ertrug Hofer nicht, er kam wieder herunter von den Bergen, der Krieg begann von Neuem und mit noch größerer Wuth. Listig zogen sich die Bergbewohner in die Schluchten zurück und verlockten dahinein die Feinde, in die Klüfte des Brenner. Dort hatten die Tyroler Felsblöcke und halbe Berge beweglich gemacht, und stürzten sie zerschmetternd auf die Feinde. Das gab eine Niederlage im drückendsten Sinne des Worts.

Hofer nahm von Neuem Innsbruck und ward Dictator von Tyrol. »Ihr könnt als Baiern nicht leben, auf denn, seid Tyroler bis in den Tod!« rief Andreas mit lauter Stimme zu Innsbruck.

Bis in den Tod – Oesterreich schloß den Wiener Frieden und trat Tyrol wiederum an Baiern ab – wer den Krieg noch fortsetzte, war ein Rebell, der 150 erschossen wurde. Und Hofer wollte sterben als freier Tyroler, und setzte trotz allgemeiner Entmuthigung den Krieg fort.

Von Berg zu Berg, von Schlucht zu Schlucht ward er getrieben, es wurden der Stutzen immer weniger um ihn, die Feinde umarmend, wenn kein Ausweg mehr übrig blieb, stürzten sich die Tyroler in die Abgründe, der langbärtige König von Tyrol mußte sein Schwert niederlegen, das Stück war zu Ende.

Da stieg der unglückliche, zermalmte Hofer auf einen der höchsten Berge, wo kaum ein menschlicher Fuß hindringen konnte. Hier legte er sich todtmüde in eine Höhle, in welcher neun Monat des Jahrs der Schnee nicht schmolz, und hungerte und betete und fror und ängstigte sich für sein Vaterland. Nur sein Weib kam zu ihm, und brachte ihm einige Nahrung, er sah nichts als den hellen, kalten Himmel über sich und die wüsten Berge unter sich. Er war ein ausgestoßener, geächteter Mann, der König von Tyrol.

Da kam eines Tags sein Weib und sagte ihm, sein Aufenthalt sei entdeckt, er möge weiter flüchten. Aber Hofer antwortete: Ich will doch sehen, ob mich ein Tyroler verräth. Sie bat ihn auch von Neuem, den langen Bart abzuschneiden, aber er liebte seinen Bart, er wußte es, daß dieser schwarze Bart welthistorisch geworden sei, und erklärte: Mein Bart fällt nur mit mir.

151 So kam der achte Januar des Jahrs 1810 heran, Hofer arbeitete eben, den vielen Schnee zu beseitigen, der ihn zu verschütten drohte – da sah er ringsum blanke Gewehre blitzen, er war umstellt, die Franzosen rückten heran. Rasch griff er nach seinem Stutzen; aber das Unnütze eines Widerstandes einsehend, legte er die Waffe ab, und trat stolz wie ein Bergkönig vor seine Hütte und rief: Ich bin Hofer, schießt Franzosen, schießt schnell, nur schont mein Weib und meine Kinder.

Aber sie legten ihn in Ketten, und führten ihn hinab gen Botzen. Von da sollte er eines Morgens weiter hinunter geführt werden in die Festung Mantua. Er mußte Abschied nehmen von Weib und Kind, die ihn nicht verlassen wollten. Es war ein schlimmer Morgen für Andreas. Sein Bube zerrte an dem lichtgrünen Jägerrocke des Vaters, und klammerte sich an die braunen hohen Kamaschen des Schützen, sein Weib lag ihm an der Brust und weinte die stürzenden Thränen eines Todesabschieds. Andreas Hofer segnete sie, rückte den breiträndrigen Hut mit dem bekannten braunen Federstutz tief in die Augen, stieg auf den Wagen und fuhr bergab durch Welschtyrol in die lombardische Ebene nach Mantua.

Er ward als Rebell vor ein Kriegsgericht gestellt. Das ist ein tödtlich Wort.

152 Die Franzosen behandelten ihn wie einen Helden mit Hochachtung; er war ein furchtbarer aber ein menschlicher Feind gewesen, nie hatte er besiegten Feinden ein Haar krümmen lassen. Der Advocat Bassicot vertheidigte ihn mit Feuer und Geschick, der Tag des Urtheils war da, man erwartete seine Freisprechung. Da flog rasch wie das Unglück ein telegraphischer Todesbefehl nach dem Thurme von Mantua.

Um zehn Uhr des Morgens hörte er den Generalmarsch. »Das ist mein letzter Gang!« sprach er, »Israel zu deinen Zelten!«

Es war ein herzzerreissender Anblick, als er am Molina-Thor vorüberkam, und die Tyroler Gefangenen an den Gittern ihn erblickten. Laut heulten sie auf in krampfhaftem Schmerze. Ihr Vater Hofer, der Mann Gottes, der Alles mit einem Bibelspruch begann, den sie verehrten wie einen Engel, Sanctus Andreas Hofer sollte wie ein Verbrecher erschossen werden. Sie fielen alle auf die Knie und beteten, und die Thränen liefen stromweis über ihre Backen.

Andere Tyroler, die frei herum gingen, lärmten tosend und rachelustig, aber Hofer beschwichtigte sie, gab ihnen einige hundert Gulden, die er noch besaß, seine Dose und einen Rosenkranz von Werth und sprach: Tyrol stirbt nicht mit mir.

So kam er auf die Bastion von Cesena. Da 153 sah er noch einmal nach seinen heimathlichen Bergen, dort oben nach jenen Adlern, mit denen er auf den Eisforsten so lange gehaus't hatte, und er breitete zum letzten Male seine Arme aus nach Tyrol, der große, gewaltige, wehrlose Mann, ein Mann des Todes.

Er wies den Tambour zurück, der ihm die Augen verbinden wollte, und als man ihm niederzuknieen befahl, rief er zum letzten Male trotzig: »Nimmermehr! Ich habe stets aufrecht vor Gott gestanden, und so will ich die Seele zurückgeben, die ich ihm verdanke.«

»Fehlt nicht,« sagte er noch zu einem Soldaten, warf ihm einige Geldstücke hin, und kommandirte mit fester Stimme »Feuer!«

Die Büchsen blitzten auf, die Schüsse knallten, Hofer war schlecht getroffen, stürzte auf die Seite, und wollte sich wieder aufrichten, da rettete ihn ein Gnadenschuß.

Das geschah auf der Bastion zu Cesena in Mantua, welches jetzt wieder eine österreichische Festung ist, an Andreas Hofer, der die Waffen erhoben hatte für sein Vaterland zu Gunsten Oesterreichs, das geschah Angesichts der Berge von Tyrol unter Gottes freiem Himmel.

Andreas Hofer war noch nicht 44 Jahr, und die französischen Grenadier trugen ihn feierlich wie einen 154 Stabsoffizier in einem großen, großen Sarge zu Grabe, denn man hatte nur gehorcht, indem man ihn erschoß.

Oesterreich hat später seinen Sohn geadelt, ihn zu einem Junker gemacht, weil sein Vater die Junker verwünscht hatte bis in den Abgrund der Erde. In der Kirche zu Innsbruck liegt sein Denkstein bäuerlich an der Seite, und man muß mit Füßen darauf treten. Jetzt erst im Jahre 1834 lassen ihm die Tyroler Stände ein Denkmal setzen.

Aber in allen Hütten Tyrols findet man den fabelhaft groß und starken Mann mit dem fahlgrünen Rocke, dem dunkelbraunen Federbusch auf dem breiten Hute und mit dem langen Hohenpriesterbarte, den Pistolen im Gürtel, dem langen Schwerte an der Seite, dem Stutzen an der Hand, da findet man Andreas Hofer, den Tell der Tyroler. 155

 


 

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